Nadja Sennewald - Alien Gender: Die Inszenierung von Geschlecht in Science-Fiction-Serien

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 35 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kritty.

  • Ich bin nun ein paar Seiten weiter und habe somit zwei kurze Charakterabhandlungen hinter mir.

    Es wurden Captain Jean Luc-Picard (Star Trek: Next Generation) und Captain Benjamin Sisko (Deep Space 9) im Kontext des Kapitäns- und Machtbegriffs betrachtet.


    Da mir ein wenig der Kopf schwirrt schreibe ich mal nur meine Gedanken nieder, ohne das groß selbst zu besprechen:



    Picard:

    • steht für Autorität, Pflichtbewusstsein, Disziplin und Verantwortung
    • seine Figur soll das Abbild des 'kultivierten Europäers' sein
    • Männlichkeit durch oben genannte Attribulte, aber auch durch Treue und Loyalität zu eigenen Werten: Meuterung, Aufstand gegen die Directive
    • Picard hat aufgrund eines Erlebnisses als junger Mann einen großen gesundheitlichen Mallus, nämlich ein künstliches Herz. --> junges Ich = arrogant, undiszipliniert, unüberlegt. Das Trauma lässt ihn zu dem Mann werden der er später ist.
    • Picard ist insgesamt kein romantisches, sexuelles Wesen - bis zu einem Zeitpunkt, s. unten
    • Charakter der Kamala = problematisch, durch ihr Sein als Metamorph kann sie das werden, was ihr männliches Gegenüber sich wünscht. Da Picard als fortschrittlich gilt, was das Geschlechterbild angeht, möchte er dass sie frei ihr Aussehen aussucht. Es kommt dazu, dass Kamala ein Abbild von Picard wird.
    • Picard wird von den Borg gefangen genommen und für ihr Kollektivbewusstsein gefoltert --> Dieses Geschehnis "entmannt" ihn --> durch eine Nadel in seine Schädeldecke wird er "penetriert", er wird das erste Mal als körperliches und in diesem Kontext verletzliches Wesen dargestellt/gesehen. Er wird zum "white male body in crisis" (C.J. Fuchs, 'Death Is Irrelevant'). Vor diesem Erlebnis war Picard eine Verkörperung von männlich-rationaler und loyaler Identität. Da der männliche Körper nicht "eindeutig als erotisches Objekt inszeniert werden darf" (da sonst als homosexuell kodiert), muss die Erotisierung/Sexualisierung des männlichen Körpers mit Gewalt und Autoritätskämpfen, unterbewussten metaphorischen Bildern und körperlichen Verletzungen dargestellt werden.
      Ab diesem Zeitpunkt wird Picard vermehrt oberkörperfrei und in erotisierenden Situationen gezeigt.


    Sisko:


    • Thematik von Sexualität / Sexismus /Gender ist meist fest mit dem Thema Rassismus und Ethnizität verknüpft.
    • Sisko = erster schwarzer Captain einer ST-Serie.
    • Bis dahin: Bösewichte waren zumeist schwarz kodiert, Schwarz/Weiß = Gut/Böse-Dichotomie
    • Sisko ist als Charakter schwer mit Klischées und Stereotypen beladen: Vorliebe für Jazz-Musik, Kleidung, Frisurenstil, unberechenbare Aggressionen, offensichtliches Zeigen von Emotionen,..
    • Ehre für ihn als "schwarzen Mann" sehr wichtig, neigt mehr zum Bösewicht-Sein als alle anderen (weißen!) Captains von ST-Serien.
    • Charater von Jadzia Dax: mehrere Inkarnationen auch als Mann, wird "alter Mann" von Sisko genannt --> wirkt somit fast geschlechtslos --> Dax ist weiß --> weißes rationales Gegengewicht zum "animalisch-aggresiven schwarzen Sisko"
    • stark religiös geprägte Geschichte Siskos --> Wandlung vom schwarzen ambivalenten Schläger-Captain zum "mythological brown hero" (D. Spencer, "Celebrating Culture...") / "Black Jesus".



    Als nächstes kommt Captain Janeway dran. Die erste weibliche Kapitänin :) Bin gespannt.

