Was in der DDR gelesen wurde - Ein Lesetagebuch

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 365 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Anne.

  • Elfriede Brüning: Zu meiner Zeit

    Nicht Erinnerungen, sondern Geschichten aus naher Gegenwart und Vergangenheit werden in diesem Buch noch einmal lebendig. Gestalten, die manchem schon aus Einzelveröffentlichungen der Autorin vertraut sind, begegnen uns wieder.


    Die Erzählung von der unbeschwerten Liebe der Stenotypistin Trude, die einen Sommer lang ihren Gefährten untreu wird, der Existenzkampf Hermann Wegners während der Weltwirtschaftskrise, das ergreifende Schicksal eines jüdischen Kindes, das in die Fänge der Gestapo gerät, der Konflikt einer Mutter, die nach 20 Jahren unerkannt der ihr fremd gewordenen Tochter gegenübersteht, Probleme fehlentwickelter Jugendlicher, die Elternliebe entbehren mußten, sowie Geschichten über gedankenloses Verhalten junger Menschen gegenüber der älteren Generation regen uns an, über menschliche Schicksale nachzudenken.


    Dieser Auswahlband gibt Einblick in das Schaffen einer Schriftstellerin, die stets aus enger Verbundenheit mit dem Leben immer wieder neue Konflikte gestaltet und in ihrem umfangreichen Werk mit bedeutsamen Lebensproblemen, mit neuen gesellschaftlichen Fragen vertraut macht.


    Mitteldeutscher Verlag Halle-Leipzig 1977

    Nachwort: Ursula Steinhaußen



    Martin Habicht: Zuchthaus Waldheim 1933-1945

    Das Zuchthaus Waldheim war während der faschistischen Barbarei eine der größten Strafvollzugsanstalten Deutschlands. Hier mußten neben Kriminellen auch viele politische Gegner des Naziregimes Haftstrafen verbüßen. Trotz Einzelhaft schlechter Ernährung und verschärfter Ausbeutung ihrer Arbeitskraft gaben die politischen Gefangenen ihre antifaschistische Überzeugung nicht auf. Gegenseitige Solidarität, politische Diskussionen und die Herstellung von illegalen Verbindungen trugen dazu bei, den Widerstandswillen zu stärken und die menschliche Selbstachtung nicht zu verlieren.


    Dietz Verlag Berlin 1988

    Schriftenreihe Geschichte



    Wassil Bykau: Zeichen des Unheils

    In einer spannenden Romanhandlung erleben wir ein bäuerliches Ehepaar in direkter Konfrontation mit deutschen Besatzungssoldaten, die sich auf ihren kleinen Hof einquartiert haben. Der bedrückende Alltag offenbart die gegensätzlichen Charaktere der beiden alten Leute: Pjatrok will seine Ruhe und glaubt sie durch Dienstbereitschaft erkaufen zu können, Szepnida will Widerstand leisten – beide müssen in der Rechtlosigkeit der Okkupation scheitern. Besonders belastend sind die Quälereien der einheimischen Kollaborateure. Die unterschiedlichen Gründe, warum sich überhaupt Belorussen fanden, die den Deutschen dienten, versucht Bykau mit einem Rückblick in die jüngere Geschichte des Dörfchens Wysselki aufzuhellen. Der Roman steigert sich zum dramatischen Finale, in dem ein Bombenblindgänger eine besondere Rolle spielt und Menschen bis an die letzten Grenzen ihrer Möglichkeiten gehen.


    Verlag Volk und Wissen 1984



    Hildegard und Siegfried Schumacher: Susis sechs Männer

    Am Nachmittag hat sie ihr Abschlußzeugnis bekommen. Am Abend fordert Jiri, ihr Freund, daß jetzt sofort geheiratet wird. Aber Susi hat ihre Erfahrungen, und sie weiß nicht, ob Jiri der Richtige ist.

    Verlag Neues Leben, Berlin 1984

    4. Auflage 1989

    Einband: Barbara Schumann

    Illustrationen: Barbara Schumann

    Neue Edition für junge Leute

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Günter Saalmann: Streit um Legohr

    In Winkeln veranstalteten die Klassen 4a und 4b eine "Kleine Friedensfahrt". Achim Schuster hat für das Radrennen fleißig trainiert. Seine Chancen, am Ende auf einem Treppchen des Siegerpodestes zu stehen, sind groß. Doch es kommt alles ganz anders. An der Strecke steht seine Freundin Anne, ihr ist der Esel Legohr weggelaufen. Achim unterbricht das Rennen und hilft, das Tier einzufangen. Um aber das Gesamtergebnis seiner Klasse nicht zu gefährden, läßt er sich zu einem Betrug hinreißen. Schwierig werden die nächsten Tage nicht nur für Achim, sondern auch für Frau Schuster, seine Oma und Lehrerin. Ausgerechnet von ihr wird er eine Ohrfeige bekommen - und alles nur, weil Legohr gerettet werden muß.


    Der Kinderbuchverlag Berlin

    Buchfink Bücher



    Wilhelm Raabe: Stopfkuchen

    Wilhelm Raabe (1831-1910) hielt "Stopfkuchen" (1891) für sein bestes Werk. Die gedankliche Dichte und atmosphärische Ausstrahlung prädestinierten diesen Roman zu einem weltliterarischen Ereignis. Die Resonanz auf sein Erscheinen war vor 90 Jahren indes recht kümmerlich. Den Zugang zum Werk des späten Raabe fand eigentlich erst die Nachwelt; dabei erreichte er gerade im Spätwerk seine erzählerische Höhe.

    Zum 150. Geburtstag Wilhelm Raabes bot sich eine Einzelausgabe des Romans an, in dem der Dichter sein "wirklich subjektives", also persönlichstes Buch sah. Wie in einer Nußschale konzentriert, entwirft Raabe hier sein poetisches Kontrastbild zur wilhelminischen Gesellschaft, nicht in eine Idylle entfliehend, sondern in ständiger Tuchfühlung mit der Realität, in ständiger Auseinandersetzung mit ihr, aber auch im Bewußtsein des Gefährdetseins. Raabes Inselidylle hat nicht nur die Funktion der Poesie- und Humanitätsbewahrung, sondern auch der aggressiven Provokation gegen die Zeitmisere. Dabei vermag es der Dichter nicht abzuwehren, daß diese Misere selbst auf den Inselboden vordringt und die Idylle teilweise deformiert und desillusioniert: Resignation und realistische Sehweise fallen zusammen. In "Stopfkuchen" strebte Raabe eine Symboldichte und spezifische poetische Atmosphäre an, die neben Storms Stimmungsintensität zu den erstaunlichsten Kunstwagnissen jener Epoche zählen. Das macht diese "See- und Mordgeschichte" noch heute zu einer Lektüre, die den Leser reich beschenkt entläßt.


    Union Verlag Berlin, 1. Auflage 1981

    Nachwort: Siegfried Rentzsch

    Illustrationen: Klaus Ensikat

    DDR 10,80 M



    Wolf Weitbrecht: Stunde der Ceres

    Das Dunkelwort wird hell werden wie die Sonne. - Hat die Tom-Huber-Besatzung der Stella das "Orakel der Delphine" während des Rückflugs von den Asteroiden gelöst? Kann die Ceres zu einer zweiten Sonne umgewandelt werden, die der Menschheit den Planeten Mars erobern hilft? Doch im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts gibt es noch Mißbrauch der Wissenschaft. Der skrupellose kanadische Unternehmer Parker kann dem Kosmischen Rat zuvorkommen, denn er verfügt über Antimaterie und Kyborgs - verbrecherisch konstruierte Wesen zwischen Mensch und Automat. Sein Experiment gefährdet nicht nur drei Raumschiffe, sondern die Erde selbst ... Ceres wird zum strahlenden Plasmaball, Mars erblüht zum Leben, aber kein Parker-Imperium entsteht, sondern eine Welt des schöpferischen Menschen. Plötzlich steigt eine künstliche Insel aus dem Atlantik. Kehren die Atlantiden zurück? Viel Rätselhaftes und Abenteuerliches geschieht in einem Roman, der Phantastik und Prognose reizvoll verschmilzt.


    Greifenverlag zu Rudolstadt, 2. Auflage 1977

    DDR 6,20 M

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Wilhelm Raabe (1831-1910) hielt "Stopfkuchen" (1891) für sein bestes Werk.

    Hinzuzufügen wäre, dass Raabe einer der besten Romanciers des ausgehenden 19. Jahrhunderts war. Und diese Epoche war europaweit reich an guten und sehr guten Romanciers. "Stopfkuchen" sollte man also unbedingt gelesen haben! (Und Ensikats Illustrationen sind eh immer ein Genuss.)

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Heinz Kruschel: Tantalus

    Die Legende erzählt von Tantalus, der die Götter versuchte. Sie straften ihn mit den sprichwörtlich gewordenen Tantalusqualen: Er leidet Hunger und Durst angesichts der verführerischsten Labsale.

    Heinz Kruschel erzählt in seinem ersten Kriminalroman von einem, der tötete, weil er seine Sehnsucht stillen wollte. Alles beginnt wie in einem richtigen Kriminalroman: Ein Toter wird aufgefunden. Doch es wird niemand vermißt. Ist der Tote Adolf Peters? Aber der schrieb Karten von jenseits der Grenze. Und wer hätte ein Motiv gehabt, ihn zu töten? Die attraktive, tüchtige Sonja Peters? Ihr erster Mann, der Architekt Thunberg? Sonjas Tochter Ute? Und Gerald, Utes Freund, ständiger Gast der Peters? Ein fremder Mann besuchte Peters im Wohnheim. Die Inventur in Sonjas Kiosk brachte Unregelmäßigkeiten ans Licht. Vielleicht hatte Peters mit dem Betrug zu tun.


    Hauptmann Korsar und sein Mitarbeiter Franz klären den Fall auf. Für den Täter beginnen Tantalusqualen...


    Nicht nur ein Kriminalfall wird in diesem Roman aufgeklärt, sondern in Lebensgeschichten werden die psychologischen Bedingungen des Verbrechens erhellt.


    ... "Tantalus" widerspiegelt die Originalität des Autors und damit die gesellschaftliche und historische Determiniertheit dieser Kriminalgeschichte. Es ist schön, daß Kruschel jeglichem Klischee entgeht, weder dem englischen noch dem klassischen "Krimi" verpflichtet ist, mit neueren schwedischen Romanen dieses Genres die Tendenz zur psychologischen Durchdringung gemeinsam hat und - darüber hinausgehend - das gesellschaftliche und soziale Umfeld einbezieht und Ursachen ergründet, Lösungen reflektiert. Bezeichnend ist, daß Kruschels Buch nicht mit der Aufklärung des "Falles" endet, sondern den Weg des Verurteilten zumindest skizzenhaft weiterverfolgt. - "Volksstimme"


    Mitteldeutscher Verlag Halle - Leipzig, 1985, 2. Auflage

    Schutzumschlag: Erhard Grüttner



    Thornton Wilder: Theophilus North oder Ein Heiliger wider Willen

    "Man tut gut daran, den Ambitionen, die in buntem Wechsel die Phantasie eines heranwachsenden Knaben oder Mädchens überfluten, Beachtung zu schenken. Sie hinterlassen tiefe Spuren." Theophilus North, der originelle Held dieses letzten Romans von Thornton Wilder, hatte im Verlauf seines bisherigen, knapp dreißigjährigen Lebens neun solcher Ambitionen aufzuweisen: Heiliger, Anthropologe, Archäologe, Detektiv, Schauspieler, Zauberer, Liebhaber, Schurke und schließlich ein freier Mensch. Fast alle diese Wünsche erfüllen sich auf amüsante Weise, als sich Theophilus, soeben dem Lehramt entflohen, an einem schönen Frühlingstag des Jahres 1926 aufmacht, das Städtchen Newport in Rhode Island zu erobern. Mit Witz, Phantasie, etwas Unverfrorenheit und dem entschiedenen Vorsatz, unabhängig zu bleiben, macht er sich den Bewohnern dieses mondänen Schlupfwinkels der New-Yorker Bourgeoisie bekannt und sehr schnell unentbehrlich. Er gewinnt dabei nicht nur die Herzen der kleinen Leute, der Dienstboten und Handwerker, sondern er erkennt gleichzeitig das inhaltlose Dasein der sogenannten besseren Gesellschaft, in der "übertriebene Verschwendung und Geiz miteinander verwandt sind - zwei Seiten derselben Hoffnungslosigkeit". Thornton Wilder hat seinem Helden viele autobiographische Züge gegeben und damit, über die kritische Gestaltung eines Gesellschaftsbildes vom Vorabend der großen Krise hinaus, sein Bekenntnis zu tätiger Liebe, Hilfsbereitschaft und sinnerfülltem Leben als Grundbedingungen menschlicher Existenz bekräftigt.


    Verlag Volk und Welt Berlin, 1977

    Aus dem Amerikanischen von Hans Sahl

    Schutzumschlag: Harald Metzkes

    DDR 9,80 M



    Wolf Weitbrecht: Orakel der Delphine

    Das Verhalten der Delphine, die verblüffend hohe Kultur der alten Völker Mittelamerikas und die Terrasse von Baalbek gelten bis heute als "Phänomene", die endgültiger wissenschaftlicher Klärung bedürfen. Sie wird in dem Roman "Orakel der Delphine" natürlich nicht gegeben und auch nicht versucht; wenn der Autor diese Erscheinungen in einen Kausalzusammenhang bringt, dann im Interesse einer phantastischen, weltweiten Fabel, an der er Möglichkeiten und künftige Methoden der Wissenschaft demonstriert. In Wolf Weitbrechts Geschichte wirken Wissenschaftler ganz unterschiedlicher Disziplinen zusammen - Biologen, Atomphysiker, Sprachforscher, Astronomen, Völkerkundler -, um der "stummen Zone" des Delphingehirns ihr Geheimnis zu entreißen und Spuren von Astronauten aus dem All zu entdecken und zu deuten. So enthält die abenteuerliche Handlung reale Elemente unserer Welt von morgen.


    Greifenverlag Rudolstadt, 1. Auflage 1972

    DDR 6,20

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Joseph Conrad: Taifun

    Joseph Conrad (1857-1924), der Meister des englischen Seeromans, der selbst jahrzehntelang zur See fuhr, schuf in "Taifun" (1903) die einzigartige, atemraubende Geschichte vom Aufruhr der entfesselten Naturgewalten und von der Bewährung männlicher Charaktere allem zum Trotz. Der Kapitän MacWhirr steuert seinen Dampfer Nan-Shan auftragsgemäß in den Taifun hinein und wächst dabei mit seinen Untergebenen: dem jungen Obersteuermann Jukes und dem Ersten Ingenieur Rout, durch die Herausforderung des Letzten an Pflichterfüllung, menschlich weit über sich hinaus. Die Mitleidlosigkeit des Meeres ist wohl nirgends so erlebnisecht, großartig und mitreißend gestaltet worden wie in "Taifun".


    Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Leipzig, 3. Auflage 1975

    Sammlung Dieterich Band 303



    Jutta Schlott: Der Sonderfall

    Die vier Erzählungen dieser Anthologie berichten von Kinderschicksalen, wie sie im Alltagsleben zu finden sind: Die Mutter heiratet zum zweiten Mal; der Großvater stirbt; ein Mädchen muß sich um Geschwister und Haushalt kümmern; ein Junge, geistig zurückgeblieben, schafft das Schulpensum nicht. Und dennoch sind es ungewöhnliche Geschichten.


    Der Kinderbuchverlag Berlin 1981

    Illustrationen: Helga Leue



    Hildegard und Siegfried Schumacher: Der Brillenindianer

    Der 10jährige Otto, sehbehindert und dadurch ein wenig einsam, lernt die couragierte Antje kennen, die sich in vielen Situationen als eine verläßliche Freundin erweist.

    Von dem komplizierten Entwicklungsweg, der den Jungen selbstsicherer werden läßt, auf dem er Freunde findet, ihn jedoch nicht nur mit Erfreulichem konfrontiert, erzählen die Autoren mit Phantasie, Humor und einfühlsamer Gestaltung.


    Der Kinderbuchverlag Berlin 1986

    Illustrationen: Konrad Golz

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

    DDR-Buchblog

  • Von Joseph Conrad habe ich zwar noch nichts gelesen, will das aber immer mal (er wird im BAP-Song "Verdamp lang her" von Wolfgang Niedecken besungen ;))

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

    Einmal editiert, zuletzt von Sagota ()

  • Sagota so bin ich tatsächlich auch zur einen oder anderen Lektüre gekommen (das wäre auch ein schönes Thema für die Wochenfrage ;-) )

    Being alone isn't something to endure - it's something to relish.

  • Hannes Bahrmann: Die Erben des Hexers

    In seinem Zimmer standen tatsächlich alle Gepäckstücke säuberlich aufgereiht. Auf dem Tisch war die Ausrüstung aufgebaut: der Notizblock – leer, der Recorder – ohne Kassetten, der Fotoapparat – offen und die Filme aus der Spule gezogen. Daneben lag die Mittagsausgabe des „Diaro de Hoy“. Jemand hatte mit Filzstift eine Meldung rot umrandet:

    „In den frühen Morgenstunden wurde am Stadtrand von San Salvador die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie wurde offensichtlich Opfer eines Gewaltverbrechens…“


    Militärverlag der DDR 1986

    Tatsachen 295



    Ruud Brouver: Flammen über Texel

    Was der ältere Herr, der am Straßenrand mit klammen Fingern an seinem Fahrrad baut, sieht, ist das 822. Georgische Infanteriebataillon. Wie er glaubt, eine Kolonne von Opfern, Feiglingen, Vaterlandsverrätern, Entwurzelten und überzeugten Faschisten.

    Was er nicht sieht, nicht sehen kann, sind die Genossen, die in der verhaßten Uniform an ihm vorbeiziehen – zum Äußersten entschlossen…


    Militärverlag der DDR

    Tatsachen 307



    Erwin Nippert: Der Todesengel von Auschwitz

    Das hat ihr geholfen, als sie im vergangenen Jahr in Paraguay seine Auslieferung forderte. Nun ist sie mit der überraschenden Meldung konfrontiert, daß der Gesuchte zum damaligen Zeitpunkt bereits tot gewesen sein soll. Das schien durch die Feststellungen der internationalen Untersuchungskommission eindeutig erwiesen. Fragen drängen sich auf: Wußte Montanaro nicht, daß der Stroessner-Schützling nicht mehr lebte? In welchem südamerikanischen Land hat er sich in den Jahren bis zu seinem Tode aufgehalten, wenn nicht in Paraguay? Und warum haben seine Angehörigen so lange geschwiegen? „Was hat die Untersuchungskommission im einzelnen festgestellt?“ unterbricht Serge den Gedankengang seiner Frau…


    Militärverlag der DDR Berlin 1989

    Tatsachen 324

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Brockhaus-Reisehandbuch: Erzgebirge - Vogtland

    Vorwort


    Erzgebirge und Vogtland werden seit Jahren immer stärker in den Erholungsverkehr innerhalb unseres Staates einbezogen. Zu den traditionellen Kur- und Erholungsorten wie Oberwiesenthal, Bad Elster, Bad Brambach, Mühlleithen, Johanngeorgenstadt, Rechenberg-Bienenmühle traten neue: Antonsthal, Erlbach, Hartenstein, Mühlhausen, Steinbach, Thoßfell und viele andere.


    Seit der Einführung des visafreien Reiseverkehrs zwischen der DDR und der ČSSR im Jahre 1972 hat sich die Bedeutung des Erz- und Elstergebirges auch als Naherholungsgebiet für den Wochenendausflugsverkehr wesentlich erweitert.


    Im vorliegenden Reisehandbuch werden nicht nur ausgesprochene Urlauber- und Kurorte vorgestellt, sondern auch als Tagesziele geeignete Städte und Gemeinden, Naherholungsgebiete (Filzteich, Greifenbachstauweiher u. a.) und kulturgeschichtlich interessante Orte (Augustusburg, Schneeberger Bergbaulehrpfad, Rabensteiner Felsendome u. a.). Im Hinblick auf die ständig steigende Zahl der mit Pkw reisenden Urlauber werden neben den wichtigsten Eisenbahnstrecken alle bedeutenden Autorouten des Reisegebietes beschrieben.


    Bei der Erarbeitung des Buches standen dem Verlagslektorat und den Autoren die Räte der Städte und Gemeinden, die Leitungen und Mitglieder des Deutschen Kulturbundes und Mitarbeiter verschiedener wissenschaftlicher Einrichtungen, darunter von der Karl-Marx-Universität Leipzig, der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg, der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt und der DHfK Leipzig zur Seite. Als Gutachter gaben Prof. Dr. Karl Czok, Stadt Leipzig, und Prof. Dr. Friedrich Klitzsch, Karl-Marx-Stadt wichtige Hinweise. Weitere Verbesserungsvorschläge erhielt das Lektorat von Dr. Siegfried Hoyer, Leipzig, zur Regionalgeschichte. An den Orts- und Streckenbeschreibungen arbeiteten zahlreiche Heimatkenner mit, die am Schluß des Textes genannt werden. Allen Mitarbeitern, die die schwierige Arbeit unterstützten, gilt der Dank des Verlages.


    Die Herausgabe eines solchen umfangreichen Werkes erfordert eine längere Vorbereitungszeit. Sämtliche Angaben wurden mehrfach überprüft, aufeinander abgestimmt und auf den neuesten Stand gebracht. Eine bis ins einzelne gehende Genauigkeit ist allerdings kaum zu erreichen, weil die Entwicklung auf allen Gebieten heute schneller als je zuvor voranschreitet. Der Verlag ist deshalb für jeden Hinweis dankbar, der der Verbesserung des Buches dient...


    Brockhaus Verlag Leipzig, 1. Auflage 1.-20. Tausend 1973

    Einwohnerzahlen nach dem Stand vom 31. 12. 1971

    Mit 7 Farbkarten. 9 Schwarzweißkarten, 10 Stadtplänen, 1 Burgplan und 1 Rundblick



    Václav Rezác: Die ersten Schritte

    Mit dem Jahr 1945 fängt auch für das tschechische Volk ein neues Leben an. Die dunkle Zeit der Okkupation ist vorüber, die Nazis haben das Land räumen müssen, auf freiem Boden soll eine neue, bessere Ordnung erstehen. Aller Anfang ist schwer, besonders schwer inmitten der von Krieg und Faschismus hinterlassenen Trümmer und Wirrnisse, aber stärker als alle Schwierigkeiten sind die Kräfte eines befreiten Volkes.

    Die Besiedlung der Grenzgebiete, die vorher in der Hauptsache von Deutschen bewohnt waren, gehört zu den wichtigsten Aufgaben des neuen Aufbaus. Eine kleine Völkerwanderung aus dem Inneren nach den Randgebieten setzt ein. Eine allumfassende soziale und nationale Umschichtung hebt an. Der staatliche und wirtschaftliche Apparat mußte völlig neu aufgebaut werden. Es gilt, Bauernhöfe, Dörfer, Fabriken und Städte vor dem Verfall zu bewahren. Die neuen Siedler sind von verschiedenster sozialer Herkunft. Neben den besten Söhnen des tschechischen und slowakischen Volkes gibt es auch Glücksjäger, Gewinnsüchtige und Abenteurer aller Art, die sich in das große Experiment der Besiedlung stürzen. Konflikte zwischen diesen zwei grundverschiedenen Neusiedlertypen können nicht ausbleiben. Das Gute, Zukunftsträchtige muß sich im Kampf gegen das Alte durchsetzen. Dabei geschieht es notwendigerweise, daß die Frontlinie des Kampfes die Grenze zwischen den Nationalitäten kreuzt.


    Václav Rezác entwirft ein überaus buntes und plastisches Bild des gewaltigen gesellschaftlichen Umwälzungsprozesses, wobei er nicht etwa beschreibt oder predigt, sondern konkrete Menschenschicksale schildert. Seine Männer und Frauen – nicht am Schreibtisch erdacht, sondern aus dem Leben gegriffen – werden dem Leser bald so vertraut, daß er sich sagt: „Ja, so war es, so muß es gewesen sein, mir ist’s, als wäre ich selber dabeigewesen.“


    Der Roman von Václav Rezác macht uns nicht nur mit einem wichtigen Kapitel aus der Geschichte unseres Nachbarvolkes bekannt, er fördert auch das Verständnis und die Freundschaft zwischen Tschechen und Deutschen.


    Dietz Verlag Berlin 1955

    Mit einem Nachwort von F. C. Weiskopf



    Joachim Kupsch: Eine Sommerabenddreistigkeit

    Fremde Mächte greifen ein in das Schicksal unseres Helden Alexander, der, armer Leute Kind, aufgezogen wurde bei den Schäfersleuten vom Berg und nun nach bedrängender Fährnis unvermutet zu einem Vater, zugleich aber auch nach dem Erlebnis lieblicher Nacktheit zu einer heimlichen Braut gelangt. Abenteuer treiben ihn durch die Lande und sogar in den Krieg mit der sächsischen Majestät, die er schließlich dank seiner List und einer angemessenen Portion Glück ernsthaft besiegt.


    Dreist, heiter und frivol gibt sich die Geschichte vom armen Alexander, und nicht weniger dreist ergeht sich der Aufschneider und Lügenbaron Münchhausen, dessen Liebes-, Lust- und Bettgeschichten einschließlich seiner Lobpreisung des schönen Reizes der Autor als Zugabe gewissermaßen beizufügen sich erlaubt – in der Hoffnung, daß der Leser an allem seine Freude habe und dennoch überm Vergnügen am Amüsanten ein wenig das ernsthafte Nachsinnen nicht vergesse.


    Mitteldeutscher Verlag Halle (Saale) 1972

    Illustrationen: Max Schwimmer

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes. 17 Detektivgeschichten

    Buchbeginn


    Das gefleckte Band

    Blättere ich meine Notizen zu den über siebzig Fällen der letzten acht Jahre durch, bei denen ich die Methoden meines Freundes Sherlock Holmes studieren konnte, so stoße ich auf viele tragische, manche komische, eine Vielzahl von befremdlichen, aber nicht einen banalen Fall, denn da er eher aus Liebe zu seiner Kunst als des Honorars wegen arbeitete, lehnte er jeden Auftrag ab, der nicht zum Ungewöhnlichen, ja sogar Phantastischen tendierte. Von all den unterschiedlichen Fällen ist mir jedoch keiner erinnerlich, der einzigartigere Züge aufweist als die Sache mit einer wohlbekannten Familie aus Surrey, den Roylotts von Stoke Moran...


    Verlag Neues Leben Berlin 1982

    Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Reinhard Hillich

    Illustrationen: Eberhard Binder-Staßfurt



    Heinz Ufer: Freiberg

    Einführung


    Die alte Bergstadt Freiberg liegt am Fuße des Erzgebirges zwischen den Bezirksstädten Dresden und Karl-Marx-Stadt. Vielgestaltig war ihr Schicksal im Laufe der Jahrhunderte. Der Bergbau, dem sie ihre Gründung gegen Ende des 12. Jahrhunderts verdankt, gibt der Landschaft bis in unsere Zeit hinein das Gepräge. Doch aus der ehrwürdigen Bergstadt der Vergangenheit ist eine vorwärts strebende Hochschul- und Industriestadt geworden, in der alt und neu zu sinnvoller Einheit verwachsen sind.


    Vielleicht sind es gerade die Kontraste, die die Stadt, in der Vergangenheit und Gegenwart auf vielfältige Weise innig miteinander verknüpft sind, so anziehend machen.


    Die Besucher besichtigen den spätmittelalterlichen Stadtkern, den Obermarkt mit den ihn umgebenden alten Patrizierhäusern und stehen nachdenklich vor den alten, gedrungenen Bergmannshäuschen der sogenannten Sächsstadt. Sie machen ihnen ein Stück Geschichte der Stadt lebendig und verdeutlichen auf ihre Weise die Jahrhunderte hindurch in der Stadt herrschenden großen sozialen Gegensätze, von denen frühere Geschichtsschreiber nur wenig zu berichten wußten. In Grünanlagen eingebettete Wallgräben, Stadtmauern und alte, trutzige Befestigungstürme zeugen von der einstigen Wehrhaftigkeit der reichen Silberbergbaustadt.


    Ergriffen stehen wir vor der "Goldenen Pforte", dem einzigartigen romanischen Figurenportal des Doms, eines Kunstwerkes aus der Frühzeit des Freiberger Bergbaus, die Kunstsinn und Repräsentationsbedürfnis des aufstrebenden Stadtbürgertums dokumentiert.


    Vor den Toren der Stadt prägen alte Bergbauhalden und Fördertürme das Gesicht der Landschaft und künden die rauchenden Schornsteine der Hüttenwerke, der Erben einer 800jährigen Berg- und Hüttentradition, vom heutigen Leben.


    Viele bedeutende Männer fühlten sich in der Vergangenheit von der Stadt angezogen, weil hier Theorie und Praxis des Bergbaus und Hüttenwesens stets eng miteinander verbunden waren...


    VEB A. Brockhaus Verlag Leipzig 1970

    Brockhaus Wanderheft Nr. 1, 3. überarbeitete Auflage, 1970

    Fotos: Heinz Ufer, Freiberg (Sachsen)



    Wolfram und Joachim Adolphi: High-Tech im Land der Samurai - Erlebnisse im Umfeld eines "Wirtschaftswunders"

    Spitzentechnologien. In Verkürzung des englischen "high technology" haben die Japaner da für ein knappes Wort parat - "Haitek".


    Atemberaubend hat sich Japans Wirtschaft entwickelt: auf das Dreißigfache stieg die Industrieproduktion von 1950 bis 1985. Japan als größter Roboterproduzent und -anwender in der Welt, als größter Hersteller numerisch gesteuerter Werkzeugmaschinen, größter Exporteur von mikroelektronischen Schaltkreisen und PKW, als Inbegriff modernster Computer-, Audio- und Videotechnik - lang ist die Reihe der Superlative.


    Ist Japan besonders High-Tech-begnadet? Die Suche nach Antworten führt hin zu geographischen, historischen und wirtschaftsstrukturellen Entwicklungsfaktoren, berührt wichtige politische Zusammenhänge, und sie führt vor allem und immer wieder in die Lebens- und Arbeitsweise derer, auf deren Leistung all dieser Erfolg beruht– der japanischen Werktätigen.


    Die Samurai sind auch in Japan nur noch Legende. Aber ihre Lebensformen haben Spuren hinterlassen: Spuren, die sich wenngleich vermischt mit vielen anderen Einflüssen vielerorts an wichtiger Stelle im Alltag wiederfinden.


    Was hier aufgeschrieben ist, ist keineswegs "Das Japan-Buch". Es ist ein Diskussionsbeitrag. Aus dem persönlichen Erleben dort und hier.


    Verlag Neues Leben, Berlin 1988

    nl-konkret Nr. 84

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Rabindranath Tagore: Sandkörnchen im Auge

    "Sandkörnchen im Auge" - so nennen sich zwei Inderinnen zum Zeichen ihrer Freundschaft. Asha betrachtet die sonderbare Anrede als einen geistreichen Scherz der bewunderten Freundin, der sie gern alle Ereignisse ihrer jungen Ehe anvertraut. Sie bemerkt dabei nicht, daß Binodini auf dem Wege ist, sich den Kosenamen in seiner wörtlichen Bedeutung zu verdienen. Denn für Binodini, die nach kurzer, unbefriedigender Ehe zu lebenslangem Witwenstand verurteilt ist, ist Ashas Liebesglück zu einer Quelle ungestümer Leidenschaften geworden. Da sie bei ihren Bemühungen ihre weiblichen Reize als wirkungsvolle Waffe einzusetzen versteht, stürzt sie eine orthodoxe Hindufamilie in große Verwirrung.


    In diesem frühen Roman des indischen Nobelpreisträgers entfaltet sich eine verwickelte Liebesgeschichte unter den Bedingungen der Kastengesellschaft, deren Gefüge bereits um die Jahrhundertwende von Erschütterungen betroffen war. Das psychologisch einfühlsam gestaltete Dreiecksverhältnis wird zu einem Brennpunkt, in dem überlieferte Moralvorstellungen und Fortschrittsgedanke aufeinandertreffen.


    Verlag Volk und Welt Berlin



    Benito Wogatzki: Romanze mit Amélie

    Erzählt wird aus dem Leben des Hirten Jürgen Siebusch, der bei seinen Schafen vielleicht ein alter Mann geworden wäre, hätte er sich nicht in die Gutsherrntochter Amélie von Kamecke verliebt. Die Liebe beginnt im September 1944, als die Front näher rückt..., und endet bald nach der Befreiung. Doch die Romanze hinterläßt "schmerzliche Einkerbungen". Siebusch gesteht: "... Es war eine große Liebe, und ich wäre gern daran zugrunde gegangen, wenn man mich gelassen hätte." - Neue Zeit, Berlin


    Wogatzkis Roman-Pärchen, das in den Frühlingstagen 1945 in einem Schuppen sein scheinbart unausbleibliches Ende erwartet, will sich vor dem Leben einfach verbergen. Doch das Leben, die gesellschaftliche Realität, macht um beide keinen Bogen. Es fordert Entscheidungen heraus. - Neues Deutschland, Berlin


    Verlag Neues Leben, 3. Auflage



    Orazio Curti: Schiffsmodellbau - Eine Enzyklopädie

    Diese umfassende Darstellung wendet sich vor allem an die große Zahl der Schiffsmodellbauer. Sie vermittelt umfangreiche theoretische Kenntnisse über die Geschichte des Schiffbaus, erläutert den Bau historischer Schiffe und deren Ausrüstung und enthält die ausführliche Beschreibung der technischen Details und ihres Zusammenwirkens.

    Gleichzeitig gibt der Autor - Vizepräsident der italienischen nationalen Schiffmodellbauvereinigung "Navimodel" - praktische Hinweise, wie und aus welchem Material Schiffsmodelle am besten gefertigt werden können, vom Standmodell bis zum ferngesteuerten Rennmodell. Ausgehend von langjährigen Erfahrungen der Schiffsmodellbauer aus aller Welt schildert er die verschiedenen Techniken und die einzelnen Bauverfahren der wichtigsten Bauteile.

    Das Buch ist ein unentbehrlicher Helfer für alle Modellbauer.


    VEB Hinstorff Verlag Rostock, 1. Auflage 1972

    Aus dem Italienischen: Intertext Erfurt



    Wolfram Mondfeld: Die Galeere vom Mittelalter bis zur Neuzeit

    Wolfram Mondfeld schildert die Geschichte der Galeere, untersucht die vielfältigen Konstruktionsmethoden und erläutert Bauformen, Ausrüstung, Bewaffnung und technische Besonderheiten. Die beigefügten Risse der französischen Galeere "La Dracène", 1675, ermöglichen den Bau eines originalgetreuen Modells.


    VEN Hinstorff Verlag Rostock, 2. Auflage 1977

    64 Seiten Text mit 16 Zeichnungen, 24 Kunstdrucktafeln und 4 Tafeln mit Rissen



    Werner Jaeger: Das Peller-Modell von 1603

    Das sog. PELLER-Modell von 1603 ist wahrscheinlich das älteste deutsche Schiffsmodell. Werner Jaeger hat mit großer Sachkenntnis eine Dokumentation erarbeitet, die dem historisch wertvollen Modell ebenbürtig ist. Mit außerordentlicher Gründlichkeit gibt der Autor eine ausführliche Darstellung der Lebensgeschichte des Modells, eine umfassende Modellbeschreibung, das Aufmaß des Modells und eine Rekonstruktion der Takelage.


    VEB Hinstorff Verlag Rostock, 1973

    ca. 96 Seiten Text mit 24 Zeichnungen, 24 Kunstdrucktafeln und 12 Tafeln mit Rissen

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Dinah Nelken: Die ganze Zeit meines Lebens. Geschichten Gedichte Berichte

    Dinah Nelken geht mit der Zeit. Oder richtiger: Die Zeit geht ihr voran auf dem schweren Weg durch Inflation und Massenarbeitslosigkeit, Emigration und Krieg. Sie kehrt zurück nach Westberlin, in eine geteilte Stadt, Schnittpunkt zweier Welten. Sie schreibt, was sie erlebt, hört und sieht.

    Neben den großen Romanen, die ihren Namen in der Literatur begründen, entstand in mehr als fünf Jahrzehnten eine Vielzahl von Kurzgeschichten, Erzählungen, Gedichten und Berichten, Bewahrenswertes ist in diesem Band gesammelt. Verschüttetes - wie die spritzig-bissigen Songs für das Berliner Kabarett "Die Unmöglichen" oder die sozialkritischen Reportagen über Italien nach dem zweiten Weltkrieg - wird wieder ans Licht geholt. In den 44 Texten spiegelt sich Dinah Nelkens Leben wider, ihre künstlerische Entwicklung mit der Suche nach immer neuen Ausdrucksformen, ihr Engagement als Kritikerin der spätbürgerlichen Gesellschaft.


    Verlag der Nation Berlin, 2. Auflage 1982



    Manfred Häckel: Annette von Droste-Hülshoff. Werke und Briefe

    Erster Band - Lyrik, Epische Dichtungen

    Die Zahl dichtender Frauen innerhalb der Literaturgeschichte ist nicht groß. Daher bleibt das Urteil der Literaturhistoriker über Annette von Droste-Hülshoff, sie sei die bedeutendste deutsche Dichterin des 19. Jahrhunderts, nur sehr relativ. Die vorliegende Ausgabe ihrer sämtlichen Werke sowie ausgewählter Briefe, eingeleitet und mit umfangreichem Anhang versehen, soll die Grundlage dafür bieten, neu zu prüfen, worauf im einzelnen der poetische Reiz der naturnahen "Heidebilder", der ahnungsvollen "Zeitbilder" oder der zweifelnd-gläubigen Verse des "Geistlichen Jahres" beruht, was den Wert der anschaulichen, lebendigen Prosa ausmacht.

    Ricarda Huch beschrieb ihren Eindruck von der Drosteschen Dichtung so: "... was ihr eigentümlich war und worin sie hohe Vollendung erreichte: die sinnenhafter Darstellung sinnvoller Lebensgebilde. Die Geschöpfe, die sie vor uns hinstellt, seien es Pflanze oder Tier, Berg oder Feld, Menschen oder Geister, sind prall von Wirklichkeit, rauchen, schnauben, glühen und zittern von der Inbrunst ihres Daseins. Daß sie niemals im Teig des Unbestimmten, Allgemeinen steckenbleibt, ist um so bemerkenswerter, als eine allgemeinere Bedeutung ihren Gedichten immer innewohnt.

    ... ihre Stimme, sagt sie, sei schwach, aber schwach wie ein fernes Gewitter, dessen verhaltene Kraft man fühlt, tief, zitternd, wie eine sterbende Löwin. Ein fernes Gewitter, eine sterbende Löwin - es ist nicht möglich, deutlicher auszudrücken, was für eine Urkraft in ihr, und daß sie gebunden und gebrochen war... ,Am Bodensee' - ,Das Hirtenfeuer' - ,Der General' - es sind Kristalle, aus denen rubinrote Strahlen hervorzucken, die heißes Leben künden."


    Zweiter Band - Prosa, Dramatische Dichtungen, Ausgewählte Briefe

    Über die erste Ausgabe ihrer "Gedichte" (1838) und deren Besprechung durch Friedrich Engels schreibt Annette in einem Brief vom 20. Juli 1841: "Meinen Gedichten geht es schon gut in der zweiten wüsten Fremde. Es sind kürzlich wieder zwei Rezensionen herausgekommen (in Dresden und München), so gut wie die, die Du bei mir gelesen... Ein gewisser Engel, der in Hamburg am ,Telegraphen' schreibt, ist noch galanter und sagt in seinen (,Reiseskizzen' glaube ich), als er auf Münster kömmt, ,wie man eine Stadt so wenig beachten könne, wo man vielleicht Levin Schücking und Annette Elisabeth von D. H. unter den Bogenhallen begegnen könne', wobei er sich des breiteren über mein Büchelchen ausläßt. Die Bornstedt ist furios darüber gewesen und hat behauptet, der Mensch sei von Levin dazu gekriegt, sonst hätte er statt meiner wohl sie genannt, denn sie habe viel geschrieben und einen Namen in der Literatur, meine paar Brocken aber kenne kein Mensch."


    Insel-Verlag Leipzig, 1. Auflage 1976

    Vorwort: Henri Poschmann



    Hermann Glander: Das heitere Buch

    Scherz, Humor und Satire aus aller Welt und aus allen Zeiten von Theophrast, Cervantes und Boccaccio bis zu Friedrich Wolf und Bert Brecht bringt dieses Buch in überreicher Fülle.

    Es will Schmunzeln und Lachen in unser Dasein tragen. Es will erheitern und erfreuen. Es will demjenigen, der Sinn für das feingeschliffene Wort hat, Genuß gewähren. Es will ein Zauberspiegel sein, in dem der Leser ein heiteres Bild der Welt und nicht weniger seines eigenen Selbst erblickt. Wer es liest, soll lachen, aber, wie das Lachen eine der ernsthaftesten Angelegenheiten der Menschheit ist, er soll mit Verstand und einem nachdenklichen Blick auf sich selbst lachen.

    Anekdoten, Fabeln, Aphorismen, Kurzerzählungen, besinnliche und Scherzgedichte vereinigen sich in dieser Sammlung zu einem bunten Kranz. "Das heitere Buch" ist eines von den Büchern, die man stets in Griffweite liegen hat, um sich zu jeder Zeit und in jeder Stimmung aus dem Born des Humors und der Ironie erquicken zu können.


    Petermänken-Verlag Schwerin, 1955

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Hedda Zinner: Der Teufelskreis. Schauspiel in fünf Akten

    Der Ausgangspunkt meines Stücks war der Reichstagsbrand, die großangelegte Provokation der Nazis und die überragende Persönlichkeit Georgi Dimitroffs, der die nazistischen Machenschaften Punkt um Punkt aufdeckte. Den Reichstagsbrand hatte ich selbst noch miterlebt...


    1941, während der Evakuierung in Ufa, lernte ich Dimitroff persönlich kennen... Seine Menschlichkeit, seine Wärme und vor allem sein Humor machten ihn bei allen beliebt. Aber das hätte für ein Stück nicht ausgereicht. Erst der Hauptkomplex, die Handlung um den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Lühring, den Gegenspieler Dimitroffs in meinem Schauspiel, setzte mich in die Lage, es zu schreiben. Lühring, der noch bis zum Reichstagsbrand die verhängnisvolle Politik der rechten sozialdemokratischen Führung vertritt, erkennt, als es schon zu spät für ihn ist, die grauenvolle Konsequenz dieser sozialdemokratischen Haltung. - Hedda Zinner


    Verlag Tribüne Berlin 1987



    Renate Feyl: Bilder ohne Rahmen

    Schöpferische Menschen, die Fachkenntnis, Phantasie und den Mut zum Eigenen besaßen, sind mir in der Geschichte der Wissenschaft begegnet. Ihre Wirkung und Widersprüchlichkeit ist gedeutet. Ihre Entdeckungen und Irrtümer sind beschrieben. Hier geht es um ihre Haltungen. Haltungen zur Arbeit, zur Zeit, zu sich selbst und zu anderen. Haltungen, die nicht Geschichte sein können. Ich sprach darüber mit Urenkeln, Enkeln und Kindern dieser Wissenschaftler, mit den Nachfahren von Wilhelm von Humboldt, Adelbert von Chamisso, Theodor Mommsen, Hermann von Hemholtz, Rudolf Virchow, Albrecht von Graefe, Wilhelm Foerster, Ernst Haeckel, Wilhelm v. Bode, Hermann Haack, Lise Meitner und Albert Einstein. Es sind Versuche von Erinnerungen, Skizzen Impressionen: Bilder ohne Rahmen.


    Greifenverlag zu Rudolstadt 1977, 2. Auflage 1978



    Gunter Preuß: Große Liebe gesucht

    Damen und Herren! Ich bin die Conny und sage: jeder Mensch hat seinen Zirkus, in dem mit Kunst gezeigt wird, wie das Leben so spielt. Wenn Sie meinen erleben wollen: Hereinspaziert!


    buchclub 65

    Verlag Neues Leben, Berlin 1983

    Illustrationen: Gitta Böttcher

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Gisela und Dietmar Winkler (Hg.): Allez hopp durch die Welt. Aus dem Leben berühmter Akrobaten

    Vorwort

    Artistenmemoiren haben in der Literatur einen gewissen Seltenheitswert, und das wohl aus zwei Gründen: Der Beruf des Artisten ist so hart und beschwerlich, daß die wenigsten Neigung dazu verspüren, sozusagen zwischen zwei Auftritten, die ihre gesamte Energie und die volle physische und psychische Kraft erfordern, auch noch das Erlebte festzuhalten. Zum anderen waren die "Fahrenden" durch Jahrhunderte bei aller Volkstümlichkeit und Beliebtheit so wenig "standesgemäß", daß die Verleger keine Veranlassung sahen, sie durch die Veröffentlichung ihrer Lebenserinnerungen mit den anderen Vertretern der darstellenden oder bildenden Kunst auf eine Stufe zu stellen...


    Buchbeginn


    Hanlon-Lees: Sechs Brüder als Akrobaten


    Die sechs Brüder Hanlon, die sich später nach ihrem Lehrer Lees die Hanlon-Lees nannten, wurden in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts als Söhne eines irischen Schauspielerehepaars in Liverpool und Manchester geboren. Zwei weitere Brüder und eine Schwester starben in jungen Jahren. Thomas, Georg, William, Alfred, Edward und Frederic wuchsen in der Theateratmosphäre auf. Die Eltern unterrichteten sie in körperlichen Übungen, bis der Artist John Lees die Ausbildung der Kinder übernahm und äußerst vielseitige und tüchtige Artisten und Pantomimen aus ihnen machte...


    Henschelverlag Berlin, 2. Auflage 1987



    Renate Feyl: Bau mir eine Brücke

    Sie sind jung, sie lieben sich, und sie sind seit einem halben Jahr miteinander verheiratet. Sie haben eine Wohnung, eine sehr kleine zwar, und sie haben eine Arbeit, die ihnen Spaß macht, und trotzdem gibt es dauernd Streit. Klara will sich nicht damit abfinden, daß ihr Mann so wenig Verständnis für ihre Abgeordnetentätigkeit aufbringt, und Robert, der Musiker in einem Opernorchester ist, möchte die seltenen freien Abende mit seiner Frau verbringen. In der Woche sehen sie sich kaum. Wenn Klara morgens zur Arbeit geht - sie ist Assistentin an der Universität -, schläft Robert; wenn sie nach Hause kommt, hat er gerade die Wohnung verlassen. Und wenn er dann wirklich einmal frei hat, muß Klara sich garantiert um andere Leute kümmern. Das will er nicht länger mitmachen. Nach einem besonders kränkenden Streit packt Klara ihre Sachen und zieht zu ihrem Vater zurück.


    Buchbeginn

    Er: Ich liebe dich.

    Sie: Wie bitte?

    Er: Ich liebe dich.

    Sie: Wie bitte?

    Er: Ich liebe dich, hörst du schwer?

    "Sie: Wie bitte?

    Er: Ich liebe dich, verdammt noch mal.

    Sie: Ah, das tut gut.

    Ich könnte es tausendmal hören.


    In einem kahlen Raum steht ein mächtiger Schreibtisch. Gutes, massives Eichenholz.

    Es liegt nichts weiter auf ihm als eine dicke Mappe und ein Kugelschreiber, dessen äußere Form eine rosarote Plasterose an einem grünen Stiel darstellt.

    Ein schönes, kitschiges Schreibgerät.

    Kein Telefon steht in diesem Dienstzimmer, dafür - aufgebaut auf einem Aktenbock - ein Plattenspieler.

    Die schwarze Scheibe beginnt sich zu drehen...


    Verlag Neues Leben, Berlin 1972, 5. Auflage 1987

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Kjartan Fløgstad: U3 oder Fliegen zu den Engeln

    Tief im Granit, in einer Grotte der "jüngeren elektronischen Steinzeit", sitzt Person. Am Bildschirm verfolgt er den Flugverkehr im nordnorwegischen Luftraum - bekannte und unbekannte Erscheinungen, Alfemann und "die schwarze Dame". Mit Radarblick und Retrospekttoskop registriert und entschlüsselt er die Zeichen am Weg seines Freundes Alf Hellot und die Zeichen der Zeit. Sie deuten auf persönliche und weltpolitische Verwicklungen. Es sind die ausgehenden fünfziger Jahre - die Zeit des Kalten Krieges. Das NATO-Land Norwegen hat seine Rolle als Vorposten zu spielen: Der Flugplatz Bodø ist Stützpunkt der amerikanischen U2-Maschinen, die in geheimer Mission sowjetisches Territorium überfliegen. "Die schwarze Dame" wird entschleiert - und das hat weitreichende Folgen. Folgen auch für den "fliegenden Ritter in der Aluminiumrüstung", den norwegischen Hauptmann Hellot.

    Wie kaum ein anderer Erzähler in der nordeuropäischen Gegenwartsliteratur bringt Kjartan Fløgstad Authentisches und Phantastisches, äußere und innere Spannung zu intensiver Wechselwirkung.


    VEB Hinstorff Verlag Rostock, 1. Auflage 1988

    Aus dem Norwegischen von Anne Storm



    Marianne Fleischhack (Hg.): Bei fröhlichen Leuten. Heiter-besinnliche Erzählungen

    "Wenn Gott keinen Spaß verstünde, möchte ich nicht im Himmel sein", soll Martin Luther einmal gesagt haben. "Wenn Gott keinen Spaß verstünde, wären die Geschichten dieses Buches nie geschrieben worden!" könnte man den Ausspruch Luthers abwandeln; denn in allen Geschichten wird von Christenmenschen erzählt, die mancherlei nachdenkliche und vergnügliche Erlebnisse und Abenteuer zu bestehen haben, die dem Leser nicht selten ein fröhliches Lachen oder stilles Schmunzeln hervorlocken. Es sind ja die kleinen menschlichen Schwächen und Fehler, die uns immer wieder zu liebevollem, verständnisinnigem Lächeln bringen, weil wir sie an uns selbst auch entdecken und erkennen, daß vor Gott niemand vollkommen ist.


    Christliche Dichter und Schriftsteller vergangener Jahrhunderte und unserer Zeit schildern mit besinnlicher Heiterkeit, was sie an kleinen Unvollkommenheiten und liebenswerten Schrullen bei ihren Mitmenschen wahrgenommen haben. Doch nicht nur das: sie bezeugen auch die Freude und die Fröhlichkeit des Menschen, der sich und seine Welt von Gott gehalten weiß. Von Franz von Assisi über Jeremias Gotthelf, Matthias Claudius, Peter Rosegger bis hin zu Albert Schweitzer, Ina Seidel, Karl Heinrich Waggerl und Karl Hüllweck spannt sich der Bogen. Sie alle wollen mit ihren Erzählungen auf besondere Art der Gemeinde dienen. In die Familie, an das Krankenbett und vor allem in die Gemeindeabende wollen sie Frohsinn und Heiterkeit tragen. Manche Erzählung wird darüber hinaus auch zu ernsterem Gespräch und tieferem Nachdenken anregen. So will dies Buch vom frohen Christenleben mehr sein als nur ein "humoristischer Hausschatz"; es spricht vielmehr aus ihm - um ein Wort Felix Timmermans zu gebrauchen - "ein Optimismus, hinter dem man den Ernst und die Tragik des Lebens spürt, einen Ernst, über den die Freude emporblüht". Um die praktische Arbeit zu erleichtern, sind in einem ausführlichen Anhang biographische Notizen über die einzelnen Autoren und die Vorlesedauer jedes Beitrages zu finden. Den Erzählungen, die einem größeren Zusammenhang entnommen wurden, sind kurze Einführungen vorangestellt.


    Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 6. Auflage 1974



    Heinz Kruschel: Mein elftes Schuljahr

    Er kann sie nicht ausstehen, diese selbstbewußte Rikki, die den Ton in der Klasse angibt. Aber immer wieder taucht ihr Name in seinem Tagebuch auf.


    Buchbeginn


    25. August


    Der Koffer ist gepackt. Morgen reisen wir zurück. Ein letztes Mal ist unsere Klasse zusammen, dann wird es sie nicht mehr geben. Komisches Gefühl. Ob alle so denken? Vor zehn Jahren haben wir mal Buchstaben gemalt und Wörter schreiben gelernt und Brottaschen vor dem Bauch getragen. Das scheint noch gar nicht so lange her zu sein. Nun liegt die Prüfung der zehnten Klasse hinter uns, mittelreif sind wir, halbreif. Darauf kann man sich gar nichts einbilden.


    Und was liegt vor uns? Theoretisch weiß das jeder. Aber wer weiß schon, ob der Beruf, den er gewählt hat und den er lernen will, für ein Leben lang der richtige sein wird? Man möchte doch nicht als Dreißigjähriger sagen: Mein Beruf macht mich nicht froh, ich bin unzufrieden, ich hätte mich damals besser beraten lassen sollen...


    Verlag Neues Leben Berlin, 1971, 2. Auflage 1974

    Illustrationen: Volker Pfüller

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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  • Virginia Woolf: Ein eigenes Zimmer / Drei Guineen. Essays

    Virginia Woolf (1882-1941), Romanautorin, Essayistin, Rezensentin, Verlegerin, ist als Innovatorin des englischen modernen Romans bekannt und berühmt geworden. Ihr Schaffen ist durch eine leidenschaftliche Wahrheitssuche, den Glauben an die visionäre Kraft der Imagination und ein ausgeprägtes Formbewußtsein gekennzeichnet. "Mrs. Dalloway" (1925) und "Zum Leuchtturm" (1927) sind Beispiele für ihre hohe Romankunst.

    "Ein eigenes Zimmer" (1929) basiert auf zwei Vorlesungen zum Thema Frauen und Literatur. Witzig und geistreich weiß V. Woolf über ihre Schwierigkeiten bei der Annäherung an das Thema zu berichten. Berühmt sind ihre Überlegungen darüber, welchen Lebensweg eine fiktive Schwester Shakespeares hätte gehen können, welche Widrigkeiten einer talentierten Frau in Vergangenheit und Gegenwart begegnen.

    In "Drei Guineen" (1938) führt die Autorin ihre Gedanken zur Ausbildung und Berufstätigkeit von Frauen fort, im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit dem Faschismus in Europa.


    Reclam-Verlag Leipzig

    Reclam-Bibliothek Band 1287

    Belletristik

    Aus dem Englischen von Susanne Thurm

    Mit einem Essay "Die Ermordung des Hausengelchens" von Wolfgang Wicht

    Mit fünf zeitgenössischen Fotos



    Jochen Hauser: Als Kutte noch Jack London war. Geschichten

    Poesie verzaubert die Hinterhofwelt eines Berliner Mietshauses: Kutte Tetelhoff, durch frühe Krankheit an den Rollstuhl gefesselt, einsam, gemieden, beginnt zu erzählen, was er bei Jack London gelesen hat, und wird zum Mittelpunkt der Kindergesellschaft. Unmerklich entwachsen diesem phantasievollen Wiedererzählen seine eigenen Geschichten. Darin spielt er erträumte Heldenrollen, die in einer entfesselten Rollstuhljagd ihren Höhepunkt haben - und ihr Ende. Kutte kommt in ein Heim. Als er zurückkehrt, ist er ein junger ordentlicher Mann mit einem richtigen Beruf: Herr Tetelhoff. Doch zuweilen drängt sich die Frage auf: Ging nicht auch etwas verloren auf dem Weg ins geordnete Leben? Wie ist es gewesen, als Kutte noch Jack London war?

    Dies die Titelerzählung, neunzehn Geschichten vereinigt der Band. Eine Journalistin scheitert an Vorurteilen, als sie beginnt, sich Urteile zu bilden. Über den fragwürdigen Ehrgeiz einer Schule, sich ausländischen Besuchern makellos zu präsentieren, triumphiert das Eigenleben der Dinge. Ein Werkdirektor, der zur Entgegennahme des zweiten Ordens nach dem ersten sucht, findet statt dessen alte Geschichten, die sein Leben sind... Immer ist es der Alltag unserer Gegenwart, von dem der Autor erzählt, einfühlsam, sozial genau, freundlich-heiter, oder, wenn es sich anbietet, ironisierend und satirisch zugespitzt. Dabei wird der Alltag weder diskriminiert noch verklärt. Er ist die unerhörte Begebenheit.


    Bisher schrieb Jochen Hauser Hörspiele, Bücher für Erwachsene und Bücher für Kinder. Seine "Familie Rechlin" wurde auch als Fernsehfilm bekannt.


    Verlag der Nation Berlin, 1. Auflage 1984



    Gisela May: Mit meinen Augen. Begegnungen und Impressionen

    Gisela May erzählt - kluge, temperamentvolle, charmante Prosa, keine Memoiren. In vielen Künsten erfahren, bewegt sie sich auch im Medium der Sprache sicher und eindrucksvoll. Sie beobachtet, meditiert, kritisiert, erscheint fröhlich und traurig, hart oder gelöst; dabei immer wach, warmherzig und gleichsam auf dem Sprung, teilhaben zu lassen an berührenden und bewahrenswerten, auch komischen Begegnungen mit Menschen, mit Kunst.

    Gisela May berichtet in lockerer Folge über ihre Lehr- und Wanderjahre an verschiedenen Bühnen der Republik, über ihre Reifezeit am Deutschen Theater, über Begegnungen mit großen Schauspielern, Musikern, Theaterleuten, die Arbeit am Metropol, an der Staatsoper, am Berliner Ensemble, dem sie nun schon länger als ein Jahrzehnt angehört.

    Was sie da mitteilt über Helene Weigel, Hanns Eisler, Paul Dessau, Lucie Höflich, Ernst Busch oder Wolfgang Langhoff, vermittelt den Reiz persönlicher Begegnung, ist einmalig, unverwechselbar.

    Gisela May, als Botschafterin einer hochentwickelten Bühnenkultur oft im Ausland, hat mancherlei heimgebracht. Neben Nützlichem für die eigene Theaterarbeit, für Theorie und Lehre, eben auch Impressionen, Anekdoten, Feuilletons, Reiseskizzen. Ihr anhaltend produktives Verhältnis zum Beruf, zur Berufung zeigt sich unter anderem in diesen unkapriziösen, sehr genauen, souveränen Texten.

    Da sie um die Gefahren der Schauspieler-Autobiographie - Ich-bezogenheit und mangelnde Objektivierung des oft zufälligen Ausschnitts selbsterlebter Kunstentwicklung - sehr genau weiß, schreibt sie keinen geschlossenen Bericht über eigenes Werden und Arbeiten, sondern notiert in einer lockeren, gleichsam assoziativen Folge Erlebnisse und Begegnungen, die zu unterschiedlichen Betrachtungen herausfordern.


    Buchverlag Der Morgen Berlin, 1976, 3., erweiterte Auflage 1982



    Simone de Beauvoir: In den besten Jahren. Erinnerungen

    Kritische Bestandsaufnahme der "besten Jahre" ihres Lebens, fesselnde Chronik der bewegten dreißiger Jahre, scharfsichtige Analyse des eigenen literarischen Werdegangs, so präsentieren sich Simone de Beauvoirs Erinnerungen, die den Zeitraum von 1929 bis 1944 umfassen. Ein entscheidender Lebensabschnitt, in dem die angehende Schriftstellerin einen konfliktreichen, widerspruchsvollen Reifeprozeß durchläuft. Nach eigenem Bekenntnis beginnt für die Beauvoir 1929 ein Jahrzehnt voller Illusionen und "absoluten Verkennens der Realität". Mit dem Hochgefühl des Glücks genießt sie ihr Dasein als junge, unabhängige Intellektuelle, sie schließt einen auf Gleichberechtigung beruhenden "Pakt" mit Sartre, der für sie zum unersetzlichen geistigen Anreger wird, und konzentriert sich ganz auf ihr gemeinsames Vorhaben, in künftigen Werken die Welt und den Menschen neu zu erschaffen. Zutiefst betroffen von den alarmierenden Zeitereignissen, schwebt sie aber dennoch bedingungslos "über dem Getümmel". Erst der Ausbruch des zweiten Weltkriegs zwingt sie, ihre passive Haltung aufzugeben. "Plötzlich ergriff die Geschichte von mir Besitz, ich zerbarst und fand mich über die ganze Welt verstreut wieder, mit allen Fasern an alle und jeden gebunden ... Ich mußte meine Beziehung zu einer Welt, die ich nicht wiedererkannte, neu entdecken..."


    "In den besten Jahren" zeichnet mit leidenschaftlicher Anteilnahme und stets kritischer Distanz zum eigenen Ich die Stationen eines Weges nach, der keineswegs frei von Irrtümern ist. Doch die Konsequenz, mit der die französische Autorin die erreichten Positionen immer wieder überprüft und in Frage stellt, verdient Anerkennung und fordert zugleich zur produktiven Auseinandersetzung heraus, denn "wenn ein Individuum sich nur aufrichtig zur Diskussion stellt, ist jeder mehr oder weniger mitbetroffen".


    Verlag Volk und Welt Berlin, 1. Auflage 1977

    Aus dem Französischen: Rolf Soellner

    Nachwort: Gerhard Schewe

    Anmerkungen am Schluß des Bandes

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

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