Jenny-Mai Nuyen - Die Töchter von Ilian

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Das neue Buch von der Autorin Jenny- Mai Nuyen trägt den Titel „Die Töchter von Ilian“ und ist wieder mal ein Fantasy- Roman aus ihrer Feder, auf den ich mich sehr gefreut habe. Ich war sehr auf ein weiteres Fantasy- Werk von Nuyen gespannt, dementsprechend hoch waren meine Erwartungen.

    Klappentext:

    Vier magische Artefakte bestimmen das Schicksal der Welt: Ein Becher, um die Vergangenheit zu bewahren. Eine Flöte, um mit Tieren zu sprechen. Ein Spiegel, um sich selbst zu erkennen. Eine Sternenscheibe, um die Zukunft zu sehen. Werden sie verschenkt, steigert sich die Macht der Artefakte, werden sie behalten, nimmt diese ab. Doch die magischen Artefakte sind verschollen. Die Weisen Frauen, die einst friedvoll mit ihnen regierten, sind in die Wälder geflohen, und Kriegsfürsten herrschen über Menschen, Zwerge und Elfen. Die Zeit ist gekommen, dass die Töchter aller Völker sich erheben, um die Macht zurückzugewinnen.

    Ihre früheren Fantasybücher wie z.B. Nijura oder Nocturna habe ich damals verschlungen. Als ich gelesen habe, dass Nuyen ein weiteres High- Fantasy- Werk veröffentlicht, habe ich mich darauf gefreut und konnte es kaum erwarten. Meine Erwartungen waren recht hoch. Und leider muss ich gestehen, dass diese nicht vollständig erfüllt wurden.

    Positiv möchte ich den poetischen und bildhaften Schreibstil von Nuyen hervorheben. Dieser ist wortgewaltig und hat mich in eine fantastische Welt katapultiert. Ich hatte das Gefühl, mit den Charakteren zusammen ein Abenteuer zu erleben und konnte mich in diesem Erzählstil richtig fallen lassen. „Die Töchter von Ilian“ hat viele spannende Passagen und recht unvorhersehbar. Einige Wendungen werden in die Geschichte eingebaut, die ich so nie erwartet hätte – oftmals wurde ich überrascht und die Geschichte entwickelte sich in eine ganz andere Richtung als ich vermutet hätte, wirkte dabei aber dennoch stimmig. Dies muss man Nuyen lassen, eine Geschichte spannend und vielschichtig aufbauen, kann sie. Die Grundidee konnte mich ebenfalls überzeugen. Die Geschichte rund um die vier Iliaden empfand ich fesselnd und überzeugend, welches ein solides Konzept abgegeben hat. Auch das Worldbuilding fand ich ansprechend. Eine vielseitige Welt mit einer eigenen Geschichte und unterschiedlichen Völkern und Traditionen wird erschaffen, sie besticht durch individuelle Ideen, die mit klassischen Ansätzen kombiniert werden. Die einzelnen Völker, welche diese Welt besiedeln, werden gut und umfangreich beleuchtet, sodass man einen guten Einblick in ihre Kultur erhält. Im Buch sind auch ein Personenregister und eine Landkarte beigefügt wurden. Besonders zu Beginn fand ich diese recht hilfreich und habe sie gerne zu Rate gezogen.

    Die Charaktere sind vielschichtig und haben ihre Ecken und Kanten. Die wichtigen Personen haben ihre eigene Geschichte, welche sie zu ihrem Handeln antreibt und dieses auch nachvollziehbar macht. Walgreta ist eine noch recht junge Zwergin, die bei den Weisen Frauen gelernt hat. Sie hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ist willensstark. Walgreta ist bereit, für ihre Meinung einzutreten und vertritt diese auch, auch wenn es manchmal sinnvoll gewesen wäre, diese nicht immer laut kundzutun. Fayanu ist ein Waldelf in Begleitung einer Gans. Von seinem Volk hat er eine schicksalsschwere Aufgabe übertragen bekommen, mit dessen er hadert. Er sucht seine Aufgabe in dieser Welt, will diese aber auch zu einer besseren machen. Rianon ist ein Fürst der Urier, er strebt nach Macht, ist aber im Vergleich zu anderen Männern seines Volkes noch recht human. Leider muss ich gestehen, dass ich trotz der Vielseitigkeit der Charaktere keine richtige Bindung zu diesen aufbauen konnte. Ich habe ihre Entwicklungen mit verfolgt und war auch gespannt, was sie noch alles erleben werden, welche Aufgaben sie meistern müssen – aber einen Zugang zu ihnen habe ich leider nicht gehabt. Mit Walgreta bin ich bis zum Ende des Buches leider nicht warm geworden- Fayanu ist mir da schon eher sympathisch geworden, wobei es auch bei ihm Passagen gab, da hätte ich ihn gerne voran gestoßen. Allgemein waren mir die Urier viel zu präsent. Dieses Volk ist recht rau und kämpferisch. Hier hätte ich mir ein paar Kürzungen gewünscht. Diverse kriegerische Auseinandersetzungen werden ausgefochten - nicht immer habe ich diese als spannend empfunden. Bei anderen Szenen hätte ich mir mehr Infos gewünscht – z.B. über das Volk der Elfen oder vielleicht auch über die Iliaden.

    Jenny- Mai Nuyen hat mit „Die Töchter von Ilian“ ein vielschichtiges, komplexes High- Fantasy- Werk mit einem überzeugendem Worldbuilding erschaffen. Doch leider habe ich keinen Zugang zu den Protagonisten gefunden. Die Grundidee konnte mich aber dennoch überzeugen. Daher möchte ich 4 Sterne vergeben. 4ratten

  • Valentine

    Hat den Titel des Themas von „Jenny- Mai Nuyen - Die Töchter von Ilian“ zu „Jenny-Mai Nuyen - Die Töchter von Ilian“ geändert.
  • Ich vergebe für "Die Töchter von Ilian" von Jenny Mai Nuyen 3ratten


    "Die Töchter von Ilian" ist ein Fantasy-Roman mit spannender Story. Ich vergebe 3 von 5 möglichen Sternen, da die Grundidee super ist und die Wortgewandtheit bzw. die filigrane Sprache der Autorin wahnsinnig angenehm zu lesen. Besonders Landschaftsbeschreibungen und Reisen durch die Länder sind der Autorin sehr gut gelungen und laden zum Träumen ein. Leider hat er ab und zu auch seine Schwächen, vor allem bei Kampf- und Schlachtszenen verliert die Sprache und auch die seltenen, aber vorhandenen Gewaltszenen mögen einfach nicht zum Stil der Autorin passen. Darin ist sie nicht sonderlich gut. Generell handeln die Charaktere oft ohne Ziel und Motivation, zumindest wird diese nicht beschrieben. Vieles bleibt unklar und leider ist auch das Ende nicht zufriedenstellend, sondern hinterlässt den Leser bzw. die Leserinnen mit mehr Fragen als Antworten einer abgeschlossenen Geschichte. Für mich haben besonders die Charaktere, Schlacht- und Gewaltszenen in diesem Buch ihre Nachteile, sodass das Lesevergnügen nicht über den gesamten Roman bestehen bleibt.

    "Ich muß dich mit Gewalt ernähren!" sagte Homunkoloss, "Du schläfst nicht mehr. Du wäscht dich nicht. Du stinkst wie ein Schwein." "Ist mir doch egal", sagte ich trotzig, "Hab keine Zeit, muß lesen" (c) Walter Moers, aus "Stadt der träumenden Bücher"

  • Es gab vier Iliaden, magische Artefakten, die die Welt in den richtigen Händen in Einklang brachten. Doch diese Artefakten gerieten in die falschen Hände und gingen teilweise irgendwann verloren. Der Elf Fayanú hat die Aufgabe, diese Iliaden zu finden und wieder zu vereinen. Die Zwergin Walgreta will ihm dabei helfen, ...


