Volker Kutscher / Kat Menschik (Illustrationen) - Moabit

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    In "Moabit" wird die Vorgeschichte von Charlotte Richter, der weiblichen Hauptfigur von Kutschers Weimarer-Republik-Reihe, erzählt und man erfährt, wie es sie überhaupt zur Polizei verschlagen hat.


    Jedes Kapitel ist dabei in einem eigenen Stil geschrieben, der erste Teil aus Sicht „des Schränkers“ konsequent in der 2. Personen, der nächste, aus Sichte der Oberaufsehers Ritter, in der 1. Person und der dritte, aus Sicht seiner Tochter, Charlotte Richter, dann in der 3. Person geschrieben. Trotz der Kürze gelingt dem Autor eine gute Charakteristik der Figuren, die Bedeutung einzelner Entwicklungen und Nebenfiguren erschließt sich allerdings nur durch Kenntnisse aus der Roman-Reihe.


    Von der Länge her ist es eher eine Novelle, aber die Ausgestaltung macht das Büchlein trotzdem zu einem lohnenswerten Einkauf. Ich mag die Illustrationen, eine Mischung aus Werbeannoncen und zur Geschichte passenden Zeichnungen. Die orange-cyan-Farbkombination wirkt modern, aber es ist ein 1920er Jahre modern und dadurch zugleich total altmodisch. Mein Freund meinte übrigens als er einen Seitenblick auf das aufgeschlagenen Buch warf: „Liest du ein DDR-Buch?“ :elch:


    Gute Geschichte, noch bessere Aufmachung, ich habe mir gleich ein weiteres Buch der Illustratorin auf den Merkzettel geschoben.



    4ratten

  • Dieses kleine, feine Prequel zu Volker Kutschers Gereon-Rath-Krimiserie spielt 1927 im Dunstkreis des Gefängnisses Moabit, wo es zu heftigen Handgreiflichkeiten zwischen zwei Gefangenen gekommen ist, einer davon ein ranghohes Mitglied des berüchtigten "Ringvereins" Berolina. Wie genau sich alles zugetragen hat, ist unklar und etwas mysteriös.


    Oberaufseher im Gefängnis ist Christian Ritter, der Vater von Charlotte, die wir aus den Rath-Krimis kennen. Ihn beschäftigt der Vorfall sehr, was seiner Tochter nicht verborgen bleibt. Die hat gerade zum großen Stolz ihres Vaters erfolgreich das Abitur abgelegt und absolviert einen Sekretärinnenkurs. Dass sie sich heimlich mit ihrer Freundin in Tanzlokalen die Nächte um die Ohren schlägt, würde ihre Eltern wohl weniger freuen ...


    Es ist nur ein ganz schmales Büchlein und kaum mehr als ein Stimmungsbild in drei Akten, erzählt aus drei Perspektiven, aber auch in der Kurzform zeigt Kutscher sich als Meister der Atmosphäre. Und obwohl Charlotte erst relativ spät ins Bild kommt (was mich zu Beginn ein klein wenig enttäuscht hat), wird nach und nach klar, dass hier ein Schlüsselerlebnis erzählt wird, das ihr ganzes weiteres Leben prägt.


    Die geradlinigen, akkurat gezeichneten Illustrationen von Kat Menschik, vorwiegend in Orange-, Blau- und Brauntönen gehalten und oft angelehnt an alte Werbemotive, runden das hübsch in Leinen gebundene Buch mit dem orangefarbenen Buchschnitt sehr schön ab.


    Ein wunderschön gemachtes Schmuckstück, dessen voller Reiz sich aber wohl nur Leser*innen erschließen wird, die wenigstens den ersten Band der Rath-Krimis kennen.


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus: (Extra-Mäuschen für die tolle Gestaltung)

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen