Jochen Stadler - Guter Hund, böser Hund. Wegweiser für Rudelführer

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von sandhofer.

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    Jochen Stadler: Guter Hund, böser Hund. Wegweiser für Rudelführer, Salzburg/München 2019, Ecowin bei Benevento Publishing, ISBN: 978-3-7110-0240-2, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 223 Seiten, Format: 14,9 x 2,5 x 21,6 cm, Buch: EUR 20,00, Kindle: EUR 15,99.


    „Die Dachorganisation hat [den britischen Tierärzt*innen] diese Aggressionsleiter zur Verfügung gestellt, an der sie sich orientieren können, die aber für jeden brauchbar ist, der mit Hunden in Kontakt kommt. (…) Denn anhand dieser Signale auf der „Eskalationsleiter“ zeigt ein Hund mehrfach, wenn ihm etwas unangenehm ist und ihn beängstigt. Erst wenn der Mensch dieses Signale ignoriert oder nicht erkennt, beißt er irgendwann.“ (Seite 57/58)


    Ich sage immer, ich bin kein Hundemensch, weil ich kein „Hundisch“ verstehe. Ich kann die Signale der Hunde nicht deuten. Die erschreckende Erkenntnis, nachdem ich dieses Buch gelesen habe: Das geht vielen Menschen so. Auch solchen, die selbst Hunde halten und/oder engen Kontakt mit ihnen haben. So entstehen Missverständnisse, und aus dem eben noch „lieben“ Hund wird in den Augen der Menschen ein „böser“, weil er angeblich ohne Vorwarnung nach einem Menschen geschnappt hat.


    Hunde senden Warnsignale

    Genau das aber, sagt der Autor, tun Hunde nicht. Sie senden sehr wohl Warnsignale. Nur muss man die eben verstehen und entsprechend reagieren, um nicht gebissen zu werden. Nicht „Kampfhunde“ sind das Problem – die gibt es ebenso wenig wie „Zuschnellfahr-Autos“ -, sondern in den allermeisten Fällen die Menschen.


    Rasse-Listen bringen nichts. In Ländern wie Dänemark, in denen man Listenhunde rigoros getötet hat, sieht sie Beiss-Statistik auch nicht besser aus als anderswo. Diese Maßnahmen hält der Autor lediglich für ein politisches „Feigenblatt“. Mit dem Verbot der Haltung von bullig-stämmigen Hunde beruhigt man nur die Wählerschaft. Das Grundproblem, dass der Mensch den Hund nicht versteht, ist damit nicht beseitigt.


    Diese Ahnungslosigkeit ist vor allem für Kinder gefährlich, die mit dem Hund ja quasi auf Augenhöhe und damit noch verletzlicher sind als ein Erwachsener. Dazu kommt, dass manche Hunde kleine Kinder nicht als Menschen wahrnehmen können. Was auf allen Vieren wegkrabbelt, ist Spielzeug oder Beute. Das sollte man wissen.


    Grundlegendes über die Körpersprache

    Wir erfahren Grundlegendes über die Körpersprache der Hunde, über ihre Beziehung zu „ihren“ Menschen, ihr Gerechtigkeitsgefühl und darüber, was es mit dem angeblich schuldbewussten Blick des Hundes auf sich hat, wenn er etwas angestellt hat.


    Auch wenn in jedem Hunde-(Erziehungs-)Buch unweigerlich erklärt wird, dass die anderen Trainer und Fernseh-Hundeflüsterer allesamt keine Ahnung von der Materie haben, scheint man sich doch in einem Punkt einig zu sein:„Will man verlässlich mit Hunden kommunizieren, sollte man sie (…) nicht volllabern, sondern ihnen mit klaren Zeichen und Körpersprache zu verstehen geben, was man von ihnen erwartet.“ (Seite 89) Das erlebt man leider oft anders …


    Kein Pardon für Dominanz-Fetischisten

    Mit all den „Dominanz-Fetischisten“ geht der Autor hart ins Gericht. Das sind diejenigen, die meinen, der Mensch müsse seinem Hund gegenüber als Alphatier auftreten. Das hält er für unangebracht.

    „Ein Anführer bei Mensch und Hund ist (…) einer, der gibt und vorangeht. Er zeigt dem andern, wo’s langgeht, und zwar mit liebevoller Konsequenz und nicht mit lächerlich künstlichem Imponiergehabe.“ (Seite 97)

    Seine bevorzugte Erziehungsmethode besteht daher aus Ruhe und Konzentration und positiver Verstärkung.


    Wie erzieht man einen Hund?

    Jochen Stadler berichtet uns Interessantes über Genetik, Epigenetik und die Sozialisierung von Welpen – und auch über Probleme, die einem reibungslosen Zusammenleben mit dem Menschen entgegenstehen können: Angst, Jagdtrieb, Territorialverhalten, kompromissloses Beschützen des Rudels sowie Krankheiten. Wie wir am besten damit umgehen, verrät er uns natürlich auch.


    Ja, und wie erzieht man jetzt am besten einen Hund?

    1. „Den Hund erschießen“ - Das ist natürlich nicht wörtlich gemeint. ;-) Es geht darum, dass man konfliktträchtige Situationen vermeiden könnte. Wenn der Hund im Haus ist, kann er den Briefträger im Vorgarten nicht beißen. Aber er lernt ja nichts dadurch. Also ist diese Methode nicht so gut.
    2. Strafen – Das bringt vor allem dann nichts, wenn das missliebige Verhalten schon länger zurückliegt. Der Hund lebt in der Gegenwart, der versteht den Zusammenhang zwischen Tat und Strafe gar nicht.
    3. Ignorieren – z.B. des Bettelns bei Tisch. Da muss man aber konsequent bleiben, sonst bringt man dem Tier nur bei, dass hartnäckig lästig sein muss, um doch noch seinen Willen zu bekommen.
    4. Unterbrechen von Handlungen mit unangenehmem Reiz – Dafür gilt dasselbe wie für Punkt 3. Allenfalls bei absichtlichem Fehlverhalten ist eine gut gemeinte, angemessene Zurechtweisung sinnvoll.
    5. Unvereinbare, alternative Handlung antrainieren – Wenn der Hund bei Fuß geht, kann er nicht vor ein Auto springen oder Passanten anpöbeln.
    6. Unter Signalkontrolle bringen – Ein Beispiel: „Wenn man Hunden, die ständig kläffen, z.B. beibringt, auf Kommando zu bellen, werden sie es sonst weniger tun.“  (Seite 174)
    7. Abwesenheit fördern – das heißt, belohnen, wenn ein unerwünschtes Verhalten unterbleibt, also z.B. dann, wenn der Hund zu kläffen aufgehört hat und gerade ruhig ist.
    8. Motivation ändern –Beispiel: „Einen unausgelasteten, hibbeligen und dadurch nervigen Hund kann man schimpfen, wegsperren, ihm mühsam künstliche Ruhe antrainieren – oder ihn durch Hundesport, Spaziergänge, Joggen und Kopftraining auslasten.“ (Seite 178)

    Wie man das alles macht und was die Vor- und Nachteile, Risiken und Nebenwirkungen der einzelnen Methoden sind, erklärt uns der Autor ebenfalls. Und er hat natürlich noch mehr praktische Tipps für uns auf Lager als nur diese 8.


    Für den Hunde-Führschein!

    Seinen Wunsch nach Menschenschule und Hunde-Führschein kann ich sehr gut nachvollziehen. „Man darf ja auch nicht mit einem Auto durch die Gegend kurven, ohne nachweisen zu können, dass man weiß, wie das geht.“ (Seite 214.) Ich wäre dafür.


    Wer sich über ungewohnte Vokabeln und Redewendungen wundert: Autor und Verlag sind in Österreich ansässig und die Schriftsprache ist nun mal in Nuancen anders als das Binnendeutsche. Der Autor nimmt auch kein Blatt vor den Mund und so findet der eine oder andere Ausdruck Eingang in den Text, den ich in einem Sachbuch nie vermutet hätte. („Nudel***“!) Schön sprechen, Herr Stadler! ;-)


    Wie bei den meisten (Erziehungs-)-Ratgebern leuchtet alles ein, was ein kompetenter Fachmann wie Jochen Stadler schreibt … bis ein anderer Experte daherkommt und ebenso plausibel das genaue Gegenteil verkündet. Egal, ob es sich um Kinder oder Tiere handelt, Erziehung scheint eine quasi-religiöse Angelegenheit zu sein: Glaubenssache.


    Der Autor

    Jochen Stadler ist Biologe und schreibt als Wissenschaftsjournalist für die Austria Presse Agentur, die Wochenzeitschrift profil und heureka! Er arbeitete bei der Österreichischen Hundewasserrettung mit Hunden unterschiedlichster Rassen und bildet seine Flat-Coated-Retriever-Hündin Kleo zum Rettungshund zu Wasser und zu Lande aus.

  • Wie bei den meisten (Erziehungs-)-Ratgebern leuchtet alles ein, was ein kompetenter Fachmann wie Jochen Stadler schreibt … bis ein anderer Experte daherkommt und ebenso plausibel das genaue Gegenteil verkündet.

    Ich denke, die meisten modernen Tiertrainer würden die 8 Punkte von Hrn. Stadler unterschreiben. Die Unterschiede sind allenfalls in Nuancen zu finden.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Vielfach sind's wohl auch nur Begrifflichkeiten, die sich unterscheiden. So kann jeder Trainer auf den Mitbewerbern rumhacken, weil die z.B. von Dominanz und Alphatier reden, aber im Grunde gar nicht so viel anders machen als man selbst.


    Mir fällt's eben auf, dass in den meisten Ratgebern erst mal der Rundumschlag erfolgt: Der und der und der prominente Trainer hat keine Ahnung, weil er von X und Y spricht. Irgendwie muss man sich ja von der Konkurrenz abheben.

  • weil die z.B. von Dominanz und Alphatier reden

    Gibt's die noch? Den letzten von der Sorte habe ich ca. in den 1970ern angetroffen. Alle, die ich aktuell kenne, nehmen solche Wörter nicht nur nicht mehr in den Mund, auch die dahinterstehende Theorie wird nicht mehr angewendet.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Anscheinend. Stadler bezieht sich auf irgendwelche amerikanischen Fernsehgrößen, die ich nicht kenne. Es gibt ja drölfundneunzig Fernsehsender ...

    Mir sind solche Aussagen aber auch schon in aktuellen Ratgeberbüchern über den Weg gelaufen. Ich krieg' ja manchmal auch Dubioses auf den Tisch.

  • Vermutlich mit er Caesar Millan damit.

    2018: In Belgien erschießt die Polizei ein 2-jähriges Kind. In Deutschland sitzt ein 2-jähriges Kind in Abschiebehaft. Europa wird also von 2-jährigen bedroht.

  • Caesar ist wohl einer der harmloseren US-Amerikaner...

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)