    Die Beschreibung klingt schlicht und verspricht eine spannende Abenteuerreise zu werden. Gespickt mit dem schönen klangvollen Schreibstil von Jenny-Mai Nuyen könnte das ein wunderbarer Roman werden, der einen in eine phantastische Welt führt, in der man mit Staunen versinken kann. Wenn Nuyen ihre Elfenwelt beschreibt oder die Zwergenhöhlen dann gelingt ihr das auch, doch leider ist fast die Hälfte des Buches mit Kampfhandlungen gefüllt. Der wundervolle Schreistil ist daran verschwendet und die ewigen Schlachten führen mE zu nicht viel und treiben die Handlung eher mäßig voran. Allgemein zieht sich alles streckenweise sehr in die Länge und könnte einige Kürzungen vertragen.


    Dennoch kreiiert die Autorin wundervolle Charaktere, die unkommentiert und akzeptiert ihr queeres Leben haben. Gerade diese Selbstverständlichkeit in diesem Roman machen ihn besonders. Hier wirkt nichts gekünselt oder aufgesetzt. Großartig!

    Auch bricht die Autorin mit dem klischeehaften Bild von Zwergen. Sie gelten hier als kleines Volk, sind aber schön, kunstvoll und anmutig - stehen den Elfen eigentlich in nichts nach.

    Die Autorin beweist in meinen Augen ein schönes Gespür für die Kreation von Charakteren, bricht mit klassischen Rollenbildern und erschafft so etwas vollkommen Eigenständiges. Das ist die große Stärke des Romans, auch wenn die Handlung teils eher schleppend ist.

  • Jenny-Mai Nuyen – Die Töchter von Illian


    Ein Becher, eine Flöte, ein Spiegel und eine Sternenscheibe. Die Vier magischen Artefakte bestimmen das Schicksal einer ganzen Welt. Werden sie verschenkt, steigert das ihre Macht. Werden sie behalten, schwächt die Macht ab. Doch die Artefakte sind verschollen. Die junge Zwergin Walgreta, die von den weisen Frauen abgelehnt wurde, und der Elf Fayanu wollen diese Artefakte nun wieder entdecken und begeben sich aus dem Grund gemeinsam auf die Suche.


    Das vorliegende Buch ist ein Einzelband aus der Feder von Jenny-Mai Nuyen. Ich kenne ihre Bücher nun schon seit vielen Jahren und habe jedes mit Genuss gelesen. Aus diesem Grund war mein Anspruch an diesen Roman – ihr erster bei Fischer-Tor – besonders hoch.

    Die ersten Seiten versprachen ein grandioses Leseerlebnis – voller Magie und tiefen Charakteren, die zu begeistern wissen. Ich liebe Jennys feingliedrige Sprache, mit der sie Welten um den Leser webt, wie ein Spinnennetz. Ich war von den ersten Kapiteln vollkommen gefangen, erzählt sie doch wundervoll farbenprächtig von Walgreta und ihrer Rückreise zu den Zwergen.

    Dass sich hinter Walgreta eine vielschichtige Persönlichkeit verbirgt, erfährt der Leser erst ein wenig später. Sie muss sich erst entblättern, was ich persönlich ziemlich gut finde. Walgreta ist ein Charakter, den man nicht unbedingt lieben muss. Sie hat recht egoistische Motive, die dennoch verständlich sind – jedenfalls zu Beginn bin ich ihrem Weg gern gefolgt.

    Durch den Elf Fayanu kommt der Love-Interesst von Walgreta ins Spiel. Fayanu hat schon eine durchaus Romanfüllende Vergangenheit hinter sich und ist dadurch gezeichnet – und hat dadurch auch nicht unbedingt die berste Meinung von seiner Rasse. Durch die heftige Liebesgeschichte, die sich zwischen Fayanu und Walgreta entspinnt, haben beide auch einen „Grund“ nach den Artefakten zu suchen. Jedoch sind beide bei ihrem Aufbruch noch recht naiv und unwissend. Der mir liebste Charakter war übrigens die Gans „Fledermaus“ – ich fand ihre sarkastischen gackernden Einwürfe so herrlich – ich wünschte, sie hätte in der Geschichte eine tragendere Rolle gespielt.

