Was in der DDR gelesen wurde - Ein Lesetagebuch

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 351 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Anne.

  • Moin, ihr Lieben,


    der Thementitel hört sich vielleicht hochtrabend an, da ich damals eher eine, wie sagen wir heute, Mainstream-Leserin war. Ich habe die üblichen Verdächtigen gelesen. Aber irgendwie beschreibt er am besten das, was ich hier vorhabe.


    In den letzten Monaten schon habe ich gemerkt, dass mir das Rezischreiben und der Austausch über die Bücher, die ich lese, immer weiter abhandengekommen sind. Die Luft war vielleicht raus, vielleicht mochte ich einfach nicht mehr - ich weiß es nicht.


    Dann bin ich bei Facebook über einen Beitrag von Peter Sodann gestolpert, beziehungsweise von seiner riesigen Bibliothek, die er aufgebaut hat. Und obwohl ich davon schon vor Jahren gehört und gelesen habe, ist jetzt irgendwie ein Knoten geplatzt. Wie schon geschrieben, habe ich einen neuen Blog aufgemacht und kaufe jetzt zu 99 % nur noch Bücher, die in der DDR aufgelegt wurden. Dazu gehören nicht nur DDR-Autoren, sondern auch die aus den "sozialistischen Bruderländern", aber auch Klassiker aus allen Landen.


    Da ich ja nun erst ganz frisch damit angefangen habe, bin ich selbst gespannt, wohin es mich bringt. Auf jeden Fall möchte ich meine Reiseunlust überwinden und mal nach Dresden fahren, mir die Bibliothek von Peter Sodann anschauen. Auf jeden Fall werde ich, so sie denn genehmigt wird, der geplanten Genossenschaft beitreten.


    Damit auch mir dieses Thema richtig Spaß macht, werde ich hier keine Rezis posten, sondern ein Lesetagebuch schreiben, wie ich es jahrelang gemacht habe und es mir richtig Spaß gemacht hat. Das bedeutet, dass ich sehr viel Inhalt preisgeben werde. Aber ich gehe nicht davon aus, dass ihr euch nun auf DDR-Literatur stürzen werdet.


    Ich freue mich, wenn ich ein wenig Interesse bei euch erwecken könnte.

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Interessante Idee, ich bin mal gespannt! Gebe aber auch freimütig zu, das ich schon hoffe das Du manches auch rückblickend einordnest, etwa auch was die Frage betrifft, welche Bücher in der DDR aufgelegt werden durften und nicht in zu starke Ostalgie verfällst.

    Gespannt bin ich grade auf die Literatur die in den sogenannten Brüderländern aufgelegt wurde.

  • Keine Bange, ich verfalle nicht in Ostalgie. Aber ich muss gestehen, dass ich halt gerade die Autoren, die nicht oder nur unter größten Schwierigkeiten verlegt wurden, damals gar nicht gekannt und gelesen habe. Ich muss mich da also auch erst so nach und nach schlau machen.


    Ein Beispiel weiß ich: Spur der Steine von Erik Neutsch. Da wurde die Verfilmung sehr schnell zurückgezogen. Das Buch war mit einer Auflage von 500.000 Exemplaren allerdings ein DDR-Bestseller. Obwohl das eines der Bücher von Neutsch war, welches den alltäglichen Sozialismus mit all seinen Problemen aufzeigte, die man eigentlich nicht so öffentlich machen wollte.

    Das zeigt aber auch, wie schizophren es damals zuging.

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Anne Ja, das stimmt. Ich könnte mir gut vorstellen, das es auch stark auf die jeweilige Person ankam, welche Begutachtet hat, ob und wann ein Buch oder Film veröffentlicht werden darf. Das hat ja auch nicht nur mit dem Inhalt zu tun, sondern auch mit der Person die es geschrieben hat oder die den Film drehen möchte.


    Ich hatte mal ein Seminar in dem wir Romane als historische Quelle analysiert haben. Da haben wir z.B Jurek Becker Jakob der Lügner gelesen und herausgearbeitet, wie stark das Buch für Propagandazwecke geschrieben war. (Der kommunistische Widerstand in Buchenwald ist ein wichtiger Gründungsmythos der DDR gewesen).


    Ich persönlich liebe vor allem Uwe Johnson, auch wenn er in den 50er Jahren dann nach Westdeutschland ging, haben seine Romane hauptsächlich mit der DDR zu und und seine Figuren leben Zeitweise auch in ihr oder haben sie wie er, verlassen. Und Christa Wolf. Aber das sind ja eben die Namen die es in die BRD rüber geschafft haben, einmal weil Johnson eh schon in der BRD lebte und bei Christa Wolf sicher auch wegen der Ambivalenz die man in ihrem Werk finden kann.

  • Und genau das sind die Autoren, die ich bis heute nur vom Namen her kenne. Ich möchte auch dazusagen, dass ich nichts in der Hinsicht studiert oder in Seminaren gelernt habe. Für richtig tiefgreifende Diskussionen fehlt mir schlicht und einfach das Wissen.

    Auch möchte ich die Bücher, die ich hier vorstelle, nicht unbedingt bewerten. Ich möchte sie nur etwas in den Blick hervorholen. Aber ich werde versuchen, zu jedem Buch so viele Infos wie möglich zu finden und mitzuteilen.

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Wie schön, dass du das mit uns teilen willst, liebe Anne! Ich bin sehr gespannt auf dein Projekt und werde den Thread hier sicher im Auge behalten.

  • Danke für euer Interesse. Ich bin da mal ganz ehrlich: Ich hatte ja mal erwähnt, dass ich in mehreren Foren angemeldet bin. Und so möchte ich auch versuchen, das Thema weit zu streuen. Wer sich also noch woanders rumtummelt, wird sicher in anderen Foren auch drüber stolpern.


    Natürlich freue ich mich, wenn auch ein Austausch stattfindet, aber bei diesen Büchern kommt es mir wirklich auf die Sichtbarkeit an. Ich hoffe, ihr versteht das und nehmt es nicht krumm.

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Da ich hier ja Erik Neutsch schon angesprochen habe, stelle ich ihn euch auch ein wenig vor. Ich möchte ja nicht nur die Bücher vorstellen, sondern auch die Autoren. Und so werde ich auch wieder kleine Biografien schreiben:


    Erik Neutsch wurde am 21. Juni 1931 in Schönebeck, Kreis Calbe a./S., preußische Provinz Sachsen, geboren.

    Er stammte aus einer Arbeiterfamilie. Nachdem er die Oberschule besuchte und das Abitur bestand, trat er 1949 der SED und der FDJ bei. Anfang der 50er-Jahre studierte er Gesellschaftswissenschaften und Journalistik an der Universität Leipzig. Er verließ die Uni als Diplom-Journalist und arbeitete anschließend bis 1960 in der Kultur- und Wirtschaftsredaktion der Zeitung „Die Freiheit“ in Halle/Saale.

    Im Anschluss war Neutsch als Schriftsteller und Journalist tätig, trat 1960 dem Schriftstellerverband der DDR bei (von 1963 bis 1965 war er Vorsitzender des Bezirksverbandes Halle) und wurde 1963 Mitglied der SED-Bezirksleitung Halle/Saale. 1966 spielt er in dem mehrteiligen Fernsehfilm „Columbus 64“ von Ulrich Thein sich selbst. 1970/71 leistete er ein freiwilliges Jahr als Politoffizier bei der Nationalen Volksarmee.

    Erik Neutsch war vielseitig. Er schrieb Romane, Erzählungen, Kinderbücher, Essays, Gedichte und Drehbücher. Sie setzten sich durchweg mit gesellschaftlichen Problemen des real existierenden Sozialismus auseinander, waren aber stets parteitreu. Sein wohl bekanntester Roman und auch der größte Erfolg war das Buch „Spur der Steine“, in dem sich der Arbeiter Balla auf einer Großbaustelle vom Nonkonformisten zum angepassten Mitglied der sozialistischen Gesellschaft entwickelte. Mit einer Auflage von über 500.000 Exemplaren war es eines der erfolgreichsten Bücher der DDR-Literatur; die Verfilmung durch Frank Beyer mit Manfred Krug wurde 1966 drei Tage nach der Uraufführung vom Spielplan abgesetzt und erst 1989 nach der Wende wieder aufgeführt. Auch sein Roman „Auf der Suche nach Gatt“ wurde erst fünf Jahre nach Fertigstellung 1973 veröffentlicht.

    Sein erklärtes Hauptwerk war „Der Friede im Osten“, an dem er seit 1970 bis zum Lebensende schrieb. Das Schlußkapitel des 5. Bandes blieb unvollendet; den bis 1990 konzipierten 6. Band „Jahre der ruhigen Sonne“ konnte Neutsch nicht mehr verfassen.

    Seit 1974 gehörte er als ordentliches Mitglied der Akademie der Künste der DDR an; seit 1990 war er Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller.

