Melanie Metzenthin - Mehr als die Erinnerung

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kritty.

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    Wir schreiben das Jahr 1920 und befinden uns auf Gut Mohlenberg. Dieses Anwesen hat Dr. Meinhard mit großem Aufwand und viel Energie zu einer Anstalt auf und umgebaut. In diser er nun mit seiner Tochter Frederike, ihren Patienten ein würdevolles Leben bieten. Zur damaligen Zeit, in der diese Anstalten Irrenkolonie genannte wurden, keine Selbstverständlichkeit.

    Sie haben es geschafft von den Dorfbewohnern akzeptiert zu werden und kommen gut miteinander aus. Doch dann geschehen zwei Morde und ein Verdächtiger ist schnell gefunden. Es ist ja ein Leichtes, gleich einen Patienten von der Irrenkolonie zu verdächtigen, denn das ist der einfachste Weg. Aber Frederike glaubt nicht daran, das einer ihrer Patienten zu solch grausamen Taten fähig sein soll.

    Kurz zuvor hat sie Walter Pietsch eingestellt, der eine schwere Kriegsverletzung und ein großes Geheimnis hat. Könnte er der Täter sein oder hat sogar Dr. Weiß etwas damit zu tun? Dieser hat Theorien über geistig eingeschränkte Menschen, die einem die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Und was versucht Bernhard, Frederike ihr Mann, ihr ständig mitzuteilen? Dieser kam mit einer schweren Kopfverletzung aus dem Krieg zurück und hat seid dem den geistigen Stand eines Kindes und kann sie dementsprechend nicht so mitteilen wie ein Erwachsener. Hat Bernhard sogar etwas damit zu tun, oder was versucht er verzweifelt Frederike zu sagen? Es sind zu viele Ungereimtheiten und somit fängt Frederike an, selber Nachforschungen zu betreiben. Nicht ganz ungefährlich, es wird, durch die Beweise die sie sammelt, immer verworrender. Sie sieht keinen Zusammenhang zwischen ihren Verdächtigen und den Opfern. Bis ihr jemand seine Hilfe anbietet, bei dem sie auch nicht sicher ist, ob sie dieser Person vertrauen kann.


    Meine Meinung:

    Mit "Mehr als die Erinnerung" hat Melanie Metzenthin wieder ein Meisterwerk geschaffen was alles enthält. Spannung, bei der ich bis zum Ende hin spekuliert habe, wer der Mörder ist. Immer wieder schafft die Autorin es eine falsche Fährte zu legen. Bis zum Finale bleibt alles offen. Natürlich geht es auch um Gefühle, Liebe und verletzte Seelen. Besonders hat mir gefallen, dass Melanie Metzenthin es wieder einmal, wie bei all ihren historischen Romanen, geschafft hat, mich tief zu berühren. Diese Romane bleiben mir besonders gut im Gedächtnis und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Das setzt einen Schreibstil voraus, der mich mitreißt und mir großen Lesespaß bereitet. All das wird in diesem Roman grandios umgesetzt.

    Es geht aber nicht nur um die Klärung der Morde, sonder auch darum, wie geistig eingeschränkte Menschen behandelt wurden. Die Bezeichnungen...Idioten, Blöde und Irre waren zur damaligen Zeit völlig normal. Auch die Behandlungsmethoden, die für mich einer Folter gleichkommen, waren keine Seltenheit in bestimmten Anstalten. Aber nicht so bei Dr. Meinhard und Frederike.

    Es ging auch darum, ob ein Leben in diesem Zustand lebenswert ist, ob angeboren oder durch eine Verletzung. Es ist es definitiv, wie man auch bei Frederike und ihrem Mann sehen kann. Sie liebt ihn bedingungslos, egal was durch die Kriegsverletzung mit ihm geschehen ist.

    Wieder habe ich viel historisches Hintergrundwissen erfahren, welches mit in dem Roman eingeflossen ist. Auch ein Aspekt, den ich an Melanie Metzenthin ihren Romanen so liebe.

    Für mich ein Lesehighlight des Jahres, absolute Leseempfehlung.

    &quot; Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben , über die Sterne&quot;<br />- Thomas Carlyle

  • Wenn mehr als die Erinnerung bleibt …


    Gut Mohlenberg, 1920: Friederike von Aalen arbeitet in der Pflegeanstalt für psychische Erkrankungen ihres Vaters mit. Einer ihrer Patienten ist ihr eigener Mann Bernhard, der seit einer schweren Hirnverletzung im Krieg ihrer besonderen Pflege bedarf. Bernhard scheint zwar oftmals auf dem Stand eines Kindes zu sein, aber mit seiner Frau verbindet ihn immer noch eine tiefe Liebe.

    Als kurz hintereinander in der Umgebung zwei grausame Morde geschehen, fällt der Verdacht schnell auf die Patienten von Mohlenberg. Da Friederike das nicht glauben kann, stellt sie heimlich eigene Fragen. Welche Rolle spielt dabei Walter Pietsch, der Mann mit den schlimmen Verbrennungen im Gesicht, der erst seit kurzem auf dem Gut angestellt ist?


    Nachdem mir die beiden Romane „Im Lautlosen“ und „Die Stimmlosen“ der Autorin sehr gut gefallen haben, war ich gespannt auf ihren neuesten Roman. Und ich wurde wieder nicht enttäuscht: durch das Krimielement der beiden Morde, die viele Fragen aufwerfen, bekommt der Roman eine ganz besondere Spannung.


    Da Melanie Metzenthin selbst praktizierende Ärztin ist, weiß sie, von was sie schreibt und umso spannender finde ich die Einblicke in die Geschichte der Psychiatrie und ihren Behandlungsmethoden in den 1920er Jahren. Dabei wurden verschiedene Ansätze verfolgt, aber die gängigsten Methoden damals wirken auf uns heute sehr erschreckend und erinnern eher an Foltermethoden.


    Umso erfreulicher ist es, dass es auf Gut Mohlenberg anders zugeht. Zudem nimmt die Pflegeanstalt auch immer wieder Angehörige reicher Familien kurzzeitig auf, um diese von ihrem Leiden zu kurieren. So auch Juliane Brunner, deren Familie hofft, dass sie auf Mohlenberg von ihrer Hysterie geheilt werden kann und ihnen keine weitere Schande bereitet. Dank Friederikes Einfühlungsvermögen gelingt es ihr, Zugang zu den Ängsten der jungen Frau zu bekommen.


    Friederike von Aalen muss man bewundern: als eine der wenigen Frauen hat sie in Heidelberg Medizin studiert, brach das Studium jedoch ein Semester vor Ende ab, weil ihr Mann im Krieg schwer verletzt wurde und ihre ganze Zuwendung benötigt. Auch wenn der ehemals schneidige Offizier laut Doktor Weiß, einem Kollegen in der Pflegeanstalt, den geistigen Stand eines Kindes hat, steht es für Friederike außer Frage, sich deswegen von ihrem Mann zu trennen, denn die beiden verbindet nach wie vor eine tiefe Liebe.


    Als der kriegsversehrte Walter Pietsch auf dem Gut seine Arbeit aufnimmt, verbringt dieser viel Zeit mit Bernhard, was sich sehr positiv auf ihn auswirkt. Es wird deutlich, dass mit der richtigen Förderung doch noch Erfolge bei Bernhard möglich sind. Und vieles von dem, was Bernhard früher ausgemacht hat und Friederike an ihm liebte, ist immer noch in seinem Charakter fest verankert.


    So gut Walter Bernhard tut, so wirft er doch auch Fragen auf: ist es Zufall, dass es ausgerechnet zu zwei Morden in der Umgebung kommt, nachdem er sich auf Mohlenberg niedergelassen hat? Doktor Weiß ist jedenfalls Pietsch gegenüber ziemlich misstrauisch. Weiß ist jedoch auch sehr schnell davon überzeugt, dass durchaus einer ihrer Patienten hinter den Morden stecken könnte, was Friederike einfach nicht glauben kann. Andererseits ist auch er etwas undurchsichtig und mir vor allem immer etwas zu direkt, wenn er Friederike davon überzeugen will, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen und stattdessen ihr Studium zu beenden.


    Ich war überrascht, wie die verschiedenen Ereignisse im Endeffekt miteinander in Verbindung standen und auch, wenn sich allmählich abzeichnete, wo der Mörder zu finden sein könnte, wäre ich auf die Auflösung im einzelnen nicht gekommen. Der spannende Roman konnte mich in jedem Fall wieder voll überzeugen und freue mich auf die nächsten Bücher der Autorin.


