Joël Dicker - Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Leserunde mit Tobias O. Meißner ab 06.09.2019: Evil Miss Universe [Gesellschaftskritische Romantic Comedy]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 13 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Alice.

  • Joël Dicker - Das Verschwinden der Stephanie Mailer


    Kaufen* bei

    Amazon
    Booklooker
    LChoice (lokal)

    * Werbe/Affiliate-Links


    Gebundene Ausgabe: 670 Seiten

    Verlag: Piper (2. April 2019)

    ISBN-13: 978-3492059398

    Originaltitel: La Disparation de Stephanie Mailer

    Übersetzung: Amelie Thoma und Michaela Meßner

    Preis: 25,00 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Komplex, undurchsichtig, spannend und äußerst unterhaltsam


    Inhalt:

    2014 in Orphea, einer beschaulichen Kleinstadt in den Hamptons an der Ostküste der USA. State Police Detective Jesse Rosenberg soll in den Ruhestand verabschiedet werden. Man nennt ihn auch den Hundertrprozentigen, da er alle seine Fälle aufgeklärt hat. Da spricht ihn die junge Journalistin Stephanie Mailer an, die angeblich Hinweise darauf hat, dass Jesse und sein Partner Derek bei einem Vierfachmord zwanzig Jahre zuvor den Falschen erwischt haben. Und dann ist Stephanie plötzlich verschwunden. Fiel sie einem Verbrechen zum Opfer? Jesse und Derek nehmen zusammen mit der engagierten Polizistin Anna die Ermittlungen zu dem alten Fall wieder auf.


    Meine Meinung:

    „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ ist der dritte Roman aus der Feder des Franko-Schweizers Joël Dicker. Wer diesen Autor kennt, weiß, dass er gern verschwenderisch mit Worten umgeht. Dicker erzählt nicht kurz und knackig, sondern detailliert und atmosphärisch. Und doch ist hier kein Wort zu viel - meinetwegen hätte der Roman gerne noch länger sein können. Von Dickers wunderbarer Erzählweise kann ich einfach nicht genug bekommen.


    Aus verschiedenen Perspektiven werden die heutigen und die damaligen Ereignisse beleuchtet. So reiht sich ein Puzzlesteinchen an das andere, und die Geschichte setzt sich ganz allmählich zusammen. Immer wieder hat der Autor kleine Cliffhanger eingebaut, die dringend zum Weiterlesen animieren. Joël Dicker versteht es wie kaum ein anderer, die Neugier des Lesers ständig anzustacheln und ihn mit kleinen Häppchen an Informationen zu versorgen, gerade so viel, um die nötige Spannung zu erhalten, aber noch nicht zu viel zu verraten.


    Es ist eine Vielzahl von Personen in die Handlung verwickelt. Zur leichteren Orientierung findet man im Anhang ein Personenverzeichnis. Aber eigentlich sind die einzelnen Charaktere so unterschiedlich und so prägnant ausgearbeitet, dass man sich ganz schnell zurechtfindet. Die Hauptfiguren erhalten reichlich Tiefe, einige Nebenfiguren erweisen sich als ziemlich skurril. Das ergibt eine gelungene Mischung.


    Bei all dem tappt man als Leser*in zusammen mit den Ermittlern lange im Dunkeln, geht mit ihnen Irrwege, die einfach plausibel wirken und doch mit der Wahrheit reichlich wenig zu tun haben. Man verstrickt sich in einem Netz aus Intrigen und menschlichen Abgründen, das wirklich nicht leicht zu durchschauen ist. Doch am Ende wird alles aufgelöst und man kann sich entspannt zurücklehnen.


    Fazit:

    Ein spannender und komplexer Kriminal- und Gesellschaftsroman, von Joël Dicker hervorragend erzählt. Sehr zu empfehlen!


