Anthony Powell - Könige auf Zeit/Temporary Kings

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

Zum Thema COVID19 darf ab sofort ausschließlich in diesem Thread geschrieben werden!

Es gibt 39 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von finsbury.

  • Sorry, Ihr Lieben, ich hab es gestern völlig verschwitzt ... aber hier ist unser Leserundenthread zum vorletzten Band.


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    Die Regeln kennt Ihr ja :)

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Dankeschön, Valentine,


    für die Einrichtung des Threads. Ich stecke im zweiten Drittel des ersten Kapitels.

    Diesmal beginnt der Roman nicht in England, ich glaube, zum ersten Mal. Nick weilt auf einem Literaturkongress in Venedig, laut Konkordanz ist es inzwischen Sommer 1957, was aus dem Roman direkt noch nicht zu entnehmen ist, nur ungefähr zu schätzen, dass mittlerweile zehn Jahre vergangen sind. Wieder bietet der Anfang mir einen gewissen Lesewiderstand, indem ich mich zuerst orientieren musste, wer da wo was tut. Aber eigentlich kommt der Erzähler diesmal relativ schnell zur Sachen und wir haben auch sehr bald wieder das gewohnte Personal um uns. Wobei mir auffällt, dass Powell alle drei Bände bis auf ein paar Konstanten wie die Familie Tolland und natürlich Widmerpool und noch ein paar, das Personal neu aufstellt: Hier begann es in "Bücher schmücken ein Zimmer" mit der Verlags- und Zeitungswelt Cragg & Quiggin mit dem Chefredakteur Bagshaw und X.Trapnel. Den letzteren hat es zwar zwischenzeitlich schon dahingerafft, aber in Rückblenden und durch seinen neu eingeführten Biografen Gwinnet, einen jungen amerikanischen Literaturwissenschaftler, bekommt er auch in diesem Band scheint's große Relevanz. Bisher macht's Spaß mit Nick in seinen frühen 50ern. Nach der Konkordanz 1906/07 geboren müsste er gerade die 50 überschritten haben.

    Einmal editiert, zuletzt von finsbury ()

  • Das erste Kapitel ist gelesen und als ich es überdachte, fiel mir nicht viel dazu ein. Es begann etwas ermüdend, oder bin ich der Faselei über Schriftsteller und Verleger müde geworden, um sich dann ab der Mitte wieder flüssig zu lesen.

    Neben den ganzen Gerede über die Verlagswelt erschien mir als das zweite große Thema die sexuellen Vorlieben besagter Herrschaften zu sein.


    Trapnel ist also tot. Ich denke, er hat sich von dem Zwischenfall mit der Vernichtung seines Manuskripts nie ganz erholt. Pamela Widmerpool, wie nennt Gwinnett sie, die kastrierende Frau. Wenn man das Wort als schwächend versteht, hat er gar nicht so unrecht. Widmerpools Gründe an ihr festzuhalten sind mir immer nicht ganz verständlich.


    Gut gelungen sind Powell wieder einmal die Übergänge innerhalb des Kapitels. Er versteht es aus einem Gespräch heraus in die Vergangenheit und zurück zu schwenken, ohne den Lesefluß zu stören.


    Daniel Tokenhouse mag vielleicht mal am Rande erwähnt worden sein, nun wäre ich interessiert an einem Kennenlernen. Mal sehen, ob es klappt.


    Da Russell Gwinnett so ausführlich eingeführt wurde, werden wir länger die Ehre haben. Hier ersetzt ein Stammbaum bis zurück zu den Signataren den Adelsstand. Ein Treffen zwischen ihm und Pamela wäre nicht zu verachten. :breitgrins:

  • Ich bin noch nicht ganz fertig mit dem ersten Kapitel, aber ich finde es ziemlich anstrengend :schwitz: Ich fürchte fast, für mich ist ein bisschen die Luft raus aus dem Projekt :redface: Das ganze manierierte Gerede von und über fiktive Schriftsteller und Bücher nervt mich gerade.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
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    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Beim Lesen musste ich ständig an den Thread Schriftsteller und ihr Süchte denken. :trinken: Vielleicht würde das Lesen mit einem Glas Wein o. ä. erbaulicher sein. Dann könnten wir einen Thread eröffnen mit dem Titel Literatur lesen mit Alkoholspiegel. :wegrenn:

  • Ich könnte mal ausprobieren, welcher Alkohol am besten hilft :teufel:


    Getreidekaffee wie gestern abend hat jedenfalls nicht viel genützt.

    The west-winds blow, and, singing low,
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    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Schade, dass Trapnel dir keinen mehr ausgeben kann.

    Dass wir noch einiges über ihn erfahren haben, hat mir gefallen. Manchmal legt Powell einen Charakter ja einfach mit einem Nebensatz ab.

  • Das erste Kapitel ist gelesen und als ich es überdachte, fiel mir nicht viel dazu ein. Es begann etwas ermüdend, oder bin ich der Faselei über Schriftsteller und Verleger müde geworden, um sich dann ab der Mitte wieder flüssig zu lesen.

    Neben den ganzen Gerede über die Verlagswelt erschien mir als das zweite große Thema die sexuellen Vorlieben besagter Herrschaften zu sein.

    Die Schriftsteller und die Verlagswelt hat mich nicht gestört, dass ist nun mal der Kreis, in dem sich Jenkins bewegt. Diese laufenden Spekulationen wer wie gepolt ist, fand ich wiederum ermüdend.


    Gefallen hat mir, wie Powell den einen oder anderen Charakter wieder auftauchen ließ - oft nur in einem Nebensatz, aber doch. Onkel Giles fand ebenso Erwähnung wie Barnaby, Deacon oder Sillery. Leider hat er noch immer nicht geschafft, eine vernünftige Frauengestalt zu schreiben. Entweder sie sind unglaubwürdige Zerrbilder oder eine Schablone. Mehr gibt es da nicht.

  • Ach, jetzt seid ihr ja alle wieder dabei. Schön! Ich habe schon einen Krimi dazwischengeschoben, weil sich hier am Anfang nichts tat. Tja, das kommt davon, jetzt hänge ich wahrscheinlich wieder hinterher, aber macht nichts.

    Das mit den sexuellen Vorlieben ist mir nicht so als zentrales Thema aufgefallen. Ich habe das Gefühl, dass Powell seine Reflexionen und Dialoge im kulturell-künstlerischen Bereich immer ganz gerne mit ein bisschen Klatsch würzt, und in dem Zusammenhang würde ich diese Andeutungen sehen.

    Auf die Begegnung Nicks mit Daniel Tokenhouse freue ich mich, da scheint eine interessante Figur eingeführt zu werden.

    Wie du, dodo, schreibst, finde ich es auch sehr gut, dass die Vergangenheit immer wieder erwacht. Auch wenn die Haupterzählebene streng chronologisch ist, hilft die Verschränkung mit den vergangenen Zeitebenen und Figuren die erzählte Zeit und die gegenwärtigen Charaktere besser zu verstehen oder einzuschätzen.

  • Die Abstecher in die Vergangenheit mag ich auch, wie etwa hier zu den Reisen seiner Kindheit mit dem Vater, der immer ins Ausland wollte, sich da dann aber nicht wohlfühlte.


    Als beherrschend habe ich das Thema der sexuellen Vorlieben nicht empfunden, aber dass es mehrfach angesprochen wurde, ist mir schon aufgefallen. (Äh ... ich hoffe doch sehr, dass Lady Widmerpool nicht der Nekrophilie frönt!)

    Ich habe das Gefühl, dass Powell seine Reflexionen und Dialoge im kulturell-künstlerischen Bereich immer ganz gerne mit ein bisschen Klatsch würzt, und in dem Zusammenhang würde ich diese Andeutungen sehen.

    Sonst wären diese Unterhaltungen (zumindest für mich) ziemlich dröge ...


    Tokenhouse klingt interessant. Ein wenig gewundert hat mich, dass Nick als junger Mann bei ihm gearbeitet hat und der Name zuvor nie gefallen ist.


    Trapnel ist also tot. Ich denke, er hat sich von dem Zwischenfall mit der Vernichtung seines Manuskripts nie ganz erholt. Pamela Widmerpool, wie nennt Gwinnett sie, die kastrierende Frau. Wenn man das Wort als schwächend versteht, hat er gar nicht so unrecht. Widmerpools Gründe an ihr festzuhalten sind mir immer nicht ganz verständlich.

    Das ist wirklich eine gute Frage, ein Aushängeschild ist sie ja nicht gerade. Und für mich hat sie Trapnel zumindest indirekt auf dem Gewissen. Die Nummer mit dem Manuskript war schon brutal.

    Schade, dass Trapnel dir keinen mehr ausgeben kann.

    totlach

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    (John Greenleaf Whittier)




  • Wahrscheinlich habt ihr recht mit eurer Einschätzung, dass die sexuellen Vorlieben nicht so in den Mittelpunkt gerückt worden, und mir ging es nur so auf den Nerv, weil es außer dem Geschwätz über Schriftsteller und Verleger kein anderes Gesprächsthema gab.


    Als Nick in Erinnerungen seiner Kindheit schwelgte, war das Kapitel wesentlich interessanter.

  • Einigen wir uns darauf, dass das Geschwätz streckenweise nervt :breitgrins:

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  • Als beherrschend habe ich das Thema der sexuellen Vorlieben nicht empfunden, aber dass es mehrfach angesprochen wurde, ist mir schon aufgefallen. (Äh ... ich hoffe doch sehr, dass Lady Widmerpool nicht der Nekrophilie frönt!)

    Auf welche Ideen du kommst! :krank: (Nicht du, Lady Widmerpool und die Nekrophilie).


    Ein beherrschendes Thema war es nicht. Allerdings rückte es seit der Einführung von Pamela Widmerpool mehrmals in den Fokus. Im zweiten Kapitel erwähnt Jenkins wieder einmal ihren Ruf einer frigiden Nyphomanin herum. Das könnte er sich schön langsam sparen.


    Die Neigung zum Klatsch wiederum gefällt mir. Das ist ein bisschen wie die Würze in der Suppe.

  • Ich bin schon weit ins Kapitel 2 vorgedrungen und mir fällt nun doch auf, dass Sexualität diesmal eine größere Rolle zu spielen scheint und auch expliziter ausgedrückt wird als sonst. Die Details hab ich gerade nicht zur Hand, mehr dazu heute abend.


    Den Klatsch mag ich auch.

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    (John Greenleaf Whittier)




  • Glober und seine Sammelleidenschaft? :breitgrins:

    Ich bin etwa bei der Hälfte des Kapitels. Und es hat mich sehr überrascht, wie offen über das Thema untereinander gesprochen wird.

    Emily Brightman gefällt mir im Moment von allen Frauenfiguren Powells am Besten. Mal sehen, ob das so bleibt. Bei ihrer interessierten Frage nach den Sandalen war ich mir nicht sicher, ob das Ganze nur ein Ablenkungsmanöver war um Pamela allein beschnuppern zu können.

  • Und es hat mich sehr überrascht, wie offen über das Thema untereinander gesprochen wird.

    Mich auch, das war noch nie so!


    Dr. Brightman gefällt mir auch. Endlich mal eine intelligente, selbständige Frau, die dazu auch noch sympathisch wirkt/dargestellt wird.

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  • Sucht ihr auch nach Kandaules und Gyges von Tiepolo. Ich habe es gegoogelt, aber es hat eine Weile gedauert, bis ich das richtige Gemälde gefunden habe hier.

    Ich musste besonders über die Stelle schmunzeln

    Eine in einen Mantel gehüllte und einen Helm tragende Person schlich sich gerade schnell und verstohlen aus dem Zimmer auf eine mit einem Vorhang versehene Tür hinter den Säulen zu, vermutlich ein Notausgang in das dahinterliegende Firmament.


    Diese subtile Ironie liebe ich an Powell, ansonsten finde ich dieses zweite Kapitel allerdings auch sehr anzüglich, aber kein Wunder, wenn Pamela Widmerpool auftaucht. Eure Vorliebe für Prof. Brightman teile ich auch.


  • Den Mythos um Kantables und Gyges fand ich sehr spannend und vor allem gut erzählt. Auch die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten haben mich fasziniert.


    finsbury: Danke für den Link. Ich hatte mir das Gemälde ganz anders vorgestellt.


    Die Frage aller Fragen: Was ist mit Widmerpool los? Er riskiert eine Szene vor allen, ist gegenüber Jenkins viel zu vertraulich, vor allem angesichts der Tatsache, dass sich die beiden seit Jahren nicht mehr gesehen haben, hat massiv abgenommen und lässt das Begräbnis seiner Mutter von seinem Sekretär vorbereiten, weil er dringend nach Venedig reisen musste. Sein liebes Eheweib kann der Grund dafür nicht sein. Warum muss er unbedingt diesen Dr. Belkin treffen?

  • So wie Widmerpool sich wegen Belkin aufgeregt hat und nach dem was man von Tokenhouse so hört, habe ich den Eindruck, dass Belkin ein Spion ist. Widmerpool könnte ihn schon aus Kriegszeiten kennen. Im Moment will mir einfach nicht einfallen, welche politische Richtung Widmerpool vertritt. Ist/war Widmerpool der V-Mann von Belkin? :gruebel:

    Pamela scheint etwas zu wissen, aber welchen Einfluss haben dabei diese Fotos.


    Tokenhouse ist ja ein seltsamer Kauz. Ob er wohl Deacon gekannt hat?


    Pamelas und Gwinnetts erstes Treffen war ja sehr zahm. Ich frage mich, wie das weitergeht. Ob Glober wirklich einen Film auf der Grundlage von Trapnels vernichteten Manuskript drehen will...