    1994 erschien sein erster Roman nach der Wende: „Totschlag“. Darin geht es um die Folgen von ungelösten Eigentumsproblemen nach der Wiedervereinigung.

    Neutsch war zweimal verheiratet und lebte zuletzt in Halle-Dölau. Aus seiner ersten Ehe mit Helga Neutsch, geb. Franke, (verstorben 1996) hat er zwei Töchter: Marita Neutsch, geb. 1954 (Autorin von „Auf der Spur meiner Träume“) und Corinna Schmidt, geb. Neutsch, geb. 1962 (Autorin von „Lea wünscht sich einen Hund“).

    Marita Neutsch pflegt zur Erinnerung an ihren Vater einen Blog: http://erik-neutsch.de/

    Erik Neutsch starb am 20. August 2013 in Halle (Saale), Sachsen-Anhalt.

    Fünfzehn IMs behielten ihn im Auge, seine Stasi-Akte ist 500 Seiten stark. Es machte ihm bis zuletzt zu schaffen, dass er sich Mitte der 70er-Jahre an den Kampagnen gegen Stefan Heym, Wolf Biermann und Rainer Kunze beteiligte.

    Im 4. Teil von „Der Friede im Osten“ schloss er sich der DDR-Lüge an, dass die Nationale Volksarmee 1968 nicht am Einmarsch des Warschauer Pakts in der ČSSR beteiligt war – dafür schrieb er zumindest an Vaclav Havel noch einen Entschuldigungsbrief.


    Zitat

    „Ich für meinen Teil zog mir oft den Unmut gewisser Funktionäre zu, wenn ich meinte, statt des realen sollte man wieder mal den idealen Sozialismus auf die Fahnen schreiben, dessentwegen ich in die Partei eintrat.“

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Ich bin auch sehr gespannt, welche Bücher Du mit uns teilen wirst. Ich erinnere mich ja nur noch an die ganzen Strittmatter-Romane, die irgendwie jeder hatte damals und zwei von mir gelesene Kinderbücher. Einmal das Buch "Ich, dann eine Weile nichts" (das hab ich mal zum Kindertag geschenkt bekommen) und einmal "Der wundersame Herr Käferstein" (mein erstes Buch, das mich mit der Phantastik in Berührung gebracht hat). Bei allen anderen Büchern muss ich tief in meinem Hirn graben, wie sie hießen. Ist einfach schon viel zu lange her, die Kindheit. Hach, jetzt muss ich glatt im Internet stöbern gehen. Vielleicht gibts ja irgendwo eine Übersicht mit Titelbildern, von dem mich das eine oder andere anspringt.

    ~~ noli timere messorem ~~

  • An ein paar mehr erinnere ich mich schon, TheNightingale , aber zumeist auch nur an den Titel oder das Cover. Auf "Ich, dann eine Weile nichts" machst Du mich gerade aufmerksam. Den Titel kenne ich :banane:

    Es ist Wahnsinn, ich bin momentan wie auf Wolke 7. Beim Nachforschen oder Stöbern stoße ich auf so viele Sachen, die im Gehirn verschütt waren und jetzt alle langsam an die Oberfläche kommen. Ich bin so richtig aufgedreht momentan.

    Auf Facebook habe ich eine Gruppe entdeckt von einer Antiquariatin, die hauptsächlich diese Bücher verkauft. Die behalte ich immer im Blick, weil sie immer Bücher reinstellt. Und da ich ja bald Geburtstag habe, habe ich mir bei ihr ein Überraschungspaket geordert :sabber:

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • An ein paar mehr erinnere ich mich schon, TheNightingale , aber zumeist auch nur an den Titel oder das Cover. Auf "Ich, dann eine Weile nichts" machst Du mich gerade aufmerksam. Den Titel kenne ich :banane:

    Es ist Wahnsinn, ich bin momentan wie auf Wolke 7. Beim Nachforschen oder Stöbern stoße ich auf so viele Sachen, die im Gehirn verschütt waren und jetzt alle langsam an die Oberfläche kommen. Ich bin so richtig aufgedreht momentan.

