A.J. Finn - The woman in the window

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 2 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kirsten.

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    Inhalt

    Anna Fox war eine erfolgreiche Psychotherapeutin. Aber nach einem dramatischen Erlebnis ist sie an ihr Haus gefesselt. Jedes Mal, wenn sie es verlassen will, erleidet sie eine Panikattacke. Ihre Familie hat sie schon lange verlassen. So verbringt sie ihre Tage damit, online Menschen zu beraten, zu chatten, viel zu viel zu trinken, alte Filme zu sehen und ihre Nachbarn zu beobachten. Dann zieht im Haus gegenüber eine neue Familie ein. Sie schließt eine vorsichtige Freundschaft mit dem Sohn und der Ehefrau. Diese Bekanntschaft verändert ihr Leben.


    Meine Meinung

    A.J. Finn hat einen Kriminalfall um die Filme herum konstruiert, die sich Anna ständig ansieht. Es sind die alten Filme von Alfred Hitchcock, in denen die Dinge nie so sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Anna sieht die Dinge oft nur durch die Linse ihrer Kamera und sieht so nur einen kleinen Ausschnitt. Was ausserhalb ihres Sichtfelds passiert, erkennt sie nicht.


    The woman in the window ist eine seltsame Mischung von Dingen, die mir gut und die mir weniger gut gefallen haben. Anna hat es mir schwer gemacht, sie zu mögen. Ich hatte nicht das Gefühl dass sie aktiv versuchte, ihren Zustand zu ändern, sondern dass es ihr eher gefiel, sich in ihrem Haus zu vergraben. Bei ihren Beobachtungen reagierte sie manchmal richtiggehend hysterisch. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass hinter ihrer Situation mehr war, als sie zugeben konnte.


    Der Fall selbst war schön aufgebaut. Wer die alten Filme kennt, wird schnell sehen in welche Richtung er sich entwickeln wird. Für mich hat die Kombination zwar nicht komplett zusammen gepasst, aber trotzdem hat mich das Buch gut unterhalten.

    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:


    Liebe Grüße

    Kirsten

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.

  • Start zäh, Mitte langatmig, Ende gelungen!


    Anna Fox lebt alleine in einem mehrstöckigen Haus in New York. Anna, die bis vor einem Jahr als Kinderpsychologin und Therapeutin gearbeitet hat, leidet unter Agoraphobie und hat seit elf Monaten ihr Haus nicht verlassen. Ablenkung findet sie als Beraterin in einer Selbsthilfegruppe im Internet und bei der Beobachtung ihrer Nachbarn. Da Anna eines von fünf nahe stehenden Stadthäusern bewohnt, nimmt sie so am Leben ausserhalb ihrer eigenen vier Wände teil. Als sie sich mit einer neuen Nachbarin anfreundet, ist sie glücklich, eine Freundin gefunden zu haben. Eines Tages beobachtet sie einen Ueberfall auf diese Nachbarin und Anna ist gelähmt vor Schreck. Doch niemand will ihr glauben....hat sich Anna den Ueberfall nur eingebildet?



    Der Plot dieser Geschichte ist äusserst interessant, und dieses Buch stand vor allem deswegen lange auf meiner Wunschliste. So habe ich sehr gespannt mit dem Lesen begonnen. Und konnte kaum glauben, wie man als Autor einen Einstieg in einen Thriller so langatmig gestalten kann. Die ersten 200 Seiten geschieht praktisch nichts. Wenn man von Annas alkoholbenebeltem und pillengeschwängerten Gebabbel absieht. Immer wieder geht es um Anna und ihre Befindlichkeiten, Ängste, Nöte und was sie sonst noch an Problemen mit sich schleppt. Die Handlung tritt meist auf der Stelle, alles kreist um Annas Gedanken. Sehr ausgeprägt sind die Beschreibungen zu ihrem Trinkverhalten. Anna trinkt sich durch das Buch oder sie nimmt Pillen, mit Vorliebe beides zusammen. Bei Problemen hilft " ein Schluck Merlot aus dem Whiskyglas " … wie oft ich diesen Satz in diesem Buch wohl gelesen habe? Dass, sie in diesem Rausch in Selbstmitleid abdriftet, verwundert mich persönlich nicht.

    Dazu kommt, dass das Inventar der Häuser und das Aussehen der Nachbarn detailliert beschrieben ist. Leider wurde auch verpasst, oder bewusst darauf verzichtet, die Perspektive zu wechseln. So ist man als Leser wortwörtlich das ganze Buch über Anna ausgeliefert. Wenigstens hält die erste Hälfte der Geschichte noch die Frage, was denn mit Annas Familie ist und warum sie alleine lebt, die Story am Laufen. Denn ansonsten hätte ich wohl das Buch abgebrochen. Zum Glück geschieht irgendwann gegen Mitte der Ueberfall auf Annas Nachbarin. Ab da wird es spannender und konnte mich auch mehr fesseln. Nun kommt auch die Polizei ins Spiel und dadurch wird die Handlung vielfältiger.

    Wenn ich all die Pressestimmen so lese ( " Eine gelungene Hommage an Hitchcock "…." Nie wurden der Leser raffinierter in die Irre geführt ") bin ich geneigt zu denken, dass ich ein anderes Buch gelesen habe als all diese " Pressestimmen ".

    Positiv empfand ich, dass die Agoraphobie gut recherchiert und dar gestellt ist. Ich habe Anna ihre Beeinträchtigung abgenommen.

    Ich denke mit einer weniger weinerlichen und trinkenden Protagonistin und Perspektivwechseln hätte aus dem Plot was werden können.


    2ratten

  • Ich denke mit einer weniger weinerlichen und trinkenden Protagonistin und Perspektivwechseln hätte aus dem Plot was werden können.

    Beim "weinerlich" bin ich bei dir, die Perspektivwechsel haben mir dagegen gefallen.

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.