Erich Kästner - Gesang zwischen den Stühlen

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.
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    Zum Inhalt:

    In seinem von der zeitgenössischen Kritik als bis dato besten Lyrikband gefeierten Buch bezeugt Erich Kästner das Endspiel der Weimarer Republik mit unbestechlichem Blick: »Kästner hat scharfe Augen, er sieht die Lüge, die Attrappe, die Kulisse, die Imitation, die die Gegenwart beherrschen. Uns lehrt er sie sehen.« (Der Gegner)

    Meine Meinung:

    Dieser Gedichtband ist erstmals 1932 erschienen und zuerst dachte ich, dass Kästner noch mehr auf die politische Lage eingeht, aber damit hält er sich ziemlich zurück. Mir ist vor allem ein Gedicht mit diesem Thema im Gedächtnis geblieben, wo er sich dem Nationalsozialismus aber eher auf eine humoristische Art nähert mit der Müller-Partei. Wie im obigen Zitat deutlich wird, geht Kästner viel mehr gesellschaftlich-politische Themen an, wie die Arbeitslosigkeit aber auch die Kriegsmüdigkeit. Er wird auch nicht müde immer wieder davor zu warnen, dass sich der Krieg nicht wiederholen darf, aber er sieht die Gefahr - im Gegensatz zu vielen anderen in dieser Zeit.

    Von daher waren die Gedicht für mich ein wahrer Lesegenuß. Kästner schafft es ernste Themen, treffsicher und teils humorvoll darzustellen. Er kann dabei auch schonungslos, fast bestechend ehrlich-hart sein. Aber eins ist sicher: Er findet immer die richtigen Worte.

    Meine Ausgabe ist schon ein wenig älter und die Zeichnungen aus der damaligen Auflage von 1932 wurden wieder aufgegriffen, was mich sehr gefreut hat. Darüber hinaus gab es unter dem ein oder anderen Gedicht auch eine Anmerkung, dass sich das Gedicht auf einen Zeitungsartikel oder eine andere (wahre) Begebenheit bezieht. Das war sehr spannend, da u.a. das Gedicht, in dem die Kinder Hinrichtung spielen und das in eine wahre Hinrichtung ausartet, auf einen Zeitungsartikel beruht. Da denkt man als LeserIn wohl eher, dass Kästner gerade ein wenig die Grenze überschreitet, aber nein, er hat davon gelesen gehabt.