Russell Hoban - Ozeanische Gefühle

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
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    OT: Turtle Diary

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    Ich habe das Buch in der schwedischen Übersetzung unter dem Titel "Sköldpaddsdagbok" gelesen.


    Zwei Menschen, Neaera H und William G, sind beide fasziniert von den drei Meeresschildkröten im Zoo, die in einem viel zu kleinen Bassin ihre Kreise drehen. Zufällig lernen sie sich kennen und stellen fest, dass sie beide mit dem Gedanken spielen, die Schildkröten zu klauen und im Meer freizulassen. Der zuständige Tierpfleger, der selbst schon ähnliche Pläne hatte, unterstützt sie. Das Vorhaben gelingt und das Leben geht weiter.


    So könnte man das äußere Gerüst dieses zweihundertseitigen Romans zusammenfassen. An Handlung gibt es nicht viel mehr, aber das Innenleben des Buches ist viel - viel - reicher. Es wird in kurzen Abschnitten jeweils abwechselnd aus der Ich-Perspektive der beiden ProtagonistInnen erzählt und dabei öffnet sich ein Kosmos. Oder richtiger zwei Welten, die sich nur peripher berühren. Zwei recht einsame Menschen Anfang bis Mitte Vierzig, die mehr schlecht als recht ihr Leben bewältigen, isoliert und hoffnungslos. Man hofft, aber bezweifelt gleichzeitig, dass sich durch diese ungewöhnliche Aktion etwas ändern wird. Einige Stellen, besonders wenn es um Geld geht, verraten das Alter des Buches (1975), aber da der Hauptfokus auf dem Innenleben der Protagonisten liegt, ist die Geschichte zeitlos.


    Unprätentiös, ohne Spannungselemente, aber doch auf keiner Seite langweilig, und in einer schönen Sprache (zumindest in der schwedischen Übersetzung) erzählt Hoban seine Geschichte, die ich schon vor Jahrzehnten in der wunderbar gelungenen Verfilmung mit Glenda Jackson und Ben Kingsley kennengelernt hatte.


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    Wir sind irre, also lesen wir!