Was in der DDR gelesen wurde - Ein Lesetagebuch

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 365 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Anne.

  • Ivan Olbracht: Anna

    Jung und unerfahren kommt Anna, ein einfaches Mädchen vom Lande, nach Beendigung des ersten Weltkrieges aus ihrem Heimatdorf nach Prag, in die große, fremde Stadt, die voller Gefahren für ein schutzloses Mädchen ist, wie ihr die Frau Baumeister Rubes, ihre „Herrschaft“, täglich vor Augen hält. Erst als es Anna dank der resoluten Marena aufgeht, was es mit diesen Schauergeschichten in Wahrheit für eine Bewandtnis hat, öffnen sich ihr auch die Augen für den moralischen Schmutz, der sich hinter der bürgerlichen Wohlanständigkeit der Familie Rubes verbirgt: sie begreift, warum der Baumeister seinen Sohn durch Detektive verfolgen läßt und warum Anna für Dadla, die Tochter, heimlich Briefe bestellen muß.

    Doch eine andere, eine neue Welt tut sich vor Anna auf, als der junge Gießer Tonik aus den Kolbenwerken in ihr Dasein tritt. Sie wird seine tapfere Lebensgefährtin, sie erlebt das Glück der Mutterschaft, teilt mit Tonik und seinen aufrechten Genossen alle Not und kämpft mit ihnen für eine bessere Welt.


    Rütten & Loening Berlin 1964



    Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel 1

    Manche Leute zerbrechen sich den Kopf über mein Buch, statt ganz einfach es zu lesen und zu probieren, was es ihnen sagt. Es will nur eine Dichtung sein, weder eine Philosophie noch eine politische Utopie. In die Zukunft mußte ich diese Geschichte verlegen, nicht weil Kastalien, der Orden und die Hierarchie zukünftige Dinge wären oder von mir willkürlich ausgedachte, sondern weil alle diese Dinge stets und immer vorhanden waren, im Altertum und im Mittelalter, in Italien und in China, denn sie sind eine echte "Idee" im Sinne Platos, nämlich eine legitime Form des Geistes, eine typische Möglichkeit des Menschenlebens. - Hermann Hesse an Cuno Amiet


    Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1. Auflage 1987

    Taschenbibliothek der Weltliteratur (TdW)

    Abbildung: Hermann Hesse "Im Tessin" (Detail)



    Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel 2

    Im "Glasperlenspiel" werden im Nachtrag drei Biographien mitgeteilt, der Regenmacher, der Beichtvater und ein indischer Lebenslauf, Schülerarbeiten des Josef Knecht. Und jede dieser Biographien ist eine Selbstbiographie des Schülers in einer anderen Zeit und einer anderen Kultur. Der Gegenstand aller Bemühungen von Hermann Hesse ist eine Anthropologie, ein Bild des Menschen. Das Studienobjekt dazu, das er am besten kennt, ist er selbst, Hermann Hesse. Dieses Objekt beobachtet und prüft er unausgesetzt ... Das Gesetz seines Lebens besteht aber nicht in einem Ethos, in Prinzipien, einer Ideologie, sondern der Gerichtshof, das Prüfungsamt, besteht aus allen möglichen Erscheinungen seiner selbst, und jede dieser Erscheinungen steht im Rahmen einer der vielen Kulturen der Menschheit. So vollzieht sich sein Leben in der beständigen Prüfung vor dem Geist der Menschheit. - Peter Suhrkamp


    Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1. Auflage 1987

    Taschenbibliothek der Weltliteratur (TdW)

    Abbildung: Hermann Hesse "Das neue Haus" (Detail)



    Heinrich Hoffmann: Der Struwwelpeter

    „Gegen Weihnachten des Jahres 1844, als mein ältester Sohn drei Jahre alt war, ging ich in die Stadt, um demselben zum Festgeschenke ein Bilderbuch zu kaufen, wie es der Fassungskraft des kleinen menschlichen Wesens in solchem Alter entsprechend schien. Aber was fand ich? Lange Erzählungen oder alberne Bildersammlungen, moralische Geschichten, die mit ermahnenden Vorschriften begannen und auch schlossen.


    Als ich damals heimkam, hatte ich aber doch ein Buch mitgebracht; ich überreichte es meiner Frau mit den Worten: ‚Hier ist das gewünschte Buch für den Jungen!’ Sie nahm es und rief verwundert: ‚Das ist ja ein Schreibheft mit leeren weißen Blättern!’ – ‚Nun ja, da wollen wir ein Buch daraus machen!’ Damit ging es nun aber so zu. Ich war damals, neben meinem Amt als Arzt der Irrenanstalt auch noch auf Praxis in der Stadt angewiesen.


    Nun ist es ein eigen Ding um den Verkehr des Arztes mit Kindern von drei bis sechs Jahren. In gesunden Tagen wird der Arzt und der Schornsteinfeger gar oft als Erziehungsmittel gebraucht: ‚Kind, wenn du nicht brav bist, kommt der Schornsteinfeger und holt dich!’ oder: ‚Kind, wenn du zu viel davon issest, so kommt der Doktor und gibt dir bittere Arznei, oder setzt dir gar Blutegel an!’ Die Folge ist, daß, wenn in schlimmen Zeiten der Doktor gerufen in das Zimmer tritt, der kleine kranke Engel zu heulen, sich zu wehren und um sich zu treten anfängt. Eine Untersuchung des Zustandes ist schlechterdings unmöglich.


    Da half mir gewöhnlich rasch ein Blättchen Papier und Bleistift; eine der Geschichten wie sie in dem Buche stehen, wird rasch erfunden, mit drei Strichen gezeichnet, und dazu möglichst lebendig erzählt. Der wilde Oppositionsmann wird ruhig, die Tränen trocknen, und der Arzt kann spielend seine Pflicht tun.


    So entstanden die meisten dieser tollen Szenen, und ich schöpfte sie aus vorhandenem Vorrate; einiges wurde später dazu erfunden, die Bilder wurden mit derselben Feder und Tinte gezeichnet, mit der ich erst die Reime geschrieben hatte, alles unmittelbar und ohne schriftstellerische Absichtlichkeit. Das Heft wurde eingebunden und auf den Weihnachtstisch gelegt. Die Wirkung auf den beschenkten Knaben war die erwartete; aber unerwartet war die auf einige erwachsene Freunde, die das Büchlein zu Gesicht bekamen. Von allen Seiten wurde ich aufgefordert, es drucken zu lassen und es zu veröffentlichen…“ – Heinrich Hoffmann


    Edition Peters 1979

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Das ist interessant: Eines der wenigen Bücher, die ich von meinem Vater noch habe, ist auch von Theodor Storm

    (Bertelsmann Lesering, HC 730 S, Nr. 6348 - keine ISBN! - mit Novellen und Gedichten

    (darunter eins meiner Lieblingsgedichte von ihm "Die Zeit ist hin".....

