Anthony Powell - Die Kunst des Soldaten/The Soldier's Art

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Es gibt 27 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

  • Es passt auch zu seiner kaltherzigen Überlegung, ob sich nun die Großeltern um die verwaiste kleine Caroline kümmern werden. Immerhin ist die Kleine seine Nichte. Ich hatte nicht den Eindruck, dass ihr Schicksal Jenkins irgendwie betroffen hätte.

    Den hatte ich auch nicht. Es ist ihm gar nicht in den Sinn gekommen, dass er da irgendeine Art moralischer Verpflichtung haben könnte. Man kann natürlich anführen, dass er zu dem Kind keine großartige Beziehung hat, weil er sie selten gesehen hat, aber trotzdem ...

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    E. L. Doctorow





  • Zitat

    Lass mich dir sagen, dass es nichts überrraschend Brillantes in deiner Arbeit - deinem Fleiß, deinen Fähigkeiten - gibt, das mich dazu veranlassen könnte, mich mit Nachdruck für gute Aufgaben für dich einzusetzen.

    Dieser Ausspruch von Widmerpool bringt es auf den Punkt. Nick ist auch in der Armee nur ein Mitläufer, der sich nicht vom Durchschnitt abhebt. Er will nur einen ruhigen Posten, keine Unannehmlichkeiten und fertig. Im Privatleben sieht es sicher nicht anders aus.


    Diese kurzen Ausblicke auf das weitere Leben bzw Sterben einiger Personen, etwas das Powell auch früher schon machte, wirkt auf mich stets distanzierend.


    Ob Widmerpools Versetzung nun doch nicht mehr zustande kommt, erfährt man leider nicht mehr. Auch Nicks weiterer Weg bleibt ungewiss.

  • Spielplatz für Offiziere, die sich gegenseitig gerne mit dem Schäufelchen auf den Kopf schlagen und bestimmen wollen, wer der tollste Chef im Sandkasten ist.

    Schön zusammengefasst :lachen:


    Ich war doch etwas überrascht, dass Widmerpool am Ende Ärger hat - er wirkte ja ziemlich obenauf während des ganzen Buches. Schade, dass wir nicht erfahren haben, wie das Ganze letztendlich für ihn ausgeht.


    Dass er sich keinen Deut um Jenkins' Zukunft schert, fand ich nicht sehr nett von ihm, auch wenn der sich nicht durch Glanzleistungen hervorgetan hat. Ich hätte doch gedacht, dass er um der alten Zeiten willen zumindest ein ganz klein bisschen Interesse daran hat, was aus ihm wird. Er hätte ihn ja nicht gleich für einen Offiziersposten empfehlen müssen. Aber Widmerpool interessiert sich offenbar wirklich nur für einen einzigen Menschen, und der heißt Widmerpool.


    Was mich irgendwie berührt hat und mir leid tat, war Stringhams Fatalismus. Er ergibt sich in sein Schicksal, tut, was man ihm aufträgt, geht, wohin man ihn schickt und erwartet überhaupt nichts mehr vom Leben. Vielleicht wäre er nicht mal böse darum, in Fernost getötet zu werden. (Wahrscheinlich ist er am Ende der, der überlebt.)

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    E. L. Doctorow





  • Was mich irgendwie berührt hat und mir leid tat, war Stringhams Fatalismus. Er ergibt sich in sein Schicksal, tut, was man ihm aufträgt, geht, wohin man ihn schickt und erwartet überhaupt nichts mehr vom Leben. Vielleicht wäre er nicht mal böse darum, in Fernost getötet zu werden. (Wahrscheinlich ist er am Ende der, der überlebt.)

    Mir kam das eigentlich nicht wie Fatalismus vor. Ich hatte eher den Eindruck, dass Stringham so dermaßen mit sich selbst beschäftigt ist, dass ihm der Rest (also seine Umgebung, seine Arbeit, etc.) relativ egal ist. Er wirkte auf mich wie jemand, der sich selbst sucht, wissen möchte, wer er ist, warum sein Leben verlaufen ist, wie es ist, was sein Ziel im Leben sein wird. Tuffy hat ihn vom Alkohol weggebracht - Stringham versucht nun, herauszufinden, wie er sein Leben aufs Neue füllen kann und zwar so, dass es diesmal Substanz hat. Er erzählt doch Jenkins, dass er mit Nachdenken beschäftigt ist und ihm das Bodenschrubben so liegt, weil er eben dabei viel Zeit zum Nachdenken hat.

  • Interessant, wie unterschiedlich wir das deuten!


    Ich hoffe, wir finden noch irgendwann raus, wer von uns beiden näher dran war.

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  • Ich hatte bei Stringham auch eher den Eindruck, dass er seine Zeit damit verbringt über sich und sein Leben nachzudenken. Eine Stelle unterstreicht das sehr deutlich:

    Zitat

    Weißt du, ich hab in der letzten Zeit viel über mich nachgedacht, während ich die Fußböden geschrubbt hab und so was - Tätigkeiten, die ich aus irgendeinem Grund oft ziemlich erfreulich finde - und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich ein Narziss bin, total verliebt in mich selbst. Das ist der Grund, warum meine Ehe schief gelaufen ist.

    Das betont er in einem weiteren Gespräch mit Nick noch einmal. Die Armee sorgt für Lohn und Brot und er hat endlich einmal Zeit ohne belehrenden Zeigefinger (ich sage nur Tuffy) eigenständig über alles nachzudenken. Wahrscheinlich das erste Mal in seinem Leben, dass er das ernsthaft macht.

  • In Bezug auf Stringham denke ich auch, dass er sich nicht selbst aufgibt, sondern seine Persönlichkeit auf andere Weise auslebt. Früher hat er - als Narziss, wie du, yanni, oben zitierst - sein Leben in den Dienst der Genussbefriedigung gestellt und sich durch diese Genüsse treiben lassen, auch ohne darauf zu achten, welche Konsequenzen so ein exzessives Leben für ihn hat. Nun hat er anscheinend seine Lüsternheiten im Griff, aber treiben lässt er sich dennoch, er ergreift nicht selbst Initiative, sondern verarbeitet das, was das Leben ihm an Überraschungen bietet. Vielleicht bieten ihm diese Unwägbarkeiten jetzt den Kitzel, die er sich früher durch das Über-die- Stränge-Schlagen (? bei Nominalisierungen mehrteiliger Begriffe bin ich immer unsicher), geholt hat.

  • Das mag natürlich auch sein. Interessanter Denkansatz.

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