Brigitte Hamann - Elisabeth, Kaiserin wider Willen

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Ist es auch. Es räumt einfach gewaltig mit dem Mannerschnitten-rosa Zuckerlgußimage auf, welches Franz Antel Sisi mit seinen Filmen verpasst hat. Ich bin neugierig, ob Hamann die Tätowierung, einen Seemansanker, erwähnt, die sie angeblich hatte.


  • Dass Sisi nicht annähernd so war wie in den Filmen war mir schon klar. In Österreich sind aber Generationen mit diesem Bild aufgewachsen dass die Filme übermitteln :smile:


    Dass du das weißt, war mir klar :zwinker: Ich wollte es einfach nur noch einmal extra betonen, dass Hamann eben nicht Antels Sissi-Bild in Buchform präsentiert.


    Ich bin ja auch mit den Sisi-Filmen aufgewachsen. In meiner Kindheit hat der ORF mindestens einmal jährlich die Filme gespielt. Ich habe jetzt noch Romys schmachtendes "Fraanzl!" im Ohr. :breitgrins: Aber der Wien-Tourismus hat den Filmen sicherlich einiges zu verdanken.

  • Der Wien Tourismus profitiert voll davon.


    Ich schau die filme heute noch gern :breitgrins: mein Mann flüchtet dann immer in ein anderes Zimmer.
    Die Biographie von Bertha von Suttner hab ich von Hamann gelesen. Von ihrer Sisi Darstellung erwarte ich mir ein ähnlich gutes Buch.

  • Ich denke mir beim Lesen schon die ganze Zeit, dass ich mir unbedingt wieder die Filme ansehen muss. Mein Favorit ist und bleibt Josef Meinrad als Oberst Böckl.


    Hast du jemals das Musical Elisabeth im Raimund-Theater gesehen? Als Teenager war ich ein großer Fan und habe meine Hörspielkassette rauf und runter gespielt. Meine Schwester hat mir dann zu Weihnachten eine Karte geschenkt. Heute ist mir das Musical viel zu schwülstig und überladen, aber mein Musikgeschmack hat sich seither auch massiv verändert. Immerhin habe ich eine Aufführung mit der Premierenbesetzung gesehen, es also schon wirklich sehr lange her :elch:

  • Ich musste auch zweimal hinschauen, bevor ich Viktor Gernot erkannt habe, aber er ist es. :zwinker:


    Zum Tod: Uwe Kröger hat Anfang der Neunziger als Tod mit seinem wallenden Blondhaar sicher so manches Mädchen-/Frauenherz höher schlagen lassen. :breitgrins:

  • Ich habe das Musical Elisabeth sowohl in Wien 2003 im Theater an der Wien mit Mate Kameras und Maya Haakvoort als auch
    im Colosseum Theater Essen mit Uwe Kröger und Pia Douwes gesehen.


    Zwar nicht von Brigitte Hamann, aber sehr interessant sind auch die Aufzeichnungen Ich bereue nichts von Luigi Lucheni selbst, des Mörders der Kaiserin Elisabeth, erschienen 1998 im Paul Zsolnay Verlag.


    Lieben Gruss, Martina


  • Zwar nicht von Brigitte Hamann, aber sehr interessant sind auch die Aufzeichnungen Ich bereue nichts von Luigi Lucheni selbst, des Mörders der Kaiserin Elisabeth, erschienen 1998 im Paul Zsolnay Verlag.


    Wie passend, es ist genau hundert Jahre nach dem Attentat erschienen.

  • Wie passend, es ist genau hundert Jahre nach dem Attentat erschienen.


    Oh, das war mir noch gar nicht aufgefallen. :redface:


    Eine lohnenswerte Anschaffung ist sicherlich auch Tagebuchblätter: Erinnerungen des Hauslehrers der Kaiserin Elisabeth von Constantin Christomanos. Fehlt mir noch in meiner Sammlung. :winken:

  • Brigitte Hamanns Biographie über "Elisabeth" ist wirklich fesselnd und lebendig geschrieben. Hatte ich am Anfang noch überwiegend Mitleid mit Sisi, änderte sich dieses Gefühl ab der Mitte irgendwann in Verständnislosigkeit und Ungeduld mit dieser durch und durch narzistischen, neurotischen Persönlichkeit.


    Irgendwann in den sechzigern entdeckte Sisi ihre Schönheit und ihre Macht über ihren schwachen Gatten Franz Josef. Mit neu erwecktem Selbstbewusstsein entschied sie sich, nur noch Privatperson und sonst nichts zu sein. Sie verweigerte sich allem: ihrer Rolle als Kaiserin, ihrer Rolle als Ehefrau, aber vor allem auch ihrer Rolle als Mutter. Besonders durch das Versagen in letzterem Bereich, im Versagen ihrer Mutterrolle, verliert sie in meinen Augen das von ihr so gewünschte Verständnis der Nachwelt. Wobei ihre Schuld nicht in der Nichtwahrnehmung ihrer Mutterpflichten gegenüber ihren älteren Kindern Gisela und Rudolf liegt - sie konnte und wollte nicht als deren Mutter agieren - sondern darin, dass sie dafür nicht bereit war, die Verantwortung zu übernehmen. In ihren Augen lag es an der fehlenden Bindung zwischen ihr und ihren Kindern einzig und allein an ihrer Schwiegermutter Sophie und nicht an ihrem eigenen Benehmen:


    Zitat

    "Meine ... Kinder hat man mir sofort weggenommen. Es war mir nur dann erlaubt, die Kinder zu sehen, wenn Erzherzogin Sophie die Erlaubnis dazu gab. Sie war immer anwesend, wenn ich die Kinder besuchte. Endlich gab ich den Kampf auf..."


    Brigitte Hamann - Elisabeth, Kaiserin wider Willen; Kapitel 3, Seite 102


    Dass ihr eigenes mangelndes Interesse ebenso Mitschuld an der Kluft zwischen ihr und ihren Kindern war, das bemerkt sie nicht. Nur eine einzige Tochter liegt ihr am Herzen, ihre "Einzige", ihr "Geschenk" an die Ungarn, von der sie in der Schwangerschaft hoffte, sie möge ein Sohn und damit künftiger Herrscher über das von ihr verehrte Volk werden. Marie Valerie wiederum ertränkte sie in ihrer Liebe und ließ ihr damit wieder fast keine Luft zum Atmen.


    Im Laufe der Jahre wird Elisabeth immer verschrobener. Hungerkuren, Schönheitskult, Bewegungssucht und die Flucht in die Einsamkeit bestimmen immer mehr ihr Leben. Sie dichtet verschrobene, schwülstige Gedichte und sieht sich damit in Heines direkter Nachfolge, ja ist überzeugt, dass ihr der Meister selbst die Zeilen diktiert. Diese handeln über ihren Freiheitsdrang und über ihre sehr bissige Abrechnung mit dem Haus Habsburg sowie der K.u.K. Monarchie. Sie schrieb außerdem viele Gedichte an die "Zukunftsseelen", von denen sie sich wie schon erwähnt Verständnis und Absolution erhoffte. Ihr Werk vermachte sie der Republik Schweiz, mit der Auflage einen von ihr zusammengestellten Gedichtband 60 Jahre nach ihrem Ableben zu veröffentlichen. Der Erlös sollte "für hilflose Kinder der politisch Verurteilten der österreichisch-ungarischen Monarchie" zugute kommen. Erst 1984 wurde "Das poetische Tagebuch" durch die Österreichische Akademie der Wissenschaften mit wenig Erfolg verlegt.


    Hier der Link zu einer späteren von Brigitte Hamann kommentierten Ausgabe

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    Am Ende der Biografie hat man das Gefühl, dass ihr Attentäter sie weniger ermordet, denn erlöst hat.


    Fazit: Wer ein ausführliches, facettenreiches Bild dieser faszinierenden, hochkomplexen Frau erhalten will, sollte Hamanns Buch lesen. Weit von Effekthascherei entfernt, versucht diese Biografie anhand von fundierter Recherche eine möglichst genaue Beschreibung der Persönlichkeit hinter der Maske zu bieten