    ★★★★★

    Liebe Grüße, Lilli

  • Lilli33 Ich habe deine Rezension noch nicht gelesen, nur nach deiner Sternenvergabe geschaut. Denn ich habe es mir gestern in der Bibliothek vorgemerkt, wird wohl nach Ostern eintrudeln. Die anderen Bücher von Joel Dicker hast du gelesen?

  • Lustig, ich habe gerade auch nur fix auf die Sternchen geschielt :breitgrins:


    Das Hörbuch habe ich für meinen Mann zu Ostern bestellt und werde es mir anhören, wenn er damit fertig ist. Die anderen beiden Bücher von Dicker mochten wir beide sehr (die Baltimores fand ich persönlich noch einen Tick besser).

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Lilli33 Ich habe deine Rezension noch nicht gelesen, nur nach deiner Sternenvergabe geschaut. Denn ich habe es mir gestern in der Bibliothek vorgemerkt, wird wohl nach Ostern eintrudeln. Die anderen Bücher von Joel Dicker hast du gelesen?

    Die Geschichte der Baltimores habe ich gelesen und fand es klasse. Harry Quebert subt noch auf dem Reader, da habe ich nur mal irgendwann die LP gelesen ;)

    Liebe Grüße, Lilli

  • Lilli33 Ich habe deine Rezension noch nicht gelesen, nur nach deiner Sternenvergabe geschaut. Denn ich habe es mir gestern in der Bibliothek vorgemerkt, wird wohl nach Ostern eintrudeln. Die anderen Bücher von Joel Dicker hast du gelesen?

    Die Geschichte der Baltimores habe ich gelesen und fand es klasse. Harry Quebert subt noch auf dem Reader, da habe ich nur mal irgendwann die LP gelesen ;)

    Ich fand beide genial und freu mich total auf dieses dritte Buch. Es subt bereits bei mir. :D

    :lesen:Das Labyrinth des Fauns - Cornelia Funke



  • Ich warte auch darauf, weil ich die beiden anderen mochte.

    Leider kann ich es bei der Bibliothek noch nicht vormerken, da es noch nicht im Bestand ist.

  • Ich war leider längst nicht so begeistert vom dritten Dicker-Roman:


    Theater, Theater

    ist im nunmehr dritten Roman des französischen Autors Joel Dicker immer wieder ein Thema, denn bereits seit Jahren findet im zentralen Schauplatz der Handlung, dem kleinen Küstenstädtchen Orphea in den idyllischen Hamptons nahe New York jeden Sommer ein inzwischen durchaus angesehenes Theaterfestival statt. Im Jahre 1994 fand am Rande der Eröffnungsveranstaltung eine Tragödie statt, die insgesamt vier Opfer forderte - eine dreiköpfige Familie und eine junge Frau. Die herbeigerufenen Ermittler der State Police Jesse Rosenberg und Derek Scott fanden den Mörder schnell.


    Nun, zwanzig Jahre später muss sich Jesse Rosenberg von der jungen Journalistin Stephanie Mailer sagen lassen, dass der richtige Mörder noch frei herumläuft. Bevor er mehr erfahren kann, ist sie spurlos verschwunden.


    Rosenberg und Scott finden sich in einer Situation, die neue Untersuchungen erfordert, da es weitere Opfer gegeben hat. Dabei werden sie von der lokalen Beamtin Anna Kanner unterstützt.


    Und es gibt so einiges, was geklärt werden muss - in der Stadt hat es so einige Entwicklungen gegeben, die nicht allzu stimmig sind. Bald schon deutet sich eine Sensation an: am Eröffnungsabend des Theaterfestivals soll im Handlungsverlauf des aufgeführten Stückes der Name des Mörders verkündet werden.


    Alles in allem gibt es eine Menge Hamptons, die jedoch aus meiner Sicht um einiges eindringlicher hätte beschrieben werden können, zwei (von drei) Ermittler, die ein ganz schönes Päckchen zu tragen haben und so einige schräge bzw. ungewöhnliche Charaktere - und eben das Theater.


