Anthony Powell - Könige auf Zeit/Temporary Kings

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Es gibt 39 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von finsbury.

  • Im Moment will mir einfach nicht einfallen, welche politische Richtung Widmerpool vertritt. Ist/war Widmerpool der V-Mann von Belkin? :gruebel:

    Widmerpool ist Mitglied der Labourparty und hat laut letztem Band sogar kommunistische Sympathien, ob aus politischem Kalkül oder persönlicher Überzeugung, das ist Nick nicht klar. Deine Vermutung mit Belkin kann also durchaus passen, yanni.
    Das zweite Kapitel war ja wieder mal ein richtiges Schmankerl: Diese großen Szenen mit pikanter Zuspitzung kann Powell echt gut und in den überwiegenden Fällen steht Widmerpool im Mittelpunkt, ob nun ganz am Anfang als Opfer von Stringham, in der Zuckerstreuerszene, mit Mrs. Haycock in der Kneipe und dann schließlich die Perlenkette der großen Szenen mit Pamela. Er ist - obwohl er uns zwischendrin auch immer wieder gefährlich und unsympathisch erscheint - die Buffo-Figur wider willen dieses Romans.

  • Und mit Klatsch und Tratsch geht es im dritten Kapitel weiter. Erst beginnt es ziemlich dröge mit dem Besuch in Tokenhouses Atelier und langen Exkursen zum realistischen Sozialismus in der Kunst. Ich denke manchmal, der real existierende Sozialismus ist auch an seiner kopflastigen, den Sinnen und dem Humor abschwörenden Einstellung gescheitert.
    Und ab dem Besuch der Biennale (ich dachte immer, diese sei der Filmwettbewerb und dieser nicht nur mit ihm gekoppelt) sind wir wieder mittendrin in den endlosen Geschichten von wer mit wem und wie. Wenn Powell nicht so elegant und witzig erzählen könnte, würde mich das alles nur anöden, aber so merkt man gar nicht, wie die Seiten vorbeifliegen und um welchen oberflächlichen Kram es da eigentlich geht.
    Ich halte jetzt vor dem vierten Kapitel ein.

  • Die Biennale hat mich anfangs auch verwirrt. Ich musste mich da erst mal schlau machen.

    Was mich etwas anödete, war das Gespräch während des gemeinsamen Essens. Da musste ich mich zum Weiterlesen zwingen. Ab dem Atelierbesuch der Gruppe ging es wieder. Und dann tauchte auch noch Widmerpool auf, mit dem ich gar nicht gerechnet hätte. Er scheint in einer sehr brenzligen Situation zu sein.

    Einige Seiten trennen mich noch vom Ende des Kapitels.

  • Wenn Powell nicht so elegant und witzig erzählen könnte, würde mich das alles nur anöden, aber so merkt man gar nicht, wie die Seiten vorbeifliegen und um welchen oberflächlichen Kram es da eigentlich geht.


    Mein Highlight war die Geschichte mit dem Pfirsichkern und Jenkins trockene Reaktion:


    Zitat

    "In der Schule machte das einmal jemand mit einer Banane. Sein Gesicht muss eine Radar-ähnliche Anziehungskraft für Obst besitzen."

    :autsch:

  • Und mit Klatsch und Tratsch geht es im dritten Kapitel weiter. Erst beginnt es ziemlich dröge mit dem Besuch in Tokenhouses Atelier und langen Exkursen zum realistischen Sozialismus in der Kunst. Ich denke manchmal, der real existierende Sozialismus ist auch an seiner kopflastigen, den Sinnen und dem Humor abschwörenden Einstellung gescheitert.

    Kann gut sein :breitgrins: Ich hatte auch sofort diese scheußlichen Propagandagemälde vor Augen, auf denen großformatige Arbeiter staatstragende Dinge tun :entsetzt: Wie kann man denn freiwillig solches Zeug malen? :spinnen:


    Das ganze Wer-mit-wem finde ich ja durchaus amüsant, mich öden eher die Gespräche über Kunst und Literatur an, die sind mir zu verkopft. Und was wir zu Beginn schon festgestsellt hatten, zieht sich durch das ganze Buch: der freizügige Umgang mit sexuellen Themen aller Art. Ein Satz wie "he did me on the table" wäre sicherlich in den früheren Bänden nicht gefallen.