    Auf Facebook habe ich eine Gruppe entdeckt von einer Antiquariatin, die hauptsächlich diese Bücher verkauft. Die behalte ich immer im Blick, weil sie immer Bücher reinstellt. Und da ich ja bald Geburtstag habe, habe ich mir bei ihr ein Überraschungspaket geordert :sabber:

    ich hab tatsächlich ein paar alte gefunden. Meine Güte, wie konnte ich nur Alfons Zitterbacke, Timur und sein Trupp, den Ottokar, den Moritz in der Litfaßsäule vergessen. Und die 3 komischen Gesellen. Und natürlich die Märchenbuchausgabe der Gebrüder Grimm. und ach, soviel erkenne ich wieder. Wahnsinn! Jetzt hab ich auch voll Lust die zu lesen.... *guckt auf den Sub* .... menno.....

    ~~ noli timere messorem ~~

  • ich hab tatsächlich ein paar alte gefunden.

    Herrlich. Vielleicht erinnerst Du dich auch noch an die ein oder andere Reihe: Die kleinen Trompeterbücher, Blaulicht, DIE, Die Diggedags von Hannes Hegen, Abenteuerlich erzählt (oder so ähnlich). Ich war richtig erstaunt, wie viele Reihen es gab. Und auch, wie viele Verlage. Herr Sodann hat in einem Interview von mehr als 250 DDR-Verlagen berichtet. Wahnsinn.

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Momentan lese ich einen Krimi, bzw. habe ihn fast durch:


    Jens Bahre: Der stumme Richter

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    Er erschien 1979 beim Verlag das neue Leben, Berlin in der Reihe DIE Delikte Indizien Ermittlungen

    Weitere Auflagen: 1982/2., 1984/3., 1990/4. - Mein Buch ist die 4. Auflage von 1990


    Wer kann sich noch erinnern? An die Obstbäume am Rande von Chausseen. Wo man oftmals die Äpfel oder Birnen gepflückt hat, wenn sie noch gar nicht richtig reif waren und man dann mit den Folgen zu kämpfen hatte.

    Hier sind es ein Junge und ein Mädchen; er sitzt oben im Baum und sucht ihr einen besonders schönen Apfel aus. Sie freuen sich darauf, sich nachher irgendwo im Dorf auf eine Bank zu setzen und so viele Äpfel zu essen, bis sie nicht mehr können.

    Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Ein Pkw kommt heran und reißt das Mädchen mit sich. Ein Mann und eine Frau steigen aus, schauen nur, diskutieren. Der Mann sorgt dafür, dass die Frau wieder einsteigt und sie brausen davon.

    Der Junge sitzt oben im Baum und bringt vor Entsetzen keinen Ton heraus, bis das Mädchen wenige Minuten später von zwei Lastwagenfahrern gefunden wurde...


    Jahre später.


    Brigitte und Günter Perlbach stehen vor den Scherben ihrer Ehe. Während er noch glaubte, dass sich alles wieder einrenken würde, präsentierte sie ihm einen Liebhaber. Das war demütigend. Wie konnte sie nur. Das, was sie war, war sie nur durch ihn geworden.

    Er schlug einen Urlaub vor, eine Fahrt auf die Insel Hiddensee. Vielleicht lässt sich ja doch noch etwas retten. Doch Brigitte spricht kaum mit ihm, lässt schon gar keine Nähe zu. Aber sie beschlich die Ahnung, einen Fehler gemacht zu haben.

    Auf der Rückfahrt dann, sie standen an der Reling, waren allein an Deck, gab es das alles auslösende Gespräch. Und dann, innerhalb von Sekunden hatte er sie über Bord geworfen. Und Brigitte konnte nicht schwimmen.


    Als Leser wissen wir zwar, wer der Täter ist, aber die Mordkommission tappte noch Wochen später im Dunkeln. In Brigittes Betrieb erfuhren sie nur Gutes über sie, ihr Mann kam aber nicht gut weg. Er solle ihr das Leben zur Hölle gemacht haben. Dagegen äußerte man sich in Günters Firma nur lobend über ihn.

    Doch was geschah nun? War es Mord? Oder doch ein Unfall? Und wo ist die Leiche abgeblieben? Oder lebte die Frau sogar noch und wollte ihrem Mann eins auswischen?


    Nach mehr als vier Wochen schien sich Perlbachs Leben wieder zu normalisieren. Die Kollegen nahmen Rücksicht, besprachen in seiner Gegenwart keine familiären Probleme, und er begann, sein Leben in seinen vier Wänden zu genießen.

    Eines Tages schob ihm jemand eine Zeitschrift durch den Türschlitz, auf dem auf dem Cover Brigitte zu sehen war. Am selben Tag fand Perlbach einen weißen Zettel unter einem seiner Scheibenwischer.

    In einem Kaufhaus sah er Theuerkauf, den Liebhaber von Brigitte, und wollte ihm hinterherspionieren, von einer fremden Bank kamen an Brigitte adressierte Kontoauszüge.

    Eines Tages fand er in Brigittes Dunkelkammer Fotos, von sich und diesem Theuerkauf, und - Perlbach blieb fast die Luft weg - Brigitte schwimmend im Wasser.


    Leutnant Motz ist der einzige, der nicht an einen Unfall oder Selbstmord von Brigitte glaubt. Er hat so ein Gefühl und er traut Perlbach keinen Steinwurf entfernt. Sein Chef Beeskow traut dem zwar auch nicht, aber er weiß nicht so recht. Die Indizien scheinen alle klar: Bettina war alleine an Bord, es war stürmisch und nass - beste Vorraussetzungen für einen Unfall. Auch die einzige Zeugin, die Brigitte gesehen haben will, sagte, sie wäre alleine. Perlbach wurde derweil unter Deck gesehen.

    Und dann finden sie die Sache mit Brigittes Konto heraus. Zugriff darauf hat auch noch ihr Geliebter Theuerkauf. Was aber kein Motiv sein kann, denn wenn kein Testament existiert, in dem etwas anderes steht, dann ist Perlbach der Erbe des Guthabens: immerhin 12.000 Mark.


    Perlbach scheint nun anfangen zu wollen, sich in seinem Leben ohne Brigitte einzurichten. Karin, er war vor Brigitte eine Zeit mit ihr zusammen, meldete sich, ob man sich nicht mal wieder treffen könnte. Warum nicht, und so lud er sie zum Camping übers Wochenende ein. An den Plessensee.


    Andreas - tja, wer ist das nun - sein Leben verläuft sehr unruhig. Sein Studium und das Diplom hat er in der Tasche, bereitet sich auf die neue Arbeit vor. Die Mutter ist enttäuscht, dass er so schnell wieder weg will, verweist auf die Freundin, mit der er abends ausgehen wollte. Diese glaubt ihm nicht, dass es nicht um eine andere Frau geht, jedenfalls nicht so, wie sie das denkt. Doch Andreas kann nicht anders. Er muss den nächsten Bus von Stralsund weg bekommen.


    Perlbach derweil freut sich auf das kommende Wochenende, das er auf seiner Datsche verbringen will. Mithilfe eines Psychiaters hat er gelernt, die negativen Gedanken beiseite zu schieben. Wenn Brigitte sich in seine Gedanken schlich, dachte er an positive Dinge. Was solls, es gab noch mehr Frauen. Das dumpfe Gefühl, das manchmal auftauchte, ließ sich verdrängen.

    Und so verdrängte er auch die Gedanken an seine Schuld, die er auf sich geladen hat und vergaß sie fast.

    Voller Vorfreude kam er an seinem Wassergrundstück an. Als er um das Häuschen rumging zur Eingangstür, blieb er wie angewurzelt stehen. Neben der Tür hing an einem Haken für Blumentöpfe ein Rettungsring...

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Ich finde dein Projekt sehr interessant, auch aus dem Grunde, weil ich seit ca. einem Jahr ehrenamtlich in einer sozialen Bücherstube in Berlin arbeite und wir eine komplette Ecke, also 4 Regale, mit DDR-Literatur führen. Natürlich alles fein säuberlich alphabetisch geordnet.

    Wir bekommen ab und zu Buchspenden, zB aus Haushaltsauflösungen oder wenn ältere Herrschaften ins Pflegeheim gehen und ihre Bücher nicht mitnehmen können. Dies sind dann zum größten Teil alte DDR-Bücher in unterschiedlichem Zustand.

    Ich bin auch ein Kind der DDR (1989 war ich 20), und habe früher viel Alexander Kröger, Karl-Heinz Tuschel, Klaus Frühauf und andere DDR-Autoren gelesen, die Science Fiction Romane (damals hießen die "wissenschaftlich-phantastische Romane", der Begriff "Science Fiction" war wohl verpönt) geschrieben haben.

    Diese wurden neben vielen Abenteuerromanen in der Reihe "Spannend erzählt" im Verlag Neues Leben aufgelegt. Einige davon wurden aber auch in den kleinformatigen "KOMPASS"-Büchern aufgelegt.

    Als Kind haben mich Peter Abraham, Benno Pludra und einige andere begleitet, an deren Namen ich mich kaum noch erinnere.

    Einmal editiert, zuletzt von geoleo69 ()