Jasper Fforde - Eiswelt

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Es gibt 6 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Enid.

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    (Ich bin mir grad nicht sicher, ob das Buch hier in diese Kategorie reinpasst. Scifi ist es jedenfalls nicht, aber grob in die Phantastik würde ich es schon packen)



    Irgendwie suggerierte der Klappentext, dass es sich um einen spannenden Scifi-Roman handeln würde. Aber dann entpuppte sich Eiswelt als etwas völlig anderes. Gäbe es Drachen und Zauberer, wäre es komische Fantasy, aber so ist es eigentlich eher komische alternate History. Aufgrund dessen dauerte es bei mir eine Weile, bis das Buch und ich klickten. Man muss sich definitiv auf die Geschichte einlassen. Sie ist skurril, sie ist schräg. Die Hauptfigur, Charlie Worthing wurde (das hatte ich vorhin gegoogelt) von Fforde absichtlich geschlechts-neutral geschrieben. Das Geschlecht wird nie genannt. Der Klappentext im Deutschen vermittelt zwar das Bild eines jungen Mannes, aber wenn man das Buch genau liest, dann wird dieses Bild nirgendwo so richtig bestätigt noch widerlegt. Ich liebe ja solche spannenden Schreibexperimente.


    Auf GoodReads verglich Alvar Borgan Charlie mit Rincewind aus den Scheibenweltromanen. Dem würde ich insofern zustimmen, dass beide vom Verhalten her sehr ähnlich sind. Allerdings gab es einen großen Unterschied für mich: Während mir Rincewind von Anfang an am Herzen lag, konnte ich zu Charlie nicht wirklich eine Verbindung aufbauen. Charlie war mir eigentlich die meiste Zeit sehr egal, was schade ist. Dazu kommt, dass Charlie mit einem deformierten Schädel geboren worden ist, was lange Zeit und auch im Roman durch den Spitznamen ‚Matschbirne‘ ausgedrückt wurde, was mich zugegebenermaßen ein bisschen störte.


    Der Schreibstil des Buches, wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, ist gespickt mit trockenem Humor, bitterbösem Sarkasmus und viel Ironie. Dadurch liest sich die Geschichte relativ flott und entlockte mir schon sehr oft ein breites Grinsen. Fforde hat die Welt seines Romans mit sehr viel Liebe aufgebaut. Das merkt man. Die Eiswelt ist spannend, die Figuren sind eigentlich durch die Bank weg alle ziemlich schräg drauf und dadurch auch irgendwie richtig cool. Viele Gefühle erwarten den Leser hier nicht, man bleibt die meiste Zeit sehr auf Distanz zum Geschehen. Aber der Roman hat Spaß gemacht, auch wenn ich eigentlich was völlig anderes erwartet hatte.


    Fazit:

    Eiswelt ist nicht das, was es zu sein scheint und versucht an manchen Stellen zu sehr an Klassiker wie die Scheibenwelt oder Per Anhalter durch die Galaxis heranzureichen. Das gelingt dem Roman leider nicht. Trotzdem ist es ein ein unterhaltsames Buch mit viel trockenem Humor, der Spaß macht.


    4ratten

    ~~ noli timere messorem ~~

  • Scifi ist es jedenfalls nicht, aber grob in die Phantastik würde ich es schon packen)

    Passt schon, da treiben sich auch die anderen Ffordes rum.


    Danke für Deine Eindrücke. War das Dein erster Fforde?


    Ich mag ihn ja, weil er so ein herrliches Ideenfeuerwerk in seinem Hirn hat. Allerdings finde ich es schade, dass er bisher keine Serie abgeschlossen hat :traurig:

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • ja, war mein erster. Ich habe schon von anderen gehört, dass die weiteren Werke von ihm wesentlich besser sind als Eiswelt. Da werde ich mich einfach mal überraschen lassen :)

    ~~ noli timere messorem ~~

  • Valentine

    Hat den Titel des Themas von „Japser Fforde - Eiswelt“ zu „Jasper Fforde - Eiswelt“ geändert.
  • Inhalt:

    Die Eiswelt ist unserer zum Verwechseln ähnlich - nur daß hier die Eiszeit niemals aufgehört hat. Deshalb hat die Menschheit die Fähigkeit entwickelt, Winterschlaf zu halten, um jedes Jahr die schlimmsten drei Monate zu überstehen. Temperaturen von minus vierzig, minus fünfzig Grad, schneidender Wind und Tiere die in der Dunkelheit Jagd machen auf alles was sich bewegt - das sind nur einige der Gefahren, die im Winter draußen lauern. Um zu überleben, ziehen sich die Menschen in große Dormitorien genannten Schlaftürme zurück. Einzig die Winterkonsuln bleiben wach und beschützen die Schlafenden. Charlie Worthing ist einer dieser Winterkonsuln. Er hat das dieses harte Los zwar gewählt, aber auf das, was er gleich in seinem ersten Winter erlebt, hat ihn niemand und nichts vorbereitet. Denn seltsame Träume gehen um, Träume, die schlafende Menschen in seelenlose Untote verwandlen. Und es ist bei allen derselbe Traum. Zunächst hält Charlie das für eine der typischen Wintergeschichten - bis er selbst anfängt zu träumen. Doch Charlie ist aus härterem Holz geschnitzt, als er ahnt.

    Soweit der Klappentext.


    ***


    Vorab, ich gebe dem Buch ebenfalls 4 Ratten, aber bezugnehmend auf Nightingales Rezi, an die "Scheibenwelt" sprich Rincewind oder "Per Anhalter...." hat es mich überhaupt nicht erinnert. Ich fand es, wie bisher alles von Fforde, ungewöhnlich und herausragend aus der Masse der Publikationen, aber im Gegensatz zu allen anderen Büchern von ihm die ich bisher gelesen habe, anfangs etwas schwerer zugänglich.