    Wie es sich für ein High-Fantasy-Buch gehört, wurde eine große Welt entworfen. Einige Orte davon bereist und viele Schlachten geschlagen. Moment mal – gehört? Nun ja, da kann man geteilter Meinung sein. Ich zumindest hätte mich durchaus damit begnügt, tiefer in die unterschiedlichen Rassen einzutauchen und Walgreta und Fayanu auf ihrer Reise zu begleiten und den Gefahren zu trotzen. Denn ich hatte das Gefühl, da hatte Jenny beim Schreiben wirklich Spaß, das Spiel mit den Wörtern liegt ihr und ich habe vor allem ihre Beschreibungen sehr genossen. Die Schlachten hingegen (und ich mag gut angelegte Schlachten!) erschienen mir irgendwie zu leblos. Ich ertappte mich dabei, wie ich recht anteilnahmslos darüber hinweglas, besonders als sie irgendwann überhandnahmen. Schade! So mochte ich auch das Menschenvolk nicht besonders.


    Jennys Ideen, die hinter diesem Roman stehen, sind wirklich grandios. Schenken, statt behalten oder stehlen oder erobern. Die Gender-Frage eines bestimmten Protagonisten. Das in einem Fantasy-Buch verarbeitet zu sehen, hat mein Herz erfreut.

    Was mich wiederum gestört hat, waren die philosophischen Anklänge, die Jenny mit hat einfließen lasse. Philosophie finde ich in so weit gut, wenn sie auch richtig ausgearbeitet wird. Hier hatte ich aber das Gefühl, sie wird nur kurz berührt, um sie dann wieder fallen zu lassen.


    Alles in allem ein Buch, das spaltet und mich hilflos mit der Bewertung zurücklässt. Die Grundstruktur des Buches war wunderbar, die Sprache so schön und melodisch wie ich sie von Jenny kenne, die Charakter widerborstig und eigen. Auch das mag ich sehr. Andererseits kam mir das Buch unausgereift an manchen Stellen vor und der Abschluss war mir einfach zu plötzlich. Auch einige Entwicklungen und Mittel fand ich persönlich nicht wirklich gut.

    Ich vergebe 3,5 Sterne für „Die Töchter von Illian“.


    3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

    Home is people, not a place (Robin Hobb, Live Ship Trader)

  • Leider war mir die Handlung zu trocken und schleppend


    Klappentext

    „Ein Becher, um die Vergangenheit zu bewahren.

    Eine Flöte, um mit Tieren zu sprechen.

    Ein Spiegel, um sich selbst zu erkennen.

    Eine Sternenscheibe, um die Zukunft zu sehen.


    Werden sie verschenkt, steigert sich die Macht der Artefakte, werden sie behalten, nimmt diese ab.


    Doch die magischen Artefakte sind verschollen. Die Weisen Frauen, die einst friedvoll mit ihnen regierten, sind in die Wälder geflohen, und Kriegsfürsten herrschen über Menschen, Zwerge und Elfen.


    Die Zeit ist gekommen, dass die Töchter aller Völker sich erheben, um die Macht zurückzugewinnen.“


    Gestaltung

    Die verschiedenen Grüntöne harmonieren durch die Verbindung von helleren und dunkleren Nuancen sehr schön miteinander. Zudem passt die Farbe sehr gut zum Covermotiv, welches eine Gestalt in einem Umhang mit Kapuze vor dem Wald zeigt. Die verschiedenen Äste und Blätter im Bildvordergrund erzeugen den Effekt, als würde der Betrachter selbst in den Wald schauen, was dem Cover Tiefe verleiht.


    Meine Meinung

    Von der Autorin Jenny-Mai Nuyen habe ich bisher noch keins ihrer Werke gelesen, aber ich habe schon viel von diesen gehört. Darum war ich gespannt auf ihren High-Fantasy-Roman, welcher vor allem die weiblichen Charaktere in den Mittelpunkt stellt. In „Die Töchter von Ilian“ geht es um vier Artefakte, mit welchen die Welt von Ilian regiert wurde und die nun verschwunden sind. Das Buch erzählt die Geschichte verschiedener Figuren, welche sich auf den Weg machen, die Artefakte wiederzufinden bzw. sie wieder zu vereinen.


