Was in der DDR gelesen wurde - Ein Lesetagebuch

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 371 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Anne.

  • Albert Lichanow: Mit guten Absichten

    Nach dem Studium geht Nadja in eine kleine nordrussische Stadt an eine Internatsschule. Doch dort winkt ihr nicht die erträumte Lehrerstelle. Sie wird Erzieherin für elternlose Kinder.


    Verlag Neues Leben Berlin, 1984

    Illustrationen: Rainer Flieger

    Neue Edition für junge Leute



    Tom Crepon: Leben und Tode des Hans Fallada

    Der Sohn des Richters Ditzen vom Reichsgericht tötet seinen Freund im Duell, das den beabsichtigten Doppelselbstmord verschleiern soll. Er kommt, als für seine Tat nicht zurechnungsfähig, in ein Sanatorium. Ein reichliches Jahrzehnt später: Der Gutsrendant Ditzen greift in die Kasse, wird zu Gefängnis verurteilt und doch wieder rückfällig.


    Hans Fallada, mit Alltagsnamen Rudolf Ditzen, war vieles in seinem einen Leben: Morphinist, Alkoholiker, Gefängnisinsasse, Pechvogel, Glückskind, Welterkenner und Weltverkenner, guter Vater und schwieriger Gatte. Und vor allem: ein großer Erzähler. Sein Wollen war stets stärker als sein Wille. Und er wußte um seine Schwächen und hatte doch nicht die Kraft, sie dauerhaft zu unterdrücken.


    Tom Crepon erzählt mit viel Wissen und Einfühlungsvermögen in Zeit und Charakter von Falladas entscheidenden Lebensstationen, von seinem tragischen Ringen mit sich selbst und von seiner Kunst. Das bisher umfassendste Buch über Hans Fallada!


    Mitteldeutscher Verlag Halle – Leipzig, 1979



    Eva Lippold: Leben, wo gestorben wird

    Die Lyrikerin Eva Lippold hat ihre erregenden Erlebnisse zu einem Prosawerk verdichtet, das eine Lücke in unserer Gegenwartsliteratur ausfüllt. Hier könnte auch das Wort „Widerstandsliteratur“ stehen. Aber „Leben, wo gestorben wird“, ebenso wie ihr erstes Buch „Haus der schweren Tore“, ist heute geschrieben, ein Vierteljahrhundert nach der Zeit des Widerstandes. Aus damaliger und heutiger Sicht. Von einer Autorin, die elf Jahre hinter Hitlers Zuchthausmauern nicht vegetiert, sondern gewacht, gedacht, gehandelt, gelitten und gesiegt – also gelebt hat. Von einer Autorin aber auch, die dieses Vierteljahrhundert mitgestaltet hat. Was sie schreibt, ist damals und ist heute: Es ist Hella Lindau, die Heldin des Romans, damals und Eva Lippold heute. Und gerade das Einfließen heutiger Erkenntnisse, heutiger Sicht in damaliges Geschehen, der von Nachdenken in Handlung und von Handlung in Nachdenken immerwährend hinüber- und herübergleitende Stil packt den Leser von der ersten Seite und entläßt ihn nach der letzten mit dem Wunsch, mehr von Hella Lindau und Eva Lippold zu erfahren.


    Dies ist nicht schlechthin das „Erinnerungsbuch“ einer schönen, lebenslustigen jungen Kommunistin, der die braune Barbarei die Jugend stahl, das ist es auch; es ist auch ein psychologisch feinnerviger Bericht über den ihr jahrelang aufgezwungenen Umgang mit Mörderinnen, Prostituierten, Diebinnen, mit Wärterinnen und Gefängnisbeamten, nazistischen und solchen, die es nicht gewesen sein wollen. Vor allem aber sind Eva Lippolds Bücher kluge Bücher, voll Lebensweisheit.


    Buchverlag Der Morgen, 1976

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Dea Trier Morch: Winterkinder

    „Ein Kind zur Welt zu bringen, das ist wie eine Reise in ein fremdes Land. Das war es, was ich fühlte, als ich meine drei Kinder im Abstand von wenigen Jahren bekam. Aber es ist ein Land, das sich von allen anderen unterscheidet, weil man nie dorthin zurückkehren kann. Da ich befürchtete, daß dieses Land für immer verschwinden könnte, schrieb und illustrierte ich meinen Roman ,Winterkinder‘.“


    Dea Trier Morch stellt in ihrem Buch eine Gruppe von Frauen vor, die sich um die Jahreswende 1974/75 in der Spezialabteilung einer Kopenhagener Geburtsklinik befinden. Die Empfindungen der Mütter während dieser Zeit und der Vorgang der Geburt werden ebenso geschildert wie das Leben der Frauen außerhalb der abgeschirmten Welt der Klinik, das von ihrem unterschiedlichen sozialen Status geprägt ist.


    Die Autorin erhielt für „Winterkinder“, die in Dänemark in kurzer Zeit zum Bestseller wurden, den Goldenen Lorbeer des Buchhändlerklubs. Das Buch wurde verfilmt und in verschiedenen Sprachen übertragen.


    VEB Hinstorff Verlag Rostock, 1979

    Mit 15 Linolschnitten der Autorin



    Sofja Andrejewna Tolstaja: Tagebücher 1862 – 1910 – 2 Bände

    Am 23. September 1862 heiratet in Moskau in der Hofkirche „Mariä Geburt“ der vierunddreißigjährige Schriftsteller Lew Tolstoi die achtzehnjährige Sofja Andrejewna, Tochter des Hofarztes A. J. Bers. Zwei Wochen darauf, am 8. Oktober, beginnt die junge Frau ihr Tagebuch, das sie anfänglich mit großen Unterbrechungen schreibt und zwei Tage nach dem Tod ihres Mannes, am 9. November 1910, schließt. Achtundvierzig Jahre liegen zwischen diesen beiden Daten, fast ein halbes Jahrhundert, das in Rußland geprägt ist von einer stürmischen politischen und geistig-kulturellen Entwicklung. Wenig davon reflektiert das Tagebuch, es bleibt privat, intim, berichtet über Familienereignisse, Familienleben, über Schaffensprobleme des Mannes und seinen Bekanntenkreis, der weit über die Grenzen des Landes reicht. Es verzeichnet sehr detailliert den tragischen, sich in Extremen bewegenden Verlauf einer Ehe. Schon die ersten Eintragungen lassen die Konflikte erkennen, die später, in den achtziger Jahren, der Zeit der geistigen und weltanschaulichen Krise Tolstois, offen zutage treten, schwere Auseinandersetzungen nach sich ziehen und schließlich, im Oktober 1910, zu Tolstois Flucht aus Jasnaja Poljana führen. Doch trotz der unterschiedlichen Lebensauffassungen, der beinahe unüberbrückbaren Gegensätze und bei allen Vorwürfen, die Sofja Andrejewna Tolstaja gegen ihren Mann erhebt, betont sie, wie sehr sie ihn liebt und schätzt, und geht oft hart mit sich ins Gericht. Aber auch Tolstoi, der vor allem in seinem letzten Lebensjahrzehnt sehr unter dem Widerspruch zwischen seiner Lehre und seinem Leben leidet, versichert immer wieder, daß ihm viel an ihrer Liebe, ihrer Freundschaft und ihrem Verständnis gelegen ist.


