George Saunders - Lincoln im Bardo

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.
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    Inhalt

    Während der amerikanische Bürgerkrieg tobt, stirbt Präsident Lincolns Sohn Willie. In der Nacht nach der Beerdigung geht der Präsident noch einmal ins Mausoleum, um endgültig Abschied zu nehmen. Während er seinen toten Sohn ein letztes Mal in den Armen hält, beobachten ihn die Toten.


    Meine Meinung

    Zitat

    Bardo (tibetisch für „Zwischenzustand, Einbeziehung, Versetzung, innewohnende Gegebenheit des Geistes“; Sanskrit
    अन्तर्भाव IAST
    antarbhāva) ist die Bezeichnung für die nach der Lehre des Tibetischen Buddhismus möglichen Bewusstseinszustände, im Diesseits wie im Jenseits. Das Tibetische Totenbuch enthält Beschreibungen des Tschikhai-Bardo, Tschönyi-Bardo und Sidpa-Bardo.


    Nicht nur Willie befindet sich im Bardo, sondern auch viele Andere. Alle reden durcheinander und auch wenn unter Aussage der Namen des Redners steht, brauchte es eine gewisse Zeit, bis ich mich an dieses Durcheinander gewöhnt hatte. So viele verschiedene Geschichten wollten erzählt werden, dass ich anfangs nur einzelne Fragmente erkennen konnte. Erst später wurde aus den Teilen eine Geschichte.


    Alle haben eines gemeinsam: sie reden nicht vom Tod oder vom Sarg, sie reden von Krankheit und der Krankenkiste. Erst Willie spricht das Wort offen aus. Viele haben Angst vor dem, was nach dem Bardo kommt. Auch ich fand das, was ich gesehen habe, sehr bedrückend. Es gibt verschiedene Mächte, die um die Menschen im Bardo kämpfen und nicht immer scheinen sie freundlich zu sein.


    Da schien es kein Wunder zu sein, dass die Menschen nicht weitergehen wollten. Je länger sie blieben, desto konkreter wurden ihre Aussagen. Sie schienen sich immer besser zu erinnern oder zumindest sich ihren Erlebnissen stellen zu wollen. Je mehr sie bereit waren, zuzugeben dass sie eben nicht nur krank waren, desto offener wurden sie. Vieles, was sie erlebt hatten, war schlimm und nicht alles konnte man auf den Krieg zurück führen.


    Der Abschied Lincolns von seinem Sohn ist herzzerreißend. Aber er macht den Menschen im Bardo, die diesen Abschied beobachten klar, dass auch sie weitermüssen. Lincoln im Bardo ist eine ungewöhnliche Geschichte um ganz gewöhnliche Dinge: Liebe, Verlust und Trauer. Nicht leicht zu lesen, aber wunderschön.

    5ratten


    Liebe Grüße

    Kirsten

    I'm young enough to still see the passionate girl that I used to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.