    Was mir diesmal auffällt: es tauchen einige alte Bekannte von Jenkins auf, die wir aber noch nicht kennengelernt hatten. Ganz interessant, dass wir vieles nun erst im Rückblick erfahren. Dass auf einmal ein Großteil der üblichen Verdächtigen in Venedig rumturnt, empfinde ich allerdings als ziemlich konstruiert, und auch diese nebulöse Konferenz erschließt sich mir nicht so ganz. Klingt mir nach ziemlich viel heißer Luft und Sehen-und-Gesehen-werden.


    Die Widmerpools sind unausstehlich wie immer. Lachen musste ich bei der Beschreibung von Widmerpools Frisur - die quergekämmten Haare, die die Glatze verbergen sollen, passen echt zu ihm. Ebenso, dass er nicht mal beim Begräbnis seiner Mutter war. Mich würde brennend interessieren, was auf diesen Fotos drauf ist und was zwischen ihm und Tokenhouse vorgefallen ist. Den behandelt Widmerpool ja sehr herablassend. Und wer ist der gemeinsame Freund? Dieser ominöse Belkin?


    Pamela ist einfach nur ätzend mit ihren garstigen Sprüchen. Und wieso um alles in der Welt verkloppt sie ständig irgendwelche Männer? :vogelzeigen: Dass Gwinnett ein unveröffentlichtes Manuskript von Trapnel hat, ist allerdings echt ein Knaller. Wie ist der da rangekommen?


    Auch wenn mich das Buch zwischendurch immer wieder anstrengt, finde ich die kleinen Perlen klasse, die Powell ab und an zum besten gibt, wie etwa folgenden Vergleich: "If not exactly the daily meat of the columnist, Louis Glober was a resonably tasty snack, always available on the back shelf of the lader, where public personalities of minor sort are stored in case of need. He was neither dished up too often to cause surfeit, nor left too long on ice to become stale." :freches grinsen:


    Oder auch der Dialog "Glober was from the Bronx." - "What we'd call the East End?" :lachen:


    Im ersten Kapitel hab ich schon geschmunzelt über den Buchtitel "Athlete's Footman" (ziemlich am Anfang ist das der Titel von Shuckerlys Buch). Wie wurde das denn ins Deutsche übersetzt? Das Wortspiel mit "athlete's foot" (Fußpilz) lässt sich ja schwer übernehmen.


    Was mir kolossal auf den Keks geht, ist die affektierte französische Schreibweise von "rôle", die Powell verwendet. Überhaupt kommt das Wort auffallend inflationär vor - was aber natürlich wiederum gut zum roten Faden des Zyklus passt. Es geht selten darum, wie die Menschen wirklich sind, und sehr stark um die Rollen, de sie einnehmen.


    Übrigens habe ich kürzlich gelesen, Powells größte Ziele im Leben seien "a woman with a title and a house with a drive" gewesen. Klingt ziemlich nach dem ollen Jenkins, oder?

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    E. L. Doctorow





  • So wie Widmerpool sich wegen Belkin aufgeregt hat und nach dem was man von Tokenhouse so hört, habe ich den Eindruck, dass Belkin ein Spion ist. Widmerpool könnte ihn schon aus Kriegszeiten kennen. Im Moment will mir einfach nicht einfallen, welche politische Richtung Widmerpool vertritt. Ist/war Widmerpool der V-Mann von Belkin? :gruebel:

    Könnte gut sein. Widmerpool ist ja immer mehr nach links gerückt.

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    E. L. Doctorow





  • Dieses Zitat über Powell, Valentine, kenne ich auch. Dazu passen auch diese oberflächlichen, wenn auch geistreichen Schickeria-Stories, die er immer vor uns ausbreitet. Wenn er eben nicht so toll schreiben könnte, was auch in der Übersetzung durchschimmert, obwohl, nach dem, was du zitierst, Valentine, die Originalversion wirklich eine Anstrengung wert wäre, könnte es mich nicht ergötzen.