    Rütten & Loening Berlin, 1988



    Jack London: Südsee-Abenteuer

    Buchbeginn

    Obwohl die „Aorai“ von schwerfällig plumper Gestalt war, ließ sie sich in der leichten Brise mühelos lenken, und ihr Kapitän steuerte sie gut heran, ehe er genau außerhalb des Brandungssogs beidrehte. Das Atoll Hikuero lag flach auf dem Wasser, ein Ring zerstoßenen Korallensands von ungefähr hundert Yard Breite, einem Umfang von zwanzig Meilen und drei bis fünf Fuß über der Hochwassermarke. Der Grund der riesigen, glasklaren Lagune war reich an Perlmuscheln, und vom Deck des Schoners konnte man über den schmalen Ring des Atolls hinweg die Taucher bei der Arbeit beobachten…


    Verlag Neues Leben Berlin, 1973

    buchclub65

    Illustriert von Peter Muzeniek

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Otto Gotsche: Zwischen Nacht und Morgen

    Wie kaum ein zweiter Schriftsteller ist Otto Gotsche berufen, die illegale Arbeit mitteldeutscher Industriearbeiter über den Zusammenbruch hinaus auch während der Zeit der amerikanischen Besatzung darzustellen. Und so entstand ein Roman über jene namenlosen Helden, die gegen faschistische Willkür und dunkle Machenschaften imperialistischer Konzernherren das Banner der Humanität zu verteidigen wußten. Die Unmittelbarkeit des Erlebnisses, die große Spannung, die geradezu abenteuerlich anmutet, und die dokumentarische Echtheit des Handlungsablaufes werden den Leser bis zur letzten Seite in Erregung halten. Daß bei dieser Lektüre auch ein Stück Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung vermittelt wird, ist einer der großen Vorzüge dieses Buches, das uns allen die jüngste und doch beinahe schon wieder in Vergessenheit geratene Vergangenheit mit erregender Deutlichkeit vor Augen führt.


    Mitteldeutscher Verlag Halle (Saale), 1959



    Krystyna Wituska: Zeit, die mir noch bleibt

    Krystyna Wituska, eine junge Polin, im April 1943 im faschistischen Deutschland wegen konspirativer Tätigkeit zum Tode verurteilt, schreibt im Juni 1943 für eine polnische Mitgefangene „ein altes deutsches Gebet“ auf. Wie seltsam, wie bedrängend nah – drei Jahrzehnte fast nach Krystynas Tod durch die Hand eines deutschen Scharfrichters – erscheinen uns in diesem Brief einer Polin an eine Polin die wohlbekannten Verse von Paul Gerhardt: „Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir.“


    Beim Lesen dieser Aufzeichnungen ersteht vor uns das Bild eines Menschen, der uns weit voraus ist, weil er sich selbst unerbittlich überwinden mußte: Krystyna, zweiundzwanzigjährig bei ihrer Verhaftung, ein verwöhntes junges Mädchen mit blondierten Haaren, aus Abenteuerlust in eine Widerstandsgruppe eingetreten, und wenig mehr als vierundzwanzig Jahre alt beim Tod – bis zur letzten Stunde voller Liebe für ihre Eltern und Freunde.


    Spricht schon der liebevolle Brief mit den Paul-Gerhardt-Versen an Marysia, die weiterleben darf, von dem Annehmen des eigenen nahen Todes, so wird in den vorangehenden Zeilen an Wandzia ganz deutlich, in welchem Maße die Schreiberin über ihr Geschick hinausgewachsen ist: „… der Tod erschreckt mich gar nicht, und wenn ich sterben muß, werde ich glücklich sterben in der Gewißheit, daß Ihr beide, meine teuersten Mädchen, gerettet seid.“


    Vor uns werden die letzten Seiten eines Lebens aufgeschlagen, das kaum begonnen hatte und doch in unfaßlicher Weise zu einer Reife gelangte. So wie Krystyna die fremde deutsche Sprache immer flüssiger schreiben und sprechen lernte, so lernte sie auch immer selbstverständlicher mit dem Tod zu leben, und das bedeutete konkret: jeden Mittwoch zu überleben, an dem man die Todeskandidaten nach Plötzensee brachte. Vierzehn lange Monate ließ man ihr dazu Zeit. Ein Wunder, daß diese Frist nicht nur Qual bedeutete, ein Wunder, daß Krystyna jede schöne Stunde wie ein Geschenk vom Himmel betrachten konnte: „Ich glaube, daß Gott die Gefangenen nicht verläßt.“


    Die Äußerungen des Zweifels und der Widerwille gegen eine „Frömmigkeit, die aus der Gefängnissituation erwächst und zwar nur darum, weil es sonst keine andere Rettung mehr gibt“, machen diese Bekenntnisse um so glaubwürdiger.


    Ein ausführliches Vorwort der Herausgeberin informiert über den historischen Hintergrund des Prozesses gegen die Widerstandsgruppe, der Krystyna Wituska angehörte.


    Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1973



    Alf A. Saeter: Zwei im Sturm

    Der Bauer Jon ist ein Pantoffelheld und ein Dummkopf – Es gibt keinen im Dorf, der das nicht wüßte. Wenn er zwischen den Hügeln am Meer herumstreift oder abends in den Sternenhimmel starrt, philosophiert er über die Ungereimtheiten einer Welt, die ihn zum Außenseiter stempelt. Indessen hält Inga, seine resolute Frau, die Wirtschaft instand. Tommen, ein debiler Junge, der bei ihnen ein Zuhause gefunden hat, hilft ihr, so gut er es vermag. Als Inga unerwartet stirbt, ist Jon hilflos wie ein Kind. Doch in der Sorge um Tommen, der schwächer ist als er und seiner Fürsorge bedarf, gelingt es ihm, die eigene Unsicherheit zu überwinden und sein Leben nach Art der „Klugen und Starken“ zu ordnen.

    Ein lyrisch gefärbter, kunstvoller Prosatext, in dem sich Saeter zum Anwalt der Schwachen und Entrechteten macht.


    VEB Hinstorff Verlag Rostock, 1978

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Brigitte Birnbaum: Das Siebentagebuch

    Sieben Tage lang wohnt Inez Bliewernicht in einem Schloß, und in dieser Woche entsteht ihr Siebentagebuch. Anfangs sind es natürlich die neuen Eindrücke, die sie beschäftigen: das Schloß und seine Geschichte, Sagen, die aus alter Zeit überliefert sind, Umgang mit den noch unbekannten Mädchen und Jungen, der andersartige Tagesverlauf, Vorfreude auch auf die bevorstehende große Reise zu den Freunden in Witebsk… Später tauchen aber Fragen auf: Ist die Betreuerin Heide Bliewernichts wirklich Inez‘ Tante? Was aus der eigenen Familiengeschichte weiß Inez, und was weiß sie nicht? Wen trifft die Schuld? Wo liegt die Wahrheit? Wolken ziehen am Himmel auf. Wen wird der Regen naß machen, und wird Inez endgültig eine Inessa werden?


    Der Kinderbuchverlag Berlin 1984

    Illustrationen von Konrad Golz



    Grigorij Weiss: Am Morgen nach dem Kriege

    Überrascht und zugleich respektvoll konstatierte 1948 der bekannte englische Journalist Gordon Schaffer, daß in der sowjetischen Besatzungszone „zwischen Russen und Deutschen eine echte Zusammenarbeit erwuchs, nicht wie zwischen Siegern und Besiegten, sondern wie zwischen Arbeitskameraden“.


    Auf ganz persönliche Weise machen nun die Erinnerungen des sowjetischen Journalisten und Schriftstellers Grigorij Weiss mit jener Zeit vertraut. Trümmerberge 1945 in Berlin, Dresden und anderswo. Keineswegs geringer als die materiellen waren die geistigen Zerstörungen, die das faschistische Regime hinterlassen hatte. Es galt, Klarheit in den Köpfen zu schaffen und den Menschen Mut zu machen für den Aufbau eines neuen Lebens. Ein großes Verdienst, hier entscheidend mitgeholfen zu haben, kommt den Kulturoffizieren der Sowjetischen Militäradministration zu. Grigorij Weiss war einer von ihnen. Seine Arbeitsstätte war die Redaktion der „Täglichen Rundschau“, damals ein Zentrum beharrlich geleisteter Überzeugungsarbeit. Lebendig erzählt der Autor von Aufbautaten der Aktivisten der ersten Stunde und von Begegnungen mit Kulturschaffenden wie Bernhard Kellermann, Gerhart Hauptmann und Hans Fallada. Getragen war das Bemühen der sowjetischen Kulturoffiziere und ihrer deutschen Mitstreiter – unter ihnen Johannes R. Becher – von dem Ziel, dem deutschen Volk nach der Nacht des Faschismus wieder seine eigene progressive Kunst und Literatur und die der ganzen Welt zu erschließen.