  • Ich find Janeway toll. Aber ich liebe die Crew der Voyager eh. Sicher auch weil die Serie stärker mit meiner Teenager Zeit verknüpft ist. Die erste Staffel viel bei mir in die Zeit in der ich zb grade auch im Fantasy Bereich auf Frauen getroffen bin, die ihre Rolle als Frau hinterfragt haben.

  • So, ich bin jetzt fast bei der Hälfe 🙈

    Ob ich das Buch rechtzeitig gelesen bekomme und somit die Challenge schaffe, steht wohl noch in den Sternen /schnief.


    Aber: die letzten Seiten/Kapitel waren interessant und aufschlussreich.

    Hier mal ein kurzer Verschnitt anhand von Zitaten die ich mir markiert habe:



    Captain Kathryn Janeway und der Captain-Begriff:

    "Ausgelebte weibliche Sexualität und die Autorität eines Captains werden als unvereinbar dargestellt. [Dies entspricht] einem Frauenbild, das seinen Ursprung [...] in der christlichen Reformation hat: die 'gute Mutter', die 'Hure' und die 'alte Jungfer'. Da keines dieser Bilder ein geeignetes Modell für die Autorität eines Captains darstellt, muss die Figur Janeway, solange sie zwischen diesen Varianten changiert, scheitern."


    Captain John Sheridan und der Captain-Begriff:

    "Das heißt, Sheridan als Held hat zwar neue - vormals weiblich kodierte - Eigenschaften, diese scheinen jedoch noch nicht ganz geheuer zu sein. Sie entstehen, so die implizite Aussage, durch den Einfluss einer Frau bzw. einer Liebesbeziehung. Diesem Einfluss muss er künstlich entzogen werden, damit er auch seine 'gefährliche', d.h. traditionell heldische Seite zur Geltung bringen und als 'kriegerischer Mann' agieren kann."


    Captain Dylan Hunt und der Captain-Begriff:

    "Dies entspricht dem narrativen Muster der klassischen Heldenerzählung, nach der der gerechte Krieger für höhere Ziele kämpft, während die Angebetete die mütterliche Figur verkörpert, die einerseits den Kampf des Helden unterstützt und andererseits seines Schutzes bedarf. [...] Captain Dylan Hunt ist nicht nur der Heilsbringer, sondern der Lichtbringer, nicht nur der Missionar des Commonwealth, sondern gleich sein Messias."


    Captain Beka Valentine und der Captain Begriff:

    "Hier zeigt sich das gleiche Phänoment wie bei Kathryn Janeway, dass einer Frau mit Autorität die Mutterrolle zugeschrieben wird. Ein weiteres Problem, das ihr als Frau und Captain begegnet [...]: Ihre Kompetenz wird wiederholt von ihrem Auftraggeber angezweifelt.[...] Sie ist zwar Captain der Eureka Maru, muss ihren Status jedoch ständig kenntlich machen. Ihr Status verleiht ihr nicht an sich Autorität, sie muss diese ständig beweisen, inklusive sich selbst. [...] Das Gerangel um Macht und Kompetenz zwischen Valentine und Hunt mündet in dem Beweis ihrer Inkompetenz. [...] Im weiteren Verlauf der Serie ist sie keine Captain-Figur mehr, sondern entspricht dem Typis des 'Action Girls'."


    Zum Begriff des Action Girls

    "Diese sind ein Phänomen, das sich seit Mitte der 1990er Jahre zeigt. [...] Populäre Figuren wie Lara Croft, Xena oder Buffy leiteten [...] den Boom der Action Girls ein. [Action Girls] zeichnen sich durch hohe sexuelle Attraktivität, große Aggressivität, Konfliktbereitschaft, körperliche Stärke, Meisterschaft in diversen Kampfkünsten und den strategischen Einsatz von Technologie für ihre Zwecke aus. Dies macht sie nicht nur zu idealen Handlungsträgerinnen, sondern weist ihnen Eigenschaften zu, die sonst männlichen Helden zugedacht wurden.[...] Soweit bekannt, hatten alle Action Girls eine schwere Kindheit und/oder Jugend. Die deviante Vergangenheit der Action Girls dient dazu, eine biographische Begründung für die hohe Bereitschaft zu körperlicher Gewalt und zu aktiver Handlungsfähigkeit zu konstruieren."


    (ab hier markieren die Anführungsstriche keine Zitate mehr)


    Das sind alles nur Zitate und somit kurze Einblicke in Abschnitte und stellen nicht die komplette Aussage der jeweiligen Kapitel dar :) Besonders beeindruckend (wenn auch nicht überraschend) war die Tatsache, dass sich viele der "Männer-Narrativen" mit dem Werdegang des Messias vergleichen lassen, wohingegen die weiblichen Captains meist einen anstrengenden Balance-Akt von "Männlichkeit nachahmende Heldin" und "höhere Mutterfigur" durchmachen müssen.

    Und mei, die vielen Phallussymbole ;)


    Spannend finde ich auch die Action Girls und die mit dem Aufkommen dieser Action Girls das sich wandelnde Bild der "ästhetischen starken Frau". Captain Elizabeth Lochley wurde als gutes Beispiel für ein Action Girl genannt. Erwähnenswert war auch Tasha Yar (TNG).


    Es wird weitergehen mit ein paar konkreten Beispielen für Action Girls: Major Kira Nerys und B'Elanna Torres. Nach einer Zusammenfassung kommt dann der nächste größere Block dran: Geschlechtertransformationen. Das wird der zweite Buchteil sein, Forschungsüberblick nicht mitgerechnet. Der dritte handelt von den Dritten Geschlechtern, der macht abschließende Betrachtungen.

    Ich habe noch 144 Seiten mit Inhalt vor mir. Oh oh...

  • Als Religionswissenschaftlerin interessiert mich natürlich der religiöse Zusammenhang der hier gezogen wird. Das Buch ist eh längst auf meiner Wunschliste gelandet, bin mal gespannt was ich dann kritisiere (grade wie mit religiösen Zusammenhängen außerhalb der Religionswissenschaft umgegangen wird, ist manchmal so eine Sache :lachen: ).


    Xena und Buffy waren meine Teenieheldinnen :err: Fällt ja auch in die ungefähre Zeit von Captain Janeway. Alles drei Lieblingsfiguren von mir. :lachen: Vor allem Xena fand ich richtig cool. Für mich stellt sie eine tolle Mischung zwischen einerseits weiblichen Eigenschaften und eben auch männlichen- zumindest wenn man mal nach den Zuschreibungen geht, die oft als allgemein Gültig betrachtet werden. Ich fand immer das sie diese Grenzen auflöst und eben nicht mehr so eindeutig zugeschrieben werden kann. Außerdem hat sie meiner Meinung nach auch interessante Liebesgeschichten ohne das diese ständig im Mittelpunkt stehen.

  • Ich fand die Schlüsse, welche die Autorin in Bezug auf Religion (oder 'religiös beeinflusste Mythen') gezogen hat alle sehr schlüssig. Aber ich habe auch nicht Religionswissenschaften studiert und lediglich eine Kinderbibel sowie den Anfang des Neuen Testaments gelesen :P


    Buffy finde ich toll (habe allerdings nur ein paar Folgen gesehen), mit Xena konnte ich nie was anfangen. Das lief aber manchmal heimlich nachts in der Zeit kurz nachdem ich meinen Fernsehr zum 16. Geburtstag bekommen habe. Einfach aus Prinzip, großartig interessiert hat es mich nicht muss ich gestehen. Ich hatte es nicht so mit weiblichen Hauptfiguren. Upsi :hm: Dafür finde ich ja die Action Figur Lara Croft sehr interessant. Sie hat echt eine Wandlung durchgemacht und die Spiele sind nebenbei auch gut.


    Ich habe auf Goodreads gesehen, dass du das Buch auf deine Wunschleseliste getan hast - finde ich gut :)

  • Hústel Religionswissenschaft ohne das en bitte (da bin ich knallhart ^^).

    Xena war in der ersten Staffel auch doof. Das hat sich dann zunehmend gewandelt. Vorallem Gabrielle hat da einige Entwicklungen durchgemacht.


    Lara Croft fand ich nur cool weil sie Archäologin ist. Mein Bruder hat das früher gespielt.

  • Kurzes Zwischenstand-Update: Nein, ich bin noch immer nicht fertig mit diesem Buch.:entsetzt:

    Aber ich lese jeden Tag darin, immer morgens.


