Vincent Kliesch - Auris

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 16 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von HoldenCaulfield.

  • Auftakt?



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    Jula Ansorge ist Journalistin und arbeitet an einer Serie über unaufgeklärte Verbrechen. Durch ein traumatisches Erlebnis in ihrer Vergangenheit, ist sie von Thema persönlich betroffen. Als sie einen anonymen Hinweis bekommt, ist sie sich sicher, dass einer der bekanntesten Persönlichkeiten in der forensischen Phonetik, Matthias Hegel, unschuldig in der Haftanstalt Moabit einsitzt. Hegel wird Auris genannt, da er durch Stimmerkennung, Details heraushört, die der Polizei bei der Aufklärung von Verbrechen hilft. Hegel, der wegen Mordes an einer Obdachlosen einsitzt, hat sich selbst gestellt. Jula ist davon überzeugt, dass Hegel unschuldig ist.



    Zuallerst: Sebastian Fitzek hat die Idee zu diesem Buch geliefert, Vincent Kliesch hat sie umgesetzt. So ist auch das Vorwort seltsamerweise von Fitzek und nicht von Kliesch. Das hat mich etwas irritiert, da meiner Meinung nach ein Vorwort vom schreibenden Autoren und nicht von der ideengebenden Person sein sollte. Einerseits frage ich mich, weshalb nicht gleich Fitzek diese Geschichte geschrieben hat. Andererseits muss ich ja nicht alles verstehen. Ob Fitzek bei der Covergestaltung auch ein Wörtchen mitgeredet hat? Denn es ist speziell, wie oft die Cover bei seinen Thrillern. Zudem sticht vor allem Fitzkes Name stark hervor, Klieschs Name wirkt da weitaus blasser. Was Kliesch unterscheidet von seinem Iddengeber, ist der Schreibstil, der gradliniger ist. Ueberkonstruierte Handlungen wie bei Fitzek findet man in " Auris" nicht. Hat mir sehr gut gefallen. Weniger gefallen hat mir ein Punkt, der für den Handlungsfortschritt eine wichtige Rolle spielt. Auris stellt Jula in einem Gespräch eine Aufgabe, die als nebenbei eingestreute und kryptische Bemerkung, verschleiert ist. Dass Jule diese als solche erkennt und auch noch zu lösen weiss, war mir zu weit hergeholt.

    Es gibt einige spannende, fesselnde Szenen, die mir sehr gut gefallen haben. Toll fand ich, dass der Autor die Figuren sehr lebendig gestaltet hat. Man weiss zum Beispiel als Leser, weshalb Jula immer wieder von Schmerzen geplagt wird. Und das ohne, dass es in jedem zweiten Abschnitt erwähnt werden muss. Jula hat mich voll und ganz überzeugt. Die feine Zwischennuance in ihrer Persönlichkeit, die meiner Meinung nach sehr gut eingesetzt wird: das Trauma und die Folgen davon. Hervorragend charakterisiert fand ich auch die Figur Matthias Hegel. Neu war mir seine Begabung, die mich sehr interessiert hat. Ich wusste bisher gar nicht, dass es so was überhaupt gibt und habe nach der Lektüre einiges darüber per Google erfahren.

    In diesem Buch vereinen sich an und für sich zwei Fälle. Ein traumatisches Ereignis, das Jula in der Vergangenheit ihren Bruder genommen hat. Und, die Tat, wegen der Auris im Gefängnis sitzt. Obwohl das eine Weile auf zwei verschiedenen Ebenen abläuft, wird es nie chaotisch und unübersichtlich.

    Schlussendlich bleiben noch ein paar Fragen unbeantwortet. Stoff für einen nächsten Band mit Jula Ansorge und Matthias Hegel?


    4ratten

  • Igela

    Perfektes Marketing würde ich sagen. Ich hab letzte Woche mal reingeblättert um zu schauen ob ich den Schreibstil mag (ich hab von Kliesch noch nie was gelesen und Fitzek hat mich eher weniger überzeugt). Auris gibts ja auch als Hörspiel bei Audible - das ist von Fitzek. Ich fands auch eher komisch das dieser dann das Vorwort geschrieben hat. Fand ich ehrlich gesagt auch ein bissl Selbstbeweihräucherung... Aber gut, das Buch selbst schau ich mir sicher auch noch mal an, da ich selbst total gerne True Crime Podcasts höre, finde ich es zur Zeit spannend wenn das Thema in einem Roman verarbeitet wird.

  • HoldenCaulfield Du meinst so à la "Wo Fitzek drauf steht" verkauft es sich besser? In der Danksagung schriebt Kliesch "Natürlich hat Sebastian (Fitzek) nicht einfach nur eine Idee in den Raum geworfen und mich dann machen lassen. Von der ersten bis zur letzten Seite begleitete er die Entstehung des Buches in enger Zusammenarbeit mit mir und dem Team". Das tönt dann schon ein wenig anders als Fitzeks " Ideengebend".

  • das ist von Fitzek. Ich fands auch eher komisch das dieser dann das Vorwort geschrieben hat. Fand ich ehrlich gesagt auch ein bissl Selbstbeweihräucherung...

    Finde ich auch komisch. Habe gestern damit begonnen und hätte mir gewünscht, dass es zumindest ein gemeinsames Vorwort ist. So klingt es ein bisschen nach, Fitzek hat diktiert und Kliesch keine eigenen Ideen gehabt. :/

    :lesen:

    Ein angesehener Mann - Abir Mukherjee




  • Ich finde man hätte ja auch ein witziges Gespräch entwickeln können. So Kliesch und Fitzek interviewen sich gegenseitig... So wirkt das auch irgendwie wie ein Lückenfüller, ich fand zumindest das Vorwort auch ganz schön lang (dafür das der Roman ja nur so 300 Seiten rum hat).

  • .. ich fand zumindest das Vorwort auch ganz schön lang (dafür das der Roman ja nur so 300 Seiten rum hat).

    Auch das ist doch eher typisch Fitzek. Seine Vor oder Nachwörter sind ja oft ziemlich lang.

    gagamaus und HoldenCaulfield Aber sagt mal...seid ihr auch über das prominente rote "Fitzek" auf dem Cover gestolpert? Ich fand das schon sehr dominant!

  • Mich stört die Fitzek-Dominanz, ja. Ich dachte eigentlich, er hätte "nur" die Idee gehabt und sein "Freund" Kliesch hätte die dann alleine umgesetzt. Aber das wirkt wie gesagt ganz anders. Das stört mich. Ich gebe zu, ich bin kein Fan der Fitzek-Bücher (auch wenn er ein supersympathischer Typ ist) und dachte eigentlich, ich würde hier einen Kliesch-Roman lesen. Den Autor kenne ich noch nicht. Aber Fitzek wird auf jeden Fall benutzt, um die Käuferklientel anzusprechen. Und sein Vorwort klingt danach, als wäre es "sein" Buch.

    :lesen:

    Ein angesehener Mann - Abir Mukherjee




  • Igela

    Ich bin in einer True Crime Facebookgruppe und dort wurde das Buch von einer Nutzerin vorgestellt. Sie und fast alle andren sind auch erstmal von einem neuen Fitzek ausgegangen. Für mich ist das Vor allem eine Werbung für das Auris Hörspiel auf Audible. Da ja nicht jeder diese Plattform nutzt, wurde eben noch schnell ein Buch dazu mit auf den Markt geworfen. Fitzek hatte keine Zeit und Kliesch keine Idee, Win-win. (Ich vermute tatsächlich stark das es eigentlich eine Sache des Verlages war und nicht so sehr der beiden Autoren, das es zu dieser Zusammenarbeit kam.)


    Ich persönlich bin keine Fitzekleserin, ich hab bisher erst einen Roman von ihm gelesen, der mir nur so semi gut gefallen hat (viel zu viele überkosntruierte Wendungen). Aber Auris finde ich von der Idee her schon interessant. Hätte ich aber auch ohne Fitzek auf dem Cover näher angeschaut. Ich warte jetzt drauf das die Bibliothek das Buch anschafft, was sicher schnell passieren wird.

    Vom Marketing her jedenfalls schon eine Clevere Idee, immerhin kaufen die Leute Fitzek grad wie blöde.

  • Ich auch nicht mehr :breitgrins:


    Das hier klingt ja wirklich wie der Versuch, noch ein bisschen mehr Sahne vom Hype abzuschöpfen.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • ich habe das Buch noch nicht gelesen, wollte aber eigentlich, leider ging ich bei der Lovelybooks Verlosung leer aus (haben auch nur 450 leute mitgemacht für 20 Exemplare *lol) Ich finde aber bei aller Kritik, dass es auch für Kliesch ein guter Push ist, viele kennen ihn noch nicht und so bekommt er mit einem Mal viel zusätzliche Aufmerksamkeit. (Ich habe ein Buch von ihm auf dem Sub vllt passt es ja in die Challenge ;-))


    Bin eigentlich Fitzek Fan aber mir gehen die ganzen Wendungen zum Ende hin auch echt auf den Sack :-(

    Mein SUB: 160 + 44 Audible , Meine SUB-Challenge (folgt)

  • Och der gute ist selbst Bestsellerautor, der braucht den Push theoretisch nicht. Aber klar Fitzek spült sicher noch etwas mehr Verkäufe an die Kasse und damit verdient der Verlag natürlich besser.