    Obwohl ich Prousts "Suche nach der verlorenen Zeit" in den letzten drei Bänden wirklich durchlitten habe - wie der Ich-Erzähler seine verlorene Liebe - ist Powell vom Niveau wirklich nicht mit ihm vergleichbar. Vor allem dieser Band ist ganz schön hohl bisher. Die Kriegsbände haben mir da doch besser gefallen. Da wurden interessantere Menschen analysiert als die in diesem Band.

  • Jenkins scheint ja auch nie etwas besonders Sinnvolles oder Produktives zu tun. Er schlängelt sich irgendwie durchs Leben, schreibt ab und an mal ein Buch und tingelt durch die Society. Gääähhhn.


    Ich finde den Band jetzt (bin gerade mit dem 4. Kapitel durch) tatsächlich recht amüsant, aber "hohl" trifft es wirklich gut. Um irgendwelche tatsächlich essentiellen Dinge geht es nie.

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    E. L. Doctorow





  • Bis auf die Erwähnung seiner Nichte haben wir bisher auch noch gar nichts über der Tolland-Clan, naja was halt noch übrig ist, gehört.


    Ich frage mich immer wieder wovon die Familie Jenkins lebt. Denn überarbeiten scheint sich Jenkins nicht. Die Kinder müssten doch inzwischen auch schon erwachsen sein, ich meine sie wurden auch mal kurz von Tokenhouse erwähnt.


    Das Gerede über Literatur und Malerei finde ich diesmal sehr anstrengend. Manches davon verstehe ich gar nicht.

  • Das stimmt, die Tollands spielen diesmal nur eine sehr untergeordnete Rolle ... ist mir allerdings gar nicht bewusst aufgefallen, bevor Du das schriebst, yanni! Auch Isobel und die Kinder kommen praktisch nicht vor. Einmal wird (im 4. Kapitel) kurz erwähnt, dass der Älteste ins Militärdienstalter kommt (deshalb geht Jenkins nach längerer Pause wieder mal zum Treffen mit seinen Kriegskameraden, um für den Sohn seine Beziehungen spielen zu lassen :rollen: ).

    Das Gerede über Literatur und Malerei finde ich diesmal sehr anstrengend. Manches davon verstehe ich gar nicht.

    Geht mir genauso, zumal ich teilweise gar nicht weiß, wer jetzt erfunden und wer echt ist :rollen:

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    E. L. Doctorow





  • Der Besuch bei Bagshaw zu Hause war etwas befremdend. Der Gute hat sich ja sehr verändert, nicht nur äußerlich. Seine Stiefkinder werden nicht gerade im rosigen Licht dargestellt, schade, dass man seine eigenen nicht zu Gesicht bekam.

    Dass Gwinnett bei ihm einziehen würde, hätte ich nicht erwartet.


    Ich stelle mir das mal vor: Ich gehe nachts durchs Haus und da steht eine wildfremde nackte Frau. :breitgrins:

    Der alte Herr hat sich im Gegensatz zu seinen Stiefenkelkindern sehr gut gehalten.


    Gwinnett erscheint mir auch immer komischer. Er versucht anscheinend ganz in der Figur Trapnel aufzugehen. Erwartet er dadurch mehr Einfühlungsvermögen. Ich habe ja schon öfter von Schauspielern gehört, die sich so in eine Rolle hineinversetzen. Aber bei Biograf?


    Jenkins Gedanken zum Ehemaligen-Treffen waren gut nachzuvollziehen. Es ist nun mal so, dass man sich, wenn sich so eine Gruppe auflöst nach einiger Zeit nichts mehr zu sagen hat. Es mangelt an Berührungspunkten, die ein Gespräch am Laufen halten. Jeder geht neue Wege, man driftet auseinander.

    Wow, erst eine Erwähnung seiner Frau und nun sogar ein paar Sätzchen zu einem seiner Söhne!

    An Cheesman konnte ich mich gleich erinnern. Er erschien mir damals für seinen Posten gut geeignet zu sein.


    Für Farebrother muss Widmerpools Problem doch DAS Ereignis sein.

