Lesezeit, verschwendete Zeit? Von Zeitmanagement, Prioritäten und Vorurteilen gegenüber Bücherwürmern

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 89 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Herzblatt.

  • Jeder braucht ein Ventil, sag ich immer. Und wenn es dir hilft deine Gedanken zu ordnen, wenn du jeden Tag eine Stunde auf dem Trimmdichrad sitzt, dann ist das genauso okay, wie wenn du online Rezensionen schreibst.

    Übrigens schließe ich aus der Art wie du hier im Forum mit den anderen Leuten schreibst und der Art, wie du diskutierst darauf, dass du eigentlich kein sonderlich unsozialer Typ bist. Das wär dann schon eine sehr große Überraschung für mich. Ich freu mich jedenfalls meistens von dir zu lesen, denn du schreibst interessante und so wie ich das beurteilen kann, durchdachte Beiträge, denkst bei den persönlicheren Theman an die Gefühle der Leute und und und. Find ich doch wirklich ziemlich sozial!

  • Bina Ich habe einen sehr sozialen Job ( Sozailpädagogin für Jugendliche mit einer leichten Beeinträchtigung)...daher bin ich im Berufsleben äusserst sozial eingestellt. Privat manchmal und manchmal nicht. Dann bin ich äusserst menschenmüde und ziehe mich gerne zurück. Das ist an und für sich keine meiner Charaktereigenschaften, eher eine Müdigkeitserscheinung, die auf meinen Beruf zurück zu führen ist.

  • Ich bin sogar sehr gerne mit mir allein und kann auch gut Wochenlang mit kaum jemandem Kontakt haben. Mein Freundeskreis ist auch eher klein gehalten. Aber wenn ich gefragt werden, dann sag ich das auch frei heraus, was ich gerne mache. Ich kann natürlich nachvollziehen wenn man grad das auf der Arbeit nicht weiter verbreitet aus den Gründen die Igela ja genannt hat.

    Mein Beitrag war auch eher allgemein gehalten, weil ich für mich eben einfach keinen Grund sehe mein Hobbie zu verleugnen. Was ja nicht bedeutet das ich das jeder Person auf die Nase binde sobald ich sie auch nur sehe. Aber ich denke Menschen die mich treffen wird schnell auffallen, das mir Bücher und Literatur eben wichtig sind, was auch damit zusammenhängt, das ich z.B Assecoires habe, die mich eindeutig als Buchnerd kennzeichnen :lachen:


    Da es hier ja von der Ausgangsituation im Thread aber eher um konkrete Gespräche ging, in denen ja angesprochen wurde, wie viel Zeit man für Lesen habe, ist mein Beitrag auch auf diese Konkrete Situation zu verstehen. Und eigentlich regt es mich jetzt schon auf, das ich mich allen ernstes in einem Bücherforum rechtfertige, wie ich es mit meinem Hobbie halte.

  • Ich glaube, das Problem ist das Gleiche wie in anderen Bereichen auch: (Viel)Lesen passt bei manchen in die Lebensplanung, bei anderen nicht. Und manche können eben nicht verstehen, wenn andere Menschen nicht die selbe Lebensplanung haben wie man selbst. Was auch nicht schlimm ist, solange man sich gegenseitig in Ruhe lässt und nicht versucht, den anderen seinen Weg aufzuzwingen.

    Es kommt darauf an, wie du dein Leben mit Leben füllst.

  • Ich habe auch nur Freunde die mein Hobby akzeptieren. Aber ich habe 2 Tanten eine davon liest sehr viel und wir tauschen uns immer aus. Reden über unsere Bücher und tauschen sie auch manchmal. Aber die andere liest vielleicht ein paar Bücher im Jahr und meinte letztes Mal wie Beide auf Besuch waren und wir uns wieder über unsere Bücher unterhalten haben "So viel Zeit hätte ich ja gar nicht". Meine lesende Tante ist aber auch sehr aktiv und kümmert sich um die Enkel, Pfarrgemeinderat etc. und meinte nur "ja ich nehme mir eben die Zeit". Aber irgendwie klang es von der nicht lesenden Tante richtig negativ. So sei froh das du für sowas Zeit hast ich habe sie nicht. Hat mich irgendwie geärgert, denn jeder soll machen was ihm Freude bereitet. Mich zieht meine Familie nur auf wenn ich mal nur 2 Bücher irgendwohin mitnehme. (was du hast heute nicht mehr Bücher mit)


    Ich bin gerne mit meinem Freund allein, wir reden oft ganz wenig und beschäftigen uns mit unseren Hobbies und sind glücklich dabei und trotzdem zusammen. Meine Familie versteht das nicht, sie meinen sie könnten das nicht, bei ihnen muss ständig geredet werden. Solchen Familientreffen bei denen man gemeinsam stundenlang am Tisch sitzt und irgendwas belangloses redet kann ich einfach nichts abgewinnen. Ständig mit Freunden treffen und so brauche ich auch nicht, manchmal finde ich es sehr nett, aber es muss nicht jede Woche sein.

    Nigends findest du Frieden als in dir selbst.

  • Ach ab und zu ein bisschen erzählen ist doch auch schön. Aber ich mach auch gerne mal was anderes, das stimmt schon.

  • Seltsam ... werden eigentlich nur Frauen darauf angesprochen, dass sie mit Lesen den Haushalt vernachlässigen


    aber ich fürchte, es ist tatsächlich so.

    Das denke ich auch.

    Ich glaube auch, dass es eher den Männern leichter fällt, nach Feierabend (Beruf!) irgendwann tatsächlich Feierabend zu machen/ haben .

    Manche Leute glauben, Durchhalten macht uns stark.Doch manchmal stärkt uns gerade das Loslassen.Hermann Hesse

  • Ich glaube auch, dass es eher den Männern leichter fällt, nach Feierabend (Beruf!) irgendwann tatsächlich Feierabend zu machen/ haben

    Das geht jetzt zwar OT, aber dennoch in die gleiche Richtung: Irgendwo habe ich mal gelesen, dass das Feierabendbier ein typisches Männerding sei.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Also ich treff mich auch in der Schwangerschaft zum "Feierabendbier" mit einem Freund. Wir trinken allerdings beide kein Bier bei solchen Treffen, sondern einfach irgendwas.

    Sind aber wohl nicht die übliche Zielgruppe für diesen Begriff.

  • Verschwendete Zeit finde ich Lesen keinesfalls. Ich lese aber deutlich mehr, seit ich einen Reader habe, den ich fast immer dabei habe.

    Gelesen wird dann in Pausen, in Wartezeiten, im Bus usw.


    Ich habe das auch von einigen Autoren gelesen, z.B. Stephen King, dass der Reader doch zu deutlich mehr Lesezeit führt, weil man eben nicht nur dann liest, wenn man sich Zeit dafür nimmt und das Buch aus dem Regal holt, sonder (fast) alles (fast) überall mal kurz lesen kann, so dass im Laufe einer Woche doch ein paar Lesestunden zusammenkommen, die man sonst mangels Buch vor Ort nicht gehabt hätte.

    Bzgl. Haushalt usw.: Dafür reserviere ich mir spezielle Zeiten, oft kurze und mehrere, so dass ich motiviert bleibe. Also statt "3 Stunden Haushalt machen" wische ich erst mal 15 min den Boden im Bad und sehe dann weiter. So bleibe ich deutlich motivierter.


    LG von

    Keshia

    Ich sammele Kochbücher, Foodfotos und Zitate.


    <3 Aktuelle Lieblingsbücher: "The good people" von Hannah Kent, "Plate to pixel" von Hélène Dujardin und "The elegance of the hedgehog" von Muriel Barbery.

  • Keshia bei Leuten die vorher keine Lust auf Bücher schleppen hatten mag das durchaus zu treffen. Was mich betrifft das schaff ich auch ohne Reader, auch wenn ich dann trotzdem mehr lese. Und zwar weil ich dann schneller lese, das ist mir schon öfter aufgefallen.

  • Ich kann das auch ohne Reader - wenn ich unterwegs bin und mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahre und/oder mit Wartezeiten rechne, habe ich immer ein Buch dabei. Und zu Hause liegen zusätzlich überall Zeitschriften, in die ich in jeder freien Minute die Nase stecke (etwa auf dem Häusl oder beim Frühstück oder beim Warten, dass das Nudelwasser kocht :breitgrins: ).

    The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.

    E. L. Doctorow





  • Ich kenne den Spruch von wegen: woher nimmst du die Zeit wenn es ums lesen geht, auch. Meinem Mann war das immer ein Dorn im Auge, der wollte lieber, dass ich sitze und ihm zusehe, wie er am PC spielt. (obwohl er das nie zugegeben hätte). :rolleyes:


    Mittlerweile ermüde ich recht schnell wenn ich lese, daher bin ich zu Hörbüchern gewechselt. Ich habe fast immer Kopfhörer im Ohr. Zum Glück gibt es mehr und mehr Hörbücher, so dass man auch Neuerscheinungen als Audio bekommt.

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.&nbsp; - Albert Einstein

  • Mittlerweile ermüde ich recht schnell wenn ich lese, daher bin ich zu Hörbüchern gewechselt. Ich habe fast immer Kopfhörer im Ohr. Zum Glück gibt es mehr und mehr Hörbücher, so dass man auch Neuerscheinungen als Audio bekommt.

    Bei mir ist es auch oft so, dass ich abends für mein Buch zu müde bin, aber bis zum Einschlafen noch Hörbuch hören kann. Auch gibt es einfach viel mehr Situationen, in denen man ein Hörbuch hören kann, als Situationen für ein Printbuch, deswegen ist mein Verhältnis Buch:Hörbuch mittlerweile 1:3.

    “Grown-ups don't look like grown-ups on the inside either. Outside, they're big and thoughtless and they always know what they're doing. Inside, they look just like they always have. Like they did when they were your age. Truth is, there aren't any grown-ups. Not one, in the whole wide world.” N.G.

    Einmal editiert, zuletzt von tári ()

  • Bei mir hat sich das Verhältnis auch ähnlich verschoben zugunsten des Hörens. Dafür höre ich fast keine Musik mehr, weil ich mir lieber Geschichten vorlesen lasse.

    Bücher sind Magie zum Mitnehmen.

  • Dafür höre ich fast keine Musik mehr, weil ich mir lieber Geschichten vorlesen lasse.

    Das Phänomen bemerke ich auch an mir. Ich liebe Musik. Wenn ich aber am PC sitze und mich entscheiden möchte, für die Handarbeit zum Beispiel, dann wähle ich Netflix oder Booktuber. Eigenartig.

    DDR-Buch-Blog

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf

  • Ich höre viel zu gerne Musik, um komplett auf Hörbücher umzusteigen. Aber in letzter Zeit habe ich doch immer mal wieder ein Hörbuch eingeschoben, weil wir inzwischen einiges rumliegen haben (mein Mann hört gerne Hörbücher im Auto, weil er kaum zum Lesen kommt, und reicht sie mir dann weiter).

    The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.

    E. L. Doctorow





  • Meinen Tolino habe ich auch überall dabei. ich hab ihn jetzt seit 3 Wochen und er ist immer überall dabei. Ansonsten habe ich auch die Tolino-App und die Onleihe auf meinem Handy für den Notfall. Ich lese auch in kurzen Zeitfenstern. Beim Frühstück, beim Mittagessen, auf'm Klo, in der Raucherpause, wenn ich beim Arzt warten muss. Ach, überall. Ich bin jetzt bei 97 Büchern dieses Jahr und so manch einer in meinem Umfeld tut sich schon schwer damit, dass ich soviele Bücher lese. Zumal ich ja auch viel ehrenamtliches mache und ein soziales Leben habe, also, neben meinem Vollzeitjob, und ich häkel auch noch viel. Da fragen mich die Leute auch immer, wie ich das mache. Beim Häkeln läuft immer ein Hörbuch. Beim Autofahren, Hörbuch. Bei der Hausarbeit, Hörbuch. verschwendete Zeit ist das alles für mich nicht. Ich lese halt gern. Ich schaue fast kein Fernsehen und wenn ich Zeit für mich habe, dann verbringe ich die gern mit einem Buch in der Hand. Am Wochenende haben wir Christkindlmarkt im Stadtteil und wir haben einen eigenen Stand dafür. Nächsten Freitag organisiere ich eine Elvis Christmas Show. Ich weiß meistens ja vorher schon, dass ich an Tagen mit solchen Terminen nicht lesen werde, außer dann abends im Bett noch ein Kapitel. Aber das ist ok. Ich lass mich da nicht stressen.



    PS: manche scheinen Lesen auch als Wettbewerb anzusehen, aber auch wenn ich mir für mich selbst dieses Jahr das Ziel 100 Bücher gesetzt habe, stresse ich mich da nicht und finde Lesen an sich einfach nur toll. Ich hab nicht umsonst einen Bücherschrank organisiert. Wieviele tolle Gespräche ich mit anderen Lesebegeisterten dort schon geführt habe, einfach schön. Lesen ist halt einfach toll.

    ~~ noli timere messorem ~~

    Einmal editiert, zuletzt von TheNightingale ()