Rebecca Gablé - Teufelskrone

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 43 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kessi69.

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    Zum Inhalt (lt. Amazon):


    England 1193: Als der junge Yvain of Waringham in den Dienst von John Plantagenet tritt, ahnt er nicht, was sie verbindet: Beide stehen in Schatten ihrer ruhmreichen älteren Brüder. Doch während Yvain und Guillaume of Waringham mehr als die Liebe zur selben Frau gemeinsam haben, stehen die Brüder John Plantagenet und Richard Löwenherz auf verschiedenen Seiten - auch dann noch, als John nach Richards Tod die Krone erbt. Denn Richards Schatten scheint so groß, dass er John schon bald zum Fluch zu werden droht ...


    Zur Autorin:


    Rebecca Gablé studierte Literaturwissenschaft, Sprachgeschichte und Mediävistik in Düsseldorf, wo sie anschließend als Dozentin für mittelalterliche englische Literatur tätig war. Heute arbeitet sie als freie Autorin und lebt mit ihrem Mann am Niederrhein und auf Mallorca. Ihre historischen Romane und ihr Buch zur Geschichte des englischen Mittelalters wurden allesamt Bestseller und in viele Sprachen übersetzt. © FinePic


    Meine Rezension:


    Im Jahr 1193 regiert Richard Löwenherz über das englische Reich. Und während sich Guillaume of Waringham mit dem König auf einen Kreuzzug ins Heilige Land begibt, schwört sein Bruder Yvain of Waringham John Plantagnet die Treue. Dieser ist im ständigen Streit mit dem königlichen Bruder um die Herrschaft des Landes und so sind auch die Waringhams viele Jahre in unterschiedlichen Lagern. Daran ändert sich auch nicht viel, als Richard überraschend stirbt und John gekrönt wird. Aber diesem König treu und ergeben zu folgen wird für Yvain zu einer schier unlösbaren Lebensaufgabe. Mehr als einmal werden seine Ehre und seine Ritterlichkeit in Frage gestellt und er gerät in tiefe Gewissenskonflikte und Sorge um das Heil seiner Familie und das Wohl des ganzen Landes.


    „Teufelskrone“ ist – wie ich es bereits erwartet hatte – mein Histo-Jahreshighlight. Aber nicht nur das. Es ist unter Rebecca Gablés genialen Romanen sicherlich eines der Besten. Das liegt nicht nur daran, dass sie wieder einmal hervorragend recherchiert hat und die englische wechselvolle Geschichte der damaligen Zeit dem Leser so lebhaft und hautnah und klug erzählt wie kaum eine andere. Natürlich ist ihr Held wie immer einer, den man ins Herz schließt, weil er ein echter Waringham ist. Leidenschaftlich in seiner Liebe und seiner Treue; mutig und loyal für Familie und König; aufgeschlossen und fürsorglich auch für die einfachen Leute; pferdenärrisch und ein Freund, wie jeder ihn sich wünscht. Und die Wendungen und Wirrungen, die Yvains Leben und diese Geschichte nehmen, sind so spannend und überraschend, dass es mir mehr als einmal den Atem genommen hat.


    Aber das wirkliche I-Tüpfelchen in diesem Buch war für mich der Charakter des John Plantagnet, König Ohneland, König von England. Man hat ihn aus vielen Filmen und Büchern irgendwie im Kopf, aber wenn man dieses Buch liest, dann merkt man, dass man ihn gar nicht wirklich kannte und sehr vieles gar nicht oder nicht im passenden Kontext wusste. Dieser Mann wird für mich zum ersten Mal so komplex, ambivalent, omnipotent, gewalttätig und faszinierend geschildert, wie er wahrscheinlich wirklich gewesen ist. Rebecca Gablé erweckt ihn zum Leben und lässt uns teilhaben an seinem Kampf um die Macht, seinen Kriegen um die französischen Gebiete seines Reiches, seinem Jähzorn und seinen Liebschaften.


    Abgerundet mit einem wunderbaren Nachwort, welches Fakten und Fiktion ins richtige Lot rückt, bin ich rundrum begeistert und geflasht von diesem Buch und unglaublich froh, dass ich es gelesen habe. Ein Dankeschön an die Autorin für diese Geschichte.


    5ratten:tipp:

    :lesen:





  • Ich lese ja kaum noch Romane, die man explizit als reine historischer Romane bezeichnen würde. Aber auf diesen Wahringham freu ich mich mega. Für mich gehört die Familie einfach sehr ins tiefe Mittelalter ;) und ich mag es, wie Gable es immer wieder schafft, mal einen anderen Blickwinkel einzunehmen als andere Autoren*innen. Deshalb bin ich soooooooooooo gespannt auf diesen Roman hier. Ich hoffe darauf das eine Freundin von mir ihn schon hat und ich ihn dann nach ihr lesen kann :err:

  • Ich freue mich auch schon sehr auf das Buch, vielen Dank für die Rezension gagamaus ! Vor allem der letzte Teil stimmt mich sehr optimistisch, denn ich war immer schon "Team John I" und fand, dass er von der Geschichtsschreibung eher schäbig behandelt wurde, im Vergleich zum überhöhten Richard I. Ich werde wohl auf das Taschenbuch warten, aber das mit Vorfreude!

  • Oh wow gagamaus , du hast es schon gelesen? Ich freue mich auch schon riesig darauf. Tolle Rezi:), macht gleich noch mehr Lust und die Vorfreude steigt.


    Das einzige was mich etwas wundert ist, dass das Geschehen fast vierhundert Jahre zu Band 5 zurück geht, wo die anderen Teile in der Zeit fortlaufend waren.

    &quot; Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben , über die Sterne&quot;<br />- Thomas Carlyle

    2 Mal editiert, zuletzt von Kessi69 ()

  • Das einzige was mich etwas wundert ist, dass das Geschehen fast vierhundert Jahre zu Band 5 zurück geht, wo die anderen Teile in der Zeit fortlaufend waren.

    Rebecca Gablé möchte keine Romane schreiben, die zu nah an der Neuzeit sind. Sie möchte bei "wirklichen" Historischen Büchern bleiben und dieses Prequel passt tatsächlich, da sie diese Zeit der Waringhams noch nicht erzählt hatte.


    Bin fast neidisch auf Euch, weil ihr das Lesevergnügen noch vor Euch habt. Bitte unbedingt melden, wie es Euch gefallen hat. :)

    :lesen:





    Einmal editiert, zuletzt von gagamaus ()

  • Das einzige was mich etwas wundert ist, dass das Geschehen fast vierhundert Jahre zu Band 5 zurück geht, wo die anderen Teile in der Zeit fortlaufend waren.

    Rebecca Gablé möchte keine Romae schreiben, die zu nah an der Neuzeit sind. Sie möchte bei "wirklichen" Historischen Büchern bleiben und dieses Prequel passt tatsächlich, da sie diese Zeit der Waringhams noch nicht erzählt hatte.


    Bin fast neidisch auf Euch, weil ihr das Lesevergnügen noch vor Euch habt. Bitte unbedingt melden, wie es Euch gefallen hat. :)

    Ah okay, mir soll es recht sein das sie nicht in die Neuzeit geht. Gefällt mir eh besser. Ich melde mich wenn ich es fertig habe.

    &quot; Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben , über die Sterne&quot;<br />- Thomas Carlyle

  • Wobei ich die Zeit nach Elizabeth I durchaus auch noch interessant gefunden hätte, aber allgemein mag ich es sehr, das sie zurück ins Mittelalter gesprungen ist. Ich hatte zunächst gedacht, sie lässt die Familiengeschichte nun ganz ruhen und widmet sich lieber ihrer anderen Reihe.

    Ich meld mich auf jedenfall wenn ich Teufelskrone gelesen habe.

  • Ich freue mich auch schon sehr auf das Buch, vielen Dank für die Rezension gagamaus ! Vor allem der letzte Teil stimmt mich sehr optimistisch, denn ich war immer schon "Team John I" und fand, dass er von der Geschichtsschreibung eher schäbig behandelt wurde, im Vergleich zum überhöhten Richard I. Ich werde wohl auf das Taschenbuch warten, aber das mit Vorfreude!

    Das bin ich auch! Team John I und ich freu mich wie bolle auf das Buch!!! Ich habe Rebecca Gablé schon vor Jahren mal geschrieben, dass das genau das Buch ist, dass ich mir von ihr erhoffe und jetzt hab ich es bald in der Hand!!!!!

  • Ihr macht einen Neugierig - Wirklich !


    Ich muss zugeben, dass ich nach "Das Spiel der Könige" die Warringham-Serie nicht mehr weiter verfolgt habe.

    Jedoch hatten mir die Bücher: - Das zweite Königreich - Der König der purpurnen Stadt und auch Hiobs Brüder wirklich gut gefallen, weil sie zeitlich vor >Das Lächeln der Fortuna< angesiedelt waren und ich die Männer der Helmsby Familie so mochte. :herz:

    Am 01.09. erscheint auch das Hörbuch zur > Teufelskrone < .....

    Da ich es im Audible Abbo für ein Guthaben bekomme werde ich mir wohl dieses HB direkt beim erscheinen zulegen. :lachen:

    Diese Geschichte um John und vielleicht auch Robbin Hood hat mich schon immer interessiert.

  • Diese Geschichte um John und vielleicht auch Robbin Hood hat mich schon immer interessiert.

    Robin Hood ist ja eine fiktive Gestalt. Er entstand wohl aus verschieden realen Persönlichkeiten, die aber alle weit vor John und Richard lebten. Also hätte es ihn gegeben, dann hätte er John nicht getroffen. Schade eigentlich. Aber Yvain ist ein guter Ersatz. ;)

    :lesen:





  • Robin Hood ist ja eine fiktive Gestalt. Er entstand wohl aus verschieden realen Persönlichkeiten, die aber alle weit vor John und Richard lebten. Also hätte es ihn gegeben, dann hätte er John nicht getroffen. Schade eigentlich. Aber Yvain ist ein guter Ersatz. ;)

    Danke für deine Erklärung Gagamaus. <3

    Irgend so etwas hatte ich schon mal gelesen, aber ich hatte die leise Hoffnung, dass Gablè irgendwo einen Adligen in dieser Zeit findet dem sie diese Rolle des Robin Hood zuschustern kann. ^^

    Allerdings kann man sich bei RG darauf verlassen, dass sie auch noch genügend andere Gegenspieler für John aus dem Ärmel schüttelt.;)

    Von daher bin ich sicher, dass es ein besonderes Vergnügen sein wird dieses Buch zu lesen oder zu hören.

  • Ich freue mich gerade wie bolle. Ich habe von NetGalley das eBook als Rezensionsexemplar bekommen. Nun kann ich bald starten:D, muss nur noch schnell zwei Bücher lesen.

    &quot; Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben , über die Sterne&quot;<br />- Thomas Carlyle

  • Teufelskrone von Rebecca Gable


    Was soll ich sagen? Ich kann euch nur meine Gefühllage annährend beschreiben, in der ich vor der Lektüre der „Teufelskrone“ war. Und danach. Ich denke, das gibt am besten wieder, wie ich das Buch wahrgenommen habe.


    Zunächst einmal mag es jeden Histo- und Gable-Fan verwundern. Waringham im 12. Jahrhundert? War die Autorin nicht schon längst bei Britanniens Seefahrten und den großen Kapitänen angelangt? Warum reist sie nun wieder in der Zeit zurück?

    Die Frage ist ganz einfach zu beantworten: Weil sie ein unglaublich spannendes Stück Geschichte ausgegraben hat, über welches sie noch nicht geschrieben hat – und zwei Könige, an deren Seite noch kein Waringham stand. Also – auf zu neuen Abenteuern!


    Yvain und Guillaume of Waringham sind Brüder und ganz nebenbei die Protagonisten von Gables neuen Roman. Guillaume ist der ältere der beiden, der Erbe des Titels und ein Kreuzfahrer. Auch Yvain soll das Kreuz nehmen und gen Jerusalem ziehen. Doch es kommt anders – nach einer durchzechten Nacht – mit König Richards Bruder Prinz John – fällt er in Ungnade und wird nicht in den Orden aufgenommen, worüber Yvain nicht unbedingt traurig ist. Fortan ist er Prinz John treu ergeben und durchläuft die Ausbildung zum Ritter. Und was für eine Ausbildung. Er findet treue Kameradschaft und erbitterte Feinde und steht schließlich Prinz John als Ritter zur Seite. Die Ausbildung war für mich persönlich ein Highlight. Ich konnte regelrecht das Band, das zwischen den Freunden geknüpft wurde, wahrnehmen und auch verstehen. Wundervoll. Yvain als Charakter ist Gablé ausnehmend gut gelungen. Er ist kein Nice Guy, jedoch trägt er das Herz am rechten Fleck und trifft schwerwiegende Entscheidungen nicht leichtfertig – mit ihm konnte ich viele Abenteuer, aber auch genauso vielen Schrecken mutig gegenübertreten – und die annährend tausend Seiten wunderbar im Galopp hinter mir lassen.


    Doch mein wahres Highlight stellte ein anderer dar. Prinz John – der dunkle Bruder von König Richard, an dem in Filmen und Büchern kaum ein gutes Haar gelassen wird. Das Schreckgespenst in vielen Robin Hood Filmen. In der Teufelskrone hat Gable den Versuch unternommen, einen Menschen zu charakterisieren, kein Ungeheuer. Und dieses Vorhaben ist ihr über alle Maßen gut gelungen, wie ich unumwunden zugebe. Ich verneige mein Haupt vor ihr. John wird als ein Mensch mit Charisma dargestellt, natürlich, denn sonst hätte Yvain nie entschieden, ihm die Treue zu schwören. Der Zorn flammt ebenso oft in ihm auf wie anfangs die Treue zu jenen, die zu ihm stehen. Im Laufe des Romans verändert sich sein Charakter spürbar und Yvain wird vor die Frage gestellt, ob er immer noch treu zu ihm stehen kann oder eben nicht. Und diese Frage stellte für mich das Highlight dar – denn Gable schafft es, dass sich der Leser – ich – die Frage ebenso stellt wie Yvain. Im Laufe des Buches musste ich meine Meinung über John, ja über einige Charaktere revidieren – und das erhält die Spannung und die Leselust über alle Maßen.


    Die Spannungskurve stieg für mich etwas behäbig an, jedoch stetig. Im zweiten Abschnitt – als ich die Figuren kannte und liebte, schlug sie förmlich Purzelbäume und dann in einem grandiosen Finale zu münden.

    Die Motive des Buches sind wundervoll, vor allen da sich das Buch nicht nur auf Liebe beschränkt, sondern ebenso die unverbrüchliche Bruderliebe thematisiert oder eben die Treue zum König. Wundervoll und detailliert ausgearbeitet. Es war mir eine Freude!

    Hervorheben muss ich auch noch, dass es einige Szenen gab, die mich sehr anrührten – obwohl eigentlich banal (Die Zubereitung eines Mahls, ein Spaziergang in der Nacht), waren die Szenen einfach so griffig geschrieben, dass ich mir Post Ist in mein Buch setzen musste. Das schaffen nur wirklich gute Autoren bei mir, und Rebecca Gable ist eine von ihnen.


    Was bleibt zu sagen? Gable hat einen Mann in Szene gesetzt und eine fantastische Geschichte um ihn herum errichtet. Großartig! Einzig für die behäbig steigende Spannungskurve ziehe ich ein halbes Sternchen ab. Und jetzt bleibt mir nur noch zu warten, auf Gables nächstes Buch, auf die nächste Geschichte aus ihrer Feder.


    5ratten

    Home is people, not a place (Robin Hobb, Live Ship Trader)

  • Mit dem historischen Roman „Teufelskrone“ ist das neuste Werk von Rebecca Gable auf dem Büchermarkt veröffentlich wurden. In diesem Buch wird die Geschichte der Waringham- Familie weitererzählt. Wobei dies nicht ganz korrekt ist. Ihr neustes Werk spielt zeitlich noch vor „Das Lächeln der Fortuna“ und kann somit auch gut ohne Vorkenntnisse aus den bisher erschienenen historischen Romanen rund um die Familie Waringham gelesen werden.

    Klappentext:

    England 1193: Als der junge Yvain of Waringham in den Dienst von John Plantagenet tritt, ahnt er nicht, was sie verbindet: Beide stehen in Schatten ihrer ruhmreichen älteren Brüder. Doch während Yvain und Guillaume of Waringham mehr als die Liebe zur selben Frau gemeinsam haben, stehen die Brüder John Plantagenet und Richard Löwenherz auf verschiedenen Seiten - auch dann noch, als John nach Richards Tod die Krone erbt. Denn Richards Schatten scheint so groß, dass er John schon bald zum Fluch zu werden droht...

    Rebecca Gable hat sich im Bereich der historischen Romane bereits einen Namen gemacht. Auch ich habe ihre bisherigen Bücher immer mit großer Freude gelesen, sie hat es bisher immer geschafft, mich in ihren Bann zu ziehen und in eine fremde, längst vergangene Zeit zu entführen. Als ich dann gelesen habe, dass Gable ihr nächstes Werk wieder von der Familie Waringhams handeln wird, war meine Vorfreude groß. Meine Erwartungen waren groß und ich wurde auch diesmal nicht von Rebecca Gable enttäuscht.

    Der Schreibstil von Gable ist wie gewohnt flüssig, die Seiten fliegen nur so dahin. Als Leser wird man in eine vergangene Zeit entführt, hierbei ist man mittendrin, kann sich alles sehr gut vorstellen und erlebt zusammen mit den Charakteren Abenteuer. Der Spannungsbogen wird über die komplette Seitenanzahl hoch gehalten. Auf sehr vielseitige Art und Weise wird Spannung aufgebaut, viele unverhofften Wendungen werden eingebaut und nicht selten habe ich mitgelitten, wurde von meinen Emotionen während des Lesens überwältigt oder habe auflachen müssen. Gekonnt werden historische Gegebenheiten oder auch Anekdoten in die Handlung mit eingebaut. Auch viele historische Personen sind Teil der Handlung und werden vielseitig dargestellt. Man merkt auf jeder Seite des Buches die umfangreiche und tiefgründige Recherchearbeit der Autorin, welche im Vorfeld von ihr geleistet wurde. Die englische Geschichte im 12. und 13. Jahrhundert wird lebendig erzählt und ganz nebenbei lernt man noch einiges über die damaligen Gegebenheiten und auch die Probleme des Adels aber auch des einfachen Volkes. Man erlebt die englische Geschichte hautnah und dies auf so facettenreiche und spannende Art und Weise, dass es einfach Spaß macht die Handlung gebannt zu verfolgen und in die damalige Zeit abzutauchen, welche ganz anders als die heute ist. Hierzu möchte ich auch nochmal das Nachwort erwähnen. Wie man es bereits von ihren vorherigen Büchern kennt, geht Gable in diesem nochmal auf die Fakten ein und was Fiktion ist, was aus ihrer Feder stammt und was sie hier aus diversen Quellen zur damaligen Zeit zusammengetragen hat. Dies gefällt mir immer recht gut, lernt man die damalige Zeit nochmal aus einer anderen Sicht kennen – oftmals sind die unglaubwürdigsten Anekdoten höchstwahrscheinlich doch genau so geschehen.

    Auch wenn dies der sechste Teil der Waringham- Reihe ist, erzählt er quasi die Vorgeschichte von „Das Lächeln der Fortuna“. Der Leser wird in das 12. Jahrhundert zu Zeiten von Richard Löwenherz und John Ohneland versetzt. In diesem Buch erfährt man einige interessante Aspekte aus der Geschichte dieser fiktiven Familie. Bekannte Elemente wie die Seekrankheit werden eingebaut oder auch die enge Bindung zu den Pferden. Auch einiges über ihre Abstammung erfährt man. Diese Darstellung hat mir gut gefallen. Dadurch, dass „Teufelskrone“ zeitlich noch vor den bisher veröffentlichten Büchern angesetzt ist, kann man diesen historischen Roman auch ohne Probleme lesen, wenn man bisher noch kein Waringham- Fan ist. Doch auch für Liebhaber dieser Reihe ist es ein voller Genuss. Eine interessante Epoche der englischen Geschichte wird thematisiert und das auf sehr vielseitige Art, sodass man noch das ein oder andere aus dieser Zeit lernt.

    Sehr überzeugend fand ich in diesem Buch die charakterlichen Darstellungen. Sowohl die fiktiven als auch die historisch belegten Persönlichkeiten konnten mich überzeugen. Die wesentlichen historischen Charaktere sind König Richard Löwenherz und sein jüngerer Bruder John. Beide werden differenziert dargestellt. Hierbei ist Richard Löwenherz nicht nur der König in der glänzenden Rüstung. Auch seine Schattenseiten werden dargestellt, seine Verfehlungen und auch seine schlimmen Taten sind hier wiederzufinden. Aber besonders hat mir die Darstellung von Prinz John, später König John Ohneland überzeugt. Er wird so differenziert dargestellt, wie ich es bisher noch nicht gelesen hatte. Er wird als ein Mensch mit Fehlern und Schwächen dargestellt, der aber auch seine guten Seiten hat. Der diplomatisch handeln kann, aber auch auf Grund von zu viel Alkohol unbedacht handelt, der mit sich hadert oder auch mal auf seine Berater hört. Mit dieser Darstellung hat Gable brilliert. Gebannt habe ich seine charakterliche Entwicklung verfolgt, habe Sympathien für ihn entwickelt, diese wieder verworfen – ich habe Mitgefühl entwickelt, nur um ein paar Seiten ihn wieder zu verfluchen. Es war ein auf und ab mit ihm, aber dies hat es einfach so spannend gemacht. Zusammen mit dem Protagonisten Yvain habe ich ein Wechselbad der Gefühle in Bezug auf John erlebt, war immer gebannt, was John sich neues einfallen lässt, welche Laune er wohl an dem heutigen Tag hatte. Aber auch der fiktive Protagonist Yvain Waringham konnte mich überzeugen. Er ist ritterlich, hat ein ausgeprägtes moralisches Wesen und folgt seinen Prinzipien. Er hat ein loses Mundwerk und gibt auch mal eine Äußerung von sich, die einfach nur unbedacht war und ihn oftmals auch in Schwierigkeiten bringt. Einzig sein Umgang mit den Frauen ist nicht immer ganz so moralisch, aber auch ein ritterlicher Yvain muss schließlich seine Schwächen haben. Gut gefallen hat mir auch, dass er für seine Freunde einige Risiken eingegangen ist und dies nicht immer gut für ihn ausgegangen ist. Nicht immer hat König John ein Auge zugedrückt, auch er musste einige Tiefen überleben. Diese Seiten haben ihn nur menschlicher wirken lassen, dadurch hat sein Charakter einfach noch mehr Tiefe bekommen. Besonders seine Knappenzeit ist mir positiv in Erinnerung geblieben. Eine Ausbildung als Ritter unter Prinz John war nicht immer einfach, einige Hürden mussten gemeistert werden. Dies hat dazu geführt, dass ein enges Band zwischen den Knappen geknüpft wurde. Diese tiefe Freundschaft hat auch noch angehalten, als aus den Knappen Rittern wurden und es hat große Freude gemacht die Anekdoten zwischen den Freunden mitzuverfolgen.

    Etwas enttäuscht war ich von den letzten paar Seiten des Buches. Die Entwicklung von Yvain hat mir leider nicht vollkommen gefallen, ist aber Geschmackssache. Dennoch wird hier Raum für Eigeninterpretationen gelassen, sodass ich dann doch wieder ganz gut mit dieser Lösung leben konnte. Tiefer werde ich nicht ins Detail gehen, es wäre einfach ein zu großer Spoiler.

    Alles in allem konnte mich Rebecca Gable mit ihrem historischen Roman „Teufelskrone“ wieder von ihrem Erzähltalent überzeugen. Ihr ist es geschickt gelungen, mich in eine vergangene Zeit zu entführen, ich habe mit den Charakteren mitgelitten und dabei einiges über das 12. und 13. Jahrhundert gelernt. Besonders die Darstellung von John Ohneland konnte mich begeistern. Dieser historische Roman hat aufs Neue bewiesen, dass die Autorin eine Meisterin ihres Faches ist. Und somit bleibt mir nichts anderes übrig, als gebannt auf das nächste Werk aus ihrer Feder zu warten. Für „Teufelskrone“ möchte ich wohlverdiente 4,5 Sterne vergeben.


    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

  • Hört auf Leute, sonst kann ich nicht auf das Paperback warten! :D

    Nein, ernsthaft, danke für die vielen, schönen Rezensionen, das macht großen Spaß und Vorfreude, sie zu lesen!

  • Hallo zusammen,


    meine vollumfängliche Rezi folgt erst in den nächsten 1-2 Wochen. Da muss ich mir erst noch ein paar mehr Gedanken zu machen. Aber im Gegensatz zu "Der Palast der Meere" hat mich Rebecca Gablé hier wieder einmal extrem glücklich gemacht. Das war der Roman von ihr, auf den ich so viele Jahr schon gewartet habe, denn ich habe mir seit der Veröffentlichung ihres Sachbuchs ein Buch gewünscht, dass zur Zeit von John spielt.


    Ich hätte da eine Frage, die mich - zugegebenermaßen etwas egoistisch (Kategorie im Bücherbingo) - umtreibt. Und zwar geht es für mich um die Frage, ob der Titel "Teufelskrone" zu dem Buch passt oder nicht.


    Für mich passt der Titel nur bedingt, wenn überhaupt.Es wird nirgends in dem Buch und auch im Nachwort nicht auf den Titel eingegangen. Die meisten anderen Titel von RG-Büchern werden irgendwann irgendwie erklärt. Aber nur weil John nicht der beliebteste König war (und ich fand ich jetzt keineswegs schlimmer als das kleine Scheusal Richard II aus DLdF) finde ich nicht, dass er teuflischer war als andere Könige vor oder nach ihm. RG hat ihn in meinen Augen gut gezeichnet. Ein Mann, der wie alle Männer seiner Familie sehr sehr jähzornig sein konnte, auch Henry II war dafür bekannt. Ein Mann, der Alkoholprobleme hatte, worauf sie im Nachwort eingeht und einige Handlungen sind sicherlich auf einen unkontrollierten Alkoholkonsum zurückzuführen (zumindest schildert sie es so), wo er dermaßen gewütet hat, dass ihn niemand aufhalten konnte. Ich habe andere Bücher über die Zeit und über ihn gelesen, wo der Titel "Teufelskrone" deutlich besser gepasst hätte, wo John wirklich nur tiefschwarz gezeichnet war. Und das hat sie nicht gemacht. Er war der König, man konnte sich ihm nicht entziehen. Mit gehangen, mit gefangen ... wer da nicht mitspielte, bekam Probleme oder schlimmeres. Aber ein Teufel war er nicht, zumindest nicht in meinen Augen.


    Wie seht ihr das?


    Ich habe übrigens auch kein Problem das Buch in keiner Bingo-Kategorie unterzubringen, denn ich habe mich unendlich auf das Buch gefreut und wurde nicht enttäuscht und was will ich mehr?! Und im Gegensatz zu Mine Bue fand ich das Ende grandios und ich hoffe, dass

    LG

    Kathrin

  • Aber im Gegensatz zu "Der Palast der Meere" hat mich Rebecca Gablé hier wieder einmal extrem glücklich gemacht.

    Das war auch mein erster Gedanke, denn Palast der Meere fand ich den schwächsten ihrer Romane.

    :lesen:





  • Inhalt:


    Zwei Brüderpaare, zwei Seiten: Yvain tritt den Dienst bei John (Ohneland) an, der schon immer im Schatten seines Bruders König Richard (Löwenherz) stand. Diesem wiederum hat Guillaume of Waringham, Yvains großer Bruder, die Treue geschworen. Nachdem Richard vom Kreuzzug zurückgekehrt, gefangengenommen und gegen Lösegeld freigekommen ist, zieht er gegen den französischen König in den Krieg, da dieser englische Gebiete besetzt hält. Einige Jahre später stirbt Richard bei einer Belagerung und John erbt die Krone. Doch ist die Krone nicht mehr ein Fluch? John ist ständig unterwegs, ständig muss er um die französischen Gebiete kämpfen, manchmal sogar fliehen. Yvain steht immer hinter ihm. Loyalität zu seinem König ist im das Wichtigste, selbst wenn er mit seinem Gewissen in Konflikt kommt.


    Meinung:


    Rebecca Gablé hat mit diesem historischen Roman einmal mehr ihr großes Schreibtalent. Mit der Mischung aus Wahrheit und Fiktion hat sie einen sehr dichten und atmosphärisch starken Roman geschaffen. Jede Seite ist interessant, jedes Kapitel ist spannend. Eigentlich will man gar nicht, dass das Buch endet (bei 928 Seiten will das schon etwas heißen).


    Wie wir es gewohnt sind, ist Yvain ein sehr liebenswerter und sympathischer Hauptprotagonist. Wir begleiten ihn ab seiner Knappenzeit bei John, die ganz sicher nicht immer einfach war. Genauso wenig wie wohl der ganze Dienst unter John nicht einfach war. Denn John war ziemlich wankelmütig. Manchmal sehr wohlwollend und dann wieder kalt und unnahbar. Diese Wesenszüge haben sich mit den Jahren immer mehr verschlimmert, sodass Yvains Geduld und natürlich auch die aller anderen, die John umgaben, auf eine harte Probe gestellt wurde.


    Auch Yvain wird nicht als komplett fehlerlos beschrieben. Auch er macht nicht immer alles richtig. Teilweise kommt er deshalb auch in arge Gewissenskonflikte. Aber gerade das macht Yvain menschlich und den perfekten Romanhelden. Er hat natürlich auch sehr viele gute Seiten wie zb seine Loyalität, seine Leidenschaft, seinen Familiensinn, einen Blick für Pferde, er sieht auch die Nöte der kleinen Leute usw.


    Sehr spannend war auf jeden Fall König John besser kennenzulernen. Meist kennt man Richard Löwenherz, den „guten“ König und John als den Bösewicht, vor allem aus den Robin Hood Filmen. Doch John war nicht nur böse und auch er konnte als König Erfolge verzeichnen. In dem vorliegenden Buch werden alle Seiten Johns beleuchtet.


    Wie immer findet sich am Anfang des Buches ein Personenverzeichnis der historischen und auch der fiktiven Personen, die in dem Roman vorkommen. Am Ende wird im Nachwort erklärt, welche historischen Fakten in dem Buch verarbeitet wurden, was nicht wirklich nachprüfbar ist und was Fiktion ist.


    Fazit


    Ein historischer Lesegenuss vom Feinsten!


    5ratten