Cathy Kelly - The House on Willow Street

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    Danae Rahill betreibt seit langen Jahren das Postamt in dem idyllischen Örtchen Avalon. Man schätzt sie wegen ihrer Diskretion und Freundlichkeit, doch wirklich nahegekommen ist ihr nie jemand. Nicht einmal ihre Nichte Mara weiß, welche Geheimnisse ihre Tante mit sich herumträgt, doch als sie wegen einer anderen sitzengelassen wird und ihren Job verliert, flüchtet sie zu Danae und macht es sich zur Aufgabe, etwas mehr Geselligkeit und Frohsinn in Danaes einsame Existenz zu bringen.


    Nicht weit entfernt betreibt Tess, Anfang 40 und Mutter zweier Kinder, einen entzückenden, aber nicht allzu lukrativen Antiquitätenladen und muss traurig feststellen, dass ihr Leben in einer Sackgasse gelandet ist, und fragt sich immer öfter, was wohl geschehen wäre, wenn es fast zwanzig Jahre zuvor nicht den fatalen Streit mit Cashel O'Reilly gegeben hätte. Damals, als das herrschaftliche Haus an der Willow Street noch ihrer Familie gehörte und Cashels Mutter bei den Powers putzte. Inzwischen haben sich die Verhältnisse umgekehrt, Cashel ist ein höchst erfolgreicher Geschäftsmann, der pausenlos um die Welt jettet, während Tess schweren Herzens den verfallenen alten Kasten verkaufen muss und sowohl ihr Laden als auch ihre Ehe ums Überleben kämpfen.


    Tess' Schwester Suki schien den großen Wurf gemacht zu haben, als sie einen amerikanischen Politikersohn heiratete, Spross einer Familie, die beinahe so legendär ist wie die Kennedys. Doch an diese Ehe erinnert jetzt nur noch die Anfrage eines Skandaljournalisten, der ein Enthüllungsbuch über jene Richardsons schreiben will und sich von Suki brisante Details erhofft, die sie jedoch nicht zu geben bereit ist.


    "The House on Willow Street" scheint nicht auf deutsch erschienen zu sein, schlägt aber wohl in eine ähnliche Kerbe wie die anderen Romane der Autorin, wobei dieser hier mein erster war und ich von den anderen nur Klappentexte kenne. Ich habe so ziemlich genau das bekommen, was ich erwartet hatte - nette, leichte Lektüre ohne allzu großen Tiefgang, angesiedelt in einem süßen Küstenstädtchen mit hübschen kleinen Lädchen und meist sympathischen Bewohnern, das unter den Auswirkungen der Finanzkrise von 2008/2009 zu leiden hat.


    Die Hauptfiguren sind vier ganz unterschiedliche Frauen, in deren Lebenswirklichkeiten sich die Autorin gut hineindenken kann. Jede hat mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen, auch mit "Geistern" aus der Vergangenheit, was im Großen und Ganzen auch glaubwürdig dargestellt ist, natürlich mit einer gewissen Prise Dramatik.


    Überoriginell sind die Charaktere nicht unbedingt, insbesondere der liebenswert-chaotische Wirbelwind Mara mit ihrem Drang, das Leben anderer Leute umzukrempeln, war zwar irgendwie niedlich, aber auch ein wenig nervig (im wirklichen Leben hätte ich einige ihrer Aktionen ganz schön übergriffig gefunden, bei einer fiktiven Figur drücke ich aber doch ein Auge zu). Die eine oder andere Figur fand ich auch nicht gänzlich stimmig in ihren Worten und Taten. Und einige Entwicklungen in der Handlung habe ich meilenweit im voraus kommen sehen - was aber letztendlich in diesem Genre auch nicht gar so schlimm ist, gefreut habe ich mich über das eine oder andere ja zugegebenermaßen doch.


    Alles in allem angenehme Zwischendurchlektüre.


    3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)