Nigel McCrery - Der dreizehnte Sarg

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.
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    Titel: Der dreizehnte Sarg (DCI Mark Lapslie Band 4)

    Autor: Nigel McCrery


    Allgemein:

    320 S.; Knaur TB, 2019


    Inhalt:

    Zunächst sieht alles nach einem Routinefall aus. In einem alten Atombunker wird die Leiche eines Obdachlosen gefunden. Nichts deutet auf einen Mord hin. Doch dann stoßen die Polizisten auf ein merkwürdiges Szenario: 12 kleine Särge, 3 davon geöffnet. In den geöffneten Särgen steht jeweils eine Puppe. Eine davon sieht aus wie eine Braut. In den anderen geschlossenen Särgen, befinden sich auch Puppen, die jedoch einige Beschädigungen aufweisen.

    Das Ganze wird zunehemend seltsamer, als ein Mord an einer jungen Frau geschieht - genau am Tag ihrer Hochzeit, in ihrem Brautkleid, direkt nach dem Jawort.

    Derweil scheint jemand in den Bunker eingedrungen zu sein und auf dem Kleid der Braut-Puppe befindet sich nun Blut. Wie sich heraustellt das der Ermordeten...

    Lapslie glaubt nicht an Zufälle und ist sich sicher, auf der Spur eines Serientäters gekommen zu sein. Und das die tote Frau, die bisher letzte in einer ganzen Reihe war.

    Doch was er nicht weiß: Der Mörder hat längst eine 13te Puppe gemacht... und die trägt die Uniform der Polizei...


    Meine Meinung:


    Ehrlich gesagt bin ich ziemlich enttäuscht von diesem vierten Band der Mark Lapslie Romane.

    Das finde ich sehr schade, da mir vor allem "Kaltes Gift" als wirklich herausragender Kriminalroman in Erinnerung geblieben ist und ich die Band 1 der Reihe, wirklich jedem empfohlen habe, der gerne Krimis liest. Schon Band 2 konnte dieses Niveau nicht so recht halten. Band 3 war aber noch ganz solide, aber "Der dreizehnte Sarg" hat mich dann definitiv nicht überzeugt.

    Dies hat einige Gründe.

    Zunächst einmal verfällt der Autor immer wieder in eine Erklärungsschiene, in der ersteinmal Mark Lapslies halbes Privatleben erklärt werden muss, bevor er auch nur eine Minute ermittelt hat. Da dies Band 4 einer Reihe ist, hätte das einerseits entfallen können (immerhin kann man schon von treuen Reihenleser*innen ausgehen) oder eben stärker so nebenbei erfolgen müssen. So fügte es sich einfach nicht in den Rest der Geschichte ein, sondern wirkte fast schon belehrend.

    Dann werden eine ganze Reihe von Figuren mit in den Ring geworfen, die dann aber eigentlich kaum mehr als Statisten bleiben. Lapslies Chef ist vor allem die Person die den Ermittlungen im Weg stehen muss. Lapslies Kollegin Emma, die immerhin in Band 3 mehr Raum bekommen hatte, istvor allem dazu da, Anweisungen entgegenzunehmen, taucht aber ansonsten kaum auf.

    Der eigentlich interessante Aspekt von Marks Synästhesie wird leider zum Teil recht willkürlich eingesetzt. Meistens taucht es aber vor allem auf, um zu erläutern, warum einmal mehr alle Räume und Gänge irgendeiner Behörde oder einer Polizeistation gelehrt sind - dies wird so oft wiederholt, das es mir zunehmend auf die Nerven ging.

    Eine weitere Figur, eigentlich ein Ballistiker, der sich aber so penetrant in die Ermittlungen einmischt, das es unrealistisch ist, weshalb dies zu keinem Zeitpunkt hinterfragt wird.

    Sehr störend und auch meiner Meinung nach unmöglich, ist die Einbindung der Posttraumatischen Belastungstörung bei Soldaten, in die Geschichte. McCrery verharmlost meiner Meinung nach, dieses sehr ernst zu nehmende Krankheitsbild bei Soldaten, die aus dem Einsatz wiederkommen (z.B aus Afghanistan, dem Irak usw.). Es entsteht sogar der Eindruck als würde die betreffende Person einfach nur Geld von der Army einklagen wollen. Das macht mich sehr wütend, denn eine postraumatische Belastungsstörung ist alles andere als die Vorspiegelung falscher Tatsachen. Da es inzwischen dazu einige Studien gibt, halte ich das für sehr schlechte Recherchearbeit des Autors und vor allem auch untragbar, vom Verlag aus, das so nicht zu hinterfragen.

    Hinzu kommt dann der wirklich abstruse Verlauf der Handlung. Es gibt immer wieder Einschübe, die den Tathergang aus der Sicht des Täters schildern. Hier hat das leider zur Folge, das alles, was Lapslie ermittelt ziemlich langweilig wirkt. Er käut an verschiedenen Stellen dann nur wieder, was der Täter längst präsentiert hat. So wirkt Lapslie zwar als Mr.Superschlau und kommt eigentlich schon sehr schnell auf wichtige Lösungssansätze, die aber sehr konstruiert boykottiert werden.

    Insgesamt wirkt der Roman einfach nicht Rund erzählt und zusammengeschustert. Spannung kam für mich leider nicht auf, dabei finde ich die Grundidee echt interessant.

    Schade, ich werde hier wohl für mich bei der Reihe einen Schlusstrich ziehen (es gibt noch mindestens zwei weitere Teile).

    2ratten