    Beeindruckt hat mich an der gesamten Erzählung der Schreibstil der Autorin. Frau Nuyen schreibt bildgewaltig und sehr detailliert. So entstanden Landschaften geradezu bildlich vor meinem inneren Auge, aber auch Kämpfe werden sehr anschaulich beschrieben. Diesbezüglich möchte ich eine Warnung aussprechen, dass die Handlung manch einem Leser vielleicht zu brutal sein könnte. Ich fand die Sprache der Autorin für einen Fantasyroman angemessen, denn sie schreibt wortgewandt und anschaulich.


    Die Handlung war in meinen Augen leider etwas träge. Immer wieder wurde sie für mich von gefühlmäßig langen Szenen unterbrochen, die ich recht trocken fand und in denen ich das Gefühl hatte, dass nichts passiert, um den roten Faden voranzutreiben. So empfand ich das Lesen teilweise als recht anstrengend und ich musste mich immer wieder motivieren, um weiter zu lesen. Selbst manche Schlachten und Kämpfe, die eigentlich für Tempo sorgten, kamen mir dann doch etwas langwierig vor.


    Die Charaktere haben mir dafür gut gefallen, denn sie sind nicht nur vielfältig, sondern auch unheimlich verschieden und bunt. Die Autorin bereitet nicht die typischen Rollenbilder auf, sondern schafft ganz eigene, neue Kreationen. Interessant fand ich auch die Umsetzung verschiedener Fantasywesen, vor allem altbekannter. Zwerge, sonst oft als klein, rüpelhaft und nicht gut aussehend beschrieben, bekommen hier eine ganz andere Darstellung. Die Figurenwelt hat mich wirklich überzeugt und mir gut gefallen.


    Die Welt ist zudem sehr komplex und in meinen Augen gleichzeitig auch gut durchdacht. Ich hatte beim Lesen nicht das Gefühl, als gäbe es irgendwo Lücken oder Logikfehler. Vielmehr konnte die Autorin ihren Ideenreichtum gut präsentieren und mir verständlich darlegen, was sicher auch an ihrem Schreibstil und der Liebe zum Detail lag.


    Fazit

    Insgesamt fand ich den Ideenreichtum und den Schreibstil von Jenny-Mai Nuyen in ihrem neuen Buch „DieTöchter von Ilian“ sehr ansprechend und gut umgesetzt. Die Handlung allerdings war mir zu schleppend und oft auch zu anstrengend, weil ich mich oftmals durch die Seiten kämpfen musste. Dafür konnten mich die Charaktere überzeugen, welche keine Darstellung typischer Rollenbilder sind, sondern sehr verschieden und vielfältig.

    3 von 5 Sternen!


    Reihen-Infos

    Einzelband

  • Die Töchter von Ilian von Jenny-Mai Nuyen



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    Über das Buch:

    Dieser Fantasyroman zählt 650 Seiten und wurde im März 2019 herausgegen.


    Inhaltsangabe gemäß Amazon:

    "Vier magische Artefakte bestimmen das Schicksal der Welt:
    Ein Becher, um die Vergangenheit zu bewahren.
    Eine Flöte, um mit Tieren zu sprechen.
    Ein Spiegel, um sich selbst zu erkennen.
    Eine Sternenscheibe, um die Zukunft zu sehen.
    Werden sie verschenkt, steigert sich die Macht der Artefakte, werden sie behalten, nimmt diese ab.
    Doch die magischen Artefakte sind verschollen. Die Weisen Frauen, die einst friedvoll mit ihnen regierten, sind in die Wälder geflohen, und Kriegsfürsten herrschen über Menschen, Zwerge und Elfen. Die Zeit ist gekommen, dass die Töchter aller Völker sich erheben, um die Macht zurückzugewinnen."



    Inhalt und Stil:

    Walgreta aus dem Volk der Zwerge möchte eine Weise Frau werden - doch in ihrem letzten Lehrjahr bei einer Wyka muss sie schmerzlich feststellen, dass das Schicksal etwas anderes mit ihr vor hat.

    Sie trifft auf den Elfen Fayanú, der von seinem Volk entsandt wurde, um vier magische Artefakte zusammenzusammeln. Geprägt von einer düsteren Vergangenheit und mit vielen Geheimnissen ausgestattet spielt er nun eine wichtige Rolle in Walgretas Leben, dass sich von nun an verändern wird.

    Gemeinsam begeben sie sich auf eine gefährliche Mission und treffen dabei auf Mitstreitende und verbitterte Feinde.


    Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und poetisch, könnte als feingliedrig und zum Genre passend beschrieben werden. Sowohl romantische Naturerlebnisse als auch epische fürchterliche Schlachtszenen werden bedacht und mit Liebe zum Detail gezeichnet. Die Figuren sind kantig und vielschichtig, wirken zum Teil authentisch und zum Teil fern - es gibt Sympathie tragende, aber auch das Gegenteil ist zu finden.

    Der Plot ist voll von Figuren und ihren Hintergründen, Motivationen, Träumen, fast alles ist miteinander verbunden und es geschieht auf den ersten Blick sehr, sehr viel.



    Meine Meinung:

    Gleich zum Anfang war ich in den Bann gezogen und hatte Freude. Ich war zunächst voll freudiger Erwartung und sehr an Walgretas Geschichte interessiert. Je weiter der Plot fortschritt desto weniger Gefallen fand ich an der Protagonistin selbst, aber das ist okay. Schließlich gab es da noch Fayanú, den ich sehr in's Herz geschlossen habe. Die jeweiligen Entscheidungen konnte ich jedoch bei beiden nicht immer nachvollziehen.

    Auch das ist völlig in Ordnung, denn die Protagonist*innen ambivalent zu gestalten ist eigentlich recht erfrischend.


    Der Plot allerdings erwies sich für mich dann als immer konfuser werdende Achterbahnfahrt. Die vielen Figuren mit ihren eigenen Schauplätzen ließen mich oftmals in vergangenen Kapiteln nachschlagen, da ich insbesondere die Motivation / die Ambition einzelner Figuren vergessen hatte - es gab einfach so viele!

    Der Schreibstil hingegen war durchgehend zauberhaft.

    Da ich nicht weiß, wie ich es ansonsten sinnvoll verpacken soll, hier ein paar Stichpunkte.


    Was mir nicht gefallen hat:

    - problematische Darstellung einiger Themen (z.B. Vergewaltigung, Transphobie gegenüber einer genderqueeren Person,... -> Ich möchte und kann hier nicht in die Tiefe gehen)

    - Ziele, Beweggründe und Motivationen einzelner Figuren wurden nicht deutlich genug und zu selten beschrieben.

    - es wurden zu viele Themen auf einmal in einem Buch angesprochen


    Was mir gefallen hat:

    - der Schreibstil

    - infragestellen von Genderrollen und anderen heteronormativen Konstrukten (damit ist auch die erfrischend andere Darstellung des Zwergenvolkes im fantastischen Setting eingeschlossen)

    - Vermittlung schöner Werte (schenken > nehmen)

    - das Worldbuilding war fabelhaft



    Abschließend kann ich sagen, dass die Autorin hier eine sehr beeindruckende tolle Welt mit vielschichtigen Figuren erschaffen hat. Der Schreibstil ist wunderschön, viele behandelte Themen waren wichtig und es tat gut, sie in einem Fantasy-Roman zu lesen.

    Es hätte der Geschichte eventuell gut getan, in mehrere Bücher geteilt zu werden - so wäre die Masse an Figuren, angeschnittenen Themen, Geschehnissen und Agendas nicht so erschlagen gewesen.


    Ich gebe dem Buch gute 3,5 Ratten und werde auch weitere Bücher von der Autorin lesen.

    Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!


    3ratten+:marypipeshalbeprivatmaus: