Jo Berlien - Der Bodenlose

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Der Bodenlose (Jo Berlien)



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    Über das Buch:

    Das Buch wurde November 2017 herausgegeben und ist, soweit ich das sehen kann, lediglich als E-Book erhältlich. Der Autor Jo Berlien ist als Journalist und Redenschreiber tätig, und arbeitet manchmal auch als Ghostwriter.

    Die Erzählung ist eine Kurzgeschichte und zählt 31 Seite.


    Inhalt und Stil:

    Das erzählende Ich ist Journalist und möchte über eine große Sache berichten: Über den Mörder 'Bondincus', den Bodenlosen. Regelmäßig besucht er diesen im Gefängnis und lässt sich seine Geschichte von ihm erzählen. Der 61-jährige Bondincus erzählt, wie er nach aufregenden Jahrend genussreichen Lebens voller Krieg und Abenteuer in sein Heimatdorf zurückkehrt und auf Skepsis stößt. Er gilt als Außenseiter und er kann sich mit der Ruhe und den Regel des Dorfes nicht anfreunden und es gefällt ihm immer weniger dort.


    Bondincus erzählt trocken, zynisch und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, wie es zu dem Mord kam, für den er lebenslänglich verurteilt wurde. Das erzählende Ich, der Journalist, steigt dabei manchmal ein in das Gespräch, sinniert hin und wieder selbst über philosophische Fragen, und sieht sich damit konfrontiert, dass er Bondincus zwar als unangenehm, nicht aber als Monster empfindet.


    Der Erzählstil liest sich ein wenig wie ein Stream of Consciousness. Perspektivwechsel sind nicht als solche markiert, wörtliche Rede ist nicht gekennzeichnet. Die Sprache ist nicht beschönigend, es fallen also einige "unflätige Worte" - besonders zu Beginn kann das manche Menschen gleich zum Einstieg ein wenig vor den Kopf stoßen, denke ich.


    Meine Meinung:

    Mir ist das E-Book bei den kostenlosen Prime-Angeboten vorgeschlagen worden und es hörte sich interessant an, also habe ich es mir heruntergeladen. Ich wusste grob, was mich erwartet - zumindest inhaltlich. Der Anfang war ein wenig holprig, da ich diese Art von Schreibstil überhaupt nicht gewöhnt bin. Sowohl an die Wortwahl als auch an das Stream-of-Counsciousness-artige habe ich mich aber im Laufe der Kurzgeschichte gewöhnt. Trotzdem lese ich lieber Geschichte, die anders geschrieben sind. Insbesondere die nicht markierten Perspektivwechsel haben mich manchmal verwirrt, auch wenn man das als erfrischend werten könnte. Meist hat es allerdings gestört. Auch, da nicht nur Perspektivwechsel stattgefunden haben, sondern Wechsel in der Zeitebene - und das habe ich dann erst nach ein paar verwirrenden Wörtern gemerkt.


    Gut fand ich die Art und Weise, wie sich das Geschehene entfaltet, wie später einzelne wenige Fakten auf Früheres Bezug nehmen. Auch die Figurenzeichnung fand ich recht gelungen - allerdings eher bei dem Mörder. Über den Journalisten erfährt man nahezu garnichts.

    Auch die Beziehung zwischen Häftling und Journalist wurde interessant dargestellt.


    Insgesamt bereue ich zwar nicht, dass ich die Kurzgeschichte gelesen habe (und sie war nicht so schlecht dass ich sie abbrechen wollte!) aber ich bin froh, dass ich kein Geld gezahlt habe.

    Ich denke, der Autor ist sicherlich talentiert - aber so 100%ig mein's war es nicht :)


    2,5 Ratten vergebe ich.


    2ratten+:marypipeshalbeprivatmaus: