Nell Leyshon - Der Wald

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Titel: Der Wald

    Autorin: Nell Leyshon


    Allgemein:

    400 S.; Eisele Verlag; erscheint im März 2019


    Bei Netgalley kann man den Roman zur Zeit vorablesen und sofort herunterladen.


    Inhalt:

    Polen während des zweiten Weltkrieges: Warschau, Pawel und seine Mutter müssen die Stadt verlassen und sich im Wald verstecken. Der Vater ist in den Untergrund gegangen, die Tante und die Großmutter wurden von den Deutschen abgeholt. Ob er sie jemals wiedersehen wird, er weiß es nicht. Sofia, seine Mutter ist die einzige Konstante in seinem Leben die ihm halt und Sicherheit gibt.

    London, Jahrzehnte später: Pawel - jetzt Paul - lebt als Künstler auf dem Land und möchte seine Erinnerungen in Bilder fassen. Er bittet seine Mutter um das Buch, das er als Kind nicht aus der Hand legen wollte. Es soll ihm helfen seine Kunst besser auszudrücken. Doch Paul hat auch ein Geheimnis vor seiner Mutter, das er ausversehen Preis gibt und das die Beziehung der beiden einmal mehr verkompliziert.


    Meine Meinung:

    Über weite Teile des Romans hat mich die Geschichte nicht losgelassen. Die Autorin hat ein gutes Gespür für ihre Figuren, sie wirken realistisch. Vor allem Pawel, ich hatte nie den Eindruck hier schreibt eine Erwachsene aus dem Blickwinkel eines Kindes. Es fühlte sich immer ganz und gar wie der Blick eines Kindes an.Er hat Angst, weil das was passiert ist, für ihn nicht ganz begreifbar ist. Verständlicherweise kann er die Handlungen der Erwachsenen nicht so richtig einordnen. Zudem ist auch seine Mutter durch das erlebte Trauma zum Teil überfordert und muss sich zwingen, trotzdem weiterhin für ihren Sohn dazu sein.


    Gerade diese beiden so Blickwinkel, die des kleinen Jungen und die der Mutter, deren Ehe nicht mehr so ganz intakt zu sein scheint und daran auch zerbricht, die ihre Schwester und ihre Mutter verliert. Das war so eindringlich geschildert, es hat mich sehr in die Handlung gezogen, obwohl insgesamt wenige Dinge passieren. Ja man erlebt mit, wie etwa die Schwester und die Mutter abgeholt werden. Und es ist klar, das hier im Hintergrund viele Dinge passieren, die wir als Leser*innen nicht miterleben, weil diese Perspektive nicht Teil des Romans ist. Es sind eher Erinnerungen Sofias z.B. wie sie im Haus Cello gespielt hat oder Pawel, wie er mit der alten Frau bei der sie im Wald unterkommen, den Garten umgräbt und Salat sät. Das alles verdichtet sich zu einer Geschichte um den Zusammenhalt den Mutter und Sohn erleben. Sie haben eine tiefe Bindung, die auch deshalb so ist, weil Sofia ihren Sohn beschützen kann. Sie schafft es trotz ihrer Unzulänglichkeiten (sie empfindet sich z.B als sehr egoistisch) für ihn dazu sein, obwohl sie eigene Ängste hat, was ihre Zukunft betrifft. Obwohl auch sie oftmals überfordert ist.


    Ich hätte gerne mehr über die Zeit im Wald gelesen, doch dann macht der Roman plötzlich einen Zeitsprung, der mir ganz persönlich nicht so gut gefallen hat. Das hat eher etwas mit meinem Geschmack zu tun und mit dem, was ich mir von der Handlung weiter erhofft hatte. Dieser Zeitsprung ist nicht nur in einem ganz anderen Land - Sofia wanderte mit ihrem Sohn nach England aus - sondern beleuchtet die Beziehung als Pawel - nun Paul genannt - Erwachsen ist und seine Mutter gerade ihren zweiten Ehemann verloren hat. Ich habe das innerhalb der Handlung als ziemlichen Bruch empfunden und es hat mir einfach nicht so gut gefallen. Es passte für mich nicht mehr so recht zusammen. Ab da hat der Roman für mich seine Wirkmacht etwas eingebüßt. Das fand ich schade, aber leider hat es mich dann nicht mehr überzeugt.

    Andererseits beschreibt die Autorin durch die drei Zeitebenen, die sie letztendlich im Roman verarbeitet, die Veränderungen die die Beziehung von Mutter und Sohn immer wieder betreffen und entscheidend prägen. Ich gebe aber zu, das war einfach nicht ganz das, was mich an der Handlung interessiert hatte.


    Daher empfinde ich den Roman trotzdem als ziemlich gut geschrieben, mag aber Teile der Handlung nicht besonders. Ich werde aber sicher Leyshons ersten Roman Die Farbe von Milch lesen, denn der Erzählstil selbst hat mich sehr angesprochen und ich finde die Autorin kann einfach richtig gut Schreiben.


    Von mir gibt es 3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Dieses Buch erzählt die Geschichte von Pawel und seiner Mutter Zofia.

    Es beginnt mit zwei Briefen. Sofia ist alt und wird betreut, als sie einen Brief erhält mit einer Einladung. Auch Paul erhält einen Brief, den er schon erwartet hat.

    Dann gliedert sich das Buch in drei Abschnitte: Stadt, Wald, Kleinstadt.

    Alles beginnt in Warschau, als Pawel noch behütet im Kreis der Familie aufwächst. Doch der Beginn des zweiten Weltkrieges bringt für die Familie auch Veränderungen mit sich. Rundherum wird gekämpft, es fallen Bomben. Karol, der sich im Widerstand gegen die Nazis engagiert, bringt einen verletzten Engländer zum Sterben ins Haus, was sie alle in Gefahr bringt und ungeahnte Folgen hat. Dann erleben wir Pawel und seine Mutter, die im Wald Sicherheit gesucht haben. Sie sind bei der alten Baba untergekommen. Dann gibt es einen Sprung in ihr späteres Leben in England.

    Die Autorin Nell Leyshon hat sich mit ihrem Buch „Die Farbe von Milch“ einen Namen gemacht.

    Der Schreibstil ist ruhig und fast schon distanziert, aber immer sehr ausführlich. Trotzdem konnte ich mich gut in die Charaktere und ihre Situation hineinversetzen. Zofia hatte ihre Träume, aber sie hat sich ganz selbstlos in das ihr aufgezwungene Leben eingelassen. Pawel ist ein ängstlicher Junge, der wissbegierig ist und fantasievoll, manchmal aber auch ein wenig naiv.

    „Der Wald“ erzählt eine Geschichte über eine Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Zofia wollte Musik machen, hat den Maler Karol kennengelernt und ihren Sohn Pawel bekommen. Zu dem Jungen hat sie keine rechte Beziehung aufgebaut, da zunächst ein Kindermädchen sich um ihn gekümmert hat. Der Krieg kam und die Dienstboten gingen; Zofia muss sich selbst um ihr Kind kümmern. Sie möchte ihn behüten und doch ist er ihr auch seltsam fremd; sie ist in ständigem Zwiespalt. Karol findet, dass sie nicht hart genug ist. Ihre Zeit im Wald hat beide auf unterschiedliche Weise geprägt. Bei Baba lernt Pawel nicht nur, wie man die Lebensmittel erzeugt, sondern auch das Malen. Später in England lebt Pawel, der nun Paul ist, als Künstler sei eigenes Leben. Er wurde durch die Vergangenheit und Baba geprägt und das Erlebte sorgt dafür, dass Mutter und Sohn sich nur schwer wieder einander annähern können, obwohl sie auf immer miteinander verbunden sind.

    Es ist ein emotionales eindringliches Buch, das wenig spannend ist, mir aber trotzdem gut gefallen hat.


    4ratten