    Beim Eröffnungsstück findet sich neben dem Regisseur, einer Schlüsselfigur aus dem Jahre 1994, so einige Charaktere unter den Schauspielern wieder, die schon vor zwanzig Jahren im Zusammenhang mit den Morden eine kleinere oder auch größere Rolle spielten.


    Und immer wieder stellte sich mir die Frage der Authentizität - wie gut kennt der Franzose Dicker die USA und speziell die Hamptons wirklich? Basiert das alles auf Rezipiertem, auf Recherchiertem oder auf Erdachtem?


    Leider tun sich in diesem durchaus unterhaltsamen Roman aus meiner Sicht so einige Schwachstellen hinsichtlich Logik und Glaubwürdigkeit auf - auch einiger Klischees hat sich der Autor fleißig bedient. Das gab es auch in den beiden vorherigen Romane des Autors, doch waren diese zu vernachlässigen, was diesmal leider nicht der Fall ist, zumal auch noch etliche Längen dazu kommen.

    Süffig zu lesen ist dieser Roman allemal, aber leider definitiv nicht das erhoffte Meisterwerk des Autors. Im Gegenteil muss man sich im Vergleich zu den Vorgängerromanen auf die ein oder andere Enttäuschung gefasst machen.

    3ratten
  • Meine Meinung:



    Titel: So viel mehr als nur ein Roman...



    Dies war mein erster Dicker und wird ganz sicher nicht mein letzter gewesen sein, denn was ich hier zu lesen bekam, war so viel mehr als ich erwartet hatte.


    In der Geschichte geht es um die beiden Polizisten Derek Scott und Jesse Rosenberg, die vor 20 Jahren als junge Beamte einen Vierfachmord aufgeklärt und gelöst hatten. Doch dann taucht plötzlich die Journalistin Stephanie Mailer auf und behauptet, dass die beiden Ermittler den falschen Kerl erwischt hätten und der Fall gar nicht gelöst sei. Hat die Reporterin wohlmöglich Recht? Als die junge Frau plötzlich spurlos verschwindet, zweifeln die beiden am damaligen Ergebnis und setzen mit den neuen Ermittlungen einen Strudel in Gang, der sie bald selbst in den Abgrund reißen wird...

    Zunächst einmal muss ich erwähnen, dass sich die fast 700 Seiten ungalublich flüssig lesen ließen. Die komplette Handlung fühlte sich wie eine immens gute Krimiserie an, bei der man keine Folge verpassen darf, wenn man alles mitbekommen will und so muss man hier sehr sorgfältig und aufmerksam lesen, wenn man die Zusammenhänge begreifen möchte. Dicker wechselt zwischen den Zeiten und mehreren Personen, das heißt mal bewegen wir uns in der Gegenwart und mal in der Vergangenheit und als Erzähler fungieren mal die Polizisten und auch andere im Fall verwickelte Protagonisten.

    Mir hat am besten Polizistin Anna Kanner gefallen, weil sie sich in der harten Männerdomäne Polizei nicht die Butter vom Brot nehmen lässt und in den Ermittlungen immer sehr pfiffig agiert und eine regelrechte Spürnase h

    Ansonsten sind alle im Buch agierenden Protagonisten sehr detailliert beschrieben, so dass wohl jeder Leser jemanden im Buch findet, mit dem er sich identifizieren kann.

    In der Handlung beleuchtet der Autor nicht nur allein den damaligen Mordfall, sondern auch zahlreiche Nebenhandlungsstränge und -schauplätze, was den Roman unglaublich vielseitig und spannend macht, denn gefühlt ganz nebenbei werden Themen wie Ehebruch, Mobbing, Drogenmissbrauch und ähnliches thematisiert.

    Das Besondere an dem Buch ist wohl, dass man bis zuletzt meint den Täter zu kennen, nur um dann eines besseren belehrt zu werden und von dem Ende gänzlich überrascht wird. Für mich war der Schluss komplett nachvollziehbar und keine Frage blieb mehr offen.