    Verlag der Nation Berlin 1981



    Sinowi Schejnis: Alexandra Kollontai – Das Leben einer ungewöhnlichen Frau

    Alexandra Kollontai war eine ungewöhnliche Frau, Diplomatin, Revolutionärin, Publizistin, Volkskommissar für Soziale Fürsorge in Lenins erster Regierung und engagierte Vorkämpferin der Frauenbewegung in einer Person.

    Ihre Gegner nannten sie „rote Diplomatin“ und „Walküre der Revolution“. Diese Schmährufe wurden für sie jedoch zum Ehrentitel. Denn Alexandra Kollontai erwarb sich Achtung und Anerkennung nicht durch Skandale und Intrigen, sondern durch ihre Fähigkeiten, ihr fundiertes Wissen, ihr Redetalent, ihr staatsmännisches Geschick und – durch ihren weiblichen Charme.


    Der Weg Alexandra Kollontais von der wohlbehüteten Tochter eines zaristischen Generals zur „Königin der Diplomatie“ war nicht unkompliziert, er schloß Irrtümer und persönliche Schicksalsschläge ein.


    Diesen Lebensweg zeichnet der sowjetische Publizist Sinowi Saweljewitsch Schejnis, der durch seine zahlreichen Arbeiten über bedeutende sowjetische Diplomaten und Revolutionäre bekannt geworden ist, im Buch nach. Auszüge aus Briefen und Tagebuchaufzeichnungen Alexandra Kollontais sowie Berichte ihrer Kampfgefährten lassen eine beeindruckende Persönlichkeit in ihrer Zeit lebendig werden, die selbst von sich schrieb: „Im Grunde habe ich nicht nur ein Leben, sondern viele Leben gelebt…“


    Verlag Neues Leben Berlin, 1984

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe

    "Gottfrieds Keller Erzählung hält, was sie verspricht. Wir entdecken beim Wiederlesen nicht nur mit stiller Begeisterung die alte unvergleichliche Schönheit wieder, welche diese Erzählung auszeichnet, sondern es treten auch stets neue Stellen hervor, die uns in ihrer unverfälschten Poesie bezaubern ... Von der traumhaften Todesfahrt der Liebenden sind wir heute ebenso tief ergriffen wie damals; was also ist in uns geschehen oder ist nicht geschehen, daß sich diese Erzählung trotz der ungeheuerlichen Ereignisse gleichbleiben konnte? Wir suchen nach einer Erklärung ... Können wir zum Beispiel an der Kathedrale von Rouen weiterdichten? Ist eine Bachsche Fuge in uns zu übersteigen? Ich möchte eher annehmen, wir bleiben hinter all diesen Phänomenen mit unserer Phantasie und unserer Erlebniskraft weit, weit zurück. In all diesen Werken ist ein bestimmtes Lebensgefühl zum vollendeten und unwiederholbaren künstlerischen Ausdruck geworden. Wir haben nicht zu ergänzende, abgeschlossene Gestalten vor uns, die jedes ihnen Nachschaffende und nach ihnen Kommende bereits Jahrhunderte vorher überholt haben." (Johannes R. Becher)


    Reclams Universal-Bibliothek Band 158

    Erzählende Prosa, Novelle



    Brigitte Birnbaum: Winter ohne Vater

    Es darf nicht wahr sein! Christian will nicht glauben, daß sein Vater ihn und die Familie verlassen hat. Keiner wird mehr „hallo, Sohneken“ rufen und mit Nachsicht unterschreiben, wenn Christian eine Eintragung mit aus der Schule bringt. Vater ist der Beste. Und nun soll es ohne ihn gehen? Christian will sich nicht damit abfinden. Er kämpft um seinen Vater – einen Winter lang.


    Der Kinderbuchverlag Berlin 1988

    Illustrationen von Inge Gürtzig



    Janusz Korczak: Wenn ich wieder klein bin – Eine Auswahl aus seinen Schriften

    Schon immer hatten unter den Pädagogen diejenigen die stärkste Anziehungskraft, deren Bemühungen dank der Tiefe ihrer Einsicht, der Stärke ihrer Persönlichkeit und der Welt ihres Horizontes dem Menschen, der Entfaltung seiner Möglichkeiten in ihrer psychischen Differenziertheit und Widersprüchlichkeit galten. So war es bei Pestalozzi und Makarenko, so ist es bei Korczak. Verband sich diese humanistische Sicht mit der Fähigkeit, sich in einer Sprache von besonderer Klarheit, Schlichtheit und Dichte zu artikulieren, so konnte eine ungewöhnliche Ausstrahlung und Einwirkung auf die Bildung des Bewußtseins und die Praxis des Lebens bei Zeitgenossen und Nachgeborenen nicht ausbleiben.


    Janusz Korczak, eigentlich Henryk Goldszmit, 1878 in Warschau geboren, dort tätig als bekannter Kinderarzt, dann als Leiter zweier Waisenhäuser, berühmt als Pädagoge und Schriftsteller, verstorben 1942, als er, sein Leben nicht schonend, die ihm anvertrauten Kinder in den von den Faschisten erzwungenen Tod in das Vernichtungslager Treblinka begleitete, gehört tatsächlich zu diesen wirklich Großen, die – wie Günter Schulze im Nachwort sagt – ihre Zeit überdauern, bei denen vieles gefunden werden kann, „was uns unmittelbar hilft, uns über das bloße geistige Vergnügen am Kennenlernen früherer Weisheit hinausführt zu aktiver Gestaltung der Gegenwart“.


    Nachdem der Union Verlag 1975 unter dem Titel „Die Liebe zum Kind“ wesentliche Teile von Korczaks literarischem Nachlaß veröffentlichte, legt er nun zum 100. Geburtstag Korczaks ungekürzt die Essays „Wenn ich wieder klein bin“, „Die Regeln des Lebens“, „Fröhliche Pädagogik“, „Sommerkolonien“, „Das Kameradschaftsgericht“ sowie die Beiträge über die Einsamkeit des Kindes, der Jugend und des Alters vor.


    Union Verlag Berlin 1978

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Graciliano Ramos: Sao Bernardo

    In einem Gutshaus im Nordosten Brasiliens greift ein Mann mit schwerer Hand zur Feder, um seine Geschichte niederzuschreiben, die Geschichte eines sinnlos gewordenen Daseins. Mit verblüffender Offenheit, in nackten, schroffen, schmucklosen Worten, schildert er seinen Aufstieg vom Tagelöhner zum Besitzer der riesigen Fazenda Sao Bernardo. Um Sao Bernardo zu erringen, hat er gehungert und geschuftet und betrogen. Advokaten und Meuchelmörder hält er bereit für alle, die ihm die reichen Ländereien von Sao Bernardo streitig machen wollen. Es ist nicht ratsam, ihn zum Feind zu haben, und fast unmöglich, sein Vertrauen zu gewinnen. Madalena, die junge Lehrerin, die er geheiratet hat, auf daß Sao Bernardo einen Erben bekomme, verfolgt er mit brutaler, nie nachlassender Eifersucht. Erst als sie von ihm gegangen ist, erkennt er, was er mit ihr verloren hat: die Möglichkeit zu einem neuen Leben, zu einem besseren, menschlicheren Selbst.

