Claire Douglas - Missing. Niemand sagt die Wahrheit.

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 2 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von HoldenCaulfield.

  • Hat mich kalt erwischt....


    Claire Douglas - Missing. Niemand sagt die Wahrheit.


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    Sophie ist 21 Jahre alt, als sie eines Nachts aus einem Club verschwindet. Niemand weiss, ob sie vom morschen Pier ins Meer gestürzt ist, oder was genau geschehen ist. 18 Jahre später bekommt Francesca, die ehemals beste Freundin von Sophie, einen Anruf von Daniel, Sophies Bruder. Es wurde etwas an den Strand gespült, das mit dem Verschwinden von Sophie in Zusammenhang steht. Frankie reist sofort nach Oldcliff. In dem Küstenstädtchen hat sie früher gelebt und vieles erinnert an Sophie und deren Verschwinden.


    Schon durch die Thematik, eine 21 jährige, die spurlos verschwindet, wird von Beginn weg Spannung aufgebaut. Es hat mich absolut nicht kalt gelassen, dass ein Mädchen einfach so gestorben sein soll. Allerdings musste ich ein Auge zudrücken, denn der Fund war mir doch dann etwas zu weit hergeholt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Fuss in einem Turnschuh 18 Jahre im Meer " überlebt " haben soll…das ist doch bei all dem Getier und den Gezeiten schlichtweg nicht möglich? Und dann wird er auch noch in der Nähe angespült, in der Sophie vor 18 Jahren verschwunden ist?

    Die Verzweiflung des Bruders und das Leiden der besten Freundin nach all den Jahren ist realistisch beschrieben. Man spürt als Leser sehr gut, wie schwer es ist, nicht zu wissen, was mit dem geliebten Menschen geschah. Gleichzeitig wird ein dunkles Geheimnis angesprochen, das die Spannung noch mal erhöht hat und ich habe atemlos weiter gelesen.

    Die Autorin hat sich zu einer Erzählform entschlossen, die leider meinen Lesefluss gestört hat. In schneller Folge wechselt sie die Perspektive und die Zeitzone. Man liest aus der Sicht von Frankie in der Gegenwart. Und auch aus der Sicht von Sophie in der Vergangenheit. Dazu kommen komplexe Beziehungen mit Freunden und Familienmitgliedern, die ich als leicht verworren empfunden habe. Frankies Passagen wurden immer wieder mal so gehalten, dass sie direkt zu Sophie spricht, was berührend ist. Ein besonderes Highlight Punkto Spannung ist, als Frankie immer wieder denkt, Sophie zu sehen. Man fragt sich irgendwann nur noch, ob Sophie wirklich tot ist?

    Einige gruselige Passagen entsprechen der Genreeinteilung Thriller, wenn sie auch völlig frei von Blut, Gewalt und Mord sind. Da löscht zum Beispiel das Feuer, als hätte jemand mit dem Finger geschnippt …und das, weil Frankie an die tote Sophie denkt. Dann wieder ist die Atmosphäre in der Ferienwohnung von Frankie sehr stimmungsvoll und gruselig beschrieben.

    Stück für Stück setzt sich die Geschichte zusammen und man sieht als Leser immer klarer, wie alles zusammen hängen könnte. Gegen Schluss hebt sich durch eine überraschende Wendung die Story auf eine spezielle Ebene, die ich so nicht erwartet habe und die mich kalt erwischt hat.


    4ratten

    Einmal editiert, zuletzt von Igela ()

  • Frankie Howe und Sophie Collier waren beste Freundinnen - bis Sophie eines Nachts spurlos vom alten, extrem baufälligen Grand Pier verschwunden ist. Zurück blieb nur einer ihrer blauen Adidas-Turnschuhe.


    Knapp 20 Jahre später lebt Frankie in London, hat das Familiengeschäft übernommen und ist im Zuge dessen kurz davor, ein drittes Hotel zu eröffnen. Da erreicht sie ein überraschender Anruf: Daniel, Sophies älterer Bruder, teilt ihr mit, dass sterbliche Überreste seiner Schwester gefunden wurden. Er bittet Frankie, nach all den Jahren nach Oldcliffe zurückzukehren und ihm beizustehen. Daniel möchte endlich herausfinden, was in der Nacht Ende August 1997 geschehen ist und erhofft sich mit der Befragung verschiedenster Bewohner des englischen Küstenstädtchens neue Hinweise.


    Frankie sträubt sich gegen die Reise, tritt sie aber dennoch an, da sie sich nicht nur ihrer besten Freundin, sondern auch Daniel verpflichtet fühlt. Er war damals in sie verliebt und auch wenn nichts daraus wurde, so waren die beiden doch befreundet.


