J. Revell Carr - 13 Millionen Tonnen, 2500 Schiffe, 50000 Leben

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.
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    Im zweiten Weltkrieg wurden von der deutschen Kriegsmarine etwa 2500 zivile Handelsschiffe vorsätzlich versenkt. Das entspricht 13 Mio. Bruttoregistertonnen und bedeutet rund 50000 getötete Matrosen. Einer der erfolgreichsten deutschen Kapitäne bei diesen Vernichtungszügen war der Deutsche Hellmuth von Ruckteschell, der u. a. mit dem getarnten Hilfskreuzer Widder unterwegs war.


    Eines der Opfer der Widder war im August 1940 der englische Frachter Anglo-Saxon. Bei dem Angriff im Atlantik weit westlich der Kanarischen Inseln starben viele der englischen Matrosen. Sieben von ihnen gelang die Flucht auf einem offenen Rettungsboot, das daraufhin zehn Wochen lang mit der Strömung quer über den Atlantik bis auf die Bahamas trieb. Nur zwei der Männer überlebten die Fahrt, die anderen starben an ihren Verletzungen, die sie bei dem Angriff davongetragen hatten oder verdursteten; zwei von ihnen begingen Selbstmord. Das Überleben der beiden letzten Männer grenzte an ein Wunder und sorgte für entsprechend viel Wirbel.


    J. Revell Carr berichtet in seinem Buch sehr ausführlich über die letzte Fahrt der Anglo-Saxon und die unfreiwillige Reise in dem Rettungsboot. Dabei geht er mitunter bis in die Kindheit der beteiligten Seeleute zurück. Auch über die Soldaten der deutschen Angreifer erzählt er viel und legt dabei besonderes Augenmerk auf den Kapitän von Ruckteschell. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde er von den Besatzungsmächten angeklagt und musste für einige Jahre ins Gefängnis.


    Die vielen Informationen sind einerseits recht interessant, erscheinen aber mit zunehmender Ausführlichkeit immer trockener. Dagegen ist der lange Abschnitt über das Rettungsboot wirklich spannend, weil er im Gegensatz zu den vielen Sachinformationen nicht so nüchtern, sondern direkt einfühlsam geschrieben ist. Nach meinem Empfinden wäre hier eine klare Abgrenzung besser gewesen: entweder nur die Rettungsbootgeschichte mit einigen Fakten über den heimlichen Krieg gegen die Handelsmarine oder Schwerpunkt auf die deutsche Beteiligung an dem Versenken der Handelsschiffe einschließlich der Lebensläufe aller, die wesentliche Rollen spielten. Für mich war es eine Lektüre, die entweder seitenweise nur so dahinflog und andererseits fast nicht vom Fleck kam.


    3ratten