    Der Brasilianer Graciliano Ramos (1892-1953) erweist sich in diesem Roman als ein vitaler und origineller Erzähler. Die dichte Atmosphäre, die sichere Zeichnung der Charaktere, die latente Spannung machen "Sao Bernardo" zu einem der eindruckvollsten Werke der modernen lateinamerikanischen Literatur.


    Aufbau-Verlag Berlin und Weimar



    Arno Neumann: Rosa Rock und schwarze Lettern. Geschichten rund um die Litfaßsäule

    Ernte, lustige, nachdenkenswerte Geschichten rund um die Litfaßsäule berichten von Plakatmachern und ihren verblüffenden Einfällen: Göttinnen werben für Glühbirnen, Käthe Kollwitz verärgert die Kaiserin, eine Dogge erwirbt unsterblichen Ruhm, ein Dichter bemalt Fensterscheiben, und vierzig Räuber müssen auf das Filmplakat.

    Diese Einblicke in die Plakatgestaltung vergangener und gegenwärtiger Zeiten lassen genauer und wissender die Kunst auf der Straße entdecken.


    Der Kinderbuchverlag Berlin



    Daniel Defoe: Roxana

    Im Jahre 1683 kommt die schöne Mademoiselle de Beleau - später Roxana genannt - von Frankreich nach England. Dreiundzwanzigjährig, wird sie durch die Verschwendungssucht ihres einst wohlhabenden Gatten ins Unglück gestürzt und bleibt mit fünf Kindern mittellos zurück. Schönheit und Charme helfen ihr über diesen Tiefpunkt bürgerlichen Daseins hinweg und eröffnen ihr eine Karriere, die sie in die höchsten Kreise führt. Ein abwechslungsreiches Liebesleben bringt Roxana nach Frankreich, Italien, Holland und wieder nach England, läßt sie bald strahlende Erfolge in der Gesellschaft feiern, bald die Abgeschiedenheit suchen. Große Kaufleute, Lords, Herzöge und Prinzen lieben, verwöhnen und beschenken sie. So verehrt und von Reichtum und Glanz geblendet, zieht die berühmte Kurtisane Freiheit und Unabhängigkeit den Banden einer bürgerlichen Ehe vor, um in der Blüte ihres Lebens das begehrte Ziel eines zweifelhaften Aufstiegs zu erreichen und Mätresse des Königs zu werden.

    Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 2. Auflage 1969

    Aus dem Englischen übersetzt von Lore Krüger

    Mit einem Nachwort von Günther Klotz

    Schutzumschlagentwurf: Erich Rohde

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Walter Niebuhr: Liebe 70

    Die größte Illustrierte Amsterdams feiert Erfolge mit einer Bild-Text-Serie über das Studentenpaar Adrian und Antje – „Liebe 70“. Autor: der Journalist Wetering, seine Themen: Alltag, Neigungen, Probleme junger Leute. Er geht in die Hörsäle und Kneipen, kümmert sich um Schlagerproduktion und Wohnungsangelegenheiten; sein Weg führt zu den Provos, die diese Welt in Frage stellen, und zu den Hippies, die ihr entfliehen wollen.

    Wetering kann seine Arbeit nicht fortsetzen – er kommt bei einer Segeltour ums Leben. Obwohl die Polizei einen Unfall nachweisen kann, vermutet Adrian, der Freund des Toten, Mord, und er behält recht damit. Er geht den Spuren des ideenreichen Wetering nach und legt um ein Haar dem Falschen die Hand auf die Schulter.


    Verlad Das Neue Berlin 1973

    DIE Delikte Indizien Ermittlungen



    Brigitte Birnbaum: Kathusch

    „Schade, daß sie kein Junge ist!“, meinte der Vater, als er die Zeichnungen von Kathusch gesehen hatte. Seine Tochter war begabt, das bemerkte er sofort, und eigentlich gehörte sie auf eine Kunsthochschule, wo ihr Talent gefördert und geformt würde, wo sie lernen könnte. Aber – wo gab es das, eine Malschule für Mädchen? Die Ausbildungsstätten waren den Männern vorbehalten, junge Frauen sollten sich vorbereiten auf Haushaltsführung und Kindererziehung, und sie sollten sich üben in stiller Bescheidenheit. Das alles aber paßte nicht zu Kathusch, und der Vater spürte es. Nach langem Suchen und oft enttäuschten Hoffnungen endlich wird in Berlin eine Malschule gefunden, die Mädchen unterrichtet. Kathusch ist glücklich, der Weg scheint frei…

    Brigitte Birnbaum erzählt von Kindheit und Jugend einer Frau, die ihren Platz als Künstlerin hart erkämpfen muß, ehe sie bekannt und weltberühmt wird als DIE KOLLWITZ.


    Der Kinderbuchverlag Berlin 1986



    Werner Felix: Franz Liszt

    Franz Liszt (1811-1886) übte als Klaviervirtuose, als Komponist, Dirigent und Musikorganisator einen Einfluß aus, für den es im Bereich der Musik in Europa kaum eine Parallele gibt. „Vermöcht‘ ich es, Entfernten und Fremden und darunter wohl manchen, die nie Hoffnung haben, diesen Künstler in Wirklichkeit zu sehen… – vermöcht‘ ich es, ihnen ein Bild des hervorragenden Mannes zu geben! Am leichtesten ließe sich noch über seine äußere Erscheinung sprechen… Namentlich gleicht er Napoleon, wie wir diesen als jungen General oft abgebildet sehen – bleich, hager, bedeutend im Profil, den Ausdruck der Gestalt mehr nach dem Scheitel hinaufgedrängt… Am schwierigsten aber läßt sich über seine Kunst selbst sprechen. Es ist nicht mehr Klavierspiel dieser oder jener Art, sondern Aussprache eines kühnen Charakters überhaupt, dem zu herrschen, zu siegen das Geschick einmal statt gefährlichen Werkzeugs das friedliche der Kunst zugeteilt… Diese Kraft, ein Publikum sich zu unterjochen, es zu heben, tragen und fallenzulassen, mag wohl bei keinem Künstler, Paganini ausgenommen, in so hohem Grade anzutreffen sein.“ (Robert Schumann, 1840)


    Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig 1986

    Reclams Universal-Bibliothek Band 399

    Reclam Biografien

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Fritz Hofmann (Herausgeber): Phantom der Angst – 33 Erzählungen aus Deutschland und Österreich 1933-1945 – Band 1

    In den hier vorgelegten 33 Erzählungen kommen deutsche und österreichische Schriftsteller zu Wort, die in den verhängnisvollen zwölf Jahren von 1933 bis 1945 in ihrer Heimat blieben. Darunter befanden sich Autoren von damals bereits internationalem Ansehen wie Ricarda Huch, Gerhart Hauptmann, Ernst Wiechert, Werner Bergengruen, Gottfried Benn und solche, deren entscheidende literarische Entwicklung eben erst begann, wie Elisabeth Langgässer, Luise Rinser, Albrecht Goes, Ernst Kreuder oder Wolfgang Weyrauch. So unterschiedlich wie ihre soziale und weltanschauliche Position und ihr ästhetisches Konzept war schließlich auch ihr persönliches Schicksal. Was diese linksbürgerlichen, liberalen, christlichen oder konservativen Prosaschriftsteller, von denen jeder für sich allein lebte und einige auch für sich allein starben, vereinte, war ihre Haltung gegenüber dem faschistischen Regime, dem sie – manche erst nach anfänglichen Illusionen über dessen wahre Ziele – in einer Position des stillen Protestes und der Verweigerung gegenüberstanden. Versuche vielfältigen geistigen Widerstandes wird der Leser heute, im Abstand eines halben Jahrhunderts, in vielen dieser Geschichten entdecken: als Bekenntnis zur klassischen Humanität des 19. Jahrhunderts, zu der die barbarische Realität der Gegenwart in einem schreienden Gegensatz stand, als Hinwendung zu religiösen Haltungen, als Flucht in die Idylle, ins „einfache Leben“, fern von heroischem Nihilismus und Durchhaltepropaganda, als ein Rückzug ins private, „Allgemein-Menschliche“, als Versenkung in die Geschichte, die zu durchaus unvorteilhaften Vergleichen mit der Gegenwart des Tausendjährigen Reiches und seiner Paladine provozierte. Trotz der schweren, nicht selten katastrophalen Arbeitsbedingungen vieler Schriftsteller, die sich nicht von den Nazis korrumpieren ließen, sind dabei literarisch bedeutsame Werke entstanden: die „Hirtennovelle“ von Ernst Wiechert, die Erzählungen „El Greco malt den Großinquisitors“ von Stefan Andres, „Weiße Nächte“ von Ricarda Huch oder „Der Schuß im Park“ von Gerhart Hauptmann. Andere lassen zumindest ahnen, welchen Schwierigkeiten und Repressalien die Autoren ausgesetzt waren.