    Mir fehlen noch etwa 90 Seiten und ich befürchte, ich werde hier keine ausschweifenden Abschnitte mehr notieren. Aber hin und wieder ein Update geben werde ich wohl.


    Gerade bin ich übrigens bei einem Kapitel das da heißt "Die richtigen Ohrläppchen: Frau-zu-Mann-Maskerade" :autsch:

  • Ich habe es bald geschafft (noch 60 Seiten etwa) und es ist nach wie vor interessant. Ich bin nun bei dem Teil zu den dritten Geschlechtern, und viel Material hatte die Autorin da wohl nicht. Aber es scheint, als habe sie das Beste daraus gemacht.


    Was mir bei dem Teil davor (Geschlechtwerdung, In-Besitznahme,...) vor allem in Erinnerung geblieben ist: Es gibt im Star Trek Universum Spezies, bei denen das Ohrläppchen der Phallus ist?!

    Das fand ich sehr, sehr amüsant. Aber warum auch nicht? :totlach:

  • Ich habe es bald geschafft (noch 60 Seiten etwa) und es ist nach wie vor interessant. Ich bin nun bei dem Teil zu den dritten Geschlechtern, und viel Material hatte die Autorin da wohl nicht. Aber es scheint, als habe sie das Beste daraus gemacht.


    Was mir bei dem Teil davor (Geschlechtwerdung, In-Besitznahme,...) vor allem in Erinnerung geblieben ist: Es gibt im Star Trek Universum Spezies, bei denen das Ohrläppchen der Phallus ist?!

    Das fand ich sehr, sehr amüsant. Aber warum auch nicht? :totlach:

    die Ferengi? bei denen dachte ich immer, dass die Ohren nur eine wichtige erogene Zone sind ^^^^^^

    ~~ noli timere messorem ~~

  • Ja genau die XD

    Naja sie werden von Sennewald als Phallus bezeichnet. Auch dadurch, dass bei einer "Geschlechtsumwandung" (Weibliche Ferengi 'verkleidet' sich als Männlichen Ferengi) künstliche Ohrläppchen genutzt werden als männliche Markierung.


    Ich könnte nun einige Abschnitte zitieren aber einerseits habe ich das Buch grade nicht bei mir und andererseits wüsste ich nicht welche Abschnitte ich genau zitieren sollte.

  • Weibliche Ferengi haben kleinere Ohren als männliche. Wenn sich eine weibliche Ferengi als Mann verkleidet - also, eigentlich sind weibliche Ferengi immer nackt und Kleidung tragen ist für sie verboten, das löst einen Mordsskandal aus, als Quarks und Roms Mutter in Kleidung auftritt - da müssen ja die Ohren 'vergrößert' werden, weil man es sofort erkennen würde, dass es eine weibliche Ferengi ist. In ungefähr das Äquivalent zu einen Mann, der sich einen ausgestopften BH anzieht, wenn er sich als Frau verkleidet.

    ~~ noli timere messorem ~~

  • So unrealistisch finde ich das gar nicht. Die Ohren sind auch beim Menschen erogene Zonen. Insofern ist es also nur eine Weiterentwicklung dieses biologischen Wissens.

    Nun ja aber erogene Zonen sind schon etwas anderes als Phallus und Co.

    So wie ich das verstanden habe sind das bei den Ferengi eben das was bei den Menschen die primären Geschlechtsteile sind.


    Und ja, TheNightingale , so wurde das geschildert! Nur hat bei der Frau die sich als Ferengi-Mann verkleidet hat am Schluss doch "die Liebe" und somit ihre schwächere Weiblichkeit gewonnen...und als der Mann-Ferengi sich temporär in eine Frau geändert hat (via Operation wohlgemerkt) war er so etwas wie eine Komik-Darstellung und total überspitzt.

    War etwas frustrierend, das zu lesen. Da hat dann auch nicht wirklich geholfen dass ich Phallus-Ohren vor dem inneren Auge hatte und das amüsant fand.

  • Nun ja aber erogene Zonen sind schon etwas anderes als Phallus und Co.

    So wie ich das verstanden habe sind das bei den Ferengi eben das was bei den Menschen die primären Geschlechtsteile sind.


    Und ja, TheNightingale , so wurde das geschildert! Nur hat bei der Frau die sich als Ferengi-Mann verkleidet hat am Schluss doch "die Liebe" und somit ihre schwächere Weiblichkeit gewonnen...und als der Mann-Ferengi sich temporär in eine Frau geändert hat (via Operation wohlgemerkt) war er so etwas wie eine Komik-Darstellung und total überspitzt.

    War etwas frustrierend, das zu lesen. Da hat dann auch nicht wirklich geholfen dass ich Phallus-Ohren vor dem inneren Auge hatte und das amüsant fand.

    Wenn man sich das so anschaut, dann gabs bei mit den Ferengi-Ohren jede Menge sexuelle Übergriffe in StarTrek. Immerhin wurden Ferengi damit immer manipuliert, dass ihnen einfach eine Frau an die Ohren Griff und sie massierte :/ das mag in der Serie im Moment immer witzig gewirkt haben, aber im Grunde genommen waren es doch sexuelle Übergriffe, wenn man es genau bedenkt.

    ~~ noli timere messorem ~~



  • Alien Gender: Die Inszenierung von Geschlecht in Science-Fiction-Serien
    von Najda Sennewald



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    Über das Buch:

    Das Sachbuch von Nadja Sennewald wurde 2007 herausgegeben und zählt 309 Seiten - wobei ab S. 263 der Abbilungsanhang sowie die Bibliographie/Filmographie zu finden sind. Das Buch ist in sechs Teile mit (meist) jeweiligen mehreren Kapiteln gegliedert:


    1. Der Weltraum - Unendliche Weiten
    2. Forschungsmission
    3. Captain, mein Captain: Männer, Frauen, Macht
    4. Was bin ich? Geschlechtertransformationen
    5. Unbekannte Lebensformen: Dritte Geschlechter
    6. Helden, Frauen, Andere: Abschließende Betrachtungen


    Der letzte Teil ist dabei eine Zusammenfassung aller vorherigen Themen und Kapitel.


    Inhalt und Stil:

    Nadja Sennewald setzt sich in ihrer Arbeit mit dem Begriff "Gender" und sämtlichen, damit in Zusammenhang stehenden Themen in Bezug auf "Star Trek"-Serien auseinander. Gemeint sind mit Letzterem folgende Serien:

    • Star Trek: The Next Generation
    • Sar Trek: Deep Space Nine
    • Star Trek Voyager
    • Andromeda
    • Spacecenter Babylon 5
    • Babylon 5 Crusade

    Nach Einführungen in die Science-Fiction- / Star Trek-Thematik sowie in den Gender-Begriff an sich (Abrenzungen zu ähnlichen oder assoziierten Begriffen inklusive) wird der Begriff "Captain" genauer unter die Lupe genommen. Männliche sowie weibliche Captains in Star Trek Serien werden dabei vor allem im Kontext von "Macht" betrachtet. Dann sind die sogenannten Action Girls dran sowie das Bild der 'ästhetischen starken Frau', das sich stets ändert (Stichwort Tomb Raider). Nach einer Zusammenfassung dieses Teils wurde das Thema Geschlechtertransformation in Angriff genommen. Dabei geht es um Figuren, die eine Wandlung zu einem anderen Geschlecht hinter sich bringen. Das schließt besonders Transformationen über Spezies hinweg ein (beispielsweise Borg-Drohne zur Menschenfrau oder Minbari-Wesen zur Menschenfrau). Auch "Inbesitznahmen" werden thematisiert, also wenn ein "männlicher Verstand" ein "weibliches Wesen" in Besitz nimmt oder andersherum.

    Andere Geschlechter über das binäre System hinaus werden im vorletzten Teil thematisiert. Eingeschlechtlichkeit, Polygeschlechtlichkeit sowie Übergeschlechtlichkeit werden hier besprochen, für jedes zwei Spezies als Beispiel. Nach der Zusammenfassung dieses Teils folgt dann auch schon die Zusammenfassung aller Teile, wo auf das Essentielste noch einmal kurz eingegangen wird.


    Neben Gender und Sexualität sind auch Rassismus (bzw. Speziezismus) und Sexismus immer wieder Thema. Warum das so ist, wird am Anfang erläutert. Auch Religion und Mythologie(n) spielen eine wichtige Rolle in der Auseinandersetzung mit dem Thema.


    Meine Meinung:

    Ich schreibe diese Rezension als weiße deutsche Frau Ende 20 - das möchte ich nur sagen, da meine Meinung über das Buch vielleicht anders ist als die von Menschen die zu den people of colour gehören. Vielleicht auch nicht, aber ich möchte es mal gesagt haben.


    Insgesamt fand ich das Sachbuch wirklich gelungen und gut. Ich kam gut rein in die Thematik und war nur sehr selten überfordert - und wenn, dann wahrscheinlich weil ich die Serien mit Ausnahme von ein bisschen ST: TNG nicht gesehen habe. Da bin ich mit den Figurennamen teilweise ein wenig durcheinander gekommen. Aber auch hier hat die Autorin das gut gemacht und es fast immer geschafft, dass man möglichst einen guten Überblick behalten hat.

    Den Anfang (Teil 1-3) fand ich sehr gut, ebenso Teil 5. Teil 4 war auch gut, aber da gab es ein paar anstrengendere Abschnitte, die mich zum Schwächeln brachten. Das ist aber rein subjektiv und mag wahrscheinlich nichts mit der Schreibweise oder der thematischen Aufteilung an sich zu tun haben. Teil 5 fand ich definitiv am interessantesten.


    Ich hatte vor dem Lesen ein vages Bild der ST-Serien und meinte zu wissen, dass Science-Fiction und vergleichbare Genres in Sachen Diversität, Feminismus und Sexualität immer ein bisschen progressiver waren als andere Serien und Filme. Dieses Bild wurde durch die Lektüre dieses Sachbuchs ein wenig korrigiert. Oberflächlich betrachtet mag das so sein, besonders im Kontext der damaligen Zeit, aber wenn man etwas tiefer geht offenbart sich tatsächlich, dass dem nicht so ist - und mir ist Manches sogar viel saurer aufgestoßen als offen sexistische Szenarien in anderen Filmen & Serien dieser Zeit. Das war ein wenig ernüchternd, auch wenn die Autorin, ich würde sagen zu 99% der Zeit (reiner Schätzwert!), objektiv und neutral und lediglich berichtend geblieben ist. Also sie hat nicht verkündet, dass die Serien nun schlecht sind da sie homophobe Elemente enthalten. Das meine ich damit. Es wird aber auch nicht gesagt 'Und trotzdem war die Serie XYZ für ihre Zeit fortschrittlich.'

    Die Sachlichkeit finde ich gut, auch wenn diverse Erkenntnisse wie gesagt ernüchternd oder traurig sein könnten.


    Der Schreibstil war angemessen, wenn auch an wenigen Stellen ein klitzekleines bisschen zu salopp. Normalerweise finde ich das sehr sympathisch, aber hier war es meist irgendwie seltsam. Das ist aber auch etwas sehr persönliches und subjektives.

    Die Aufteilung war gut so, intuitiv und nachvollziehbar. Möglicherweise wäre es praktischer gewesen, die Abbildungen irgendwie in den Textfluss zu setzen, aber vielleicht war das nicht machbar. Es war aber ein wenig mühsam, immer wieder nach ganz hinten zu blättern und das entsprechende Bild zu finden (ordentlich nummeriert und aufgelistet, aber trotzdem) um eine klarere Vorstellung von dem Erzählten zu bekommen. Großen Abzug gibt es dafür aber nicht.

    Gewünscht hätte ich mir vielleicht noch eine genaue Einordnung in den zeitlichen Kontext, also was das in dem Text erarbeitete für die damalige Zeit vielleicht bedeutet hat, ob es nun als besser oder schlechter gesehen werden könnte...


    Insgesamt also eine Empfehlung für dieses Sachbuch, insbesondere für Fans von Star Trek oder Science Fiction, für Feminist*innen, queere Menschen und Gender Studies Interessierte.


    Ein wenig hatte ich überlegt 4,5 Ratten zu geben, aber ich gebe nun doch:


    5ratten

  • Beitrag von Kritty ()

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