Henning Mankell - Der Sprengmeister

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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  • Henning Mankell - Der Sprengmeister


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    Gebundene Ausgabe: 192 Seiten

    Verlag: Paul Zsolnay Verlag (23. Juli 2018)

    ISBN-13: 978-3552059016

    Originaltitel: Bergsprängaren

    Preis: 21,00 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Mankells Debütroman


    Henning Mankells erster veröffentlichter Roman erschien in Schweden bereits 1973. Warum es so lange gedauert hat, bis er nach Deutschland kam, ist mir ein Rätsel.


    Mankell erzählt darin das Leben des Oskar Johansson, 1888 -1969. Als junger Mann wird er bei einem Arbeitsunfall, bei einer Tunnelsprengung, aufs Schwerste verletzt. Kein Mensch hätte es für möglich gehalten, dass er den Unfall überleben könnte. Doch Oskar ist zäh. Er macht das Beste daraus und arbeitet sogar sein ganzes weiteres Berufsleben weiter als Sprengmeister. Elvira, die Frau an seiner Seite sorgt dafür, dass er sich nicht gehenlässt. Nach deren Tod kauft sich Oskar ein altes Saunahäuschen am Rand des Schärengartens, wo er die Sommer verbringt. Hier besucht ihn der namenlose Ich-Erzähler immer wieder und versucht, mehr über Oskar zu erfahren. Fragmentartig trägt er nach und nach einzelne Episoden aus Oskars Leben zusammen, nicht chronologisch, sondern so, wie Oskar zum Erzählen bereit ist bzw. sich erinnern kann. Manchmal habe ich dieses Sprunghafte als etwas verwirrend empfunden.


    So entsteht schließlich ein mehr oder weniger komplettes Bild eines ganzen Arbeiterlebens und nebenbei auch ein Bild der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, da Oskar und Elvira auch politisch aktiv sind.


    Trotz der relativ geringen Seitenzahl erreicht die Erzählung eine enorme Tiefe. Sicher ist es dabei auch nicht verkehrt, ein wenig zwischen den Zeilen zu lesen.


    Sprachlich entwickelt sich der Roman ganz unterschiedlich. Teilweise sind es nur kurze Sätze, die dadurch umso eindringlicher wirken. Teilweise wird es richtig poetisch.


    Und wie all die anderen Arbeitslosen bewegen sie sich langsam aus den dreißiger Jahren hinaus und in einen Krieg hinein, der fast sechs Jahre dauern wird. An diesem Abend im Jahr 1936 ist Oskar achtundvierzig, und er geht an Elviras Seite, den Blick auf den Bürgersteig gerichtet. (S. 116)


    Für Liebhaber der etwas anderen Literatur sehr zu empfehlen.


    ★★★★☆

    Liebe Grüße, Lilli

  • Auch in diesem ersten Mankell-Roman erkennt man, obwohl von der Struktur und dem Aufbau her völlig anders als seine späteren Romane, das enorme erzählerische Talent des Autors. Der Schwerpunkt liegt einerseits in den Erinnerungen eines individuellen Arbeiterlebens in Schweden und damit einhergehend einer Zusammenfassung der Geschichte, insbesondere mit Blick auf Gewerkschaften, Arbeitserbewegung und sozialen Veränderungen im letzten Jahrhundert. Es wird nichts beschönigt, aber auch nichts überdramatisiert, Oskar erzählt wie es sich eben zugetragen hat, seine Gefühle dazu muß man eher zwischen den Zeilen lesen.

    Meist blieb ihm auch nichts anderes übrig, er mußte die Dinge nehmen wie sie eben kamen und dann weitermachen. Aber er überdachte doch auch immer aufmerksam und bisweilen kritisch was geschah und hinterfragte seine eigene Einstellung dazu, hinterfragte immer wieder ob die Ideale von gestern auch noch seine Überzeugungen von heute sind und fragte sich was aus all den Versprechungen geworden ist denen er einmal geglaubt hat.


    Gelungen fand ich auch den Wechsel zwischen den Recherchen des "Ich"-Erzählers und den direkten Erinnerungen von Oskar, dadurch entsteht trotz der Kürze des Romans ein rundes stimmungsvolles Gesamtbild.


    Absolut empfehlenswert! (vor allem auch für Leser die sich für Skandinavien interessieren)


    4ratten

    “There is a crack in everything, that’s how the light gets in.” (Leonard Cohen)