    Gemeinsam mit den vorausgegangenen Prosaanthologien „Kaisermanöver“, „Weltende“, „Mensch auf der Grenze“ wird der Versuch unternommen, in mehr als 100 Erzählungen von achtzig Autoren ein ganzes Zeitalter deutscher und österreichischer Literatur vom Ausgang des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zu besichtigen.


    Der vorliegende Band wird wiederum mit künstlerischen Arbeiten von Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, Otto Dix, Karl Hofer, Hans Grundig, Otto Nagel, Georg Kolbe, Gerhard Marcks, Alfred Kubin, Karl Rössing, Josef Hegenbarth, René Sintenis, Fritz Cremer, Hans Theo Richter, Herbert Sandberg, Wilhelm Rudolph und anderen ausgestattet.


    Verlag der Nation Berlin 1987



    Margarete Neumann: Lene Bastians Geschichte

    Diesmal ist es ein Sammelband mit zehn Novellen und Skizzen, den uns Margarete Neumann vorlegt, zehn kleine Kostbarkeiten, die man gern gelesen hat und bei deren Lektüre man ungern gestört sein wollte. Der Band bestätigt erneut ihr Talent und den guten Ruf, den sie als Erzählerin genießt. Dabei geht es hier nicht um große ökonomische Umwälzungen. Es sind Kleinigkeiten, die sie darstellt, alltägliche Begebenheiten, an denen wir gewöhnlich achtlos vorübergehen. Margarete Neumann macht sie uns wichtig.

    Oft bedauert man, daß die Geschichte schon zu Ende ist. Man wünscht mehr zu wissen über den jungen Mann und das Fräulein im S-Bahn-Abteil oder den Mann, der sieben Lieder dichtete, weil er sieben Geliebte hatte.


    Wie geht es weiter? Aber gerade weil es nicht „weitergeht“, weil Margarete Neumann nur andeutet, nichts breit ausführt, sind die Geschichten so reizvoll.


    Aufbau-Verlag Berlin 1956



    Herbert Friedrich: Radsaison

    Immer waren sie beide gute Freunde. Das aber scheint Gerd Hille vergessen zu haben, als er bei einem Ausscheidungsrennen Klawun auf unfaire Weise zu Fall bringt.


    Verlag Neues Leben Berlin 1968

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Otto Bonhoff, Herbert Schauer: Über ganz Spanien wolkenloser Himmel

    Es sieht wie ein Unfall aus. Und doch ist es Mord, vorsätzlicher Mord. Dr. Hartlieb hat genau gesehen, wie der Mann vor die einfahrende Lokomotive gestoßen und überfahren wird. Die Polizei nimmt Dr. Hartliebs Aussage auf, doch dann hängt sich die Gestapo in die Untersuchung, und die Abwehr unter Canaris. Der Ermordete war Mitarbeiter des englischen Geheimdienstes.


    Dr. Hartlieb wird, ungewollt, in einen Strudel abenteuerlicher Ereignisse hineingerissen. Seine Firma versetzt ihn, auf Betreiben der Abwehr, nach dem republikanischen Spanien, mit einem Sonderauftrag; der unbequeme Zeuge muß aus Deutschland verschwinden. Der englische Geheimdienst setzt die verwirrend schöne Doris auf ihn an. Dr. Hartlieb gerät in Rivalenkämpfe zwischen Abwehr und Gestapo. Aber er durchschaut alle diese Machenschaften, die nur einem Ziel dienen: Die Volksfrontregierung in Spanien, aus ordentlichen Wahlen hervorgegangen, soll mit Hilfe der Militärs gestürzt werden. Deshalb entwickelt sich Hartlieb, der sich eine antifaschistische Grundeinstellung bewahrt hat, zum Kämpfer für das republikanische Spanien.


    Otto Bonhoff und Herbert Schauer, einem breiten Publikum bekannt geworden durch das Buch und den dreiteiligen Fernsehfilm „Schatten über Notre Dame“, haben diesen Roman nach dem dreiteiligen Fernsehfilm „Über ganz Spanien wolkenloser Himmel“, der im Frühsommer 1971 vom Fernsehen der DDR gesendet wurde, geschrieben. Es ist ihr Anliegen, die Vorgeschichte des Spanienkrieges 1936-1938, die weitgehend unbekannt ist, literarisch zu gestalten. Es ist ihnen gelungen, einen spannenden, abenteuerreichen Roman zu schreiben, der exotischer Reize nicht entbehrt.


    Mitteldeutscher Verlag Halle (Saale) 1971



    Karl-Heinz Metzger: Wilmersdorf im Spiegel literarischer Texte vom 19. Jahrhundert bis 1933

    Ich freue mich, Ihnen ein neues Buch über Wilmersdorf vorstellen zu können. Ist es wirklich ein „neues“ Buch?


    Sie werden beim ersten, flüchtigen Durchblättern manch vertrauten Satz, manch bekannte Passage entdeckt haben. In der Tat enthält dieses Buch eine Vielzahl von Texten, die bereits vor Jahren veröffentlicht worden sind und zum Teil weltweite Verbreitung gefunden haben.


    Dennoch liegt ein auf seine Weise ganz neues Buch vor Ihnen.


    Es erzählt Anekdoten, Histörchen, Geschichten: die Geschichte Wilmersdorfs vom 19. Jahrhundert bis 1933; die Geschichte eines Dorfes, das zur Stadt heranwuchs, um als Bezirk in der Metropole Berlin aufzugehen.


    Es erzählt diese Geschichte aber mit den Worten namhafter Literaten, die in Wilmersdorf und über Wilmersdorf geschrieben haben. In dieser Verbindung von Geschichtsbuch und Lesebuch liegt der besondere, der neuartige Reiz dieses Werkes, das Ihnen hiermit herzlich anempfohlen sei…


    Horst Dohm, Bezirksbürgermeister von Berlin-Wilmersdorf


    Herausgeber: Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin, 1985

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Gisela Steineckert: Briefe 1961 – 1983

    Diese Briefe – gesammelt und ausgewählt aus der Korrespondenz von mehr als zwei Jahrzehnten – entstanden neben und im Zusammenhang mit einem vielfältigen literarischen Werk. Sie veranschaulichen vor allem eines: ein reiches Leben mit alltäglichen und manchmal ungewöhnlichen Begegnungen, was immer zur Konfrontation von Haltungen, immer zum Austausch führt. Nie tritt die Autorin mit vorgefaßten Meinungen auf: Sie setzt sich auseinander und greift auf, was an sie herangetragen wird, sie durchdenkt es und antwortet, indem sie fragt, und fragt, indem sie antwortet. Es ist ein Alltag, der vom rastlosen Tätigsein bestimmt ist. Antwort auf Leserbriefe oder Briefe an die eigenen Kinder und Freunde geben Aufschluß über persönliche Erfahrungen. Ratsuchenden in Fragen der Kunst oder des Lebens begegnet sie einfühlsam und aufgeschlossen.


