Jacqueline Winspear - The Care and Management of Lies

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.
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    Schon bevor sie gemeinsam das Lehrerinnen-College besucht haben, waren Thea (die damals von ihrem Dickens-begeisterten Vater noch Dorrit gerufen wurde) und Kezia enge Freundinnen. Sie sind im gleichen Ort in Kent aufgewachsen, Thea auf einem Bauernhof, Kezia als Tochter des Pfarrers. Nun steht Kezias Hochzeit mit Theas Bruder Tom an, und die Lebenswege der beiden trennen sich zwar nicht gänzlich, deuten aber doch in ganz unterschiedliche Richtungen. Kezia, ein wenig verträumt-romantisch, geht gänzlich unbedarft der Ehe mit Tom und ihren künftigen Aufgaben als Ehefrau eines Hofbesitzers entgegen, während Thea immer noch in London wohnt und sich voller Leidenschaft dem Kampf für das Frauenwahlrecht widmet.


    Den Gerüchten, dass ein Krieg bevorstehen könnte, schenkt Kezia zunächst nur wenig Glauben, zu beschäftigt ist sie mit ihrer eigenen kleinen Welt, doch bald ist es bittere Gewissheit, dass England sich im Krieg gegen Deutschland befindet. Auch Tom fühlt sich wie viele andere junge Männer verpflichtet, sich freiwillig zum Dienst an der Waffe zu melden, und Kezia wird ins kalte Wasser geworfen und muss mit einigen wenigen Helfern und ein paar alten Pferden den Hof am Laufen halten. Thea hingegen ist ganz und gar gegen den Krieg und schließt sich einer pazifistischen Bewegung an. Kein ungefährliches Unterfangen in einer Zeit der allgemeinen Kriegsbegeisterung, denn solche Gruppierungen stehen wegen potentieller "Wehrkraftzersetzung" unter scharfer Beobachtung.


    Von der großen Freundschaft zwischen Kezia und Thea ist für mich nicht allzu viel spürbar geworden in diesem Buch. Schon zu Beginn stehen die beiden an einem Punkt, an dem die Unterschiede zwischen ihnen größer scheinen als die Gemeinsamkeiten. Thea wirkt fast schon fanatisch und verbissen in ihren Ansichten, was sich erst zu einem relativ späten Zeitpunkt ändert, nachdem sie eine Entscheidung getroffen hat, die für mich nicht richtig nachvollziehbar wurde.


    Kezia kam mir über weite Strecken vor wie ein kleines Mädchen, das Erwachsensein spielt und jede Menge romantischen Quatsch über das Leben einer Bauersfrau im Kopf hat. Man muss ihr aber doch lassen, dass sie das Herz am rechten Fleck hat und sich tapfer schlägt, als sie auf einmal Toms Rolle als "Chefin" auf dem Hof übernehmen muss. Ihre Verwandlung von der totalen Küchennull zur kreativen Starköchin innerhalb weniger Monate fand ich ebenso wenig glaubhaft wie Theas bereits erwähnten Sinneswandel, doch sie war natürlich im Sinne des Plots notwendig, weil Kezia Tom immer wieder von herrlichen Mahlzeiten schreibt, die sie liebevoll zubereitet, als äße er mit.


    Diese Briefe werden Tom ein großer Trost und sogar legendär unter seinen Kameraden im Schlamm, Blut und Elend der Schützengräben. Die Szenen an der Front gehören zu den eindrücklichsten des Buches, wenngleich es auch ein paar Momente gibt, die konstruiert wirken. Über die Zeit des 1. Weltkrieges habe ich schon deutlich Besseres gelesen.


    Kein schlechtes Buch, aber auch keins, das mich so richtig mitgenommen hat. Die weiblichen Hauptfiguren blieben mir zu fern, viele ihrer Probleme wirkten vor allem zu Beginn gekünstelt, und diese ganze Nummer mit den Menüs in den Briefen fand ich in der Häufung ein bisschen too much. Das Ende fand ich dick aufgetragen, aber die allerletzten Seiten haben mich dann doch ziemlich berührt.


    Nett, aber nichts, was man unbedingt gelesen haben muss. Auch wenn der Titel klasse ist.


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    (Agnès Varda)