    5ratten

    Liebe Grüße

    Karin

  • Valentine

    Hat den Titel des Themas von „Melanie Metzenthin- Mehr als die Erinnerung“ zu „Melanie Metzenthin - Mehr als die Erinnerung“ geändert.
  • Spannend und sehr berührend


    Inhalt:

    Friederike von Aalen arbeitet auf Gut Mohlenberg, einer Einrichtung für psychisch kranke Menschen. Eigentlich wollte sie ihr Medizinstudium beenden, das hat sie aber abgebrochen, um sich um ihren Mann zu kümmern, der im ersten Weltkrieg schwer verwundet wurde. Eines Tages stellt sich eine neuer Mitarbeiter vor, der sich schnell in das Team integriert. Kurz darauf geschehen zwei grausame Morde. Hat dieser geheimnisvolle „Neue“ etwas damit zu tun?


    Meine Meinung;

    Nach "Im Lautlosen" und "Die Stimmlosen" war dies für mich das dritte Buch von Melanie Metzenthin. Wieder war ich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und tief berührt. Zum einen die Morde - die Ermittlungen konzentrieren sich zuerst auf die Patienten von Gut Mohlenberg, die „Irren“ sind die ersten, die in Verdacht geraten. Es ist bis zu letzten Seite spannend, die Auflösung ist überraschend und erschreckend.

    Neben dem Mordermittlungen spielen noch andere Dinge eine große Rolle. Die Geschichte spielt um 1920, also kurz nach dem ersten Weltkrieg. In einigen Rückblenden werden wir in das Jahr 1917 versetzt. Melanie Metzenthin vermittelt uns „nebenbei“ viel historisches und medizinisches Hintergrundwissen. Ich hatte das Privileg, an einer autorenbegleiteten Leserunde teilzunehmen (sehr zu empfehlen!), dadurch haben wir noch mehr an dem fundierten Wissen der Autorin teilhaben dürfen. Sie versteht es, komplizierte und komplexe medizinische Fakten in leicht verständliche Sprache zu bringen.

    Die Charaktere sind sehr facettenreich und authentisch gezeichnet. Friederike von Aalen ist eine starke, liebevolle Frau, die weiß, was sie will. Sie setzt ihren Kopf durch. Ihr Einfühlungsvermögen kommt den Patienten zugute, sie schafft es, Leute zum Reden zu bringen, die bei den studierten Ärzten den Mund nicht aufmachen. Rührend auch, wie sie sich um ihren Mann kümmert, der nach seiner Verletzung geistig auf dem Stand eines Kindes ist.

    Auch die anderen Protagonisten haben mich überzeugt. So manchem hätte ich gerne den Hals umgedreht.

    Das Ende war sehr überraschend und leider nicht (nur) happy. Ich weine ja nicht oft beim Lesen, aber da liefen mir auch die Tränen. Das Leben ist eben nicht fair.

    Bei diesem Buch hat das „Sacken lassen“ sehr lange gedauert. Noch immer beschäftigen mich Fragen, die das Geschehen bei mir aufgeworfen hat. Wann ist Leben lebenswert? Oder nicht mehr lebenswert? Wer entscheidet, ob ein Leben lebenswert ist?


    Fazit:

    Unbedingt lesenswert!


    5ratten

    Liebe Grüße, Caren

    —————

    Wenn lesen Kalorien verbrennen würde, wäre ich in kürzester Zeit beängstigend dünn.

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    Meine Rezensionen

  • "Mehr als die Erinnerung" von Melanie Metzenthien spielt in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Es handelt von Friederike und ihrem Mann Bernhard, der mit einer schweren Kopfverletzung aus dem Krieg zurück kam. Beider Idylle auf dem Gut Mohlenberg, einer psychiatrischen Pflegeeinrichtung, wird empfindlich gestört, als ein mysteriöser Unbekannter auf dem Gut eintrifft und gleichzeitig ein Mord geschieht.

    Ich muss gestehen, es ist mein erstes Buch von Melanie Metzenthien und gar nicht das Genre, dass ich normalerweise lese. Hauptsächlich hat mich daran der Hintergrund der Geschichte gereizt, nämlich die Psychiatrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und in dieser Beziehung bin ich nicht enttäuscht worden.

    Melanie Metzenthien ist es hervorragend gelungen, eine spannende und berührende Geschichte mit einer Beschreibung der damaligen psychiatrischen Verhältnisse und zum Teil erschreckenden Ansichten zu verbinden. Man wird sofort mit den Protagonisten warm, Bernhard insbesondere wächst dem Leser direkt ans Herz. Gerade sein Werdegang vom Stand eines 5-jährigen Kindes zu einem Mann, der zwar immer noch geistig eingeschränkt, aber deswegen nichtsdestotrotz bereit ist, seine Liebe zu beschützen und Verantwortung zu übernehmen, hat mich sehr berührt. Und es lässt den Leser mit der Frage zurück, ob ein Leben mit einer schweren Behinderung nicht doch lebenswert ist.

    "Mehr als die Erinnerung" ist für diejenigen Leser geeignet, die nicht nur an Schicksalsschlägen oder historischen Zeiten interessiert, sondern auch bereit sind, die eigenen Ansichten zu überdenken. Es bekommt von mir 5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung.

    5ratten:tipp:

  • Zum Inhalt ist dem Klappentext nichts hinzuzufügen, dafür teile ich umso lieber meine persönliche Meinung zu dem Buch. Es war für mich inzwischen schon das dritte Buch der Autorin und ich bin nach wie vor schwer beeindruckt von Melanie Metzenthin. Sie ist eine äußerst sympathische Powerfrau, die sich immer wieder großartig in diese Leserunde eingebracht hat, sodass das Buch bei mir einen noch tieferen Eindruck hinterlassen konnte. Sie hat mir in einem spannenden Roman, der eigentlich schon Kriminalcharakter hat, die Welt der „Irrenärzte“ und ihrer Patienten näher gebracht. Es ist schon unglaublich, in welche Abgründe manche Ärzte in dieser Zeit stiegen, um Versuche an ihren Schützlingen durchzuführen. Ein Paradebeispiel hierfür in diesem Buch ist einer der Ärzte auf Gut Mohlenberg, der selbst vor Mord nicht zurückzuschrecken schien.

    Doch sie erklärt uns auch durch ihre Protagonistin Friederike von Aalen, dass Liebe, Fürsorge und viel Geduld zu positiven Ergebnissen führen können, und dass ein Leben mit einer geistigen Einschränkung keinesfalls ein unwertes Leben sein muss.

    Durch diese beiden Gegensätze hat Melanie mir als Leserin in einer verständlichen Sprache viel medizinisches Fachwissen vermittelt – verpackt in einen fesselnden Roman - ohne dass ich mich auch nur einen Moment gelangweilt hätte. Ich freue mich nun schon riesig auf ihr nächstes Buch, das sie hoffentlich wieder in einer ihrer inzwischen recht bekannten Leserunden begleiten wird.


    Von mir bekommt das Buch 4,5 von 5 möglichen Sternen :)

    Einmal editiert, zuletzt von engi ()

  • Mehr als die Erinnerung

    Melanie Metzenthin


    Ich kannte vorher schon zwei Bücher der Autorin, die mich begeistert haben – „Die Stimmlosen“ und „Die Lautlosen“. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an dieses Buch.

    Melanie Metzenthin hat mich nicht enttäuscht!


    Sie erzählt hier eine vielschichtige Geschichte: wir erfahren von zwei Morden, deren Aufklärung durch Vorurteile erschwert wird, aber auch von Menschen, die große Geheimnisse mit sich tragen und natürlich spielen Freundschaft und Liebe eine wichtige Rolle. Es geht unter die Haut, die verschiedenen Schicksale zu verfolgen, so nach und nach einen Blick in verwundete Seelen zu werfen. Ein sensibles Thema, das von der Autorin, die selber ja Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist, einprägsam geschildert wird.


    Die einzelnen Charaktere werden detailreich gezeichnet, der Handlungsverlauf ist realistisch , die Auflösung der Morde spannend und logisch. Der Roman ist manchmal dramatisch, manchmal tragisch, zwischendurch auch romantisch, ohne je kitschig zu werden. Soweit ein wunderschöner und berührender Roman.


    Aber Melanie Metzenthins Bücher sind im allerpositivsten Sinne anders. Der Leser erfährt viel über die Psychiatrie um das Jahr 1920, die gängigen Behandlungsmethoden, den Stellenwert der sogenannten „Irrenkolonien“ und ihrer Ärzte. Es ist eine interessante Darstellung bzw Gegenüberstellung der verschiedenen Denkansätze in diesem Bereich der Medizin. Die Autorin kombiniert Fachwissen mit einem unglaublich fesselnden Schreibstil, denn Geschichten erzählen kann sie wirklich!


    Wer also eine tolle Geschichte mit viel Fachinformationen lesen will, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Es ist unbedingt lesenswert!

    Ach ja… im Herbst kommt das nächste Buch von Melanie Metzenthin. Ich hab es schon mal vorbestellt...


    5ratten:tipp:


  • Mehr als die Erinnerung
    von Melanie Metzenthin



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    Über das Buch:

    Der im frühen 20. Jahrhundert spielende Roman wurde im Mai 2019 herausgegeben.


    Klappentext gemäß Amazon:

    "Gut Mohlenberg, 1920: In der Einrichtung für psychisch kranke Menschen kümmert die junge Medizinerin Friederike von Aalen sich liebevoll um die Patienten. Einer von ihnen ist Friederikes Mann Bernhard, der nach einer Hirnverletzung im Krieg ihre besondere Zuwendung braucht. Der schneidige Leutnant von einst erinnert sich an vieles nicht, aber mit seiner Frau verbindet ihn noch immer eine tiefe Liebe.

    Da geschehen in der Gegend kurz hintereinander zwei grausame Morde. Man ist schnell bei der Hand mit den Verdächtigungen: Es muss einer der »Geisteskranken von Mohlenberg« gewesen sein! Doch Friederike würde für ihre Patienten die Hand ins Feuer legen und stellt heimlich eigene Nachforschungen an. Was weiß Walter Pietsch, der Mann mit den schlimmen Verbrennungen, den sie vor Kurzem erst eingestellt haben? Und welche Rolle spielt der hochintelligente, aber kühle Dr. Weiß? Zu spät begreift Friederike, dass sie mit ihren Fragen sich selbst und die Menschen in ihrer Nähe in große Gefahr gebracht hat …"


    Inhalt und Stil:

    Das Buch erzählt die Geschichte besonderer Vorkommnisse in einer ländlich gelegenen Einrichtung für psychisch kranke und eingeschränkte Menschen im frühen 20. Jahrhundert: Der im Gesicht durch Verbrennungen schlimm entstellte Walter bittet die Einrichtung Gut Mohlenberg darum, ihn als Arbeiter für anfallende Aufgaben aufzunehmen. Die junge Medizinerin Friederike und ihr Vater, der Leiter der Einrichtung, nehmen Walter auf. Beide kümmern sich mit Respekt und Wohlwollen um die dort lebenden Patienten und Patientinnen, zu denen unter anderem Bernhard, Friederikes im Krieg schwer verwundeter Mann, der alte gutmütige Kuno und die junge Juliane gehören.

    Plötzlich geschehen zwei Morde im Dorf, und die Patienten von Gut Mohlenberg stehen unter Generalverdacht. Friederike glaubt fest an die Unschuld ihrer Schützlinge und begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit. Doch Walter scheint ein Geheimnis zu haben, und der Arzt Dr. Weiß fällt durch erhabenes, abweisendes Verhalten auf. Mehr und mehr Steine werden Friederike und ihren MitstreiterInnen in den Weg gelegt, die es gilt, zu überwinden.


    Der Schreibstil des Buches ist flüssig, die Wortwahl der damaligen Zeit entsprechend. Im Nachwort gibt die Autorin in diesem Kontext einen kleinen Exkurs. Die Kapitel sind nicht zu lang und nicht zu kurz.

    Hauptfokus des Buches sind die Diskurse rund um die Pschologie und die Menschen, die im Gut Mohlenberg und ähnlichen Einrichtungen leben. Die Frage nach lebenswertem Leben in Bezug auf Menschen mit Behinderung ist mehrmals Thema.

    Die Figuren sind vielschichtig und glaubhaft.



    Meine Meinung:

    Das Buch war mein erstes Buch von der Autorin und es hat mir sehr gut gefallen. Von der ersten bis zur letzten Seite war ich stets unterhalten, gespannt, mitgerissen und gerührt. Alle Figuren waren detailreich beschrieben und haben glaubhaft gehandelt. Der Schreibstil war schön und hat mir sehr gut gefallen.


    Obgleich es Krimi-esque Elemente gibt, ist dieser Roman eher ein historisch-anmutendes Porträt mit Fokus auf die Darstellung von Psychiatrie dieser Zeit. Es wurden verschiedene Strömungen subtil dargelegt und in die Geschichte eingewoben, diverse wichtige (reale) Namen erwähnt und der damalige Zeitgeist glaubhaft wiedergegeben. Soweit ich das beurteilen kann war der Roman sehr gut recherchiert und die Kompetenzen der Autorin (ihres Zeichens Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie) kamen gut zum Einsatz. So beschäftigt sich der Roman nicht nur mit der Aufklärung zweier schlimmer Morde sondern setzt sich auch mit dem Begriff der Seele, Behinderungen, lebenswertem Leben und Opfer-Täter-Thematiken und gewissermaßen auch Feminismus auseinander - alles verpackt in eine respektvolle, feinfühlige und gut geschriebene Geschichte.


    Ich vergebe 5 Ratten und freue mich schon auf die anderen Romane der Autorin!


    5ratten