    Verlag Neues Leben Berlin 1984



    Stefan Heym: Collin

    Mit bösem Witz, bockig bis an den Rand der Selbstverleugnung, ohne Furcht vor Beifall von der falschen Seite beschreibt der Altkommunist Stefan Heym in seinem Roman, was aus seinen politischen Träumen geworden ist. Rückhaltlos rechnet Heym mit der Entstehungsgeschichte der DDR ab. Es geht in diesem Buch, wie der „Spiegel“ schrieb, um die „Suche nach den Verlorenen, nach den Leichen im Keller, den von den Planierraupen der Parteiräson Zermalmten, nach den ,Sünden der Väter'“. Es geht um die Opfer der Säuberungen und der Stalinisierung in der Gründungsphase der ostdeutschen Republik. Und es geht auch um Beschreibungen von Personen, die sich trotz Terror und Willkür wohnlich in der DDR einrichteten. Unschwer sind Prominente wie Helene Weigel, Stephan Hermlin oder Johannes R. Becher zu entschlüsseln…


    Buchverlag Der Morgen Berlin 1990



    James Leslie Mitchell: „Ein schottisches Buch“


    Der lange Weg durchs Ginstermoor

    In der herben Landschaft Nordostschottlands, im Mearnsgebiet zwischen dem Grampiangebirge und der Nordsee, eingebettet in Hügel und ginsterbestandenes Hochmoor, unterhalb eines Steinkreises, der Erinnerungen an graue Vorzeit heraufbeschwört, in der Nähe düsterer Burgen – dort liegt der Weiler Kinraddie. Auf der Blaweariefarm verlebte die leidenschaftliche, nach einem erfüllten Leben strebende Chris Guthrie ihre Jungmädchenjahre. Die mühevolle Arbeit auf kargem Boden hat aus John Guthrie einen strengen Mann gemacht, dem nach tragischen Ereignissen und bitteren Zerwürfnissen nur das Land und seine Tochter Chris bleiben. Und als auch er besiegt ist, beginnt für Chris, die Heldin dieses Buches, ein glückliches Leben an der Seite Ewan Tavendales und ihres Sohnes. In diesem Familienroman wird eine ländliche Gemeinschaft, werden Farmer und Landarbeiter, glattzüngige Pastoren und stolze Hochlandschotten lebendig: der Lange Rob von der Mühle, ein an alte Volkshelden erinnernder Freidenker; der vitale und gerechte Chae Strachan, der großmäulige Ire Ellison, die raffgierigen Nachbarn Munro, Mutch und Gordon; Reverend Gibbon und der Dudelsackpfeifer McIvor. Hier wird der schottische Farmer in seiner Widersprüchlichkeit begreifbar, in seiner Hilfsbereitschaft und Schwatzhaftigkeit, Offenheit und Hinterlist, Sinnenfreude und Bigotterie. Wie von einem Barden vorgetragen, fließt die episodenreiche, von derbironischem Volkshumor durchdrungene Handlung dahin. Die Landschaft und dramatische Höhepunkte werden nacherlebbar gestaltet: der Brand von Chae Strachans Anwesen, Chris‘ Hochzeit und die Gedenkfeier zu Ehren der im ersten Weltkrieg Gefallenen.


    Dieser erste Band der Trilogie ist mit seiner Urwüchsigkeit, dem rhythmischen Schwung der Sprache und der balladesken Schilderung von Sitten und Gebräuchen ein Buch von poetischer Schönheit.


    Verlag Volk und Welt Berlin 1977



    Wolken über der Ebene

    Chris und Pfarrer Colquohoun verlassen im zweiten Band von Mitchells Trilogie den Weiler Kinraddie und siedeln sich in Segget an.

    Ach, Segget ist ein schmutz’ges Nest,

    voll Jauche alle Pfützen,

    ’ne Kirche ohne Glockenturm,

    ein Volk von groben Klötzen.

    So heißt es in einem Spottgedicht über das an der Südseite des Mounth, in der Ebene von Mearns, gelegene Städtchen. Der tatkräftige Robert Colquohoun möchte hier, wo Boshaftigkeit und Klatschsucht und schmuddelige Ehrbarkeit zu Hause sind, wo engstirnige und engherzige Spießer den Ton angeben, mit Unterstützung der Bürger umwälzende Veränderungen herbeiführen. Doch Männer wie der wieselgleiche Schneider Peter Peat, der lüsterne Großbauer Dalziel, der frömmelnde Postmeister MacDougall Brown oder gar der Fabrikbesitzer und geschniegelte Lebemann Stephen Mowat wollen die bestehenden Verhältnisse nicht angetastet sehen. Robert Colquohoun erkennt, daß er einem Trugbild nachgejagt ist und daß seine Hoffnungen nichts als Nebelschleier waren. Nach qualvollen inneren Auseinandersetzungen, die zu Mißverständnissen zwischen ihm und seiner Frau führen, wendet er sich schließlich zukunftsträchtigen Ideen zu. Ihm bleibt nicht die Zeit, sie zu verwirklichen, doch mit Ewan Tavendale, seinem Stiefsohn, reift eine neue, wache Generation heran.

    Derbhumoristische Episoden verdichten sich in diesem Roman zu einer amüsanten Satire auf den schottischen Kleinbürger. Seine Verhaltensweisen und Vorurteile spiegeln nicht bloß die Atmosphäre in einer schottischen Kleinstadt der späten zwanziger Jahre, sondern sie vermitteln das Bild einer Gesellschaft in einer bewegten Zeit.


    Verlag Volk und Welt Berlin 1977



    Flamme in grauem Granit

    Auch der letzte Band der Romanfolge „Ein schottisches Buch“ ist ein ungewöhnliches Leseerlebnis. Die episodenreiche, bewegte Handlung spielt in Duncairn, einer auf der Ebene von Mearns gelegenen Industriestadt, über der hauchzarte Schleier gelben Nebels liegen und wo ständig der Geschmack alten Rauchs zu spüren ist. Hier prallen die sozialen Gegensätze hart aufeinander, und hier begegnen wir der verwitweten Chris Colquohoun und ihrem Sohn Ewan Tavendale wieder. Chris glaubt, Liebe, Begehren und Hoffnung seien in der Vergangenheit, in Kinraddie und Segget, begraben. Sie widmet sich ganz der täglichen Arbeit in der Pension, die sie als Teilhaberin der polternden Mutter Cleghorn betreibt. Ewan, Lehrling in einem Stahlwerk, begreift recht bald, daß man nicht unbeteiligt an seiner Zeit vorbeieilen darf. Durch seine Freundschaft mit jungen Arbeitern erhält er Einblick in eine für ihn bisher fremde Welt, die hübsche Lehrerin Ellen und der Arbeiterführer Big Jim Trease bewirken eine Wandlung zur befreienden Tat. Voller Sympathie beobachtet Chris die Entwicklung ihres Sohnes, doch herkunftsbedingte Vorstellungen hindern sie, ihm zu folgen. Als sie schließlich die Pension auf der Windmühlenhöh aufgibt, als der Tod oder Mißverständnisse sie von nahestehenden Menschen trennen, kehrt diese ungewöhnliche Frau an den Ort ihrer Kindheit zurück, auf den Bauernhof Cairndhu. Und am Ende des Buches blickt Chris Colquohoun auf ihr erfülltes Leben zurück und denkt über den Wandel nach, der, „vergleichbar dem Wind, Erlöser, Zerstörer und Freund in einem ist“.