    Die Geschichte wird aus zwei Blickwinkeln erzählt: hautsächlich aus der von Frankie, der die alte Heimat und Begegnungen mit früheren Bekannten mehr als erwartet zusetzt, und der von Sophies Tagebucheinträgen aus den Wochen vor ihrem Verschwinden. Hinzu kommt, dass Frankie in der Gegenwart immer wieder Gespräche mit der toten Sophie führt, woraus ebenfalls Einblicke in den Sommer vor 18 Jahren resultieren.


    Während die Frage, was mit Sophie damals geschehen ist, im Fokus steht, hat man den Eindruck, dass Frankie zunehmend in eine Art Panikattacke schlittert - an verschiedenen Orten meint sie ihre beste Freundin zu sehen und dann kommen auch noch anonyme Briefe hinzu…


    War Sophies Tod wirklich nur ein unglücklicher Unfall? Oder ist die 21jährige womöglich sogar ermordet worden?


    Die Ausgangssituation ist nichts Neues - in Krimis oder Thrillern geht es häufiger mal um verschwundene Menschen, deren Schicksal geklärt werden muss. Was mir allerdings gut gefallen hat, war die Schilderung des psychischen Stresses bei Frankie, der die Konfrontation mit dem Städtchen, in dem sie aufgewachsen ist und in dem so gut wie jeder jeden kennt, zunehmend zusetzt…

    Spannend ist Claire Douglas’ Thriller durchaus, auch wenn ich mir an ein, zwei Stellen eine kleine Straffung gewünscht hätte. Aber die psychologische Komponente ist ziemlich gut, denn schon bald fragt sich nicht nur Frankie, wem sie eigentlich noch trauen kann. Als dann jedoch ein weiteres Puzzleteil in Sophies Geschichte damals hinzukommt, kann man ahnen, dass wirklich nicht alle mit offenen Karten spielen - und es stellt sich mehr und mehr die Frage, wer schlussendlich mehr zu verbergen hatte. Der ein oder die andere geübte Krimileser*in wird eventuell gewissen Vorahnungen entwickeln können, aber meiner Meinung nach hat sich die Autorin einen richtig guten Kniff ausgedacht, wenngleich sie zum Ende eine Spur zu dick aufgetragen hat - aber da soll sich jede/r ihr/sein eigenes Bild machen.


    4ratten

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Meine Meinung:


    Ich bin alles andere als überzeugt. Nicht unbedingt, weil ich die Auflösung schlecht fand. Im Gegenteil, die Idee dahinter fand ich eigentlich gut. Auch den erzählerischen Kniff fand ich gelungen. Aber irgendwie hat mich das Ganze trotzdem einfach nicht gepackt. Es war so gewollt auf eine falsche Fährte konzipiert, das ich gar nicht anders konnte, als zu hinterfragen, was hier vor sich geht. Es wirkte so gewollt vorhersehbar, das genau dieser Punkt dazu führte das ich umso misstrauischer war. Zudem fand ich das ganze Setting und die Figurenkonstellationen nicht so berauschend. Wirklich etwas Neues bietet Douglas nicht. Das wäre für mich persönlich jetzt nicht das Drama, immerhin habe ich schon so viele Krimis und Thriller gelesen. Ich erwarte nicht, das jemand das Rad neu erfindet. Mir hat wohl auch einfach der Stil nicht so gut gefallen. Zudem fehlte mir aber vor allem auch Spannung. Irgendwie kam für mich die Handlung immer wieder nicht so recht aus dem Quark. Vor allem Frances hat mich dann immer weniger überzeugt. Da gab es ein paar Wendungen in der Handlung die zu plötzlich kamen. Das fühlte sich für mich einfach nicht Rund an.

    Auch ich fand das Ende insgesamt betrachtet zu übertrieben, allerdings ist auch der Rest des Romans doch sehr auf dramatische Entwicklungen hin geschrieben. Insofern passte es dazu ganz gut.


    Ich persönlich habe durch die Lektüre vor allem wieder gemerkt, das ich meinem eigenen Bauchgefühl was Bücher angeht, wieder mehr vertrauen sollte. "Missing" klang zwar inhaltlich ganz gut, aber ich hatte schon das Gefühl das es vermutlich doch zu Mainstreamig für mich sein könnte. Das hat sich für mich persönlich jedenfalls bestätigt.


    Von mir gibt es eine mittelmäßige Bewertung, könnt ihr lesen, müsst ihr aber nicht ;)


    3ratten