Courtney Summers - Sadie

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 1 Antwort in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von HoldenCaulfield.

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    355 Seiten

    Beltz & Gelberg Verlag

    ET: 13.2.2019

    OT: Sadie


    Die packende Geschichte und der ungewöhnliche Erzählstil haben mich in ihren Bann gezogen und bis zum Ende nicht mehr losgelassen.


    Es beginnt mit dem Podcast, der nach und nach schildert, wie der Reporter West McCray von Sadies Geschichte und ihrem spurlosen Verschwinden erfährt. Er folgt Sadies Spuren und trifft unterwegs Menschen, die ihr begegnet sind. Diese Gespräche werden im Interview-Stil geschildert, so wie sie später als Podcast gesendet werden.


    Parallel dazu springt die Handlung immer wieder direkt zu Sadie und man erfährt aus ihrer Sicht, wie sie sich auf die Suche nach Keith, dem Mörder ihrer 13jährigen Schwester Mattie macht. Mattie war Sadies Lebensinhalt und sie lässt keine Zweifel offen, dass sie Keith töten wird, wenn sie ihn gefunden hat.


    Und so steuern die beiden Handlungsebenen im zeitlichen Abstand von fünf Monaten auf das gleiche Ziel zu – jemanden zu finden, der spurlos verschwunden ist.


    Die Geschichte, die sich nach und nach vor dem Leser ausbreitet, erzählt u.a. von Sadies schwieriger Kindheit. Sadie wirkt auf den ersten Blick recht rau und ruppig, doch die Liebe zu ihrer Schwester und ihr Stottern lassen sie weicher wirken, als sie selbst zugeben würde.


    Immer wieder gibt es Andeutungen, die auf bedrückende und schlimme Geschehen in der Vergangenheit und der Gegenwart hinweisen und die Autorin schafft es spielend, dass diese Andeutungen reichen um in mir die gleiche Wut zu schüren, die auch in Sadie schwelt.


    Obwohl mich das Ende überrascht hat und ich zuerst nicht wusste, wie ich damit umgehen soll, finde ich es sehr passend, denn es gibt einfach Themen, zu denen ein weichgespültes Ende nicht passt.


    Diese spannende und mitreißende Geschichte hat mich berührt und gefesselt und ich werde sie so schnell nicht vergessen.


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Valentine

    Hat den Titel des Themas von „Courtney Summers - Sadie: Stirbt sie, wird niemand die Wahrheit erfahren (14-17)“ zu „Courtney Summers - Sadie“ geändert.
  • Meine Meinung:

    Oft ärgere ich mich über Autor*innen die sich nicht trauen ein eher ungewöhnliches Ende zu schreiben, das dann oft genug auch nicht zum restlichen Ton des Romans passt.

    Ich freue mich verkünden zu können: Hier ist das nicht so!! :breitgrins:


    True Crime Formate boomen, da liegt es durchaus nahe das ein Roman rund um einen Mordfall sich dieses Formats bedient um die Geschichte voran zu treiben. Ich finde das ist wirklich mal eine interessante Herangehensweise. Einerseits beleuchtet der Podcast andere Seiten von Sadie und Matties Leben, als das durch Sadies Blickwinkel möglich ist, andererseits ist es finde ich auch spannend zu sehen, was die verschiedenen Menschen einem Reporter erzählen und was sie lieber weglassen. An was sie sich erinnern, was sie verdrängen. Hier würde mich eine Hörbuchumsetzung total interessieren. Es wäre spannend eine Umsetzung mit diesem Podcastcharakter zu haben (soweit ich weiß, haben sie das im Original so gemacht).


    Sadies Geschichte ist mehr als ihre eigene, es ist auch die Geschichte der Beziehung zu ihrer kleinen Schwester Mattie. Der Roman erscheint ein bisschen, wie aus einem Handbuch für traurige Geschichten über Teenager. Aber bei genauere Betrachtung ist vieles was der Roman erzählt traurige Wirklichkeit.

    Die Stärke ist auch das Sadie so eine tolle Figur ist, sie lässt sich nicht beirren. Das Einzige was sie für ihre Schwester noch tun kann - in ihren Augen - ist ihren Mörder zu finden und zu töten. Ihre Beziehung zu ihrer kleinen Schwester ist eigentlich keine, die ich von außen als normale Geschwisterbeziehung sehen würde. Vielleicht ist Sadies Reaktion deshalb auch so intensiv, sie war immer mehr Mutterersatz als eine Schwester.

    Nein, auf Kuschelkurs ist hier höchstens West, der Reporter hat eben eine ganz andere Beziehung zu den Ereignissen. Gleichzeitig zeigt sich - wie ich das auch bei vielen Formaten tatsächlich erlebe beim Hören - das durch die Recherche und das immer bessere kennen lernen von Sadie, er auch emotionaler stärker involviert ist.


    Insgesamt wollte ich am Ende nicht das es vorbei ist. Ich war mitten drin und obwohl alles wirklich traurig ist, wollte ich noch mehr wissen. Die Geheimnisse einfach noch tiefer ergründen. Da hat Sadie wirklich wie ein typischer True Crime Podcast funktioniert. Mich hat der Roman ebenfalls berührt, weil die Handlung ein wichtiges Thema so gut umgesetzt hat. Ich finde es für Teenager grade zu herausfordernd gut geschrieben. Sadie ist eine tolle, starke Figur, das Ende ist nicht 0815.

    Unbedingt mehr davon!


    Von mir gibt es 4ratten