Susan Kreller - Pirasol

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 2 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von yanni.

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    Pirasol ist eines der Bücher, die mich als erstes durch ihr Cover für sie eingenommen haben. Es passt auch sehr gut zu diesem Roman. Der Klappentext hat es dann endgültig entschieden und die allseits guten Bewertungen versprachen ein interessantes Buch.

    Interessant ist es auf jeden Fall. Zumindest soweit man das nach knapp 40 Seiten beurteilen kann. Aber ich habe das Gefühl, dass es so bleibt.


    Die 84-jährige Gwendolin lebt mit der jüngeren Thea zusammen in einer Villa, die Gwendolin von ihrem Mann, einen reichen Fabrikanten, geerbt hat. Das Buch beginnt damit, dass Thea Gwendolin davon erzählt, dass der Junge, gemeint ist Gwendolins Sohn, im Ort gesehen wurde. "Pass auf das Haus auf", ist ihre Warnung an die alte Frau. Denn sie befürchtet, dass der zwar enterbte Sohn es auf die Villa abgesehen hat.

    Thea hat in das Haus investiert, wie sie es nennt. Doch wie es scheint, hat sie sich eher gegen den Willen von Gwendolin in das Haus "eingekauft". Thea diktiert Gwendolin ihr Leben und die alte Dame hat nicht die Kraft sich gegen sie zu wehren. Wie sie sich auch gegen all die anderen Einmischungen in ihre Leben nicht wehren konnte. Gern würde sie, aber ihr fehlt der Mut.


    Kennengelernt haben sich die Beiden auf dem Friedhof. Thea sprach sie an und ließ nicht mehr los.

    Während Thea nun ihren Einfluss auf Gwendolin, auch mittels einer Frauengruppe, gegen den bedrohlichen Sohn verstärken will, besinnt sich diese auf ihr Leben. Die Kindheit während des Krieges, das Kennenlernen ihres zukünftigen Mannes, die Geburt des Sohnes.



    Die Beschreibung der beiden Frauen ist der Autorin sehr gut gelungen. Womit ich ein wenig Schwierigkeiten haben, ist die Sprache. Oft muss ich Sätze mehrmals wiederholen, um, ja nicht unbedingt um sie zu verstehen, sondern um mich an die etwas ausgefallene Ausdrucksweise zu gewöhnen.

    Ein paar Beispiele:

    Zitat

    Sie sieht ihre braungefleckten Hände auf dem Tisch liegen, wie Pfützen hingespült, die Finger trübe Rinnsale mit Arthrosebeulen, auf dem Handrücken Ströme von Adern.

    Zitat

    Die Mutter erteilte ihre Klavierstunden mit federleichten Händen, jeden Tag und bis zum frühen Zuletzt, als der Hauch von ihren Händen gefallen war, [...]

    Zitat

    Bevor sie ihren Vater aus dem Haus zerrten, war Gwendolins Leben in der Nähe des schwarzen Blüthner vorgekommen, [...]


    Mal sehen, was man noch so alles aus Gwendolins Leben erfährt und vor allem, ob sie sich irgendwann gegen Thea zur Wehr setzen kann. Denn ich denke, dass sie sehr unterschiedliche Sichtweisen auf den Jungen, war für ein Ausdruck für einen Mann von über 50 Jahren, haben.

  • Pirasol ist eines der Bücher, die mich als erstes durch ihr Cover für sie eingenommen haben.

    Das kann ich verstehen. Es sieht wirklich wunderschön aus<3

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.

  • Gwendolins Geschichte wird in drei Zeitebenen erzählt. Ihre Kindheit, ihre Ehe und die Gegenwart, in der sie bereits 84 Jahre alt ist und mit Thea zusammenlebt. Diese drei Erzählstränge sind sehr gut voneinander zu unterscheiden. Bereits beim ersten Satz wird einem oft klar in welchem man sich befindet.


    Der manchmal etwas eigenwille Erzählstil der Autorin, mit dem ich erst warm werden musste, hat mir gut gefallen. Ja, ab und an habe ich sogar zurückgeblättert, um nochmals nachzulesen, welche Worte sie wählte.


    Gwendolin, die sich Zeit ihres Lebens nicht so wehren wußte und es doch so gern getan hätte, erregt einerseits Mitleid und andererseits möchte man ihr mal gehörig die Meinung sagen, damit sie endlich den Antrieb findet dies zu ändern. Man meint, sie wäre für immer gebrochen, nach den Erlebnissen in der Kindheit und später während ihrer Ehe. Um so mehr erstaunt es, wenn man endlich Zugang zu ihrem Innersten findet und merkt, dass in Gwendolin doch noch mehr steckt.


    Es dauerte einige Zeit, bis mir klar war, warum sie es duldet oder überhaupt zugelassen hat, dass Thea in die Villa zog und das Regiment übernommen hat. Am Ende wird es dann laut zur Sprache gebracht und man erfährt dann so einiges, das bis dahin nicht nur dem Leser unbekannt war.


    Mir hat es sehr gut gefallen, wie hier fast acht Jahrzehnte eines Menschen miterlebt werden durften. Es ist ein Buch der leisen Töne, das doch so sehr auf einen Befreiungsschrei wartet. Ein Buch, dass die unterschiedlichen Facetten der Personen beschreibt. Eindeutig ein Buch, das einem lange im Gedächtnis bleiben wird. Und sicher eines, das man ein zweites Mal mit ebensoviel Genuss lesen kann.


    5ratten       :tipp: