Jessica Fellowes - Die Schwestern von Mitford Manor. Unter Verdacht

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von HoldenCaulfield.

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    "Die Schwestern von Mitford" von Jessica Fellowes, hier mit dem Untertitel von Bd. 1 "Unter Verdacht" ist der Auftakt zu einer Romanserie von 6 Bänden, in dem sich jeder Roman einer der Mitford-Schwestern widmet. Im vorliegenden Début ist es Nancy Mitford, die älteste der Schwestern.


    Schon im Prolog begibt man sich in eine andere Zeit, die der 20er Jahre in London, in der ein Mord in einer (Dampf)eisenbahnlinie geschieht: Die Krankenschwester Florence Nightingale Shore wird brutal während der Zugfahrt ermordet; real ist dieser authentische Mordfall bis heute nicht aufgeklärt worden; im Roman jedoch sind die Hauptprotagonisten Louisa Cannon, Nancy Mitford und Guy Sullivan, seines Zeichens Bahnpolizist, dem Mörder auf der Spur....


    Zum Inhalt:


    Louisa Cannon, die in ärmlichen Verhältnissen aufwächst, erfährt von einer Freundin, dass die glamouröse Familie Mitford ein neues Kindermädchen sucht - und ergreift mutig ihre Chance, sich ein Leben in stabileren und besseren Verhältnissen aufbauen zu können. Sie bekommt die Stelle und freundet sich mit Nancy, der 17jährigen Tochter, an und wird deren Vertraute. Als die jungen Frauen von dem brutalen Mord erfahren, der einer Freundin der Familie zum Verhängnis wurde, sind sie nicht davon abzubringen, den Mörder zu finden. Hilfe finden sie hierbei von Guy Sullivan, einem Bahnpolizisten, der durch Zufall Louisa dabei hilft, die ersehnte Arbeitsstelle auf Mitford Manor zu bekommen - und sich dabei in sie verliebt...
    Wer war der Mann im braunen Mantel, der zu Florence Shore in das Abteil stieg? Werden sie den Mörder finden, auch wenn es Guy von seinem Vorgesetzten Jarvis untersagt ist, im Fall Shore weiterzuermitteln, obgleich er abgeschlossen ist?


    Meine Meinung:



    Bereits von der ersten Seite an fand ich Zugang zu dieser recht spannenden und historischen Geschichte, deren Protagonisten real existieren und die den Leser ins London der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts entführen: Die gesellschaftlichen Gegensätze zwischen reich und arm werden sehr durch die Figur der Louisa deutlich: Ihr gelingt es durch Intelligenz und auch Fleiß, in der Upper Class Fuß zu fassen und Nanny von 6 Mädchen zu werden, besonders Nancy, die sehr schlagfertig ist und gute Geschichten und Abenteuer liebt sowie auf der Schwelle zum Erwachsenwerden steht, sehr zugetan ist. Gemeinsam mit Guy gelingt es den beiden jungen Frauen, dem Mörder eine Falle zu stellen und im showdown, das bei der Party für Nancy stattfindet, diesen zu enttarnen....


    Der Autorin, die eine Nichte von Julian Fellowes ist und die Begleitbücher zu "Downton Abbey" schrieb, gelingt es von Beginn an, den Leser in die Welt der 20er Jahre zu katapultieren: Der Roman ist in 3 Teile gegliedert und hat 79 recht kurze Kapitel, die den Spannungsbogen steigern, da die Erzählperspektiven wechseln. Der Schreibstil ist flüssig und sehr gut zu lesen sowie absolut unterhaltsam. Auch die Spannung kommt m.E. nicht zu kurz; über Louisa, die eine große Sympathieträgerin ist, kann man zuweilen schmunzeln, sich mit ihr vor ihrem üblen Onkel Stephen fürchten - und respektvoll ihre ermittlungstechnischen Fähigkeiten bestaunen! Auch Guy Sullivan ist ein sehr netter, wenn auch kurzsichtiger junger Polizist, der über ungeheure Ausdauer, Kombinationsgabe und Willensstärke verfügt - was ihm letztendlich nicht zum Nachteil gereicht. Das Zeitkolorit spielt ebenfalls sehr authentisch mit Rückblicken in den gerade erst beendeten 1. Weltkrieg durch die Briefe von Florence Shore eine wichtige Rolle, da das Leben von den Auswirkungen dieses schrecklichen Krieges - überall in Europa - geprägt war. Was für die Zeit zwischen den Weltkriegen mit den technischen Entwicklungen, dem Aufatmen und der Lebenslust der Menschen, die sich in neuer Musik und Tänzen z.B. widerspiegelt, sehr gut von der Autorin dargestellt und bildhaft gemacht wird. Andererseits sind die gesellschaftlichen Prägungen sehr eindrucksvoll geschildert und die starken Grenzen zwischen "oben und unten" sowie auch die Stellung der Frau, die sich in diesen Zeiten wandelte...



    Fazit:


    Eine sehr unterhaltsame und auch spannende Reise in die Vergangenheit des Englands der 20er Jahre in eine glamouröse Familie, in deren Auftakt der Serie die älteste Tochter Nancy Mitford eine der Hauptrollen einnimmt. Eine wirklich gelungene Mixtur aus Gesellschaftsstudie, historischem Roman und Krimi, der mir sehr gut gefallen hat, mich hier und da (ich sage mal nur "Mrs. Stobie" )auch an Downton Abbey erinnerte und den ich sehr gerne weiterempfehlen möchte! 4,5 *


    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

    Einmal editiert, zuletzt von Sagota ()

  • 1920. Louisa will ihrem kleinkriminellen Onkel entkommen und ergattert einen Job als Kindermädchen auf Mitford Manor. Dort ist es ihre Aufgabe auf die sechs quirligen Mitford-Schwestern aufzupassen. Doch am Tag ihrer Anreise wird im Zug Florence Nightingale Shore ermordert. Nancy, Louisa und auch dem Railway Police-Officer Guy lässt dieser unaufgeklärte Mordfall nicht los, so dass sie sich auf eigene Faust an die Ermittlungen begeben...


    Der Roman ist für mich eher ein Gesellschaftsroman, dennoch baut sich der ganze Spannungs- und Handlungsbogen als Kriminalroman auf. Und genau dort versagt das Buch für mich enorm. Denn in den ersten 3/4 des Romans dümpelt die Ermittlungsarbeit nur vor sich her und wie sich am Ende herausstellt, waren es nur Kleinigkeiten, warum sie nicht voran gekommen sind, wo ich mir als Leserin schon dachte: Wieso wird da nicht genauer nachgefragt? So kommt auf den letzten 20 Seiten noch eine Überraschung, mit der ich auch erst im letzten Achtel gerechnet habe. Alle anderen Entwicklungen waren ziemlich schnell vorhersehbar. Das fände ich gar nicht weiter schlimm, wenn sich die Ermittlungen nicht so zäh wie Lebertran am Anfang entwickelt hätten. Wenn in dieser Zeit immerhin persönliche Entwicklungen der Schwestern - allen voran natürlich von Nancy, die in diesem Roman neben Louisa den größten Stellenwert einnimmt - voran getrieben wären, dann wäre ich auch zufrieden gewesen. Aber nein, gefühlt passiert nichts.


    Die Figuren blieben für mein Empfinden ähnlich blass und ohne Entwicklung. Sie kamen mir alle ein wenig trantütig und naiv daher - selbst der Policeofficer Guy. Auch die Liebes- und Freundschaftsbeziehungen untereinander zogen sich wie Kaugummi. Alles passierte im Endeffekt in den letzten 50 bis 100 Seiten, so dass mir das Tempo dort ein wenig zu schnell war.


    Der Schreibstil war hingegen schön. Die Autorin beschwor ein passendes Setting hervor, das mit stark mit dem Inhalt harmonierte. Es hätten schöne Schmökerstunden werden können, wenn der Spannungsbogen besser gebaut gewesen wäre und die Handlung vielleicht noch etwas gestrafft worden wäre.


    Aber immerhin habe ich so Einblicke in das Leben der Mitford-Schwestern erhalten, auch wenn die schillernde Familie, von der man so liest, (noch?) nicht durchscheint. Aber vielleicht kommt das mit den anderen geplanten Romanen noch?

  • Meine Meinung deckt sich im Grunde mit der von Avila. Gefühlte alle zweite Seiten bespricht sich die Hauptfigur mit dem eigentlich ganz sympathischen Banhofpolizisten Guy. Dumm nur das dabei jedes Mal im Grunde nichts herauskommt. Irgendwie ist das Problem hier auch, das die Autorin recht authentisch bleiben möchte. Leider sorgt das aber dafür, das Jessica im Grunde kaum Möglichkeiten hat wirklich auf eigene Faust zu ermitteln. Das mag zwar realistisch sein, ist aber echt dröge zu lesen. Selbst Jessicas Hintergrundgeschichte schlägt irgendwie in gepflegte Langeweile um. Es entsteht einfach keine richtige Erzähldynamik.


    Dabei sind die Rahmenbedingungen eigentlich interessant. Nur hat sich die Autorin einen Zeitraum im Leben der Mitfordschwestern herausgepickt, der leider auch eher lahm daherkommt. Denn alle sind noch Kinder, die interessanten Biografien der Schwestern sind noch weit weg, einzig Nancy ist schon ein Teenager. Die Lösung des Mordfalles für sich war dann schon interessant. Vor allem hat sie in die Handlung gut gepasst. Nur, so recht zusammengepasst hat das alles nicht. Ich hatte immer wieder das Gefühl, das hier kein harmonisches Bild entsteht. Stattdessen gepflegte Langeweile. Die interessanten Verwicklungen passieren dann auf wenigen Seiten und so kam für mich einfach keine Spannung auf. Das ist echt schade, weil ich einerseits die Mitfordschwestern richtig interessant finde und auch die Grundidee um sie herum eine Krimiserie zu schreiben gut ist. Für mich hat das leider nicht so recht funktioniert.


    Edit: Ich hab meine Bewertung jetzt nach unten korrigiert, weil ich den Roman im Rückblick noch schlechter im Kopf habe.


    2ratten

  • Valentine

    Hat den Titel des Themas von „Jessica Fellowes - Die Schwestern von Mitford Manor (UT: Unter Verdacht) Bd. 1“ zu „Jessica Fellowes - Die Schwestern von Mitford Manor. Unter Verdacht“ geändert.
  • Ich habe das (gekürzte) Hörbuch gehört und nur mit Mühe bis zum Ende durchgehalten.

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    Ich hatte von der Inhaltsbeschreibung her etwas anderes erwartet. Die Geschichte hätte mit jeder anderen, auch einer völlig fiktiven englischen Adelsfamilie Familie genauso funktioniert. Ich fand den ganzen Aufbau mit Kindermädchen Louisa, Nancy Mitford, Polizist Guy Sullivan etc. eher total konstruiert und an den Haaren herbeigezogen.

    Der Name Mitford sollte hier wohl als Zugpferd dienen, aber die Schwestern spielen ja nicht wirklich eine entscheidende Rolle, sondern die Familie ist halt Kulisse. Nancy hat eine Nebenrolle, die anderen Schwestern sind noch kleine Kinder und außer Namedropping passiert diesbezüglich gar nichts.


    Keine Ahnung, ob durch die Kürzungen ein paar entscheidende Details untergegangen sind, aber die Story konnte mich absolut nicht überzeugen. Da war so viel zusammengefriemelt...


    Dieser Onkel, der

    Die ganze Geschichte um den Mordfall war auch sehr hingezogen und für mich leider über-konstruiert. Selber mitraten fiel mir da schwer und die Auflösung am Ende kam dann doch recht aprupt und dann noch der "Erklärbär-Modus" am Ende... wenn das nötig ist, ist es für mich immer ein Zeichen, dass die Auflösung an sich nicht selbsterklärend ist und somit für mich als Leserin/Hörerin irgendwie unbefriedigend.


    1ratten

    LG, Dani


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  • Selber mitraten fiel mir da schwer und die Auflösung am Ende kam dann doch recht aprupt und dann noch der "Erklärbär-Modus" am Ende... wenn das nötig ist, ist es für mich immer ein Zeichen, dass die Auflösung an sich nicht selbsterklärend ist und somit für mich als Leserin/Hörerin irgendwie unbefriedigend.

    Es gibt einen sehr positiven Hype um diese Bücher und ich hatte sie auch auf meiner Wunschliste.

    Deine Bewertung sagt mir aber jetzt, dass ich mich lieber nicht mit so "halbgaren" Krimis herum ärgern sollte. Da greife ich dann doch besser zu einem anderen Buch.

    Vielen Dank für diese klaren Worte.

  • Ich kann das (Hör)Buch leider wirklich nicht empfehlen. Den Teil mit den falschen Erwartungen an die Mitford-Schwestern hätte ich noch verschmerzen können, wenn denn die eigentliche Krimi-Handlung spannend gewesen wäre. Aber keins von beidem... das war dann zu viel Enttäuschung.

    LG, Dani


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  • Das kann ich soooo gut verstehen. Rückblickend würde ich auch nochmal eine Ratte abziehen. Ich gebe 2 Ratten wenn ich das Buch nicht abbreche und bis zum Ende durchhalte *gg*

  • Ich kann das (Hör)Buch leider wirklich nicht empfehlen. Den Teil mit den falschen Erwartungen an die Mitford-Schwestern hätte ich noch verschmerzen können, wenn denn die eigentliche Krimi-Handlung spannend gewesen wäre. Aber keins von beidem... das war dann zu viel Enttäuschung.

    Ja den Teil mit den Schwestern hätte ich wahrscheinlich auch verschmerzen können, aber ein Krimi, der sich am Ende nicht durch die gefundenen Indizien und Hinweise von selbst schlüssig auflöst....

    Nein danke, dass ist für mich kein Krimi der mich fesseln kann.

    Dein Hinweis, dass es am Ende noch Erklärungen gab für die Auflösungen war eine gute Warnung. :thumbup:

  • Annette B.

    Ich fand auch, das es einfach langweilig war. Die Handlung kommt nicht groß voran und dadurch kann sich die Spannung gar nicht erst aufbauen. Die Auflösung ist dann so konstruiert, das passt zur restlichen Langeweile :lachen: