Nicolas Barreau - Die Liebesbriefe von Montmartre

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    Nicolas Barreau: Die Liebesbriefe von Montmartre. Roman, München 2018, Thiele Verlag, ISBN 978-3-85179-410-6, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 325 Seiten, Format: 12,1 x 3,5 x 19 cm, Buch: EUR 20,00 (D), EUR 20,60 (A), Kindle Edition: EUR 16,99.


    „Meine Geliebte, ach komm,

    dass ich dich wiederhab‘

    wie einst im Mai.“ (Seite 7)


    Dem Pariser Schriftsteller Julien Azoulay (35) geht’s dreckig. Das ist auch kein Wunder: Seine Frau Hélène ist mit nur 33 Jahren an Krebs gestorben. Jetzt muss er für seinen vierjährigen Sohn Arthur sorgen und einen Roman fertigstellen. Ausgerechnet eine romantische Komödie! Nichts liegt ihm derzeit ferner. Er schafft es ja nicht einmal, mit den 33 Briefen an Hélène anzufangen, die er ihr auf dem Sterbebett versprochen hat. In seinen Augen ist es zwecklos, an eine Verstorbene zu schreiben, aber Hélène hat darauf bestanden: Schreib mir, wie die Welt ist ohne mich. Schreib mir von dir und Arthur. (…) Es wird einen Sinn haben, vertrau mir. Und ich bin sicher, dass es am Ende eine Antwort für dich geben wird.“ (Seite 13)


    33 Briefe an die verstorbene Frau

    Irgendwann hat er sich soweit berappelt, dass er seine Einsamkeit und Trauer in Worte fassen kann. Die Briefe bringt er auf den Friedhof und deponiert sie in einem Geheimfach im Grabstein, das er eigens für diesen Zweck hat einbauen lassen. Von der Existenz dieses Fachs wissen nur der Steinmetz und er. Und neuerdings auch der kleine Arthur.


    Julien schleppt sich mehr schlecht als recht durch den Alltag. Die Versuche seiner Freunde und Verwandten, ihn aufzumuntern, scheitern. Trauer dauert. Man wird nicht schneller damit fertig, nur weil das Umfeld ungeduldig wird.



    Als Julien im Mai nach längerer Krankheit wieder auf den Friedhof kommt, sind seine Briefe aus dem Geheimfach verschwunden. Stattdessen liegt dort ein kleines Herz aus Stein. Juliens herrlich pragmatischer Kumpel Alexandre, dem der verstörte Witwer von dem Vorkommnis berichtet, geht sofort die Liste der möglichen Verdächtigen durch. Doch Julien klammert sich an die Hoffnung, Hélène könnte es irgendwie gelungen sein, aus dem Jenseits heraus auf seine Briefe zu reagieren. Und er phantasiert davon, was wohl passieren wird, nachdem er den 33. Brief hinterlegt. Was wird die Antwort sein, die sie ihm versprochen hat? Wird sie dann wieder lebendig vor ihm stehen „wie einst im Mai“? So, wie es in dem Gedicht auf ihrem Grabstein steht?



    Nun kann er es kaum mehr erwarten, den nächsten Brief ins Geheimfach zu legen und sich seine „Antwort“ darauf abzuholen. Mal liegt ein Gedicht im Fach, mal Eintrittskarten, ein Stadtplan mit Markierung oder eine CD.


    Wer beantwortet die Briefe mit Geschenken? Hélène?

    Sollte es nicht Hélène sein, die auf diese Weise mit ihm kommuniziert, dann liest ein Unbefugter seine Briefe und macht ihm Geschenke, die ihn ins Leben zurücklocken sollen. Aber wer?



    Die Liste wird lang und länger, und Julien sieht ein, dass das Problem durch Nachdenken allein nicht zu lösen ist. Er beschließt, seinem „Briefpartner“ aufzulauern – und erlebt eine Überraschung. Aber ist wirklich alles so, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint?


    Übersinnlich oder rational?

    Zugegeben, ein bisschen kitschig ist die Story schon. Aber das sind solche romantischen Plots ja immer. Mich hat interessiert, wie der Autor das Rätsel auflöst: übersinnlich oder rational? Spukt’s oder steckt ein Mensch dahinter? Und wie glaubhaft ist beschrieben, wie der Schriftsteller versucht, sich aus der Schockstarre der Trauer wieder zurück ins Leben zu kämpfen?


    Das ist alles gut gelungen. Es geht hier zwar ein bisschen im Zeitraffer, aber der Held ist ja auch noch jung und erholt sich von so einem Schicksalsschlag vielleicht schneller jemand, der im „späten Mittelalter“ den langjährigen Lebenspartner verliert. Die Geschichte soll ja auch nicht realistisch und deprimierend sein, sondern romantisch und berührend. Das ist sie.


    Die Philosophie, mit der ihn der Steinbildhauerin zutextet, mag einfach sein, aber auch Volksweisheiten haben einen wahren Kern und können hilfreich sein. Dass sie sich in ihrem Alter (29) schon so intensiv mit dem Tod beschäftigt hat, liegt sicher daran, dass sie meist auf Friedhöfen arbeitet. Da bleibt das nicht aus. Schauen Sie, Julien, es ist so“, sagte sie da behutsam. „Die Toten sollten ein Zimmer in unserer Erinnerung haben. Wir können sie dort besuchen, doch es ist wichtig, dass wir sie in diesem Zimmer zurücklassen und die Tür von außen zumachen, wenn wir gehen.“ (Seite 111) Das leuchtet dem Schriftsteller auch ein. Aber, wie gesagt: Trauer dauert.


    Schöne Botschaft, begriffsstutziger Held

    Vielleicht ist Juliens unglaubliche Begriffsstutzigkeit ja der Tatsache geschuldet, dass er noch so stark damit beschäftigt ist, seinen Verlust zu verarbeiten. Wir Leser wissen nicht mehr als er, ahnen aber deutlich früher, wie das alles zusammenhängen könnte. Und wie der arme Kerl sich anstellt, als er jemanden erreichen will, dessen Kontaktdaten er nicht (mehr) hat! Mir wären auf Anhieb mindestens drei erfolgversprechende Möglichkeiten eingefallen, an die fehlenden Informationen heranzukommen. Ihm nicht.


    Manchmal macht die Handlung Sprünge, denen ich nicht so schnell hinterherhüpfen konnte. Die Sache mit der verschwundenen Tasche zum Beispiel. Das kommt sehr plötzlich. Aber was ist schon perfekt? Die Botschaft ist klug: Man soll nicht auf Dauer in der Vergangenheit leben, denn das macht nicht glücklich. Die Hauptpersonen sind sympathisch und die Nebenfiguren unterhaltsam. Besonders Juliens Familienclan. Und sein Kumpel Alexandre, der Goldschmied, der filigrane Schmuckstücke gestaltet, seinen Laden mit Gedichten dekoriert und doch so ruppig im Umgang sein kann, ist ein toller Typ.


    Wundervolle Sprache. Aber wer ist der Verfasser?

    Weil an keiner Stelle der bildhaften und poetischen Sprache das französischsprachige Original durchblitzte, wollte ich hier den genialen Übersetzer lobend erwähnen. Aber ich fand keinen. Es gibt demzufolge kein französisches Original. Meine Nachforschungen haben ergeben, dass Nicolas Barreau wahrscheinlich das Pseudonym einer deutschen Autorin ist. Das erscheint mir plausibel. Nicht immer kann ich sagen, ob dein Buch von einem Mann oder einer Frau geschrieben wurde – ich habe 30 Jahre lang nicht gewusst, dass die Autorin „Madeleine Brent“ in Wirklichkeit Peter O’Donnell war – aber hier hatte ich tatsächlich eher eine weibliche Handschrift vermutet.


    Die Quelle von Hélènes Grabinschrift, die Julien vergeblich gesucht hat, habe ich auch gefunden: In leicht abgewandelter Form findet sich der Vers im Gedicht ALLERSEELEN von Hermann von Gilm, Ritter zu Rosenegg, (1812 - 1864). Dass ein französischer Autor und seine Romanfiguren Heinrich Heine kennen und zitieren, ist denkbar. Dass sie schon mal etwas von dem österreichischen Dichter und Dramatiker von Gilm gehört haben, ist eher unwahrscheinlich. Was auch wieder für einen deutschsprachigen Autor spricht. Manchmal ist die Geschichte, die hinter einem Roman steckt, eben auch ein spannendes Mysterium.


    Der Autor:

    Nicolas Barreau, geboren 1980 in Paris, studierte Romanistik und Geschichte und lebt heute als freier Autor in Paris. Ich bevorzuge jedoch die Annahme, hinter Nicolas Barreau stecke in Wahrheit Daniela, Thiele, Jahrgang 1959, eine deutsche Verlegerin, Autorin, Rezensentin und Übersetzerin.

  • Ich bin überzeugt, dass die Theorie stimmt, und finde die fingierte Biographie ein bisschen albern. Ist ja nix dabei, zuzugeben, dass es sich um ein Pseudonym handelt (auch wenn mich die Pseudonymitis generell etwas nervt).


    Schöne Rezi!

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Ich kann schon verstehen, dass Autoren nicht unter ihrem Klarnamen publizieren wollen. ich kann auch wunderbar damit leben, wenn's heißt, XYZ sei das Pseudonym einer Sachbuchautorin/Rechtsanwältin/Krimiautorin. Gut, denk ich mir dann, sie oder ihr Verlag werden ihre Gründe haben und forsche dann nicht weiter nach. Aber so einen Mummenschanz, der auffliegen MUSS, finde ich albern.


    Wenn ich jemals in die Verlegenheit käme, mir ein Pseudonym zulegen zu müssen, dann nähme ich ein so langweiliges, dass kein Mensch auf die Idee käme, dass sich das einer ausgedacht hat. :-)

  • Das war jetzt vielleicht missverständlich ausgedrückt. Ich habe nichts gegen Pseudonyme im allgemeinen (wenn ich schriebe, würde ich wahrscheinlich auch eins wählen), aber teilweise nimmt das schon lächerliche Formen an, wenn ein Autor unter dem einen Namen Krimis, unter dem anderen blutige Thriller und unter dem dritten historische Romane schreibt

    Wenn ich jemals in die Verlegenheit käme, mir ein Pseudonym zulegen zu müssen, dann nähme ich ein so langweiliges, dass kein Mensch auf die Idee käme, dass sich das einer ausgedacht hat. :-)

    Hihi, ja, auf alle Fälle!

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
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    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Ich weiß, aber ich finde es trotzdem albern :breitgrins: (Wobei das sicherlich ein Argument sein wird, es gibt bestimmt viele Leser, die auf eine bestimmte Autor-Genre-Konstellation eingeschossen sind.)

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    (John Greenleaf Whittier)




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    Der Weg zurück ins Leben


    Julian Azoulay hält sich für den unglücklichsten Mensch der Welt…

    Julian hat seine Frau nach kurzer Ehe von etwa fünf Jahren an die verloren…

    Vor ihrem Tod, als sie noch ansprechbar war, musste er ihr versprechen, ihr 33 Briefe zu schreiben…

    Als er dann damit anfing, versteckte er seine Post in ihrem Grabstein…

    Beim ersten Mal lernte er die Steinbildhauerin und Restauratorin Sophie durch Zufall kennen..

    Er hatte schon einige Briefe geschrieben, als sie plötzlich aus dem Grabstein verschwunden waren…

    Anstelle der von ihm geschriebenen Briefe erhielt er eine Antwort…

    Und Julien fragte sich, wer da von diesem geheimen Fach im Grabstein Kenntnis erhalten hatte und wie..

    Dann gab es da ja auch noch seinen kleinen Sohn Arthur und die Nachbarin Catherine…

    Warum denkt er, dass er der unglücklichste Mensch der Welt sei? Wieso hat er seine Frau verloren? Ist sie ihm weggelaufen? Ist verstorben? Warum sollte er ihr auf ihren Wunsch hin Briefe schreiben? Sie würde sie doch nie lesen können, sie war doch tot? Wie hat er diese Briefe im Grabstein versteckt? Wie lernte er die Steinbildhauerin kennen? Wieso konnten die Briefe verschwinden? Es wusste doch nur er von dem Versteck im Grabstein? Und welche Antwort erhielt er? Wer hatte von dem geheimen Versteck im Grabstein erfahren? Was hatte es mit seiner Nachbarin auf sich? Alle diese Fragen - und noch viel mehr – beantwortet dieses Buch.


    Meine Meinung

    Das Buch ließ sich sehr gut lesen. Der Autor hat eine unkomplizierte Schreibweise die mich nicht nach unklaren Worten oder gar ganzen Sätzen fragen lässt. Es ist alles sehr verständlich geschrieben. Und es ist spannend. Im Prolog erfahren wir, dass er seine Frau auf dem Friedhof besucht und ganz einfach nicht loslassen kann. Er kommt einfach nicht über ihren Tod hinweg. Doch seine Frau war weise, denn sie bat ihn, ihr 33 Briefe zu schreiben. Warum gerade 33 ist mir unklar geblieben. Doch haben die Briefe ihren Zweck erfüllt. Es geht dem Mann zunehmend besser, auch wenn er immer noch um seine Frau trauert. Das ist ja auch richtig so, aber das Leben geht eben weiter, und das wird im irgendwann doch wirklich richtig klar. Und als er Antworten auf seine Briefe bekommt, will er wissen, wer sie ihm gegeben hat und lässt nicht locker. Zwar denkt er dabei an seine Frau, weiß aber natürlich dass das unmöglich ist, auch wenn er es nicht zugibt. Dieses Buch hat mich richtig in seinen Bann gezogen, eigentlich wie noch kein Liebesroman vorher. Ich habe das Lesen richtig genossen und es hat mich sehr gut unterhalten. Immer wieder habe ich überlegt, wer der bzw. die mysteriöse Antworterin ist. Das Ende des Buches gefällt mir sehr gut, ich hatte es fast so erwartet. Es hat mir sehr gut gefallen und bekommt von mir eine Lese-/Kaufempfehlung sowie die volle Bewertungszahl.


    5ratten

    Liebe Grüße

    Lerchie

    ____________________________

    nur wer aufgibt, hat schon verloren

    Einmal editiert, zuletzt von Lerchie ()

  • Dies ist mein zweiter Roman von Nicolas Barreau und er hat mir wieder gut gefallen.

    Das Schicksal hat den Schriftsteller Julien Azouley und Hélène am Grab Heinrich Heines zusammengeführt und nun hat es die beiden unerbittlich wieder auseinandergerissen. Der letzte Wunsch von Hélène war, dass Julien ihr 33 Briefe schreibt, einen für jedes ihrer Lebensjahre, und diese in einem Geheimfach im Sockel des Engels auf ihrem Grab deponiert. Aber die Trauer hält Julien gefangen und daher kann er nicht schreiben. Mit einem Manuskript ist er schon im Verzug. Doch seine Freunde und sein Verleger reden ihm gut zu. Er legt die Briefe in das Fach, doch dann sind sie eines Tages verschwunden. Stattdessen liegt da etwas für ihn.

    Mir gefällt der einfühlsame Schreibstil des Autors sehr. Er erzählt auf unvergleichliche Weise zu Herzen gehende Geschichten, die oft zu Tränen rühren.

    Julien hat Hélène sehr geliebt und nun steht er da mit seinem kleinen Sohn Arthur und weiß nicht, wie er weiterleben soll. Dann wird er auch noch mit Hélène Wunsch konfrontiert. Er weiß nicht, wie er das schaffen soll, kann aber ihren letzten Wunsch auch nicht ignorieren. Dann verspürt er beim Schreiben der Briefe, dass das Erinnern nicht nur Schmerz bringt, sondern dass es ihm auch guttut. Ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen und habe ihm gewünscht, dass er ein neues Glück findet. Trauer braucht seine Zeit, doch das Leben muss weitergehen. Wir können dann miterleben, wie hin und wieder ein kleiner Lichtblitz in das Dunkel um Julien dringt. Zum Glück gibt es viele liebe Menschen, die ihm zur Seite stehen.

    Es gibt ihn, diesen Weg zurück ins Leben. Ich bin froh, dass ich Julien auf diesem Weg begleiten durfte. Dieser Roman hat mich sehr berührt.

    Ein wundervoller und zu Herzen gehender Roman.


    5ratten