    Es ist düsterer und bitterer, der Humor durchaus vorhanden, aber das Lachen bleibt einem ob der teilweise sehr unmenschlichen Gegebenheiten schon auch mal im Hals stecken. Stimmungsmäßig weist allenfalls "Grau" mit seinem Dystopie-Szenario ansatzweise den Anfang eines Wegs in diese Richtung. "Eiswelt" bietet aber wie gewohnt Skurilität, überbordende Phantasie und unglaublichen Einfallsreichtum.

    Die erste Hälfte des Buches nimmt sich ausführlich Zeit dem Leser das eiszeitliche Großbritiannien und seine Strukturen zu erklären und diese Zeit braucht man definitiv um einzutauchen in diese harte, von langen, lebensfeindlichen Wintern, eigentümlichen Ritualen und von düsteren Mythen geprägte Welt zu entdecken und zu verstehen, in der Menschen eine Art Winterfell wächst, sie sich im Herbst Winterspeck anfuttern (müssen) und die Pharmaindustrie sich Medikamente einfallen läßt wie man den Winter und den langen Schlaf sicherer überlebt.

    Vieles in dem Buch kann man auf Fforde-typische, verwinkelte Art durchaus als Gesellschafts, Wissenschafts- und/oder Zeitgeistkritik ansehen, man bekommt diese Gedanken aber nicht aufgezwungen sondern so skuril verpackt, das jeder für sich selbst damit anfangen kann was er möchte, oft streift einen solch ein Gedanke auch nur beiläufig und so verquer das ich öfter mal darüber nachdachte wie und ob der Autor das nun so gemeint haben könnte.

    Mir gefiel neben der Ansammlung von kuriosen Charakteren, unter anderem das Spiel mit den Realitäten und Träumen.


    Vermutlich hätte man noch mehr Lesegenuß wenn man Wales genauer kennen würde, ich hab den Eindruck da waren viele versteckte Hinweise und Anspielungen auf Landstriche und Gegebenheiten, evtl. auch Sagen (den Phantastisches gibt es durchaus auch) aus der Gegend.


    Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen, mußte mich aber an diesen neuen Stil erstmal gewöhnen, im Nachhinein ist mir aber aufgefallen wie gut durchdacht die Geschichte ist. Jedenfalls war es mal wieder etwas völlig Anderes und Überraschendes und das ist ja für sich schon mal ein sehr positiver Umstand.


    Für Fforde-Kenner eigentlich schon fast ein Muss, für Neueinsteiger vielleicht nicht das Buch das ich als erstes empfehlen würde. Wie Valentine es so schön gesagt hat, ich mag auch dieses Ideenfeuerwerk in Ffordes Kopf und nach einer gewissen Eingewöhnungsphase war ich wieder fasziniert davon, was ihm auch diesmal alles eingefallen ist.



    4ratten



    Valentine

    Ja, vor allem wünschte ich mir so sehr eine Fortsetzung von "Grau" , das war so eine tolle Idee


    @The Nightingale

    Hoffentlich läßt Du Dich von der durchwachsenen Leseerfahrung mit diesem Band nicht davon abhalten doch noch z.B. die Thursday-Reihe vom Autor zu versuchen

    “There is a crack in everything, that’s how the light gets in.” (Leonard Cohen)

    5 Mal editiert, zuletzt von Firiath ()

  • Ja, vor allem wünschte ich mir so gern eine Fortsetzung von "Grau" , das war so eine tolle Idee

    Geht mir genauso - das wäre die Fortsetzung, die ich mir am sehnlichsten wünschen würde.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • @The Nightingale

    Hoffentlich läßt Du Dich von der durchwachsenen Leseerfahrung mit diesem Band nicht davon abhalten doch noch z.B. die Thursday-Reihe vom Autor zu versuchen

    absolut nicht. Es tut mir leid, wenn meine Rezi einen anderen Eindruck vermittelt, aber Fforde steht definitiv weiterhin auf meiner Leseliste. :) Ich fand das Buch ja nicht schlecht. :)

    ~~ noli timere messorem ~~

  • Erst war ich skeptisch, ob das Buch etwas für mich ist. Ich mag den Winter nicht, ich mag es nicht, wenn es dauernd dunkel ist und Schnee mag ich auch nicht. Somit kommt die von Fforde beschriebene Welt mit einem Monate andauernden heftigen Winter mit Eis und Schnee für mich einer ziemlichen Horrorvorstellung gleich. Andererseits bekommen die meisten Menschen davon ja kaum etwas mit, da sie Winterschlaf halten...


    Und auch wenn diese Alternativwelt mir nicht gefallen würde und düster und hart ist, so steckt sie gleichzeitig doch voller skurriler Ideen. Die Umgebung ist spektakulär und die Charaktere durchgehend ausgefallen und absonderlich.

    Ich mochte die vielen Einfälle und dennoch hat es gedauert, bis ich mit dem Buch warm wurde (pun intended). Am Anfang wusste ich nicht genau, worauf die Geschichte hinauslaufen würde. Charlie kam mir wie ein Mitläufer vor, ihm sind die Dinge zunächst einfach passiert und er hat mitgemacht und versucht, irgendwie mit der neuen Situation klar zu kommen. Erst allmählich hatte ich den Eindruck, dass da doch mehr dahinter steckte und Charlie durchaus Einfluss auf die Ereignisse nehmen wollte und konnte.


    Insgesamt ist "Eiswelt" nicht mein Lieblingsbuch von Fforde, aber ich mochte es letztendlich doch, vor allem wegen der vielen außergewöhnlichen Ideen, die in der Geschichte stecken.


    4ratten