    (S. 95)


    oder TROST


    "So komme, was da kommen mag!

    Solang du lebest, ist es Tag.


    Und geht es in die Welt hinaus

    wo du mir bist, bin ich zu Haus.


    Ich seh dein liebes Angesicht,

    ich sehe die Schatten der Zukunft nicht."

    (S. 374)


    Buchtitel: Theodor Storm

    AM GRAUEN MEER

    Gesammelte Werke

    hrsg. von Rolf Hochhuth


    (mit Gemälden des 19. und 20. Jhd. und Zeichnungen von Alfred Menzel) - mit wunderschönem Cover! (Frauen am Meer oder auf dem Feld, Vorseite eine jüngere Frau mit Haube

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

  • A. Daudet: Briefe aus meiner Mühle

    Vielleicht ahnt mancher gar nicht, welcher Art die Gedanken sind, denen Daudet in einer alten, unbenutzten Mühle im Lande der Tamburine und des Muskatellers, umgeben vom Gesang der Meisen und Grillen, nachhing und welch reizvolle Gebilde diesem Träumen entsprangen. Schwankhaft, derb, volkstümlich, saftvoll und plastisch sind die Geschichten von der nachträglichen Mauleselin des Papstes, vom sündenanfälligen Pater Gaucher, vom trefflich wortgewaltigen Pfarrer von Cucugnan, von den drei Stillen Messen. Doch oft wird die Heiterkeit von leiser Wehmut abgelöst, sobald von guten alten Käuzen wie dem Windmüller Corneille die Rede ist oder von dem erblindeten Bixiou, der ein Leben lang das wohldosierte Gift seines Sarkasmus verspritzte und in dem doch ein menschliches Herz schlägt…


    Ja, selbst tiefe Tragik blitzt für Augenblicke auf: vor der Leiche Jans, des unglücklichen Liebhabers, und im Antlitz des Scherenschleifers von Beaucaire, mit dessen Weib es noch ein böses Ende nehmen wird.


    Feingewoben, wie duftige Schleier, die der Dichter ewigen Wahrheiten überwirft: die gleichnishafte Erzählung vom Tod des Dauphins, von den Ziegen des Herrn Seguin, vom Mann mit dem goldenen Gehirn. Und wer nicht ergriffen ist vom Geheimnis jener verfallenen Schenke an der staubigen Landstraße von Nimes oder von dem Wunder, das einem schwergeplagten Unterpräfekten in der Gesellschaft von Grasmücken und Grünspechten geschieht – der hat einfach keine Poesie im Leibe!


    Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig

    Illustrationen: Hanns Georgi



    Hans-Dieter Bräuer: Dean Reed erzählt aus seinem Leben

    Am 22. September 2018 wäre Dean Reed 80 Jahre alt geworden. Sein Tod ließ Fragen offen. Es sah alles nach einem Selbstmord aus. Da in den DDR-Nachrichten aber von einem Unglücksfall gesprochen wurde, sprossen Theorien, nach denen die verschiedensten Geheimdienste ihre Hand im Spiel gehabt haben sollen.

    Wie auch immer, ich freue mich, dass ich eine Langspielplatte gefunden habe, die ich früher zu Hause viel gehört habe und ein Buch, in dem er über sein Leben erzählt (aufgeschrieben von Hans-Dieter Bräuer).


    Verlag Neues Leben Berlin 1984



    René Schwachhofer: Aus dem Schatten ans Licht

    Lange zu Unrecht vergessene und verkannte deutsche Dichter wie die Vormärzdichter Gottfried Kinkel und Friedrich von Sallet, wie Heym, Trakl, Alfons Petzold und schließlich Walter Steinbach – der jüngst verstorbene Dichter unserer Tage -, werden in dieser mit Holzschnittporträts ausgestatteten Anthologie „aus dem Schatten“ der Vergessenheit oder der falschen Deutung „ans Licht“ gebracht. Kurze Lebensdarstellungen erklären, warum diese Dichter und Streiter, deren Werk zumeist unvollendet blieb, scheitern mußten, und würdigen die Seiten ihrer Persönlichkeit um ihres Schaffens, die bisher zu wenig berührt wurden. Charakteristische Proben aus Lyrik und Prosa stellen ein lebendiges Verhältnis zu ihnen her.


    Aus der Verschiedenheit der Zeit, der gesellschaftlichen Verhältnisse, der Lebensumstände, der charakterlichen Veranlagungen und künstlerischen Begabungen läßt sich doch eine Gemeinsamkeit in der geistigen Haltung dieser stets sich verantwortlich fühlenden deutschen Dichter aufspüren: Alle stehen im Widerspruch zu den gesellschaftlichen Mißverhältnissen ihrer Zeit, alle kämpfen auf ihre Art gegen den Rückschritt an.


    Verlag der Nation Berlin 1955

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Klaus Klauß: Duell unter fremder Sonne

    Auf Litennos, dem zweiten Planeten des Barnardschen Sonnensystems, wird Leben vermutet. Fünf Kosmonauten erhalten den Auftrag, Gewißheit zu holen.


    Der Flug verläuft nicht ohne Komplikationen: Sie geraten in einen Sonnensturm und in eine Dunkelwolke, das Raumschiff wird manövrierunfähig. Die Raumschiffbrüchigen erreichen mit Müh und Not den zweiten Planeten. Die Kosmonauten kommen in eine Gesellschaft, die auf einer niedrigeren Entwicklungsstufe steht, sie müssen Gefahren abwehren, werden in Ereignisse verstrickt, sind stets im Zweifel, was man tun darf oder tun muß – bestehen manche Bewährungsprobe…


    Militärverlag der DDR, Berlin 1985



    Hanns Glöckle: Die Gierigen

    Nicht einer der Letzten zu sein, „den die Hunde beißen“, sondern einer der Ersten, die „auf der Sonnenseite des Lebens“ stehen, das ist frühes Wunschbild des achtzehnjährigen Richard Pommer. Flimmerkistenhelden haben ihm verlockende Ziele vorgelebt, und unsinnig erscheint ihm in den ihn umgebenden Verhältnissen die Bedrängtheit eines einfachen, ehrlichen Erwerbslebens. So bricht er aus der kleinbürgerlichen Atmosphäre seines Elternhauses in der Fellenbergstraße heraus, so unterstellt er sich dem Wolfsgesetz übler Geschäftemacherei, so verfällt er dem Strudel Münchner Lebekreise und den anscheinend unlösbaren Wirrsalen einer Welt der Halbstarken. Das erschütternde Erlebnis des Selbstmordes eines in seiner Gesellschaft verkehrenden jungen Mädchens ruft Richard Pommer zur Besinnung, aus der für ihn zugleich eine neue Gesinnung wächst.

