Nancy Mitford - Noblesse oblige

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kirsten.

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    Nancy Mitford war eine Schriftstellerin aus der englischen Aristokratie. Neben ihren Romanen schrieb sie auch zahlreiche Artikel, in denen Betrachtungen über ihre Umgebung und ihre Mitmenschen anstellte. Die stießen nicht immer auf Begeisterung, was ich schon nach den ersten beiden Kapiteln verstehen kann.


    Die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie beschreibt, wie ihre Eltern zwar körperlich anwesend waren, sich aber um ihre und die Erziehung ihrer Geschwister kaum gekümmert haben. Das war zu Nancys Zeit zwar üblich, trotzdem hat sie darunter gelitten. Ihre erste Liebe war ein Offizier, der mit ihrem Vater bekannt war und dem sie im ersten Weltkrieg dutzende von Handschuhen häkelte. Näher als das ist sie ihm und dem Feind leider nicht gekommen ;-)


    Das zweite Kapitel ist eines von denen, die machen wohl nicht so gut gefallen haben. Verarmte Adlige wollen offensichtlich nicht arbeiten, um ihr Vermögen wieder aufzubauen. Nein, lieber entlassen sie nach und nach das Personal und bedauern ihr Schicksal. Das ist schicker, als sich die Hände schmutzig zu machen. Das dabei Namen genannt werden, hat ihr bestimmt keine Freunde eingebracht:evil:

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.

  • Miss Mitford beobachtet genau, wie ihr Tagebuch eines Russlandbesuchs zeigt. Dort war sie 1954 und sollte eigentlich nicht darüber schreiben. Aber nachdem alle, denen sie mit der Veröffentlichung des Tagebuchs schaden könne, Russland wieder verlassen haben, veröffentlicht sie doch. Auf den ersten Blick ist es eine Reise mit einigen misslichen Begebenheiten, auf den zweiten Blick sieht man deutlich die Misstände, die man als Gast nicht sehen soll.


    Aber es ist auch etwas an ihrem Stil, was mir nicht gefällt. Dass sie ein bisschen von oben herab schreibt, trifft mein Gefühl am besten, wenn auch nicht zu 100%.

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  • Die spitze Feder bleibt auch in den nächsten Kapiteln. Darin redet sie über den (nicht vorhandenen) Modegeschmack ihrer Landsleute, die sich in "Tweed in der Farbe verschiedener Porridges" kleiden und immer mindestens zwei Jahre hinter der neuesten Mode aus Paris her sind. Auf der anderen Seite macht sie sich lustig über die Frauen, die sich herausputzen und keinen Tiefgang haben. Sie teilt also nach beiden Seiten aus.


    Sie redet auch über Touristen, die über kleine Orte herfallen und sich über die scheinbare Armut und Antriebslosigkeit der Bevölkerung auslassen. Diese Passage ist sehr aktuell, da hat sich seit ihren Beobachtungen nicht viel verändert.

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  • Eines der letzten Kapitel war ein kurze Autobiografie. Die wurde im Nachwort zurecht gebogen, weil Nancy Mitfords Leben doch anders war als das von ihr auf gerade mal zwei Seiten beschriebene. Dadurch kann ich und ihren Stil besser verstehen. Sie ist sicherlich eine interessante Frau und ich freue mich, dass ich noch ein Buch von ihr auf meinem SUB habe.

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  • Schreibt sie eigentlich auch über ihre Schwestern? Diana und Unity waren beide tief überzeugte Nazis, während eine andere Schwester genauso überzeugte Kommunistin war.

  • Sie erwähnt kurz, dass sie sehr unglücklich darüber war, als sie mit drei Jahren plötzlich eine große Schwester war und sich die Nanny nicht mehr um sich gekümmert hat. Die politische Überzeugung fällt fast ganz unter den Tisch, ich habe nur kurz gelesen, dass eine Schwester Kommunistin war. Sicher hat sie darüber noch mehr geschrieben, aber nicht in diesem Buch.

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  • Also in ihren Romanen hat sie das wohl eher nicht aufgegriffen... "Englische Liebschaften" beschäftigt sich mit der längst vergangenen Zeit vor dem Krieg und verklärt das Leben der Familie ganz schön. Auch wenn er autobiographisch geprägt ist, zeichnet es ein sehr verklärendes Bild und keinesfalls eine kritische Aufarbeitung ihrer Familiengschichte.

    Da die Familie sehr stark mit Hitler verknüpft ist (Unity Mitford hat einen Selbstmordversuch hinter sich der Schief ging und der mit ihren Gefühlen gegenüber Hitler verknüpft wird, sie und ihre Schwester hatten sehr engen Kontakt nach Deutschland und vor allem zu ihm) hat Mitford wohl eher versucht das Ganze herunterzuspielen...

  • ...hat Mitford wohl eher versucht das Ganze herunterzuspielen...

    Den Eindruck hatte ich auch bei diesem Buch. Sie schneidet Themen durchaus an, aber sie wird nicht deutlich und lässt den Leser eigene Schlüsse ziehen.

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  • Meine Meinung

    Nancy Mitford hat ein gutes Auge und eine spitze Feder, aber sie benutzt sie nicht. Ich hatte beim Lesen oft den Eindruck, als ob sie sich zurückhält und ab einem gewissen Punkt ihrer Geschichte das Thema nicht wechselte. Diese Zurückhaltung hat für mich nicht zu den Anfänge ihrer Geschichten gepasst. Es interessiert mich, warum sie das macht. Vielleicht finde ich im nächsten Buch die Anwort darauf. Noblesse Oblige hat leider nur einen durchschnittlichen Eindruck hinterlassen.

    3ratten

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