Thomas Mullen - Darktown

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
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    Bereits im Jahr 1865 wurde in den USA die Sklaverei aufgehoben, doch erst 1948 schaffte Truman die Rassentrennung in den Streitkräften ab. Aber es dauerte auch dann noch Jahre bis 1964, bis auch im zivilen Bereich die Rassentrennung aufgehoben wird.


    In Atlanta werden 1948 die ersten acht Black Police Officers eingesetzt. Doch das bedeutet nicht, dass sie die gleichen Aufgaben und Rechte wie ihre weißen Kollegen haben. Im Gegenteil: Sie müssen seitens der Weißen wie der Schwarzen Demütigungen hinnehmen. Es ist schwer zu ertragen, was diese Männer Tag für Tag hinnehmen müssen. Sie dürfen nur in einem begrenzten Raum Streife gehen, bekommen eine eigens für sie eingerichtete Wache, dürfen keine Weißen verhaften und müssen selbst im Privatleben besondere Regeln einhalten. Aber auch die farbige Bevölkerung ist ihnen gegenüber misstrauisch.


    Als eine junge schwarze Frau ermordet und auf einer Müllhalde entsorgt wird, scheint niemand an der Klärung des Mordes Interesse zu haben. Die weißen versuchen die Sache zu vertuschen und die schwarzen Polizisten haben nicht die Berechtigung Ermittlungen anzustellen.


    Das Buch liest sich gut und die Geschichte ist ziemlich bedrückend. Es ist ein Krimi, aber auch ein politisches Buch. Die Rassentrennung ist zwar aufgehoben, aber immer noch gibt es einen starken Rassismus in den USA.


    Lucius Boggs und Tommy Smith, zwei Cops der neuen Einheit, wollen nicht, dass der Mordfall ungeklärt bleibt und machen sich daher auf die Suche nach der Wahrheit, womit sie ihren Job riskieren. Es wird gefährlich für sie.


    Alle Charaktere sind sehr gut und vielschichtig ausgearbeitet. Der rassistische Dunlow ist korrupt und gewalttätig, ein absolut unsympathischer Mensch. Dagegen konnte ich die zwiespältigen Gefühle von Rakestraw gut nachvollziehen.


    Es ist ein komplexer Roman, erschreckend und realistisch. Meine absolute Leseempfehlung.


    5ratten

  • Gebundene Ausgabe: 480 Seiten

    Verlag: DuMont Buchverlag (12. November 2018)

    ISBN-13: 978-3832183530

    Originaltitel: Darktown

    Übersetzung: Berni Mayer

    Preis: 24,00 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Authentisch, spannend, beeindruckend


    Inhalt:

    Atlanta, Georgia, 1948. Auf Druck von oben werden die ersten acht farbigen Polizisten in den Dienst genommen. Sie sollen für Recht und Ordnung in den farbigen Vierteln der Stadt sorgen, haben aber weit weniger Befugnisse als ihre weißen Kollegen, von denen sie zudem schikaniert werden. Weder die weiße noch die schwarze Bevölkerung nimmt sie ernst.


    Als eine farbige junge Frau ermordet wird, haben die weißen Cops kein Interesse zu ermitteln. Den schwarzen ist es untersagt. Doch zwei von ihnen wollen das nicht einfach hinnehmen und machen sich heimlich auf die Suche nach dem Mörder. Dabei mischen sie den korrupten Polizeiapparat gehörig auf.


    Meine Meinung:

    Thomas Mullen hat einen großartigen Gesellschafts- und Kriminalroman geschrieben. Er konnte mich von Anfang an fesseln und wurde von Seite zu Seite spannender. Mein Kopfkino lief zur Höchstleistung auf. Auf mich wirkte die Erzählung sehr authentisch - kein Wunder, beruht sie doch zum Teil auf wahren Begebenheiten. Zum Beispiel war es den farbigen Polizisten nicht erlaubt, das Polizeihauptquartier zu betreten. Sie mussten aus einem Kellerraum des Y.M.C.A. heraus agieren. Um Weiße zu verhaften, mussten sie ihre weißen Kollegen rufen, die oft genug nichts unternahmen.


    Besonders gelungen fand ich die Charakterisierung der verschiedenen Protagonisten, zwischen denen die Erzählperspektive wechselt. Da gibt es den Sohn des Reverends, der eher sanft und absolut gesetzestreu ist. Sein Kollege scheut sich nicht, auch mal hart zuzupacken und eine Schlägerei zu riskieren. Auf der anderen Seite haben wir den korrupten Cop, der keine Gelegenheit auslässt, die Farbigen zu demütigen und zu schikanieren, aber auch den jungen Weißen, der sich der Ungerechtigkeit sehr wohl bewusst ist und versucht zu helfen.


    Durch die Ermittlungen stochern die Beamten in einem üblen Nest der Korruption, das weitläufiger ist, als man vermutet. Dadurch erhält der Kriminalfall eine ungeahnte Spannung.


    Es ist schockierend, über den blinden Hass zwischen den Rassen zu lesen. Und noch schockierender ist es, dass dieser Hass auch heute noch in manchen Köpfen existiert.


    Fazit:

    Thomas Mullen zeichnet ein authentisches Bild der Südstaaten-Gesellschaft in den 1940er Jahren, verknüpft mit einem spannenden Kriminalfall. Für mich ein absolutes Lese-Highlight. Ich kann nur eins empfehlen: Lesen!


    ★★★★★

    Liebe Grüße, Lilli