    Der Münchner Autor, Hanns Glöckle, hat in seinem spannungsreichen Roman Probleme gestaltet und Konflikte dargestellt, die heute große Teile einer suchenden Jugend in Westdeutschland bewegen.


    Verlag der Nation Berlin 1957



    Alexander Bek: Die Wolokolamsker Chaussee

    1944 schrieb Alexander Bek seinen Roman über den Beginn der erbitterten Verteidigungsschlacht im Herbst 1941 vor Moskau. Er schrieb ihn nach dem Bericht des kasachischen Gardeobersten Baurdshan Momysch-Uly, der als junger Oberleutnant daran teilgenommen hatte. Als Bataillonskommandeur der Panfilow-Division, der es damals gelang, die Zugänge zur Wolokolamsker Chaussee, der großen nordwestlichen Zufahrtsstraße nach Moskau, abzuriegeln, erlebte er, wie schwer es ist, sich zu einem Kämpfer zu entwickeln, der die Angst überwindet, der weiß, daß der Soldat nicht in den Kampf zieht, um zu sterben, sondern um zu leben, der erkennt, daß zum Siegen außer Mut auch militärisches Wissen und Standhaftigkeit gehören. Mit Bitternis spricht er von den Gewissensqualen, vor die er sich gestellt sieht, als er einen Feigling erschießen lassen muß: „Vor langer Zeit wurde mein Vater, ein Nomade, in der Wüste von einer Giftspinne gebissen. Niemand war in der Nähe außer dem Kamel. Mein Vater zog sein Messer und schnitt sich dort, wo ihn die Spinne gebissen hatte, ein Stück Fleisch aus dem eigenen Körper. Genauso verfuhr ich jetzt: Mit dem Messer schnitt ich mir ein Stück eigenen Fleisches heraus. Ich bin ein Mensch. Alles Menschliche in mir widersetzte sich meinem Entschluß und forderte Mitleid. Doch ich war gezwungen, blutig in die Herzen einzuzeichnen: Für einen Vaterlandsverräter gibt es keinen Pardon!“


    Verlag Volk und Welt Berlin 1980

    Bibliothek des Sieges

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Halldór Laxness: Das wiedergefundene Paradies

    Weithin berühmt sind die kunstvollen Mauern des Leitenhofes in Ostisland, an denen viele Generationen gebaut haben. Diese Mauern sind der Stolz des Leitenbauern Steinar, ebenso wie das weiße Wunderpferd Krapi, das Steinars Kinder für ein elbisches Wesen halten. Der Leitenbauer macht Krapi dem König Christian Wilhelmssohn zum Geschenk, der im fernen Dänemark lebt, und König Christian revanchiert sich für die fürstliche Gabe, indem er Steinar einlädt, ihn in seinem Schloß in Kopenhagen zu besuchen. Die Begegnung mit Königen, Zaren, Kronprinzen und Großfürstinnen beeindruckt Steinar indes nicht annähernd so wie die mit dem Mormonenbischof Didrik, der die Herrlichkeit des Neuen Zion in der Salzwüste von Utah preist. Die Hoffnung auf mehr Wohlstand und Gerechtigkeit, als sie in Island zu finden sind, führt Steinar nach Amerika, in ein neues Leben mit neuem Glauben; doch als er nach vielen Jahren vor den verfallenen Mauern des Leitenhofes steht, erscheint ihm ihr Wiederaufbau wichtiger als die Verwirklichung des Gottesreiches auf Erden.


    Aufbau-Verlag, 1. Aufl., 1982

    Taschenbibliothek der Weltliteratur (TdW)

    Abbildung: "Das Tal Laugardalur" von Edward Dayes (Ausschnitt)

    Titel der isländischen Originalausgabe "Paradisarheimt"



    Knut Velhagen: „Operación Chanchera“

    „Setzen Sie sich!“ Pastora wies auf eine als Sitzgelegenheit dienende Munitionskiste.

    Allgemeines Geplauder, ein paar persönliche Fragen nach der Familie. Aber deshalb hat er mich doch nicht rufen lassen, dachte Ernesto. Dann endlich eine erste, wahrscheinlich auf den Zweck des Ganzen zielende Frage. „Können Sie einen LKW fahren? Waren Sie schon mal in Managua?“


    Fahren könne er, meinte Ernesto. Managua, die Hauptstadt, aber kenne er nur dem Namen nach.


    Pastora schwieg einige Sekunden, beugte sich dann vor, sah dem jungen Kämpfer fest in die Augen und fragte mit gedämpfter Stimme: „Wären Sie bereit, bei einer Aktion mitzuwirken, die für unsere Bewegung äußerst bedeutsam, in ihrem Ausgang aber höchst ungewiß ist? Um es deutlicher zu sagen: sind Sie bereit, Ihr Leben aufs Spiel zu setzen?“


    Pastora mochte Gründe haben, so zu fragen. Sicherlich wurde da ein kreuzgefährliche Sache geplant…


    Militärverlag der DDR Berlin 1984

    Tatsachen 224



    Guy de Maupassant: Eine Landpartie - Novellen

    In seiner Grabrede für Maupassant sagte Zola, es sei die besondere Gabe des Freundes gewesen, auf wenigen Seiten einer kurzen Geschichte "das Mark" dessen zu bieten, wozu andere den breiten Raum eines ausführlichen Romans benötigt hätten. Und eben hierin besteht die Originalität und die über den Bezirk der schönen Literatur hinausreichende Bedeutung Guy de Maupassants: seine Novellen sind nicht nur kurzweilige Geschichten und jede ein Kunstwerk; sondern es setzt sich aus ihnen das Mosaikgemälde einer zugleich glänzenden und kranken Gesellschaft zusammen. - Victor Klemperer (1950)


    1. Auflage 1989

    Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1982, 1983 und 1984

    Reihenentwurf: Heinz Hellmis

    Einbandgestaltung: Regine Schmidt

    Auswahl: Christel Gersch

    Aus dem Französischen übersetzt.

    Taschenbibliothek der Weltliteratur (TdW)

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Karel Čapek: Hordubal / Der Meteor / Ein gewöhnliches Leben

    Nach mehrjähriger Bevorzugung der kleinen Formen und kleinen Themen schrieb Čapek Anfang der dreißiger Jahre die "noetische Trilogie": 1933 erschien "Hordubal", 1934 folgten "Der Meteor" und "Ein gewöhnliches Leben“. Über das großangelegte erkenntniskritische Vorhaben und den Reichtum an philosophischen Gedanken hinaus strotzen die drei kurzen Romane von alltäglichen Lebenstatsachen, von Weltwirklichkeit. Das macht sie - eine Seltenheit unter den philosophischen Romanen unseres Jahrhunderts! - einem breiten Publikum zugänglich, ohne da durch - und dies ist fast noch erstaunlicher - Niveau und Rigorosität zu beeinträchtigen. Die Trilogie weist eine verblüffende Einheit von Lebensfülle und Abstraktion auf. Den Weg zum Leser suchte Čapek wie immer in der Betonung des Epischen. Diesem wiederum gab er eine unverwechselbar tschechische Würze: Anekdotisches, Feuilletonistisches - und die Lebendigkeit der gesprochenen Sprache.