    Ich bin gespannt, ob und welche Strafe er zu erwarten hat. Das er in so eine solche Situation kommen konnte, erstaunt mich. Ich hielt ihn für viel zu vorsichtig. Und dabei war er noch gar nicht lange in den Adelsstand versetzt worden. :belehrerin:


    Bill Truscott, noch so einer, dem man eine glänzende Zukunft vorausgesagt hat und dann kam es doch ganz anders. Mit seinem Namen verbinde ich immer Sillery, daher war ich sehr erstaunt, dass man ihn nicht zu dessen 90. Geburtstag eingeladen hatte.

  • Kapitel 4


    Von Bagshaws turbulentem Haushalt mit chaotischem Töchterhaufen und halb senilem Vater war ich auch ziemlich überrascht, den hab ich irgendwie nie als Familienvater gesehen. Und jetzt geht es in seinem Haus zu wie in einer schrägen Sitcom, eingeschlossen Pamelas oberskurrilen Auftritt im Evaskostüm :lachen:


    Ansonsten hat Pamela nicht gerade Oberwasser, Gwinnett will nichts mehr von ihr wissen und die Filmrolle in einem Glober-Projekt ist auch passé. Der hält sich lieber an Polly Duport. Die ist wahrscheinlich auch talentierter.


    Und Widmerpool ist als Spion aufgeflogen, oder wie? Ups ... :autsch: Schon eine ganz schöne Wandlung, die er im Laufe der Zeit politisch durchgemacht hat. Der war doch anfangs nicht so extrem?


    Das Wiedersehen mit den alten Kameraden fand ich ganz interessant (wobei ich gerade Cheesman gar nicht mehr auf der Pfanne hatte :gruebel: ). Und ja, gut beobachtet, wie man sich nach und nach auseinanderlebt, selbst wenn man mal eine sehr intensive Zeit zusammen verbracht hat. Dass Jenkins hauptsächlich aus Opportunismus wieder hingeht, wundert mich nicht - dass er das seinem Sohn zuliebe tut, schon ein wenig :redface:


    Ziemlich lustig fand ich den Versuch, den Namen Karamasov zu übersetzen :lachen: So was kann bei uns auch durchaus mal vorkommen :breitgrins:


    Aber was mich in all den Büchern kolossal genervt hat und mir jetzt wieder sehr ins Auge sticht, weil die Damen doch um einiges älter geworden sind und es noch unpassender wirkt als früher: diese fürchterlichen Spitznamen für Frauen. Mopsy? Ernsthaft? Und "Baby" klingt mit dem italienischen Nachnamen noch blöder als zuvor mit Wentworth, ganz abgesehen davon, dass sie inzwischen auch schon ein paar schöne Jährchen auf dem Buckel hat. Diese herablassenden Bezeichnungen stören mich ganz enorm. (Die betreffenden Frauen offenbar weniger, sonst hätten sie sich ja vielleicht doch mal irgendwann dagegen gewehrt.)

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    E. L. Doctorow





  • Bis Ende


    Bei der Party der Stevens waren viele Bekannte anzutreffen, wie nicht anders zu erwarten. Der Auftritt der Widmerpools war überraschend, aber damit wollten sie allen den Wind aus den Segeln nehmen und somit gut geplant.

    Sogar Myra Erdleigh war anwesend und ein Satz von ihr leitete sozusagen zum letzten Band dieser Reihe über. Der Klang geheimer Harmonien. Jetzt habe ich den Eindruck, dass wir dort mit dem Ableben einiger Bekannter konfrontiert werden.


    An sich wäre der Abend ohne Komplikationen ausgeklungen, wenn der Mietwagen rechtzeitig eingetroffen wäre. Ich glaube nicht, dass Pamela das alles geplant hatte. Es muss eine Art Kurzschlusshandlung gewesen sein. Dann hat sie aber auch nichts ausgelassen. :entsetzt:

    Schade, dass ich die Stelle nicht mehr finde, in der Mrs. Erdleigh diese Prophezeiung ausspricht. Ich kann mich noch genau an die Szene erinnern, aber das war es schon.


    Gut gemacht war die Schilderung der Ereignisse durch zwei der Anwesenden. Es ist eigentlich immer so, dass ein Ereignis von jedem anders gesehen und geschildert wird. Schade, dass wir nicht auch die Schilderung von einer der weiblichen Teilnehmerinnen bekommen, aber das wäre bei Powell wahrscheinlich recht dürftig.


    Durch die Aussage von Pamela, man werde sie nie wieder sehen, habe ich das letzte Kapitel eher verstanden. Sie hat also in einem Hotel Selbstmord begangen und Gwinnett war dabei oder hat davon gewußt? Dass sie tot ist, erklärt auch Widmerpools schwarze Garderobe.

    Ich habe die letzten Seiten 2x gelesen, weil ich dachte, ich hätte etwas überblättert. :gruebel: Aber mehr fand ich auch beim 2. lesen nicht. Sehr karg!

  • Durch die Aussage von Pamela, man werde sie nie wieder sehen, habe ich das letzte Kapitel eher verstanden. Sie hat also in einem Hotel Selbstmord begangen und Gwinnett war dabei oder hat davon gewußt? Dass sie tot ist, erklärt auch Widmerpools schwarze Garderobe.

    Ich habe die letzten Seiten 2x gelesen, weil ich dachte, ich hätte etwas überblättert. :gruebel: Aber mehr fand ich auch beim 2. lesen nicht. Sehr karg!

    Diese letzten beiden Kapitel haben mich auch irritiert. Auf der einen Seite ist die Multiperspektivität des 5. Kapitels erzählerisch sinnvoll und auch interessant in Bezug auf Wahrnehmungsunterschiede. Aber, wie du genau sagst, yanni, ist diese immer beschränkt auf (männliche) Typen, die Powell damit kontrastiv darstellen will. Aber insgesamt wurde mir gar nicht richtig klar, was nun genau passiert war. Was Pamela Widmerpool vorwirft, lässt ja an Deutlichkeit kaum zu wünschen übrig, aber hat sie nun die Hände im Spiel gehabt beim Tod des französischen Autors oder nicht? Und dann ihr eigener Tod? Hä? Sie hat eine Überdosis genommen wovon? Von Schlaftabletten oder von Rauschmitteln? Und was hat das Ganze mit Gwinnet genau zu tun? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich so eine Frau wegen einer unerwiderten Liebe das Leben nimmt. Eher würde sie ihn entführen und das Erwünschte erzwingen, soweit das geht. Und nun ist Moreland tot. Schade, eine der interessantesten Gestalten des Zyklus.

  • Ich habe ja die Hoffnung, dass der Tod Pamelas im nächsten Band noch thematisiert wird. Hängt doch der Titel eng mit einem Ausspruch von Myra Erdleigh zusammen, die vergeblich versucht hat Pamela davon abzuhalten zu weit zu gehen. Das Gerede, sie hätte sich als Opfer dargebracht, ist mir völlig unverständlich. Wofür denn bitte?


    Man hat fast den Eindruck Jenkins will nichts über den Tod Pamelas preisgeben. Andererseits könnte man es fast als Cliffhanger bezeichnen. Immerhin ist es das erste Mal, dass ich dem nächsten Band entgegenfiebere. :teufel:


    Mit Moreland verlieren wir eine weitere Figur, die mit Jenkins Leben eng verwoben war. Eigentlich wissen wir mehr über seine Freunde als über seine nächste Familie.


    Wie ich schon erwartet habe, ist Widmerpool ganz glimpflich davon gekommen.

  • dodo: das Zitat mit dem Obst hab ich jetzt erst bewusst gesehen - das fand ich auch herrlich :autsch:


    Ich bin auch fertig.


    Dass Widmerpool mal wieder davonkommt, war ja praktisch klar :rollen: Und typisch, wie er arrogant in die Ouvertüre hineinquatscht ...


    Ansonsten hat mich das Buch in den letzten beiden Kapiteln ziemlich überrascht. Da überschlagen sich die Ereignisse aber ganz schön, gespickt mit ein bisschen Humor nebenher (ich fand's ja göttlich, wie nach dem ganzen Gerangel und Gezeter und Chaos mit perfektem Timing auf einmal das verspätete Taxi um die Ecke kam totlach ).


    Mit Mrs. Erdleigh hatte ich gar nicht mehr gerechnet. Die muss doch wirklich schon uralt sein, war sie nicht Onkel Giles' Altersklasse? Mit ihrer Prophezeiung behält sie am Ende auch noch recht :entsetzt: Ich musste auch zweimal hinschauen, um zu kapieren, dass Pamela sich offenbar umgebracht hat. Ob das ein bewusster Suizid war oder eine versehentliche Überdosis? (Typischer fände ich letzteres!)


    So langsam schleicht sich der Tod generell immer mehr in die Handlung, die Protagonisten werden eben älter, und am Ende steht dann auch noch ein Abschied, diesmal von Moreland, der dem Tod recht gefasst ins Auge blickt. "Hearing Secret Harmonies", wie es Mrs. Erdleigh formuliert hat, ist ja auch der Titel des letzten Bandes. Ich bin nun durchaus gespannt darauf!


    Über die 11 Bände zurückblickend fällt mir stark auf, dass der Kreis, in dem sich Jenkins bewegt, nie merklich größer geworden ist. Zwar stehen mal die einen, mal die anderen Charaktere stärker im Vordergrund, ein bisschen wie Planeten, die alle um denselben Stern kreisen und sich dabei immer mal wieder begegnen, aber insgesamt bleibt das doch alles sehr exklusiv. Und ganz oft dann doch auch sehr hohl und sinnentleert.

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    E. L. Doctorow





  • Über die 11 Bände zurückblickend fällt mir stark auf, dass der Kreis, in dem sich Jenkins bewegt, nie merklich größer geworden ist. Zwar stehen mal die einen, mal die anderen Charaktere stärker im Vordergrund, ein bisschen wie Planeten, die alle um denselben Stern kreisen und sich dabei immer mal wieder begegnen, aber insgesamt bleibt das doch alles sehr exklusiv. Und ganz oft dann doch auch sehr hohl und sinnentleert.

    Es liegen ja oft viele Jahre zwischen den einzelnen Bänden. Dann kommt es meist zu einem geballten Zusammentreffen dieses Kreises. Warum werden gerade diese Episoden erzählt. Vielleicht gäbe es auch andere Ereignisse zu erzählen, die aber unter den Tisch fallen, weil es eben Personen sind, die nicht dem inneren Kreis angehören oder nur Weggefährten über einen kürzeren Zeitabschnitt waren.

    Dabei fällt mir auf, dass für die relativ kurze Zeit des Krieges viele Bücher in diese Periode fallen.

  • Ja, sicher fand da eine bewusste Auswahl statt, wobei ich mir schon vorstellen kann, dass diese Kreise klein sind und man das auch absichtlich so hält.


    Dass der Krieg so viel Raum bekommt, finde ich durchaus richtig, es ist ja eine prägende und einschneidende Zeit. Allerdings hätte ich mir in den Kriegsbänden oft mehr gewünscht als das strategische Spielchentreiben am grünen Tisch. Der Band im Ausbildungslager war einer der besten, weil da mal ein bisschen was anderes geboten war.

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    E. L. Doctorow





  • Im Nachhinein gefallen mir auch neben den vier ersten die Kriegsbände am besten. In den letzten beiden Bänden ist die Erzählbrillanz zwar geblieben, aber die dargestellten Menschen und ihre Probleme können mich nicht sonderlich fesseln.

    Pamela empfinde ich als massiv konstruierten Charakter, sie ist nicht stimmig und auch nicht menschlich. Vielleicht ist sie Powells Vorstellung von einer Nemesis, aber dann passt der Abgang nicht.

    Auch Widmerpool, der unelegante und unansehnliche Karrierist, der immer wieder auf die Füße fällt, und mit diesen altadeligen Gesellschaftsfuzzis kontrastiert wird, zerfasert ein bisschen durch diese Pamela-Geschichte. Die hätte Powell nicht ihm anhängen sollen, denn das passt von hinten bis vorne nicht. So, wie Widmerpool angelegt ist, hätte er sich das alles nicht gefallen lassen, und zum Dank dafür ein paar voyeuristische Lustmomente, die hätte er auch einfacher und weniger gefährlich haben können.
    Jedenfalls bin ich ganz froh, dass wir Pamela jetzt los sind und auch schon auf den nächsten Band gespannt. Ob Widmerpool nochmal durchstarten kann?