    Verlag Volk und Welt Berlin 1977

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Dieser erste Band der Trilogie ist mit seiner Urwüchsigkeit, dem rhythmischen Schwung der Sprache und der balladesken Schilderung von Sitten und Gebräuchen ein Buch von poetischer Schönheit.

    Wurden auch die anderen Teile der Trilogie gelesen? Der erste Teil klingt nämlich sehr schön, aber oft flacht die Geschichte während weiterer Teile ab.

    Being alone isn't something to endure - it's something to relish.

  • Die Trilogie wird anscheinend neu übersetzt:


    Der lange Weg durchs Ginstermoor als Lied vom Abendrot (2018)

    Wolken über der Ebene als Wind und Wolkenlicht (2021)

    Band 3 fehlt noch

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Kurt David: Der Spielmann vom Himmelpfortgrund

    Ein Spielmann war es, der ihm das erste Musikerlebnis vermittelte, ein Spielmann wollte auch er werden. Der Vater hingegen wollte etwas Solides aus ihm machen, er sollte Schulmeister werden wie er selbst und die Brüder. Ein schwerer Konflikt im Leben des jungen Franz Schubert. Aber es ist ja auch nicht leicht für einen braven und etwas despotischen Lehrer, ein Genie zum Sohn zu haben.


    Der Kinderbuchverlag Berlin

    Illustrationen: Renate Jessel



    Jiri Krenek: Das Haus am Lärchenwald

    Der Autounfall aus Übermüdung bei der Urlaubsreise in die Tatra erweist sich als Glücksfall: Eine Oase der Stille empfängt die streßgeplagten Großstädter in dem kleinen mährischen Dorf. Da sie sich schnell heimisch fühlen, verbringen sie kurzentschlossen ihre Ferien auf dem Lande und machen dabei verblüffende Entdeckungen.


    Roman-Zeitung 448



    Renate Feyl: Der lautlose Aufbruch

    Von Frauen wird erzählt, die nicht gewillt waren, ihr Leben in Einfalt und Unterordnung zu verbringen. Allen, von Maria Sybilla Merian bis Lise Meitner, ist gemeinsam, daß sie sich durch wissenschaftliche Leistungen einen Platz in der Geschichte sicherten und sich aus der den Frauen von der bürgerlichen Gesellschaft vorgeschriebenen Rolle befreiten. Welchen Anfeindungen sie ausgesetzt waren, wieviel Engstirnigkeit ihnen begegnete und wie sie sich trotz alledem mit Geduld und Leidenschaft den Weg in die Wissenschaft bahnten, das wird in den hier versammelten elf literarischen Porträts eindrucksvoll gezeigt.


    Verlag Neues Leben Berlin 1985

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand

    Was ist aus den Erwartungen und Träumen geworden? Eine junge Frau befragt ihre Liebe, überdenkt ihr Leben:

    Sie entflieht der behüteten Kindheit, heiratet achtzehnjährig, aus Opposition gegen die mütterliche Bevormundung, den schönen jungen Mann Wolfgang Exß, der sie quält, den sie quält, von dem sie sich trennt. Auf der Suche nach Aufgaben, die es ihr erlauben, sich zu beweisen, sich zu finden, zieht es die junge Architektin hinaus… nach N., in die fremde, neue Stadt, die erst eine werden soll. Sosehr sie sich des Vorläufigen hier bewußt ist und, zaghaft oder hochmütig, daran denkt, wegzugehen (und es dann auch für ein Zwischenspiel tut) – die neue Stadt und deren Menschen werden ihr Schicksal: der überkorrekte, versteckt sensible Schafheutlein, der sich ihren eigenwilligen Plänen zu widersetzen sucht; die Freund-Feindin Gertrud, die ihr Leben wegwirft, und der Kipperfahrer, der merkwürdige Herr Trojanowicz, von dem Franziska will, daß er Ben ist, daß er dem erträumten Bild entspricht, und der es doch nicht sein kann.


    Verlag Neues Leben Berlin 1974



    Renate Feyl: Idylle mit Professor

    An der Seite ihres berühmten Mannes kämpft sie um ihre Selbstbehauptung: Luise Adelgunde Victoria Gottsched (1713 bis 1762): Sie will unabhängig sein, trotz Familie und Beruf. Es genügt ihr nicht, Gehilfin ihres Mannes zu bleiben. Sie erprobt ihre Talente und findet als Lustspieldichterin und Übersetzerin weithin Anerkennung. Gottsched, der mit Titeln, Ämtern und Ruhm überhäuft ist, kann sich nicht damit abfinden, daß seine gelehrige Schülerin auch ohne ihn Erfolg hat. Im täglichen Zusammenleben versucht er, seinen Herrschaftsanspruch als Eheherr aufrechtzuerhalten.


    Trotz der Demütigungen, die Luise Adelgunde Victoria Gottsched erfährt, durchbricht sie die Normen des Althergebrachten und Gewohnten, befreit sich aus der Vormundschaft ihres Mannes und wird die erste Schriftstellerin in Deutschland, der es gelingt, aus ihrer Neigung einen Beruf zu machen.


    Verlag Neues Leben Berlin 1986

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Renate Feyl: Idylle mit Professor

    Die, wie er sie nannte, "Gottschedin" war tatsächlich eine sehr interessante Figur. Dieses Buch kenne ich zwar nicht, aber eine Beschäftigung mir ihr lohnt allemal.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Christa Wolf: Sommerstück

    „Das ist es“, fühlen beide, Ellen und Jan, als sie in einem mecklenburgischen Dorf ein Haus besichtigen.


    Schon lange, schon vor dem letzten, wüsten Winter in der Stadt hatten sie empfunden, daß sie anders leben müssten als bisher. Unter der intensiven Sonne des Sommers, den man später den „Jahrhundertsommer“ nennen wird, lassen sich Ellen und Jan, und mit ihnen nachziehende und durchziehende Freunde, in einen Lebenstaumel reißen: Bei griechischer Musik sitzen sie bis in die Nächte unter dem hohen Himmel zusammen, reden über Gedichte und Baustoffe, essen, trinken, erzählen sich Träume. Überschwenglich und fassungslos wie die Zeichen der von der Hitze beherrschten Natur sind ihre Gefühle – Hoffnungen und Wünsche werden offenbar und Ängste, Zweifel, Beschädigungen.


    Das andere Leben, das zwanglose, geborgene Zusammensein, wird begonnen und ein Vorrat an Gemeinsamkeit angelegt, um vergangenes und bevorstehendes Alleinsein, alte und künftige Kränkungen ertragen zu können.


    Sie proben ein „Sommerstück“ vom Landleben, in dem die Worte „Rückzug“ und „Inselleben“ herumgeistern und an das sie sich dennoch sehnsüchtig erinnern werden: „Damals haben wir gelebt.“


    Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1989



    Ilse und Vilmos Korn: Meister Hans Röckle und Mister Flammfuß

    Ist Meister Hans Röckle nicht ein Zauberer? Viele Leute glauben das. Um den Armen zu helfen, sucht Hans Röckle mit seinem Rohr Überallhin den Weg in das Land Morgen und Übermorgen und schließt, um ans Ziel zu gelangen, sogar einen Pakt mit dem Teufel.

    Den Ausgangspunkt für diese neue Märchenerzählung bilden die Röckle-Märchen, die den Lesern des Buches „*ohr und die Raben von London“ schon bekannt sind.


