Manfred Spitzer - Die Smartphone-Epidemie

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 62 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von JanaBabsi.

  • Noch ein paar Punkte von psychologischer Seite:


    AlsBeispiel: InVerbindung mit dem Smartphone haben sich auf dem psychologischenSektor neue Ängste entwickelt: Die Fomo-Phobie und die Nomo-Phobie.


    *Fomo: Fear of missing out (die Angst davor, etwas zu verpassen)

    *Nomo: No more Phone phobia (die Angst davor, nicht erreichbar zusein)

    Das ist leider völliger Blödsinn, sorry. Fomo ist ein Internet-Gag, Nomo kannte ich bisher nicht, aber fällt in die gleiche Kategorie. Mit psychischen Störungen, Psychologie oder überhaupt Wissenschaft hat das aber überhaupt gar nichts zu tun.

    Eine Phobie ist eine Ernst zu nehmende Erkrankung, die große Beeinträchtigungen und Leidensdruck für die Betroffenen bringt. (Und ja, gefühlt 90% der Personen, die sagen, sie hätten eine Spinnenphobie, haben in Wirklichkeit "nur" eine starke Abneigung gegenüber Spinnen, eine echte Phobie aber zum Glück nicht.)


    Fomo hatte ich übrigens auch schon in Zeiten, bevor es Smartphones oder den Begriff gab: als Teenager nicht auf eine Party zu dürfen, auf die alle meine Freunde gingen, war die schlimmste vorstellbare Bestrafung.


    Ebensonehmen Aufmerksamkeitsstörungen, Angst, Sucht, Depressionen undDemenz rapide zu, wohingegen Bildung, Empathie und Sozialverhaltenrapide abnehmen. Je größer die Smartphone-Sucht (5 oder mehrOnline-Stunden pro Tag), desto weniger Kontakt zu realen Personen wieFreunden und Familie.

    Ich kann nicht auf dieses Thema eingehen, ohne dass das hier den Rahmen sprengen würde und ohne, dass ich selbst an meine fachliche Grenze käme, aber auch hier muss ich sagen, dass diese Aussage so einfach nicht stimmt. Das sind hochkomplexe Thematiken und alleine die Aussage "psychische Störungen nehmen immer mehr zu" ist schon eine Vereinfachung, die dem Ganzen nicht gerecht wird.

    Kurzum: so ist das einfach falsch, und zwar vor allem durch - bewusstes? - Weglassen von weiteren Fakten und Komponenten, die für diese Frage nicht einfach weggelassen werden dürfen. Auch nicht in einem populärwissenschaftlichen Buch.


    Und zum Thema Sucht: was eine Smartphone-Sucht ist, wie sie ausschaut und ob es sie überhaupt gibt und vor allem, wie sie behandelt werden soll, auch das sind offene Fragen und die wissenschaftliche Community hat hier noch keinen Konsens gefunden. Dazu wird aber intensiv geforscht.

    Das gilt auch für alle anderen substanzungebundenen Abhängigkeiten, wie Kaufsucht, Fernsehsucht, usw.

    Die einzige - aktuell - diagnostizierbare Abhängigkeit aus diesem Bereich, zu der es Leitlinien und Konsens gibt, ist das pathologische Spielen. Gemeint ist damit die Glückspielsucht.

    “Grown-ups don't look like grown-ups on the inside either. Outside, they're big and thoughtless and they always know what they're doing. Inside, they look just like they always have. Like they did when they were your age. Truth is, there aren't any grown-ups. Not one, in the whole wide world.” N.G.

  • Sicherlich birgt das Smartphone wie viele andere Medien oder sonstige Gerätschaften auch Gefahren, aber Spitzer ist inzwischen ja reichlich berühmt-berüchtigt für seine rigorose Schwarzmalerei und für mich daher nur bedingt ernst zu nehmen.

    Das Smartphone ermöglicht mehr soziale Interaktion als ein Buch. Wenn jemand in den Öffis auf dem Smartphone herumdaddelt - wer sagt denn, dass er oder sie nicht gerade der Schwester schreibt, die gerade auf der anderen Seite des Kontinents als Austauschschülerin lebt? Man kann doch überhaupt nicht in die Menschen hinein sehen.

    Eben! Wer unterwegs ein Handy in der Hand hat, muss nicht zwangsläufig irgendwas Dämliches damit tun - es ist Kommunikationsmittel, Lesestoff, Musikbibliothek, Nachschlagewerk, Fotoalbum und vieles mehr. (Nur beim Gehen finde ich es doch sinnvoller, geradeaus zu gucken als auf den Schirm - Smombie-Ampeln fände ich doch zu viel des Guten. Da sehe ich die Verantwortung, auf den Verkehr zu achten, doch eher bei jedem einzelnen selbst.)


    Und wenn ich mit meinem Mann auf dem Sofa sitze und ein Buch lese, während er einen Actionfilm guckt, der mich nicht interessiert, ist das doch auch nicht unhöflich.

    Hat der sich eigentlich wirklich durchsetze können?

    Nö, das war nur kurzlebig. Danach kamen ja schon bald die ersten Handys.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)