    Auflage 1989

    Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1980 (deutsche Übersetzung)

    Titel der tschechischen Originalausgabe: Hordubal - Povětroň - Obyčejný život

    Mit einer Nachbemerkung von Eckhard Thiele

    Abbildung: Josef Čapek "Mann mit Zigarette" (Detail)

    Taschenbibliothek der Weltliteratur (TdW)



    Iwan Turgenjew: Ein Adelsnest

    Wir brauchen Menschen der Tat und nicht der abstrakten, stets ein wenig epikureischen Betrachtungen. Diese Erkenntnis ist, wenn auch undeutlich, so doch schon bei vielen zum Ausdruck gelangt, als "Ein Adelsnest" erschien. Das Talent des Herrn Turgenjew zusammen mit seinem sicheren Gefühl für die Wirklichkeit hat ihm auch diesmal mit Triumph aus der schwierigen Lage geholfen. Er hat es verstanden, Lawrezki so hinzustellen, daß es schwer ist, ihn ironisch zu behandeln, obschon er zu der gleichen Art nichts leistender Typen gehört, die wir mit einem Lächeln betrachten. Das Dramatische seiner Situation besteht nicht mehr in dem Kampf mit seiner eigenen Ohnmacht, sondern in dem Zusammenstoß mit solchen Anschauungen und Sitten, mit denen zu kämpfen auch für einen energischen, kühnen Menschen etwas Erschreckendes sein muß. - Nikolai Dobroljubow


    Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1. Auflage 1980

    Einbandgestaltung: Heinz Hellmis

    Abbildung: "Im Park" 1874 von W. D. Polenow (Ausschnitt)

    Aus dem Russischen übersetzt von Herbert Wotte.

    Mit einem Nachwort von Klaus Dornacher

    Taschenbibliothek der Weltliteratur (TdW)



    Wolfgang Kohlhaase: Silvester mit Balzac und andere Erzählungen

    Wolfgang Kohlhaase war sechzehn, als er zum ersten mal Geschichten veröffentlichte, in Zeitungen. Dreißig Jahre später kam sein Erzählungsband - "Silvester mit Balzac". Da gab es bereits jene Drehbücher und Hörspiele, die seinen Namen bekannt gemacht hatten. Die Geschichten aber erzählt Kohlhaase, als hätte er sein Lebtag nichts anderes getan: sicher und souverän, packend und unaufdringlich, oft komisch, immer sehr genau.


    Am dreißigsten März 1945 küßt ein Dreizehnjähriger das Mädchen Inge. Mit den Verwirrungen seiner Kinderliebe erlebt er zugleich das Chaos des Kriegsendes. Aufbruch und Zusammenbruch. In einem KZ-Lager erfindet ein Häftling eine Sprache, Preis für erträgliche Arbeit, also Chance zum Überleben. Ist eine tote Gräfin ein politischer Fakt, wenn sie plötzlich wieder dort auftaucht, wo man ihr Land verteilt hat? Ihr Begräbnis erregt jedenfalls die Gemüter. Aus Zufall wird ein Mord entdeckt, längst verjährt, aber nicht für die Täterin. Sie wartet auf die Gerechtigkeit. Weil sich an Feiertagen die ungeklärten Verhältnisse zuspitzen, flüchtet einer Silvester nach Budapest. Die Ratlosigkeit aber kann er nicht abschütteln.


    1. Auflage 1980

    © Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1977

    Einbandgestaltung: Rolf Xago Schröder, Gerhard Kruschel

    DDR 1,85 M

    bb

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Karel Čapek: Hordubal / Der Meteor / Ein gewöhnliches Leben

    Klingt interessant, leider im Moment nicht einmal antiquarisch aufzutreiben. ;(

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Werner Bauer: Sommergewitter am Trabbensee

    Marko ist ärgerlich. Er hatte sich schon so auf die Fahrt ins Ferienlager gefreut, und nun kündigt sich überraschend Besuch aus dem Ausland an, Swetlana, die Ferienbekanntschaft aus dem Vorjahr. Ist die Nachbarstochter Susanne da etwa eifersüchtig?

    Aufregend werden diese Ferientage zu dritt, als Marko und die Mädchen verdächtige Spuren an der unbenutzten alten Fischerhütte entdecken und sogar noch bei der Aufklärung eines Kriminalfalles, der sich in der Gewitternacht am Trabbensee ereignet, helfen können.


    Marko wird bei all den aufregenden Ereignissen klar, daß seine Beziehung zu Susanne ganz anders und für ihn bedeutsamer ist als die schöne und gute Freundschaft zu Swetlana.


    Der Kinderbuchverlag Berlin 1979, 4. Auflage 1987

    Illustrationen: Karl Fischer

    Für Kinder von 12 Jahren an



    Rokossowski: Soldatenpflicht

    Die Memoiren von Marschall Rokossowski sind nicht nur eine Ergänzung der bisher erschienenen Erinnerungen bekannter sowjetischer Heerführer durch neue Aspekte in der Betrachtung und Darstellung so bedeutsamer Operationen wie der Schlachten um Moskau und Stalingrad, im Kurker Bogen, in der Ukraine, in Belorußland, Ostpreußen, Pommern und um Berlin. Das allein mag schon genügen, um den militärhistorisch interessierten Leser nach diesem Buch greifen zu lassen. Darüber hinaus reizt aber noch etwas zum Lesen an: Rokossowskis Darlegungen zu Fragen der militärischen Führungstätigkeit, seine Auffassung vom Verhältnis eines Kommandeurs zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Unterstellten, seine Ansichten über die Rolle des Kollektivs. Zur Zeit des faschistischen Überfalls auf die Sowjetunion war Rokossowski als Kommandeur des neugebildeten 9. mechanisierten Korps noch mit Problemen der Formierung dieses Verbandes beschäftigt, so daß die Aufgaben bei den schweren Rückzugskämpfen der ersten Wochen und Monate besonders großes militärisches Können und ein Höchstmaß an Übersicht, Einsatzbereitschaft und Kampfgeist erforderten. Diese harte Bewährungsprobe für die Rote Armee ließ fähige und energische Kommandeurskader heranwachsen, die die Kampferfahrungen der Rückzugskämpfe später in der Schlacht um Moskau richtig zu nutzen wußten.

    So finden wir Rokossowski in dieser Zeit als Armeeoberbefehlshaber vor der sowjetischen Hauptstadt und - nach seiner Verwundung während der Gegenoffensive - Mitte 1942 als Oberbefehlshaber zunächst der Brjansker und dann der Stalingrader Front. Diese geradlinige Entwicklung zu einem der fähigsten Heerführer des Großen Vaterländischen Krieges findet ihren Ausdruck in seinen Leistungen als Oberbefehlshaber der Donfront, der Zentralfront, der Belorussischen Front, später der 2. Belorussischen Front.


    Sein Buch trägt dazu bei, den Eindruck von der gewaltigen Leistung der Sowjetarmee bei der Zerschlagung des imperialistischen deutschen Aggressors, den der Leser schon aus den Memoiren von Shukow, Konew und Schtemengko gewonnen hat, durch einen weiteren Beitrag zu bereichern.


    Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1973, 2. Auflage

    EVP 9,30



    Manuel Nortes: Spanien - Land ohne Ernte

    Manuel Nortes, ein junger Schriftsteller aus dem südlichen Teil Spaniens, reiste durch die nördlichen Provinzen seines Vaterlandes und schrieb auf, was er hörte und sah. So entstand dieses Reisetagebuch über den Alltag des spanischen Volkes, das durchaus nicht alltäglich ist. Obgleich es ursprünglich für Spanien geschrieben wurde, ist es doch nie in Spanien erschienen. Wer es liest, wird verstehen können, weshalb.

    Aber nicht allein das Schicksal des Manuskripts gibt diesem Buch eine besondere Note, sondern vor allem seine literarische Kraft. Der Autor schafft klare poetische Eindrücke. Er macht an einfachen Begebenheiten spanische Lebens-, Denk- und Empfindungsart verständlich. Er formuliert ein anrührendes Bekenntnis zur Sache der einfachen Menschen und einen leidenschaftlichen Protest gegen die Unterdrückung und Ausbeutung. Dabei weist nicht nur, was beschrieben wird, sondern auch wie es Gestalt gewinnt, echte spanische Eigenart auf, ursprüngliche nationale Kraft, die heute durch Francos Diktatur mißbraucht und eingeengt wird. Ergreifend sind die Bilder von der unsagbaren Armut und Rückständigkeit der werktätigen Menschen, ermutigend ist die trotz allem nicht erloschene Zuversicht, dereinst als freies Volk auf freiem Grund zu stehen. Das Land, das heute noch ohne Ernte ist, wird künftig seinem Volke reiche Früchte tragen. Dieser Gedanke klingt am Schluß der Einleitung an, die Ludwig Renn diesem Werk voranstellte. Sie endet mit den Worten: "Du wirst dich befreien, Spanien!"


    Dem Band sind Fotos und eine Karte beigegeben.


    Verlag der Nation, Berlin 1961

    Textdruck und Einband: Philipp Reclam jun. Leipzig

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Achim Felz: Zwischen Feuerstelle und Vollkomfort. Wohnungsbau von der Hütte bis zum Hochhaus

    Vor 250 000 Jahren wurden die ersten uns bekannten menschlichen Wohnbauten errichtet. Sie bestanden aus Holz, dem ältesten Baustoff. Erst viele Jahrtausende später ermöglichten verbesserte Werkzeuge und erweitertes Wissen die Verarbeitung von Steinen und Lehm und schließlich den Siegeszug des Betons.


    Die Geschichte des Wohnens kennt Höhlen und Hochhäuser, Zelte und Bauernhöfe, Hütten und Paläste, Mietskasernen und Villen. Immer sind die Wohnstätten des Menschen geprägt vom Entwicklungsstand der gesellschaftlichen Arbeit und davon, wie deren Früchte verteilt werden.


    Nie zuvor waren so viele Millionen Familien wie heute unbehaust oder gezwungen, in Elendsvierteln und Behelfssiedlungen zu kampieren. Zu gleich aber löst gegenwärtig ein großer Teil der Menschheit die jahrtausendealte Wohnungsfrage.



    Georg Piltz: Paul Gavarni

    Paul Gavarni gehört neben Grandville und Traviès zu den geistvollen und respektlosen Karikaturisten Frankreichs um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit boshafter Ironie nahm er den dubiosen Charakter des Pariser Bürgertums in puncto Liebe und Ehe unter die kritische Lupe. Sein Zeichenstift notierte den halbseidenen Glanz der Modegecken, das großspurige Auftreten der Parvenüs und satten Krämerseelen, die auf Jagd nach Amouren und Seitensprüngen selber von ihren vergnügungssüchtigen Ehefrauen Hörner aufgesetzt bekamen. Seine Modelle suchte und fand er im Getriebe der Boulevards von Paris, mit Vorliebe in den Amüsiervierteln, Tanzsälen und Kneipen, unter Bohemiens und liebesfreudigen Loretten. Seine Karikaturen erschienen in der satirischen Zeitschrift „Charivari“, wo er viele Jahre an der Seite des großen Daumier Mitarbeiter war.


    Eulenspiegel Verlag Berlin 1971



    Henry Fielding: Joseph Andrews' Abenteuer

    Die Trauer der Lady Booby über den Tod ihres hochgeborenen Gatten ist keineswegs so tief, daß nicht der apollgleiche Lakai Joseph Andrews die wohlwollende Aufmerksamkeit dieser Dame erregt hätte. Joseph jedoch widersteht selbst den verwirrendsten Attacken, welche die stolze Lady gegen seine Tugend richtet, mit bewundernswerter Festigkeit, denn sein Herz gehört der liebreizenden Fanny, einem Mädchen von bescheidener Herkunft. Lady Booby wirft ihren widerspenstigen Diener aus dem Haus, ungerührt von den Bitten ihrer Kammerfrau Slipslop, die gleichfalls geheime Sympathien für den jungen Mann hegt. Betroffen über diese unerwartete Katastrophe, tritt der schöne Joseph eine längere Reise an, auf der er, Seite an Seite mit seiner geliebten Fanny und seinem Freund und Beschützer Pfarrer Abraham Adams, höchst merkwürdige Abenteuer erlebt und sich in recht bedrohlichen Situationen als tapferer Verteidiger der Unschuld bewährt. Erstaunliche Umstände zwingen die Lady schließlich, den Jüngling mit Höflichkeit zu behandeln, hindern sie jedoch nicht daran, finstere Intrigen gegen Josephs und Fannys Heirat zu spinnen. Aber die Macht der Großen vermag selbst im England des 18. Jahrhunderts nichts gegen die Liebe eines jungen Paares, und Pfarrer Adams kann am Ende die beiden für immer zusammengeben.


    Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1. Auflage 1981

    Abbildung: William Hogarth "Der Ehekontrakt“ (Ausschnitt)

    Taschenbibliothek der Weltliteratur (TdW)

    Mit einem Nachwort von Georg Seehase

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • "Eine Landpartie - Guy de Maupassant" ist soeben in meinen Warenkorb gehüpft ;)

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

  • Theodore Dreiser – Schwester Carrie / Sister Carrie


    Von Petra Stibane ein paar Autoreninfos:


    Theodore Dreiser gehört mit seinen Büchern zur Weltliteratur, bekannt ist auch u.a. seine „Amerikanische Tragödie“ . „Schwester Carrie“, erschienen im Jahre 1900, ist seine erste größere Arbeit. 1871 im mittelwestlichen Staate Indiana als neuntes Kind einer verarmten Kleinbürgerfamilie geboren, lernte er Not und Armut kennen und verließ mit fünfzehn Jahren das Elternhaus, um vom erbärmlichen Leben wegzukommen, in ein noch dürftigeres, ungesichertes Dasein in einer fremden Stadt. In „Schwester Carrie“ beschreibt er die Zeit um 1889 in jener fremden Stadt Chicago und die Geschichte dieses Mädchens Carrie.


    Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1980

    Taschenbibliothek der Weltliteratur



    Joseph Conrad: Spiel des Zufalls

    Ich gebe zu, daß das tiefste und persönlichste dichterische Erlebnis dieses Mannes das Meer, die gefährliche Kameradschaft mit dem Elemente gewesen ist und daß seine auffallendsten künstlerischen Leistungen auf diesem Gebiete liegen. Aber sein männliches Talent, sein Engländertum, seine freie Stirn, sein fester, kühler und humori stischer Blick, seine erzählerische Verve, Kraft und ernste Lustigkeit bewähren sich nicht weniger, wenn er sich auf dem Trockenen hält und das gesellschaftliche Leben des Festlandes anschaut, durchschaut und kritisch-plastisch gestaltet. - Thomas Mann


    1. Auflage 1979

    © Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1974 (deutsche Übersetzung)

    Einbandgestaltung Heinz Hellmis

    Aus dem Englischen übersetzt von Lore Krüger

    Mit einem Nachwort von Karl Heinz Berger

    Taschenbibliothek der Weltliteratur (TdW)



    Heinz Kruschel: Rette mich, wer kann

    Ille hat sich in den Studenten Rolf verliebt, aber sie wehrt sich gegen dieses Gefühl und treibt ihren Schabernack mit ihm, bis sie eines Tages nicht weiter weiß.


    Verlag Neues Leben Berlin 1969

    Illustrationen: Renate Jessel

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Hans Ch. Heide: Überfall im Hohen Fläming

    Ernst hatte fast die Kiefer erreicht, an der sein Pferd angebunden war, als er bemerkte, daß sich von der Straßenseite her ein anderer dem Baum näherte. Er vermutete in ihm einen Raubgesellen, sah aber, daß er ohne Waffen war. Der Junge wollte sich auf ihn stürzen, ahnte jedoch im gleichen Augenblick, daß er in diesem Kampf unterliegen würde. So verfolgte er von einem Versteck aus, wie der Räuber sein Pferd mit sich fortzog. Dann schlich er sich näher an den Ort des Überfalls, den er erreichte, als Knut von Dyben mit dem geraubten Gut und den Gefangenen aufbrach…


    Militärverlag der DDR 1980

    Tatsachen 229



    Heinrich Fink (Hg): Stärker als die Angst

    „Stärker als die Angst um sich selbst“ war der Gewissensentscheid jener, die sich gegen das faschistische Terrorregime wandten, Solidarität mit den Opfern seiner Vernichtungspolitik übten und sie zu retten suchten. Nur wenige aus dem deutschen Bürgertum und unter den katholischen und protestantischen Christen Deutschlands waren es, die sich der planmäßigen Ausrottung der Juden durch die Nazimachthaber entgegensetzten. Die meisten schwiegen, tolerierten oder akzeptierten die „Lösung der Judenfrage“.


    Den wenigen Christen, die handelten (wenn sie auch nicht die Todesmaschinerie aufhalten konnten), während die offizielle Kirche – sowohl die katholische wie die protestantische – viel zu lange schwieg oder sogar die faschistische Judenverfolgung sanktionierte, will dieser Sammelband ein Denkmal setzen, nicht um das Verhalten des überwiegenden Teils der Christen in Deutschland zu bagatellisieren oder zu beschönigen, sondern um Zeugnis von beidem zu geben: von der Menschlichkeit weniger und vom schuldhaften Versagen vieler.


    Die Darstellung der faschistischen Judenverfolgung aus der Sicht der Verfolgten und der Retter, die stellvertretend steht für die Ausrottungspolitik der Nazimachthaber gegenüber ihren politischen Gegnern, den Antifaschisten, und den von ihnen als „rassisch minderwertig“ Bezeichneten, soll den Lebenden Mahnung sein, jeden Rassismus zu bekämpfen, indem seine Voraussetzungen in überholten unsozialen ökonomischen und gesellschaftlichen Verhältnissen beseitigt werden. Die Erinnerung an den 30. Jahrestag der „Reichskristallnacht“ vom 9. zum 10. Novembver 1938 soll die Augenzeugen dieser Zeit und die Nachgeborenen auch in der Erkenntnis bestärken, daß die Mörder von damals keine Verhandlungspartner für die Politik von heute sein können.


    Die Beiträge von Prof. Emil Fuchs, Berlin, Heinz David Leuner, London, Karl Kleinschmidt, Schwerin, Wolfgang Gaffier, Dresden, Georg Heilbrunn, Berlin, Dr. Rudolf Iltis, Prag, u.a. lassen ein mosaikartiges Bild jener Zeit entstehen: ständig wachsender Terror, Vernichtung der materiellen Existenz, zunehmende Isolierung und Ghettoisierung, Gefahr der Deportation in ein Vernichtungslager, zermürbender Druck der Zwangsarbeit oder des illegalen Lebens – und das Erlebnis der Mitmenschlichkeit, der Solidarität.


    Union Verlag Berlin 1968

    Mit einem Geleitwort von Emil Fuchs

    Herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Heinrich Fink



    Helmut Sakowski: Wie brate ich eine Maus oder Die Lebenskerben des kleinen Raoul Habenicht

    Warum muß Raoul Habenicht, ein gewitztes Kerlchen mit Igelschnitt und Nickelbrille, noch einmal in die Vierte? Herr Mehlhose bittet den Neuling, sich vor der Klasse zu erklären. Aber Raoul schweigt. Der Autor lüftet das Geheimnis nach und nach. Erzählt wird auf amüsante, oft auch anrührende Weise die Geschichte eines Jungen, der unversehens in die Scheidungssituation gestellt ist und damit nicht zurechtkommt:

    Noch einmal darf er Sommerferien in Pälitzhof verleben, einem kleinen mecklenburgischen Dorf. Raoul befreundet sich mit dem alten, fetten Oberkater Munzo, der ihm viele Mäuse fängt und über geheimnisvolle Kräfte verfügt. Wenn der Junge wüßte, wie man Mäuse brät, käme er vielleicht mit Munzos Hilfe durch die Welt. Denn er braucht Beistand. Von heute auf morgen soll er sich von geliebten Menschen und der vertrauten Umgebung trennen, einen neuen Vater, eine neue Stadt, eine neue Schule akzeptieren.


    Begreifen die Erwachsenen, daß sie selber es sich zu leicht, dem Jungen aber viel zu schwer gemacht haben? Was wird aus Raoul Habenicht? Nun, auf den Mund ist er nicht gefallen, und sein Witz und sein Optimismus bleiben erhalten und helfen ihm, sich zu behaupten.


    Verlag Neues Leben Berlin 1987

    Illustrationen: Manfred Bofinger

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Erich Kriemer: Wo die Moldau fließt

    Zwei Bauernjungen gehen sorglos zum alljährlichen Herbstfest ins Nachbardorf, und Bohusch Jeschka ahnt nicht, dass er von seinem Freund Kurt Weinert eines Tages auf offener Straße ins Gesicht geschlagen, dass er durch die Liebe zu dem Slowakenmädchen Vera in große Gefahr geraten und dass nur wenig mehr als ein Jahr vergehen wird, bis er eines Winterabends aus dem böhmischen Dorf Tilay flieht. Ein Oktobertag, der Tilay „befreit“, schleudert ihm Steine hinterher, kehrt normale Menschen gegen sich selbst und macht ihn vom Schüler zum Knecht, der Träumen nachhängt, die ihm keiner erfüllen hilft. Oder doch? Obwohl ausgestoßen, irrend und sich verirrend, bleibt er nicht allein. Denn auch Kurt Weinert findet sich mit der veränderten Umwelt und seinen Irrtümern nicht ab. Als Kurt erfährt, dass Bohousch Opfer eines „Sondereinsatzes“ werden soll, verhilft er ihm zusammen mit dem Bergmann Herbert Hiller und dem Lokführer Alois Jeschka zur Flucht.


    Spannend erzählt Erich Kriemer, der in dieser Geschichte Eindrücke seiner Kindheit und Jugend verarbeitet hat, vom Alltag jener Jahre in einem Dorf des böhmischen Grenzgebietes und von einer Freundschaft, die sich bewährt.


    Mitteldeutscher Verlag Halle/Saale 1973



    Doris Lessing: Winter im Juli – Kurzgeschichten

    „Manchmal komme ich mir vor wie in Blaubarts Burg. Überall Türen, die ich öffne, und hinter jeder Tür sitzt jemand mit zerrissener Seele.“ In diesen siebzehn ausgewählten, zwischen 1951 und 1972 erschienenen Kurzgeschichten stößt die englische Erzählerin Doris Lessing manche Tür auf und eröffnet dem Blick nicht nur eine schöne südafrikanische Szenerie oder die graue, anonyme Betonkulisse Londons, sondern vor allem die Landschaft „zerrissener Seelen“. In ebenso zarter wie direkter Sprache nähert sie sich den Konflikten und Problemen einfacher Menschen, Frauen zumeist, die in ihrem oft verzweifelten Ringen um die Bewahrung ihrer Individualität und Würde versagen, aber auch gewinnen. Siebzehn Geschichten über das Gebrauchtwerden und das Mißbrauchtwerden, über die immerwährende Suche nach Liebe, Glück und einem sinnerfüllten Leben. In der Beschreibung der Belastbarkeit und Zerbrechlichkeit zwischenmenschlicher Beziehungen, sei es zwischen Schwarz und Weiß im kolonialen Afrika oder zwischen Mann und Frau im bürgerlichen Milieu Englands, wird mit tiefer psychologischer Einsicht nach Formeln des Verstehens und des Miteinanderlebens gesucht. In der für sie charakteristischen Selbstbescheidung formuliert Doris Lessing, seit 1975 auf der Kandidatenliste des Nobelpreiskomitees, ihre künstlerische Aufgabe so: „Ich kann die Menschen zum Denken anregen, ich kann sie unterhalten und auf Dinge aufmerksam machen, die sie im Strudel des Alltags vielleicht übersehen und überhören könnten.“

    Aus dem Englischen von Adelheid Dormagen, Marta Hackel, Lore Krüger, Manfred Ohl/Hans Sartorius und Rainer Rönsch


    Verlag Volk und Welt Berlin, 1984



    Hannes Bahrmann, Christoph Links: Wir sind das Volk – Die DDR zwischen 7. Oktober und 17. Dezember 1989 – Eine Chronik

    „Wir sind das Volk“ – dieser schlichte Satz hat Weltgeschichte gemacht. Er bündelte unterschiedliche Interessen zu gemeinsamem Aufbegehren, er diente als Sprengkraft und als Programm. Seine Signalwirkung rührt aus vier Jahrzehnten Propaganda her, in denen eine sich immer mehr vom Volk entfernende Führung immer lauter behauptete, alles für das Volk zu tun, ganz in seinem Sinne zu handeln. Dem setzten Hunderttausende ein klares Zeichen entgegen. Sie sprachen der Führung mit diesem einen Satz jede Legitimität ab, denn nur aus der Behauptung, Sachwalter der Volksinteressen zu sein, leitete sich ihr Herrschaftsanspruch ab, der durch keine ehrlichen Wahlen untermauert war. Das Volk nahm seine Entmündigung nicht länger hin. Während sich ringsum Veränderungen vollzogen, man in der Sowjetuntion, in Polen und Ungarn daranging, stalinistische Verhältnisse zu überwinden, versuchte Erich Honecker mit seinem überalterten Politbüro, die verkrusteten Strukturen weiter zu zementieren. Doch weder die Manipulationen bei den Kommunalwahlen im Frühjahr 1989 noch die demonstrative Begrüßung des Massakers in China, weder die eingeschränkten Reisemöglichkeiten noch die gleichgeschalteten Medien konnten das überlebte System retten. Im Gegenteil. Die Unfähigkeit zum Dialog, die allgemeine Verhärtung erhöhten nur den Druck. Zehntausende verließen über Ungarn und die CSSR das Land in Richtung Westen. Im Innern formierten sich neue Oppositionskräfte, die nun auch öffentlich hervortraten und den Regierenden die Stirn boten. Selbst in der SED brachen die Widersprüche auf, meldeten sich Reformentschlossene zu Wort. Prominente Künstler und Schriftsteller engagierten sich für die Bewegung. Bald gingen die ersten auf die Straße, wo sie mit Gummiknüppeln, Wasserwerfern und Hundestaffeln empfangen wurden. Doch ihnen folgten trotz allem Tausende und Abertausende nach. Sie machten deutlich: „Wir sind das Volk“. Und dieses Volk ließ sich weder abwählen noch auswechseln. Entschlossen und besonnen meldete es seine Forderungen an, verlangte, nicht nur gehört zu werden, sondern endlich selbst entscheiden zu können. Es ging nicht mehr nur um den Wechsel von Figuren, sondern um eine grundlegende Neugestaltung der politischen Verhältnisse. Der Rücktritt der gesamten Führungsmannschaft, die Auflösung einiger Ministerien, der Verzicht der SED auf einen in der Verfassung festgeschriebenen Führungsanspruch und die Öffnung der Grenzen waren nur erste Schritte auf dem Weg in eine von Grund auf veränderte Gesellschaft. Wie diese jedoch aussehen soll, ist durchaus strittig. Während die einen meinen, aus „Wir sind das Volk“ müsste nun „Wir sind ein Volk“ werden, meinen andere, die Eigenstaatlichkeit der DDR sollte möglichst lange erhalten bleiben. Während hier nach freier Marktwirtschaft gerufen wird, fordert man dort Rätedemokratie. Gegensätzliche Konzepte prallen aufeinander, unterschiedliche Interessen treten zu Tage. Keine Gruppierung verfügt über ausreichend Kraft, sich allein durchzusetzen. Der Ruf „Wir sind das Volk“ reicht nicht mehr aus. Er brachte vor allem den gemeinsamen Protest zum Ausdruck, war Programm für die Zeit des stürmischen Aufbruchs, der hier in seiner Dynamik und Vielfalt zu dokumentieren versucht wurde. Künftig muss wohl wieder mit vielen verschiedenen Leitsprüchen gerechnet werden, denn eine Situation wie in diesem Herbst 1989 gibt es in den meisten Ländern wohl nur ganz selten. Es sind die großen Augenblicke der Weltgeschichte. (Christoph Links/Hannes Bahrmann)


    Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar, 1990, 1. Auflage

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Wort und Gestalt

    Das Buch enthält 46 Gedichte von verschiedenen Künstlern: Bertold Brecht, Stefan Zweig, Christian Morgenstern, Kurt Tucholsky, Rainer Maria Rilke, Erich Arendt u. a.

    Illustriert mit 40 Zeichnungen von zahlreichen Künstlern wie Pablo Picasso, Marc Chagall, Käthe Kollwitz, Josef Hegenbarth, Heinrich Zille u. a.


    Verlag der Kunst Dresden 1958



    Bohumil Hrabal: Wollen Sie das goldene Prag sehen?

    Eine skurrile Gesellschaft bevölkert diese Erzählungen: Versicherungsvertreter, Billettabreißer, Zugabfertiger, Kneipenwirte, Papierpacker, Leichenwäscher und Kulissenschieber – alles etwas kauzige, im Kern aber realistische Gestalten, die ihren Ahnherrn Schwejk nicht verleugnen. Sie bekommen vom Leben nichts geschenkt, diese „Bambini di Praga“, die mit Mutterwitz und Selbstvertrauen den Widrigkeiten des Alltags begegnen. Sie lieben die Kunst, die ihnen die Orientierung in den verworrenen Kriegs- und Nachkriegsjahren erleichtert, etwa jener Lokomotivführer, der seine selbstgemalten Bilder auf der fauchenden Maschine zur Besichtigung freigibt, oder der Bestattungsunternehmer Bamba, dessen Sargmagazin einem surrealistischen Happening dient. Ein plebejischer Wirklichkeitssinn bestimmt die Weltsicht dieser Menschen, so schnurrig sie mitunter anmuten mag, ein unverwüstlicher Optimismus, den sie aber nur ungern verraten, um nicht zuviel Gefühl preiszugeben.


    Aus eigener Anschauung kennt dieser typische Prager Autor die Welt der sogenannten kleinen Leute, denen die Liebe zum Leben „einen Ozean schöner Visionen“ beschert: Bohumil Hrabal wird nicht müde, nach der kleinen Perle der Menschlichkeit am Grunde ihrer Seelen zu forschen.


    Verlag Volk und Welt Berlin 1981



    Oskar Maria Graf: Wunderbare Menschen

    „Einen solchen Haufen Theater!“ staunt der Bürodiener Kragler, wenn der Postbote die Manuskriptpakete in den riesigen Briefkasten der Neuen Bühne schiebt. Hilflos hockt der frischgebackene Dramaturg Oskar Maria Graf vor dem Papierberg, liest pausenlos, prüft und wählt aus. Die Münchener Neue Bühne, 1920 von Arbeitern und Intellektuellen in einem Wirtshaussaal gegründet, nimmt im Kunstbetrieb der bayrischen Metropole eine Sonderstellung ein. Hier versucht man, Arbeiter aus den Betrieben ins Theater zu holen. Ein kühnes Unterfangen, denn noch ist die blutige Niederlage der Räterepublik in aller Erinnerung, hinterläßt Mutlosigkeit und Verwirrung in der USPD, der auch Graf angehört und deren Anhänger in der Neuen Bühne den Ton angeben. Der entlaufene Bäckergeselle Graf steht mitten in den politischen Kämpfen der Zeit. Für ihn ist die Neue Bühne Fluchtpunkt in einem anarchisch ziellosen Leben. Er begegnet kunstinteressierten Arbeitern und linken bürgerlichen Intellektuellen, Schauspielern aller Couleur und weltfremden Poeten: dem herkulischen Packträger Ehrhardt, der seine Ersparnisse in das Unternehmen steckt, dem hochbegabten Regisseur Felber, Künstlern wie Alexander Granach und dem tragikomischen „Volksdramatiker“ Johannes Gutzeit, der erfolglos das Dramaturgenbüro belagert. Eifrig und engagiert die einen, zögernd und abwartend die anderen: lebendiges Abbild eines unausgegorenen, im Grunde aber progressiven Theaterlebens, eines ersten Versuches, Stücke für ein neues Publikum zu spielen.

    In den Wirren der Inflation schließt die Neue Bühne ihre Pforten. Für sie gibt es keine Bankkredite, ihr fehlen eine starke Besucherorganisation ebenso wie politisch erfahrene Mitarbeiter. Und doch ist dieser heroische Versuch nicht umsonst. Die besten Köpfe des Theaters haben wichtige Erfahrungen sammeln können, und Graf, der 1927 sein Erinnerungsbuch veröffentlicht, hat etwas Entscheidendes begriffen: die intensive Kunstbegeisterung der Arbeiter, proletarische Solidarität und Opferbereitschaft. Sein komplizierter Weg an die Seite der Arbeiterklasse ist in der „Heiteren Chronik“ jener Jahre vorgezeichnet. Farbig und humorvoll geschrieben, ist sein Bericht bewegendes Dokument und rückhaltlos offene Lebensbeichte in einem.


    Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1976

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • o ja, Doris Lessing steht eigentlich auch schon seeeehr lange auf meiner to-read-Liste (Das goldene Notizbuch)

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)