Tana French - Der dunkle Garten

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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  • Tana French - Der dunkle Garten


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    Broschiert: 656 Seiten

    Verlag: FISCHER Scherz (28. Dezember 2018)

    ISBN-13: 978-3651025622

    Originaltitel: The Witch Elm

    Übersetzung: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann

    Preis: 16,99 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Ein fesselnder psychologischer Spannungsroman, kein gewöhnlicher Krimi


    Inhalt:

    Toby Hennessy sieht sich selbst als Glückskind, immer auf der Sonnenseite des Lebens. Dies ändert sich schlagartig, als der 28-Jährige nachts in seiner Wohnung brutal zusammengeschlagen wird und dem Tod nur knapp entkommt. Leider bleiben ein paar Schäden zurück, unter anderem gravierende Erinnerungslücken, die bis in die Jugend zurückreichen.


    Da wird Toby von der Familie gebeten, sich um seinen sterbenden Onkel Hugo zu kümmern und zu ihm ins Ivy House zu ziehen. Sonntags trifft sich die ganze Familie hier zum Essen, und eines Tages finden die Kinder beim Spielen im Garten ein Skelett. Damit nimmt das Drama seinen Lauf …


    Meine Meinung:

    Tana Frenchs Schreibstil muss man mögen, um ihre Romane genießen zu können. Mir gefällt es sehr gut, wie die Autorin mit ihrer detaillierten, bildhaften, aber auch ziemlich ausschweifenden Erzählung Atmosphäre schafft. Bei mir springt dabei sofort das Kopfkino an. Das schafft nicht jeder Autor. Und auch wenn ich dieses Ausschweifende sonst of nicht mag, Tana French kriegt mich damit jedes Mal, was auch an ihrem literarischen Umgang mit Sprache liegt.


    Man muss dem Buch aber schon mehr als nur hundert Seiten geben, um sich überzeugen zu lassen. Denn im ersten Drittel passiert außer dem spannend geschilderten Überfall auf Toby noch nicht allzu viel. Man lernt sämtliche beteiligten Personen kennen, die in aller Ausführlichkeit dargestellt werden. So bekommt man ein ziemlich klares Bild von allen - denkt man zumindest. Bis unvorhergesehene Dinge ans Licht kommen, durch die man seine Meinung immer wieder revidieren muss.


    Da aus Tobys Ich-Perspektive erzählt wird, ist man naturgemäß an diesem Charakter am nächsten dran. Seine Gefühle, Gedanken, (Selbst-) Zweifel und Ängste bekommt man hautnah mit. Die anderen Figuren lernt man nur aus seiner Sicht kennen, also niemals ganz umfassend. So bleiben stets Zweifel daran, was der Wahrheit entspricht und was nicht. Das Perfide dabei ist, dass Tobys Erinnerungsvermögen ihn immer wieder im Stich lässt und er selbst nicht weiß, wem er trauen kann. Vielleicht nicht mal sich selbst.


    Die Charaktere sind recht tiefgründig angelegt und haben manche Überraschung auf Lager. Sehr fein beobachtet Tana French hierbei das Beziehungsgeflecht innerhalb des Familienclans.


    Auch wenn die Handlung recht lange braucht, um ins Rollen zu kommen, gibt es ab diesem Moment dann kein Halten mehr. Ich war total gefesselt und habe die letzten 450 Seiten quasi am Stück inhaliert. Ich konnte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen, weil ich es nun einfach wissen wollte. Tana French verknüpft raffiniert die einzelnen Handlungsfäden, schafft so ein atmosphärisch dichtes Geflecht, das mich am Ende komplett zufriedenstellen konnte.


    ★★★★☆

    Liebe Grüße, Lilli

  • Verzerrte Familienidylle


    Toby Hennessy, 28, wird in seiner Dubliner Wohnung von zwei Einbrechern brutal zusammengeschlagen. Als er nach einem längeren Krankenhausaufenthalt körperlich wieder einigermaßen hergestellt ist, erreicht ihn der Anruf seiner Cousine Susanna, dass er sich doch bitte um den gemeinsamen Onkel Hugo kümmern möchte. Da Toby psychisch noch einiges aufzuarbeiten hat, ziehen er und seine Freundin Melissa für eine Weile bei Onkel Hugo, der an einem Gehirntumor leidet, ein. Bei einem gemeinsamen Familienessen stößt der kleine Sohn von Susanna auf menschliche Schädelknochen. Und nun müssen sich alle Mitglieder der Familie Hennessy ihrer gemeinsamen Vergangenheit stellen.


    Dies war mein erstes Buch, das ich von Tana French gelesen habe. Und ich habe mich anfangs etwas schwer getan mit den verschachtelten Sätzen, mit endlosen Längen, die mich in der Geschichte nicht weitergebracht haben. Aber nach einer Weile war ich doch mitten drin im Geschehen.


    Sehr gut finde ich, dass ich die einzelnen Familienmitglieder bzw. alle Protagonisten sehr deutlich und ausgefeilt auch mit ihren Gedanken beschrieben bekomme. Ich hatte schnell von jedem Einzelnen ein klares Bild vor Augen. Durch die zahlreichen Dialoge komme ich den einzelnen Familienmitgliedern noch näher. Ich leide mit Toby, der sich seiner absolut nicht sicher ist; bewundere Hugo und Susanne, dass sie das Augenscheinliche so gut verdrängen; und ich frage mich immer wieder, was die Nervosität bei Leon auslöst. Bis zu einem Punkt, wo sich das alles dreht und es für mich keinen Sympathieträger, außer vielleicht Onkel Hugo, mehr gibt.

    Genau so toll beschrieben finde ich den Garten des Efeuhauses, bei dem es mir in der Seele weh getan hat, als er total umgegraben und sogar ein alter Baum gefällt werden musste.

    Genau so klar werden mir die verschiedenen Stimmungen im Haus durch die Autorin nahe gebracht.


    Ich habe mich direkt in das Geheimnis, das der Baum zutage gebracht hat, reinziehen lassen. Hatte immer neue Ideen, was damals passiert sein könnte. Aber der Auflösung bin ich nicht sehr nahe gekommen.


    Auch wenn der Roman anfangs einige Längen hat und mich erst ab ca. der Mitte fesseln konnte, hat sich das Lesen gelohnt. Ein interessanter Sprachstil, eine aussergewöhnliche Familiengeschichte und ein junger Mann, der mich durch seine Art beim Lesen gehalten hat.


    4ratten

  • Toby leidet an den Folgen einer Kopfverletzung und zieht zu seinem todkranken Onkel in das Haus, in dem er in seiner Kindheit/Jugend viele tolle Wochenenden und Ferien gemeinsam mit Cousin und Cousine verbracht hat. Als er und seine Freundin sich dort gerade eingelebt haben, wird im Garten ein Schädel und kurz darauf ein Skelett gefunden, das aber nicht einem unbekannten Obdachlosen gehört, sondern stattdessen einem Bekannten aus Tobys Jugendzeit, von dem alle dachten, er hätte sich an irgendeinem Kliff das Leben genommen.


    Im Unterschied zu den bisherigen Büchern stehen die in dem Fall ermittelnden Polizisten nicht im Zentrum der Geschichte, sondern sind nur Nebenfiguren. Stattdessen versucht Toby herauszufinden, was damals geschah.


    Es dauert relativ lange, bis die Geschichte Fahrt aufnimmt und echte Action wird man auch nicht finden. Stattdessen verläuft man sich beim Lesen wie Toby in Verdächtigungen und Mutmaßungen und Misstrauen gegenüber allen Figuren. Die Spannung erzeugt die Autorin dabei über den Trick des unzuverlässigen Erzählers. Da Tobys Gedächtnis offensichtlich nicht mehr sonderlich gut funktioniert, erscheint es einem sehr gut möglich, dass er unwissentlich selbst der Mörder ist. Oder doch der Cousin, die Cousine, der Onkel, ein Freund?


    „Der dunkle Garten“ unterscheidet sich damit schon von den anderen Büchern der Autorin, ich war aber auch mit diesem Buch sehr zufrieden.


    4ratten

    Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen. (Friedrich Nietzsche)

  • Meine Meinung

    „Der dunkle Garten“ unterscheidet sich damit schon von den anderen Büchern der Autorin, ich war aber auch mit diesem Buch sehr zufrieden.

    Das war ich nach anfänglichen Schwierigkeiten auch. Den Anfang fand ich langatmig, weil ich keine Ahnung hatte, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde. War es wirklich ein Krimi oder doch vielleicht "nur" eine Familiengeschichte, in der die Mitglieder ihre Vergangenheit aufarbeiten?


    Nach ungefähr einem Drittel war ich dann in der Geschichte drin, ab da hat sie mir wirklich gut gefallen. Die Sicht der Einzelnen auf die Vergangenheit und das, was sie erlebt haben, hat von Person zu Person variiert. Das ist auch im wahren Leben so und ich fand es sehr glaubwürdig. Die Rahmenhandlung, die sich um Hugo und seine Erkrankung gedreht hat, hat mir auch gefallen.



    Ein Krimi, der fast ganz ohne die Ermittler auskommt, ist ungewöhnlich. Beim dunklen Garten ist gerade das der Reiz.

    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.