Jon McGregor - Speicher 13

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Inhalt

    In einem kleinen Ort in Mittelengland verschwindet ein Mädchen, das dort mit ihren Eltern die Weihnachtsferien verbracht hat. Trotz einer intensiven Suche bleibt sie verschwunden. Die Menschen im Ort sind tief betroffen, aber irgendwann muss das Leben für sie weitergehen. Trotzdem scheint es, als ob das Mädchen das Dorf nie wirklich verlassen hat.


    Meine Meinung

    Aus einem Familienurlaub wird eine Katastrophe und das Leben steht still. Für Rebeccas Mutter geht es nie weiter. Sie kann den Ort, in dem sie das letzte Mal mit ihrer Tochter glücklich war, nicht verlassen. War die Familie wirklich glücklich? Bei ihrem letzten Ausflug schien es einen Streit gegeben zu haben. Man erfährt wenig über die Familie, denn auch wenn das verschwundene Mädchen der Punkt ist, um den sich die Geschichte dreht, spielt sie keine Rolle. Manchmal werden der Vater und die Mutter erwähnt, aber nur beiläufig. Genau so, wie der Autor die Jahreszeiten beschreibt.


    Auf den ersten Blick passiert nicht viel im Buch. Nach Rebeccas Verschwinden ist der Höhepunkt vorbei. Das Leben im Ort geht weiter. Kinder werden geboren, Paare verlieben und trennen sich wieder und die Teenager, mit denen die Verschwundene gespielt hat, werden flügge. Rebecca bleibt im Dorf. Sie bleibt in den Köpfen der Bewohner, die sich nicht von dem Ereignis lösen können. Manche glauben sogar, dass sie sie gesehen haben.


    Ich habe lange gebraucht, bis ich mich an den Gedanken gewöhnt habe, dass es in Speicher 13 eben nicht wie erwartet um Rebecca geht. Trotzdem war ich nicht enttäuscht. Die Geschichten der Menschen im Dorf, die der Autor auf eine fast schon besonnene Art erzählt hat, sind viel interessanter als es das Verschwinden des Mädchens war. Auch wenn scheinbar wenig passiert, hat mich Speicher 13 von der ersten Seite nicht losgelassen und wirkt immer noch nach.

    5ratten


    Liebe Grüße

    Kirsten

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.

  • Ich habe dieses Buch letztes Jahr gelesen und war davon ebenso angetan wie du.


    Besonders gefallen hat mir die ungewöhnliche Erzählweise - nur Erzählung ganz ohne Dialoge. So etwas ist mit vorher noch nie begegnet. Und obwohl der Autor oft nur ein, zwei Sätze über eine Person verliert und manchmal Geschehnisse nur anreißt, wurde mir nie langweilig. Im Gegenteil hat mich das Buch immer mehr in seinen Bann gezogen.


    Mir gefiel auch das Buchcover, es passt für mich sehr gut zum ganzen Buch. Eine etwas schemenhafte Landschaft, nichts ragt heraus oder steht im Vordergrund. Finde ich sehr schön.

  • „Speicher 13“ beginnt wie ein Thriller, ein Mädchen ist im Moor verschwunden oder wurde entführt oder ist in einem der Speicherseen ertrunken. Man weiß es nicht, aber jedenfalls wird es gesucht. Aber schon nach einem Kapitel ist das erste Jahr ergebnislos vergangen.


    Wer das Buch als Thriller beginnt, wird enttäuscht sein. Es gibt keine Verdächtigen, keine Mördersuche und das verschwundene Mädchen ist in gewisser Weise nur ein Ankerpunkt für die Erzählung. Stattdessen erleben wir das ganz normale Voranschreiten der Zeit voller Alltäglichkeiten.


    Ich kann mir vorstellen, dass das Buch davon profitieren würde, wenn man es bewusst eingeteilt liest. Jedes Kapitel erzählt von einem Jahr und es wäre bestimmt schön, wenn man es dann auch so abschnittsweise liest, also beispielsweise jeden Tag ein Kapitel. Dann kommt man vermutlich noch besser in den auch bei „normalem“ Tempo schon spürbaren Rhythmus der Geschichte.


    "Speicher 13" ist ein Dokument des ganz normalen Wandels, wie er überall die ganze Zeit passiert, nur dass in diesem Buch das sonst unbemerkte beschrieben wird. Mir hat es gefallen.


    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

    Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen. (Friedrich Nietzsche)