    Der Kinderbuchverlag Berlin

    Illustrationen: Erich Gürtzig



    Iwan Turgenjew: Vorabend

    Der Roman „Vorabend“ wurde 1860 erstmals veröffentlicht. Die zentrale Idee seines Werkes charakterisierend, schrieb der Dichter: „Meinem Roman liegt der Gedanke zugrunde, daß nun bewußt heroische Naturen notwendig sind . . . um die Sache voranzubringen.“ Diese „ Sache“ war für Turgenjew zweifellos die Befreiung Rußlands von der Leibeigenschaft. Obwohl der Dichter politisch seiner eigenen Kaste, den adligen Liberalen, nahestand und ihm – wie Lenin hervorhob – der „bäuerliche Demokratismus DobroIjubows und Tschernyschewskis widerwärtig war“, erblickte er als Realist und Humanist das höchste Kriterium seiner Kunst darin, „objektiv und eindrucksvoll die Wahrheit, die Wirklichkeit des Lebens widerzuspiegeln, auch dann, wenn diese Wahrheit nicht mit den eigenen Vorstellungen und Sympathien übereinstimmte. Iwan Sergejewitsch Turgenjew wurde 1818 als Sohn eines ehemaligen Oberst und einer reichen Gutsbesitzerin in Orjol (Mittelrußland) geboren. Seine Kindheit verlebte er auf dem Gut Spasskoie-Lutowinowo…

    Roman-Zeitung 447

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Anne Holden: Wahrheit aus zweiter Hand

    Sylvia Manson hat sich ihr Leben eingerichtet. Verheiratet mit einem Mann, den sie wegen seiner Seriosität und Tüchtigkeit schätzt, sieht sie in der heimlichen Affäre mit Terence Lambert eine willkommene Abwechslung im gleichförmigen Ehealltag. Es ist die alte Geschichte, die jedoch eine unerwartete Wendung nimmt, als Sylvia vom Zimmer ihres Geliebten aus einen Sexualtäter beobachtete. Da sie es für ihre Pflicht hält, der Polizei die so wichtige Personenbeschreibung zukommen zu lassen, aus verständlichen Gründen aber nicht in Erscheinung treten möchte, bittet sie Terence, an ihrer Statt eine Aussage zu machen. Ein halbherziger Entschluß aus Wahrheit und Lüge, der verhängnisvolle Folgen hat.


    Verlag Das Neue Leben 1984

    DIE Delikte Indizien Ermittlungen



    Horst Jäger: Waffen im Mühlwaldtal

    Einst waren die Hornschuchs nach Mühlwald gekommen, umgeben von Bergen und Wäldern. Hier suchten sie Arbeit und Glück. Arbeit fand sich, doch hockten Dürftigkeit, Krankheit und Not oftmals mit am Tisch. Sosehr sich Bruno Hornschuch auch anstrengte, das Glück wollte sich nicht einstellen.


    Anders dagegen auf dem Schneidemühlenhof! Nicht, daß die Scheidlers glücklich gewesen wären, aber man hatte sein Auskommen und noch etwas mehr. Und Alwine, die Bäuerin, verfolgte ehrgeizige Ziele…


    Doch seit langem liegt Unruhe über dem Land. Von Verschwörung munkelt man, von Waffenlagern und heimlichen Treffs. Die Zeit der Idylle ist vorbei.


    Alwine Scheidlers Träume erfüllen sich nicht. Auch wenn sie sich mit eiserner Energie dagegen wehrt, sie kann nicht verhindern, daß zwei ihrer Kinder aus der bedrückenden Enge ausbrechen und ihren eigenen Weg suchen. Noch ahnt Alwine Scheidler nicht, wie weit die Geschicke ihrer Familie und die der Hornschuchs ineinandergreifen.


    Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik Berlin 1977



    Edith George: Was sieht die Ringeltaube?

    „Hier laßt uns Anker werfen: im Wortemeer. Drei Zeilen fern von den Zeitungsschwärmen.“ Dieser Ruf John Erpenbecks führt in eine Anthologie neuer Gedichte. Sie präsentiert, was hierzulande an guten und wichtigen Gedichten vornehmlich in den letzten zwölf Jahren entstanden ist. Bekannte Autoren kommen zu Wort, aber auch junge, sich erprobende. Ihre Verse, drei Zeilen fern von den Zeitungsschwärmen, sind Zeugnis von unserer Welt. Nicht von ungefähr ist vom Schauen die Rede, von all dem, was Ringeltaube und Perlenreiher sehen, der Mensch aber viel deutlicher.


    Kinderbuchverlag Berlin 1978

    ATB Buch Nr 86

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Witali Gurbajew: Das Geheimnis des roten Planeten

    Ein in seiner Form ungewöhnliches Buch, es verknüpft Erzählung, Märchen und wissenschaftliche Phantastik zu einer spannenden und dabei belehrenden Geschichte: Ein Zauberer lädt Kinder zu einem Flug nach einem fernen Planeten ein. Auf dem Morgenstern finden sie neben urzeitlichem Leben auch die moderne Technik. Sie begegnen einer Expedition vom Kalten Stern, und sie lernen die schöne Fler kennen, mit der sie aufregende Abenteuer bestehen.


    Der Kinderbuchverlag Berlin

    Aus dem Russischen von Dagni Dittelbach

    Illustrationen: Gerhard Bläser

    Robinsons billige Bücher 136



    Edith George, Regina Hänsel: Ans Fenster kommt und seht… – Gedichte für Kinder

    Ein Blick in den weiten bunten Garten der Kindergedichte. Ein Hausschatz für kleine und große Leser. Altbekannte und beliebte Verse sind in dieser Sammlung ebenso zu finden wie die besten Kindergedichte unserer Gegenwart. Der Illustrator hat mit seinen bezaubernden Illustrationen verstanden, die Schönheit und Tiefe dieser Lyrik zu interpretieren.


    Der Kinderbuchverlag Berlin 1968

    Illustrationen: Eberhard Binder-Staßfurt



    Fritz Böttger: Bettina von Arnim – Ein Leben zwischen Tag und Traum

    „Die Lieben, meine Clemente, die werde ich einfangen wie den Duft einer Blume…“, schrieb Bettina von Arnim (1785-1859), damals noch die „kleine Brentano“, an ihren Bruder Clemens. Die Liebe blieb zeitlebens ein Grundzug ihres Lebens. Und sooft sie auch scheiterte – meist am Unverständnis der Menschen ihrer Umwelt -, nie hat sie die Kraft verloren zu lieben. Zu ihrer Zeit war sie eine bekannte Schriftstellerin. In ihrem Berliner Salon trafen sich in den vierziger Jahren berühmte Persönlichkeiten, die für die Entwicklung des geistigen Lebens in Deutschland richtungweisend waren. Bettinas Verhältnis zu all diesen Menschen war immer ein ganz persönliches – von keiner Konvention getrübt, der sie sich nur im äußersten Fall unterwarf. Kein Wunder, daß sie nicht selten die damalige Gesellschaft schockierte, aber Männer wie Goethe, Beethoven, Varnhagen von Ense, die Brüder Grimm mit ihrem Geist und Charme bezauberte.


    Fritz Böttger, der sich durch zahlreiche Editionen als gründlicher Kenner der deutschen Romantik ausgewiesen hat, ist es hier gelungen, das Bild dieser vielseitig begabten Repräsentantin der deutschen Romantik von falschen Vorstellungen zu lösen, die Bedeutung ihrer einmaligen Persönlichkeit, ihrer gesellschaftlichen wie künstlerischen Aktivität herauszustellen. Eine tiefe Symbolik sieht er in der Tatsache, daß ihr Leben zwischen zwei Revolutionen gestellt war: Bei Ausbruch der ersten, 1789, war sie vier Jahre alt, die 1848er Revolution hat sie auf ihre Weise mit vorbereitet und verteidigt. Böttgers Lebensbild der Bettina bietet einen wesentlichen Beitrag in der kritischen Auseinandersetzung mit dieser bedeutsamen, nicht unproblematischen Epoche.


    Verlag der Nation Berlin 1986

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Einige Beiträge weiter oben ist Gisela Steineckert genannt (Briefe)

    Diese kenne ich zwar nicht, aber ihre Gedichte finde ich sehr gut!

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)