    Für mich war der Roman perfekt bis auf eine Sache: Mein vorliegendes Buch ist die zweite Auflage und ich musste beim Lesen vermehrt feststellen, dass es diverse Schreibfehler im Text gibt, die den Lesefluss ein ums andere Mal gestört haben. Mal wird aus einem mit ein mir, mal fehlt ein Buchstabe oder Worte wurden im Text vertauscht und selbst bei den Namen hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen, wird aus Tracy plötzlich Stacy. Das sollte bei so einem Spitzentitel, der zudem ja nicht ganz billig ist, einfach nicht passieren. Daher würde ich mir wünschen, dass in zukünftigen Auflagen dies vielleicht nochmal überarbeitet wird.

    Fazit: Wer statt Krimiserie mal ein unglaublich gutes Buch lesen will, der kommt an diesem Dicker nicht vorbei. Ich kann nur eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen. Absolute Spitzenklasse!

    Bewertung: 5ratten und :tipp:

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)

  • Enttäuscht!


    Die Journalistin Stephanie Mailer ist sich sicher, dass 20 Jahre zuvor ein Unschuldiger als Mörder von vier Menschen verurteilt wurde. 1994 wurde in Orphea, in den Hamptons, der Bürgermeister, seine Frau und sein Sohn, sowie eine Joggerin getötet. Nun scheint die Journalistin über Beweise zu verfügen, dass die damaligen Ermittler, Jesse Rosenberg und Derek Scott, den Falschen verhaftet haben. Doch dann verschwindet Stephanie Maier spurlos. Obwohl Rosenberg in 4 Tagen in Pension gehen soll, nimmt er die Ermittlungen noch mal auf und untersucht die schwarze Nacht von Orphea erneut.




    Wer schon mal ein Buch von Joel Dicker gelesen hat, weiss, dass es ausschweifend wird. Auch hier, hat der Autor nicht gekleckert, sondern geklotzt. In der Personenzahl … in der Handlung mit den vielen Strängen … in der Seitenzahl ….. und im Schreibstil. Für mich war das alles zu detailliert, zu ausschweifend und sehr in die Länge gezogen.

    Die Geschichte dreht sich nicht nur um das Verschwinden der Journalistin, sondern auch um viele andere nebeneinander laufenden Geschichten. Diese Nebengeschichten, bei denen die Figuren und die Handlung sich entwickelt, sind sehr zahlreich. Einige, wie die familiäre Situation von Jerry Eden, dem Generaldirektor von Chanel 14, hat mich gefesselt. Denn, Eden kämpft gegen und um seine 19jährige Tochter, die Drogen und alkoholabhängig ist. Gerade diese Geschichte hat mich schlussendlich bei der Stange gehalten. Andere, wie die des untalentierten Schauspielers und Regisseurs und die langatmigen Passagen über sein Theaterstück, eher gelangweilt. Die Story ist sehr, sehr komplex. Denn eine Hauptperson gibt es nicht wirklich. Stattdessen hat Joel Dicker eine grosse Anzahl Figuren in die Geschichte eingeflochten, die ein Eigenleben entwickeln und meilenweit von der Hauptsstory abweichen. Den Ueberblick zu behalten, trotz Personenglossar, viel mir öfters schwer. Hier hätte Herr Dicker straffen dürfen.

    Einige der Handlungen empfand ich als abstrus. So, wie die, dass sich plötzlich etliche Figuren bei dem Theaterstück des nervigen Regisseurs versammeln. Dass, eine Jugendliche, als Strafe für ihren Drogenkonsum, von der Polizei die Teilnahme an einem Theaterstück aufgebrummt wird …. na ja. Oder, dass ein Anwalt dem Vater des Mädchens rät, als " Wiedergutmachung " für eine Tat, ihr Ferienhaus der Opferfamilie anzubieten, ist sehr, sehr weit hergeholt. Solche Beispiele gibt es etliche, die komplett überkonstruiert und überzeichnet wurden.

    Die Story springt bunt durcheinander, durch Zeiten, die nicht chronologisch geordnet sind. Grundsätzlich ist die Idee gut, in diesem Durcheinander, über den Kapiteln klar zu deklarieren, wer denn nun im Mittelpunkt steht. Hier wirkt das Ganze trotzdem chaotisch, da die Perspektivwechsel so zahlreich sind.

    Ich habe mich zeitweise zwingen müssen, weiter zu lesen. Bei der Stange haben mich, die an und für sich interessanten Charakterisierungen der Figuren, gehalten. Es gibt Figuren, die mir ans Herz gewachsen sind. Wie der Ermittler, Jesse Rosenberg, der sehr viel Biss zeigt und vor seiner Pensionierung noch diesen einen Cold Case lösen will. Oder Dakota, die aufmüpfige und drogenabhängige Tochter von Jerry Eden. Aber auch Steven Bergdorf, der Chefredakteur der New Yorker Review, der sich in einer schier ausweglosen privaten Lage befindet.

    Interessanterweise haben mich diese Figuren mit ihren Geschichten weit mehr gefesselt als die Hauptstory, das Verschwinden der Journalistin.


    3ratten

    Einmal editiert, zuletzt von Igela ()

  • Da sind die Geschmäcker wieder mal ganz unterschiedlich. Ich hätte gerne noch mehr gelesen ;)

    Liebe Grüße, Lilli

  • Roman des französischen Autors Joel Dicker

    Ganz nebenbei: Joël Dicker ist Schweizer. Französischsprachiger Schweizer. (nicht: Franko-Schweizer - der Franken ist unsere Währung!).

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Nachdem mir "Der Fall Harry Quebert" und "Das Erbe der Baltimores" richtig gut gefallen haben, waren meine Erwartungen an diesen neuen Roman von Joël Dicker einigermaßen hoch - und sind enttäuscht worden.


    Wenn man mehrere Farben mischt und ein paarmal gut dosiert umrührt, erhält man meist ein kunstvoll verschlungenes Muster; nimmt man aber zu viele Farben und rührt zu heftig, ergibt sich am Ende nur ein undefinierbares Gemisch in charakterlosem Greige: So würde ich meinen Eindruck unmittelbar nach Ende der Lektüre beschreiben..


    Dass man den diversen Fäden des Romans trotz der vielen beteiligten Personen rein intellektuell gut folgen kann, dafür sorgt Joël Dicker durchaus, indem er sein Ermittlerteam die Fakten immer wieder aufrollen und Geschehnisse von den Beteiligten aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählen lässt. Daraus resultiert allerdings mit der Zeit ein gewisser Überdruss und die nuancierte Charakterisierung der Personen, deren aller Mittelpunkt - durchaus kunstvoll "bühnenmäßig" - das Städtchen Orphea nahe New York ist, bleibt dabei leider auf der Strecke.

    Immer wieder mal sind dem Autor Schlüsselszenen der Charakterisierung so grob und klischeehaft geraten, dass ich meinen Augen regelrecht nicht trauen wollte. Während die meisten Passagen gewohnt flüssig und professionell geschrieben sind, hatte ich immer mal wieder das Gefühl, Dicker habe zwischendurch die sprichwörtliche Feder an einen begabten aber unerfahrenen 14Jährigen übergeben (speziell betrifft das Szenen mit den Herren Ostrowski und Bergdorf, aber auch noch ein paar weitere). (Ich habe sogar schon überlegt, ob es sich um ein Stilmittel handeln könne.. aber.. eher nein.)


    Der Ausgang hat mich dann schließlich gar nicht mehr besonders interessiert; das kann kein gutes Zeichen sein.

    Manchmal wär' weniger halt mehr...


    Da Joël Dicker dennoch (jedenfalls meistens.. ;)) "einfach schreiben kann", gebe ich dem Ganzen dennoch immer noch sehr knappe

    3ratten

    3 Mal editiert, zuletzt von Alice ()