Eva-Maria Altemöller - Herzblut. Eine Liebeserklärung an den kleinen Laden

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 14 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

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    Mit "Herzblut - Eine Liebeserklärung an den kleinen Laden" ist Eva-Maria Altemöller ein Wurf gelungen.

    Ist es wirklich so berauschend, in Internetshops einzukaufen? Mitzuerleben, wie in der Innenstadt ein kleiner hübscher Laden nach dem anderen den Geist aufgibt? Machen nicht gerade diese kleinen Läden das Bild eines Ortes aus? Geben ihm Flair?

    Ich habe schon so viele Klagen im Netz gelesen, warum Leute online shoppen. Alles faule Ausreden, kann ich da nur sagen.

    Und muss mich leider mit an die eigene Nase fassen. Aber ich werde mich bemühen.

    Wir alleine haben es meiner Meinung nach in der Hand, das Rad zu drehen. Die Politik wird da nicht helfen. Die ist schon seit Langem Befehlsempfänger der Finanzindustrie.

    Ein Leben ohne Bücher? - Unvorstellbar! - Von mir höchstselbst

  • Frau Altemöller berichtet über Gespräche, die sie mit anhören muss, weil beim Eisessen am Nebentisch wieder darüber debattiert wird, was man im Netz alles zu Schnäppchenpreisen bekommen hat. Und da das mittlerweile keine Seltenheit mehr ist, fragt sie sich schon, warum sie noch versucht, gegen diesen Wahnsinn anzuschreiben.


    Die meisten Ausreden von Online-Shoppern, die ich höre oder lese: Die da oben wollen es doch so, da kommen wir doch eh nicht gegen an. Oder: Ich muss ja im Internet bestellen, bei uns gibt es keine Buchläden mehr. Der nächste Buchladen ist erst in der nächsten Großstadt usw. usf.

    Ja, warum sind die Läden nicht mehr da, frage ich mich dann?

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  • Ist es wirklich so berauschend, in Internetshops einzukaufen?

    Bei manchen Dingen schon. Wenn ich genau weiß, was ich will und keine Beratung brauche, oder bei etwas, das ich eben nur online bekomme, dann finde ich es durchaus legitim.

    Machen nicht gerade diese kleinen Läden das Bild eines Ortes aus?

    In einer größeren Stadt gehen kleine Läden oft unter, weil nicht immer ausreichend Werbung dafür gemacht wird/werden kann. Meinen Unverpackt-Laden habe ich zB nur gefunden, weil ich gezielt danach gesucht habe.

    Wir alleine haben es meiner Meinung nach in der Hand, das Rad zu drehen.

    Das stimmt, aber es ist nicht immer einfach. Wir gehen zum Markt und ich gehe einmal in zwei Wochen in den Unverpackt-Laden. Das kostet Zeit und die will ich mir nicht immer nehmen. Ich komme gegen 16:00Uhr von der Arbeit nach Hause, mein Mann oft erst nach 19:00Uhr. Wir haben eine Tochter und eine Schwiegermutter, durch deren Betreuung ich oft am Wochenende alleine bin. Da laufe ich manchmal lieber schnell zum größeren Supermarkt, weil es einfach schneller geht.


    Außerdem habe schon ich in einem kleinen Fahrradladen schlechte Erfahrungen gemacht, war trotzdem regelmäßig da, die Erfarungen haben sich bestätigt und gehe deshalb jetzt zu den Schraubern im großen Geschäft. Ja, wir haben es alle in der Hand, aber nicht nur die Konsumenten. Auch die Händler.

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.

  • Kirsten , Du ziehst jetzt den Vergleich zwischen kleinen und großen Läden. In dem Buch geht es mehr um den Laden in der Stadt, Dorf, Gemeinde und dem Online-Shoppen.

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  • Ah so, da habe ich in eine andere Richtung gedacht. Wobei das Verschwinden der kleinen Läden natürlich schon auch durch große Ketten bedingt ist. Gerade ausserhalb der Stadt stelle ich es mir als Verbraucher noch schwieriger vor, kleine Läden ausreichend zu unterstützen, gerade auch wegen der längeren Wege.

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  • Ich habe noch ein paar Seiten gelesen. Es geht auch darum, wie unser Gehirn die Digitalisierung aufnimmt, dass unsere kreative Seite durch das viele Onlinesein quasi verdrängt wird. Sie beschreibt anhand toller Beispiele, was es mit uns macht, in einen schönen Laden zu gehen - besonders spricht sie da Buch- und Schreibwarenläden an.


    Mir geht gerade so viel durch den Kopf, dass ich das gar nicht alles so schreiben kann. Ich denke daran, dass es auch mal eine Zeit ohne Onlinekauf gab. Wie haben wir das nur bewerkstelligt.


    Und wenn wir bei Deinem Vergleich bleiben, Kirsten , die kleinen Läden sind nicht wegen der großen Ketten verschwunden, sondern wegen unserem Kaufverhalten. Wir haben uns durch die Werbung der Großen einfangen lassen. Wir hätten ihnen zeigen können, dass wir sie nicht wollen.

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  • Mich stört in der Diskussion ein bisschen die pauschale Idealisierung der kleinen Läden und die Auffassung, dass nur der Kunde schuld ist, wenn kleine Läden baden gehen.


    Nicht falsch verstehen, ich finde kleine Geschäfte wahnsinnig toll, die vom Inhaber mit Herzblut geführt sind, und gehe da auch gerne hin (insbesondere in die schon genannten Buch- oder Schreibwarenläden).


    Aber kleiner inhabergeführter Laden ist eben lang nicht immer auch gleich guter Laden und schon gar nicht gleich Herzblut. Man muss schon auch etwas dafür tun, dass die Leute gerne kommen. Gute Beratung, guter Service, Freundlichkeit sind wesentliche Faktoren für eine dauerhafte Kundenbindung. Muffiges, unflexibles Personal und entweder superaufdringliche oder aber gar keine Beratung sind für mich gute Gründe, einen Laden kein zweites Mal aufzusuchen. Da bestelle ich meine Klamotten tatsächlich lieber online, als mich vor einer neugierigen Verkäuferin ständig rechtfertigen zu müssen, warum ich XY nicht kaufen möchte.

    Ich denke daran, dass es auch mal eine Zeit ohne Onlinekauf gab. Wie haben wir das nur bewerkstelligt.

    Die Dinge entwickeln sich eben. Früher ging es auch ohne Auto und Bahn, aber sicher will keiner zur Zeit der Pferdekutschen zurück.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Den Onlinekauf (zumindest von Amazon & Co.) sehe ich nicht als Entwicklung. Zumindest nicht als gute. Da gibt es nämlich viel zu viele Verlierer.

    Frau Altemöller führt an, dass wir in Europa schon mal von all dem billigen Schrott weg waren, mit dem uns vor allem die Chinesen jetzt wieder einmüllen. Und warum können diese Firmen Produkte zu Spottpreisen verkaufen? Zahlen sie bei uns ihre Steuern, wohl nicht. Selbst die Mehrwertsteuer umgehen sie mittlerweile, da sie vieles als gebraucht anbieten. Da gelten wieder Extraregeln. Und die Arbeitskräfte? Was verdienen die daran. Hin und wieder konnte man in den Medien lesen oder sehen, unter welch menschenunwürdigen Bedingungen sie tätig sind. Da möchte ich nicht die Dunkelziffer wissen.


    Wenn man mir in einem Laden dumm gekommen ist, dann habe ich mich beschwert und bin in einen anderen gegangen. Zumindest hatten wir ja mal die Wahlmöglichkeiten.


    Ich will auch den Onlineshop nicht verteufeln. Viele Läden führen ihn nebenher, weil sie sonst nicht mehr über die Runden kommen.

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  • Die Steuerproblematik sehe ich auch als ungute Entwicklung, gar keine Frage. In Frankreich wurde das ja jetzt angepackt - ich hoffe, dass das Schule macht.

    Frau Altemöller führt an, dass wir in Europa schon mal von all dem billigen Schrott weg waren, mit dem uns vor allem die Chinesen jetzt wieder einmüllen.

    Kannst Du das etwas genauer ausführen? Der Billigkram aus Fernost ist zumindest nach meinem Empfinden seit seinem Aufkommen nie weg gewesen :confused:

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Valentine weg war das Zeug nie, nur mit den Billigläden, wo man Zeug für 1€ kaufen kann, ist es gefühlt mehr geworden. Aber in meinen Augen findet ein Umdenken statt. Viele Leute kaufen wieder mehr hochwertige Sachen, da allerdings oft gebraucht und das hilft den kleinen Läden nicht wirklich (ist aber auch eine andere Diskussion).

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  • In den Geschäften macht er aber nicht die Masse aus. Online sieht das da wohl anders aus. Wenn ich da nur an die Plattform Wish denke.

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  • Wenn ihr mögt, schicke ich das Buch gerne mal auf Wanderschaft.

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  • Aber in meinen Augen findet ein Umdenken statt. Viele Leute kaufen wieder mehr hochwertige Sachen, da allerdings oft gebraucht und das hilft den kleinen Läden nicht wirklich (ist aber auch eine andere Diskussion).

    Ich habe auch den Eindruck, dass sich da was wandelt. Finde ich grundsätzlich gut, sich von der Wegwerfmentalität wegzubewegen (klar, gebraucht hilft den Läden nicht, aber dafür der Umwelt).

    In den Geschäften macht er aber nicht die Masse aus.

    Billigläden gibt's auch mehr als genug. Allein schon die ganzen Billigklamottenketten.


    Mit Wish und vergleichbaren Plattformen habe ich mich noch nie wirklich beschäftigt, nur ab und an mal im Netz Werbung dafür gesehen. Da zieht es mich genauso wenig hin wie in die Ein-Euro-Shops. Wäre aber mal interessant, wie viel Absatz die so machen und ob die Käufer dauerhaft treu bleiben. Ich habe das nur mal bei irgendeiner Billigkleidungsseite aus China mitbekommen - da war die Qualität der Waren und der Abwicklung so miserabel, dass es selten zu einer zweiten Bestellung kam.


    Wahrscheinlich muss man einfach trennen zwischen (platt formuliert) guten und schlechten Onlineshops. Für so manchen Onlineanbieter bin ich definitiv dankbar, weil es bestimmte Dinge in meiner Stadt nicht zu kaufen gibt. Und es gibt ja auch viele kleine Start-up-Shops, die Schönes und Nützliches anbieten. Die unterstütze ich gerne.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Frau Altemöller spricht noch ein Thema an: den Müll. Ich zitiere mal von Seite 106:


    "Denn ganz ehrlich: Wie kann es sein, dass in Europa gerade wieder mehr Müll produziert wird als jemals zuvor? Wieso werden die Internetfirmen (Anm. von mir: Sie schreibt namentlich immer von Ammazzando), auf deren Konto der größte Teil davon geht, nicht mit den Entsorgungsgebühren belastet, beziehungsweise mit einer Umweltsteuer für alle, die hier ohne Not die Luft verpesten, indem sie ihre Retouren kurzerhand verbrennen, statt zu recyceln? Wie schwer kann es sein, Firmen, die die europäischen Autobahnen verstopfen, aber hier keine Steuern zahlen, mit einer Mautgebühr zu belasten? Warum wird das nicht gemacht? Weil das den ,Standort Deutschland' gefährdet? Diesen verflixten Standort, dessentwegen jetzt schon ABC-Schützen programmieren lernen sollen, auf dass wir ökonomisch ja nicht ins Hintertreffen geraten?

    Wie ist es möglich, dass die Ammazzandos ihre Gewinne einstreichen und nicht mal danke sagen, während sie gleichzeitig die so genannten externen Kosten auf die Gesellschaft umwälzen und uns die leeren Pullen und die Pizzaschachteln der Fete dalassen, die sie feiern?"


    Ich habe noch einen interessanten Zeitungsbeitrag gefunden: https://www.haz.de/Nachrichten…uld-ist-am-Amazon-Irrsinn

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  • Das Thema mit den Rücksendungen sehe ich auch sehr kritisch. Ich wusste lange Zeit gar nicht, dass das bei manchen Anbietern einfach weggeworfen wird. Idiotisch.

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    (Agnès Varda)