Melanie Metzenthin - Die Hafenschwester (1): Als wir zu träumen wagten

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Melanie Metzenthin: Die Hafenschwester (1): Als wir zu träumen wagten. Roman, München 2019, Diana-Verlag, ISBN 978-3-453-29233-8, Klappenbroschur, 463 Seiten, Format: 13,6 x 4,5 x 20,7 cm, Buch: EUR 15,00 (D), EUR 15,50 (A), Kindle: EUR 9,99.


    „In dem Moment wusste sie, dass eine Frau alles im Leben erreichen konnte. Sie musste nur mit ganzem Herzen für das eintreten, an das sie glaubte. Wenn man die richtigen Worte am richtigen Ort wählte, wenn man die Menschen damit berührte, dann ging es nicht mehr darum, ob man ein Mann oder eine Frau war. Und somit war der 16. November 1896 der Tag, an dem Martha endgültig erwachsen wurde.“ (Seite 288)


    Hamburg 1892: Bis jetzt ist die Welt der vierzehnjährigen Martha Westphal aus dem armen Gängeviertel noch so halbwegs in Ordnung: Der Vater arbeitet als Schauermann, die Mutter näht in Heimarbeit für ein Weißwarengeschäft und sie selbst soll nach der Schule eine Schneiderlehre antreten. Schwesterchen Anna ist noch zu klein für Zukunftspläne, aber ihr Bruder Heinrich ist ein so heller Kopf, dass er aufs Gymnasium gehen wird. Seit langem spart die Familie schon für sein Schulgeld.


    Auch Martha ist überaus intelligent, wissbegierig und wortgewandt, aber für ein Mädchen aus einfachen Verhältnissen ist der Besuch eines Gymnasiums nicht vorgesehen. Studieren dürfen Frauen in Deutschland sowieso nicht, und woher sollte sie das Geld nehmen, zu einem Studium ins Ausland zu gehen?


    Familienoberhaupt mit 14

    Dann kommt der Cholera-Sommer und auch die Westphals verlieren Familienangehörige. Der Vater erholt sich nicht mehr von diesem Schicksalsschlag, und auf einmal ist Martha das Familienoberhaupt und muss zusehen, wie Geld ins Haus kommt. Auf keinen Fall so wie bei Nachbarstochter Milli, die von ihrem Stiefvater zur Prostitution gezwungen wird!


    Durch die Pflege ihrer Angehörigen und den Kontakt mit verschiedenen Ärzten hat Martha ihr Interesse für Medizin und ihr Geschick im Umgang mit Kranken entdeckt. Durch Fürsprache eines Mediziners bekommt sie eine Stelle als Hilfskrankenwärterin im Krankenhaus in St. Georg. Die Sitten dort sind rau, die Arbeit hart, schmutzig und schlecht bezahlt. Doch Martha arbeitet sich später im Allgemeinen Krankenhaus Eppendorf gegen alle Widerstände bis zur OP-Schwester hoch.


    Eigentlich ist die Tätigkeit einer ausgebildeten Krankenschwester nur für höhere Töchter vorgesehen. Dass ein Mädchen aus dem Gängeviertel sie ausübt, hat’s noch nie gegeben.


    Martha entdeckt ihr politisches Bewusstsein

    Die engagierte Carola nimmt Martha mit zu Versammlungen der Sozialdemokraten. Auch wenn Martha meint, von Politik nichts zu verstehen: Die Idee von Chancengleichheit und Gerechtigkeit will sie aus vollem Herzen unterstützen.


    Jetzt versteht sie auch, warum ihre Familie und die Leute in ihrem Viertel nie auf einen grünen Zweig kommen – und dass man das durchaus nicht als gegeben hinzunehmen braucht, sondern etwas verändern kann, ja muss.


    Unter dem Begriff „Frauenrechte“ kann sich Martha zunächst gar nichts vorstellen. Doch als die Rednerin loslegt, ist sie Feuer und Flamme.


    Eifrig diskutieren Martha und Carola das, was sie auf den Versammlungen lernen, mit Schwester Susanne, einer sehr gläubigen Kollegin. Die ist gar nicht davon angetan, dass die Roten über die Kirche lästern und ihr im Bereich Wohltätigkeit Konkurrenz machen. Carolas flapsiger Spruch „In unserer Zeit wäre Jesus ein Sozialist geworden“ (Seite 215), kommt bei Susanne nicht gut an. Und so streiten sich die drei engagierten Krankenschwestern über Moralvorstellungen, Vorurteile, Glauben versus Ideologie und etliches andere. Sie brauchen eine ganze Weile, bis ihnen klar wird, dass sie in im Grunde alle dasselbe wollen: den Bedürftigen helfen. Nur der theoretische Ansatz ist jeweils ein anderer. In diesen Streitgesprächen stecken viele interessante Argumente und Denkansätze.


    Die Schwesternschaft verlangt das Zölibat

    Bei den politischen Versammlungen lernt Martha auch Paul Studt kennen, einen Maschinenbau-Ingenieur, der, wie sie, aus einfachen Verhältnissen stammt und seine Wurzeln nicht vergessen hat.

    Nur gibt es da ein Problem: Martha ist Mitglied der „Erika-Schwestern“. Das ist zwar kein religiöser Orden, doch die Schwesternschaft funktioniert nach ähnlich strengen Prinzipien. Von den Schwestern verlangt man einen tadellosen Lebenswandel - und das Zölibat. Hat eine was mit einem Mann, darf sie den Beruf als Krankenschwester nicht mehr ausüben. Klingt verrückt, entsprach aber damals den Tatsachen. Das hat sich die Autorin nicht ausgedacht.


    Auguste hat Martha mit Paul gesehen und weiß auch um ihre Freundschaft zur Prostituierten Milli. Beides ist nicht mit den strengen Statuten der Erika-Schwesternschaft vereinbar. Damit hat sie Martha nun in der Hand ...


    Geschichte am Beispiel von Einzelschicksalen

    Ich liebe es, wenn mir Geschichte und Politik anhand konkreter (fiktiver) Einzelschicksale nahegebracht wird. Es war faszinierend und aufschlussreich, Marthas politischem Erwachen zuzusehen. Plötzlich werden ihr Zusammenhänge klar, über die sie nie zuvor nachgedacht hat und es tun sich Möglichkeiten für sie auf, die Lebensumstände der Menschen in ihrer Umgebung zum Besseren zu verändern. Verblüfft stellt sie fest: Sie ist gar kein Spielball der Mächtigen, sie kann selbst etwas bewirken! Wie viel sie erreichen wird und welchen Preis sie dafür wohl wird zahlen müssen, werden wir in den folgenden Bänden dieser Reihe sehen.


    Ich habe dieses Buch tatsächlich auf einen Rutsch ausgelesen. Hatte ich gar nicht vor. Ich wollte nur mal schnell reinschauen ... Dann stand ich irgendwann vor der Wahl: Gehst du jetzt googeln, wie das mit dem Hafenarbeiterstreik ausgegangen ist oder liest du einfach weiter? Um an den Computer zu gehen, hätte ich aber das Buch aus der Hand legen müssen. Das wollte ich nicht. Also hab ich weitergelesen und immer weiter – und plötzlich war der Band zu Ende.


    Spannend und unberechenbar wie das Leben

    Jetzt werden wir wohl ein Jahr warten müssen, bis wir erfahren, wie es mit Martha und Paul, Carola, Susanne und Auguste, Milli, Moritz, Heinrich und all den anderen weitergeht. Besonders berechenbar ist das nicht, denn Melanie Metzenthins Romanfiguren nehmen sich die Freiheit, auch mal dazuzulernen und ihre Meinung revidieren. Zwielichtige Gestalten sind durchaus imstande, anständig zu handeln, wenn ihnen danach ist. Und die Guten können haarsträubende Fehler begehen. So bleibt’s so spannend wie im wahren Leben.


    Die Autorin

    Dr. Melanie Metzenthin wurde 1969 in Hamburg geboren, wo sie auch heute noch lebt. Als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie hat sie einen ganz besonderen Einblick in die Psyche ihrer Patienten, zu denen sowohl Traumatisierte als auch Straftäter gehören. Bei der Entwicklung ihrer Romanfiguren greift sie gern auf ihre beruflichen Erfahrungen zurück.


    PS: Sollte die Rezension aufgrund der Leserunde irgendwo anders platziert werden müssen als hier, dann bitte umbetten.

  • Eine Stadt im Aufruhr ... spannend und zum Glück ohne Ansteckungsgefahr ...


    Hier fällt es mir leicht, die Bestnote zu vergeben, denn dieser – wie von Melanie Metzenthin gewohnt – großartig recherchierte Roman, lässt keine Wünsche offen.

    Auf Marthas Spuren begeben wir uns als Leser ins Hamburg des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Beim Lesen kann man direkt die Enge, den Dreck, den Hunger und die Armut spüren, die im Gängeviertel herrschte. So war es dann auch kein Wunder, dass die Cholera ausbrechen konnte. Es war jedoch unverzeihlich, sie so lange geheim zu halten. Auch Marthas Familie bleibt nicht verschont und so schrumpft die Familie so zusammen, dass der Traum der Zukunft, den zwei der Geschwister träumten, zerplatzt. Doch Martha zeigt eine unglaubliche Stärke, die schlussendlich die Familie rettet, wenn auch der ein oder andere Kollateralschaden unvermeidbar ist. Mehr möchte ich zum Inhalt an dieser Stelle nicht verraten.

    Frau Metzenthin ist auch mit diesem Auftakt einer neuen Buchreihe ihrem bekannten Schreibstil treu geblieben. Stets findet sich Freud und Liebe aber auch Leid und Missgunst in ihren Romanen. Diese Gefühle und Emotionen verpackt sie auf eine geniale Art, die nie kitschig, seicht oder gar langweilig wird. Die Seiten fliegen beim Lesen nur so dahin, so dass ich eine absolute Empfehlung für den Besuch in meiner Geburtsstadt Hamburg aussprechen möchte. Ach ja, und ein Wunsch fällt mir nun doch noch ein … dass der nächste Teil nicht zu lange auf sich warten lassen wird *zwinker*.   

  • Prolog

    Hamburg, 1892: Die Cholera erschüttert die Stadt an der Elbe und fordert tausende Opfer. Als Marthas Mutter stirbt, muss sie das Überleben ihrer Familie sichern. Die junge Frau aus dem armen Gängeviertel ergattert eine Lehrstelle am Eppendorfer Krankenhaus und arbeitet sich bis zur OP-Schwester hoch. Während die Ärzte sich im Wettlauf gegen die Zeit befinden, ist Hamburg auch im politischen Umbruch: Die Hafenarbeiter streiken, die Frauen kämpfen ums Wahlrecht und für die Rechte von Prostituierten. Martha schließt sich der Frauenbewegung an und führt gleichzeitig ihren ganz persönlichen Kampf. Denn sie hat nicht nur die Liebe zur Medizin entdeckt, sondern – gegen die strengen Regeln am Krankenhaus – auch zu einem jungen Mann …


    Zum Inhalt

    Martha lebt mit ihren Eltern und Geschwistern 1892 im Hamburger Gängeviertel. Sie ist glücklich und erfährt eine unbändige elterliche Liebe. Sie soll es einmal besser haben und dafür sind die Eltern bereit alles zu tun. Doch dann nimmt ihr Glück und ihre Kindheit ein jähes Ende. Erst stirbt ihre kleine Schwester und kurze Zeit später ihre Mutter an der Cholera. Diese Epidemie hat Hamburg fest im Griff, so dass es unaufhaltsam ist, dass dem ein großes Elend folgt.

    Doch Martha ist ein starkes und mutiges Mädchen, sie sucht sich eine Arbeit um so die verbliebene Familie am Leben zu halten. Auch ihr Bruder Heinrich sitzt nicht untätig zu Hause, er steuert ebenfalls seinen Teil mit bei. Nur der Vater vergeht in seiner Trauer und fällt in ein tiefes Loch.

    Durch Marthas Offenheit und Wissensdurst gelingt es ihr mit unverhoffter Hilfe, eine Lehrstelle bei den Erika-Schwestern im Eppendorfer Krankenhaus zu bekommen. Das Blatt wendet sich zum Besseren.

    Im Hamburger Hafen fängt es an zu rumoren. Die Hafenarbeiter arbeiten unter menschenunwürdigen Verhältnissen, sie entscheiden sich zu streiken um mehr Rechte zu erlangen. Viele Frauen Hamburgs sind ebenfalls im Umbruch, sie kämpfen für das Wahlrecht. Durch eine Freundin ist Marthas Interesse an einer Frauenbewegung geweckt und so beginnt sie sich immer mehr, für alle Frauen die Hilfe benötigen, einzusetzen.

    Denn auch sie musste am eigenen Leib erfahren, was es als Frau bedeutet, wenn die Statuten der Erika-Schwestern einem vor die Wahl stellen....entweder in ihrem geliebten Beruf als OP Schwester arbeiten oder eine Ehe zu führen......, denn beides geht zu damaligen Zeit nicht. Aber Martha möchte verheiratet sein und arbeiten gehen dürfen.

    Dies alles schildert die Autorin Melanie Metzenthin sehr real und bildlich im ersten Teil der Hafenschwestern, ein sehr gelungener Auftakt. Werden Martha ihre Träume in Erfüllung gehen?


    Meine Meinung

    "Die Hafenschwestern - Als wir zu träumen wagten" ist er erste Teil einer Trilogie und ich bedauere, dass ich nun noch ein bisschen warten muss um die spannende Geschichte über Martha und die Ihren weiter lesen zu können.

    Wie von der Autorin Melanie Metzenthin gewohnt, bin ich wieder ganz fasziniert von diesem historischen Roman. Vor allem, das es ein ganz besonderer ist, denn die Autorin hat sich für ihre Hauptprotagonistin Martha von einer Person inspirieren lassen. Keine geringere als ihre Urgroßmutter, die ihr Leben in Hamburg verbrachte.

    Die akribische Recherche gibt einen detaillierten Einblick in die damalige Zeit. Nicht nur wie die Menschen im Gängeviertel lebten, welche Not sie durch die Cholera Epidemie und deren Folgen erleben mussten, sondern auch wie die Menschen begannen um ihre Rechte zu kämpfen.

    Da Martha bei den Erika-Schwestern im Eppendorfer Krankenhaus ihre Ausbildung gemacht hat und anschließend als OP Schwester arbeitete, erfährt der Leser ebenfalls wie zur damaligen Zeit im medizinischen Bereich gearbeitet wurde.

    Der Schreibstil ist flüssig und sehr emotional, da viele Facetten der Protagonisten dargestellt werden. All die Trauer, die Hoffnungen und auch die Liebe der Menschen kann man während des Lesens gut spüren. Das macht ein gutes Buch für mich aus, wenn ein/e Autor/rin es schafft mich auf eine Reise in andere Zeit zu entführen.

    Absolute Leseempfehlung.

    &quot; Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben , über die Sterne&quot;<br />- Thomas Carlyle

  • Mitten aus dem Leben


    Martha lebt in Hamburger Gängeviertel, es ist eines der ärmsten Viertel der Stadt, aber ihre Welt ist halbwegs in Ordnung. Der Vater arbeitet als Schauermann, während ihre Mutter mit Heimarbeit etwas zum Lebensunterhalt beiträgt. Es ist nicht viel, was die Familie verdient, aber es reicht. Dann bricht die Cholera aus und die Mutter stirbt. Von jetzt an ist Martha für die Familie verantwortlich, denn der Vater ist nicht mehr in der Lage dazu. Die junge Frau beschließt, einen Beruf zu erlernen. Sie kann eine der begehrten Lehrstellen zur Krankenschwester bekommen. Sie nutzt die Chance, die sich ihr bietet und gibt alles. Aber nicht nur die Cholera verändert das Leben der Menschen, auch der große Streik der Hafenarbeiter bestimmt das Leben. Die Frauenbewegung ist in vollem Gange und die Frage was ist sittsam und was gerecht stellt sich nicht nur Martha. Das ausgehende 19. Jahrhundert ist geprägt davon, die Welt zu verändern.


    Der vorliegende Roman „Die Hafenschwester“ ist der Auftakt einer Reihe über das Leben rund um den Hamburger Hafen. Dieser Teil startet im Jahre 1892 und beginnt mit der verehrenden Choleraepidemie. Aber dabei bleibt es nicht, das Leben von Martha wird geschildert. Die junge Frau muss sich ihre Ziele hart erarbeiten. Sie ist intelligent und versteht es, sich durchzusetzen. Wobei manchmal ihr Mundwerk ein wenig schneller ist als ihr Verstand, aber gerade das macht sie zu einem sympathischen Charakter.


    Mir hat dieser Auftakt gut gefallen. Das Leben von Martha hat einiges zu bieten und erzählt Hamburger Geschichte so ganz nebenbei. Nicht nur die Medizin wird erläutert, sondern das Leben im Ganzen. Vor allem wie schwer es gerade für die Ärmsten der Armen war.


    Der Streik der Hafenarbeiter wird gut und glaubwürdig geschildert. Die Ereignisse dieser Zeit hat Melanie Metzenthin glaubwürdig wiedergegeben. Mir hat gut gefallen, wie sie durch die Ereignisse dieser Zeit gegangen ist. Es war glaubwürdig und nachvollziehbar.


    Die Autorin hat die politische Situation in diesen Jahren gut in ihre fiktive Geschichte eingearbeitet. Der Kampf um mehr Gerechtigkeit für alle ist ein interessantes Thema und hier in eine unterhaltsame Geschichte eingeflochten.

    Die Protagonisten hat sie dabei gut ausgearbeitet und ihnen so einige Ecken und Kanten mitgegeben.


    Fazit:


    „Die Hafenschwester“ ist ein gelungener Auftakt einer Reihe über die Geschichte Hamburgs. Der Erzählstil war locker und flüssig zu lesen und hat Spaß gemacht. Die Charaktere sind vielschichtig gestaltet und wirken authentisch und echt. Ich bin gespannt, wie es mit Martha weiter gehen wird.


    5ratten

  • Die Hafenschwester: Als wir zu träumen wagten von Melanie Metzenthin


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    Über das Buch:

    Der historische Roman spielt Ende des 19. Jahrhunderts in Hamburg und wurde 2019 herausgegeben. Es zählt 464 Seiten. Die Autorin stammt selbst aus Hamburg und ist Fachärztin für Psychiatrie. Dieser Roman ist der Auftakt einer neuen Reihe.


    Klappentext gemäß Amazon:

    "Hamburg, 1892: Die Cholera erschüttert die Stadt an der Elbe und fordert tausende Opfer. Als Marthas Mutter stirbt, muss sie das Überleben ihrer Familie sichern. Die junge Frau aus dem armen Gängeviertel ergattert eine Lehrstelle am Eppendorfer Krankenhaus und arbeitet sich bis zur OP-Schwester hoch. Während die Ärzte sich im Wettlauf gegen die Zeit befinden, ist Hamburg auch im politischen Umbruch: Die Hafenarbeiter streiken, die Frauen kämpfen ums Wahlrecht und für die Rechte von Prostituierten. Martha schließt sich der Frauenbewegung an und führt gleichzeitig ihren ganz persönlichen Kampf. Denn sie hat nicht nur die Liebe zur Medizin entdeckt, sondern – gegen die strengen Regeln am Krankenhaus – auch zu einem jungen Mann …"


    Inhalt und Stil:

    Man begleitet die junge Martha in einem benachteiligten Viertel im Hamburg Ende des 19. Jahrhunderts. Sie und ihre zwei jüngeren Geschwister leben ein sehr einfaches und hartes aber wohl behütetes Leben. Der Vater arbeitet hart am Hafen, die Mutter betreibt Arbeit von zuhause aus.

    Dann bricht die Cholera aus und plötzlich steht Martha mit einem gebrochenen Vater und einem kleinen Bruder da, der viel zu schnell erwachsen werden muss. Nun muss sie alleine Verantwortung übernehmen und einen steinigen Weg antreten: Sie arbeitet von nun an im medizinischen Bereich. Als Mädchen bzw. junge Frau aus der Unterschicht kein leichtes Unterfangen. Neben gesundheitlichen sowie persönlichen Krisen ist Martha außerdem von politischen Machtkämpfen umgeben. Die Arbeiterschicht begehrt auf, ebenso wie einige Frauen. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Mili, der das Leben übel mitspielt und welche dem großen amerikanischen Traum nacheifert, sieht sich Martha mit vielfältigen und schwierigen Hürden konfrontiert, an denen sie entweder wachsen muss oder zugrunde gehen wird.


    Die Narration rund um Martha und ihre Familie sowie FreundInnen wird flüssig und authentisch erzählt. In die Fiktion fließen Figuren und Geschehnisse aus der wahren Geschichte mit ein, Fakten werden in die Kapitel mit eingewoben, deren Länge nicht zu ausgiebig und nicht zu kurz ist. Unterhaltung wird so mit Wissensvermittlung gekoppelt, und auch das Nachwort tut hier seinen Teil.

    Die Autorin hält sich nicht mit unnötig erscheinenden Ausschweifungen auf die Manches in die Länge ziehen könnten, und schmückt trotzdem an geeigneten Stellen Szenen mit interessanten Beschreibungen und Emotionsdarbietungen.



    Meine Meinung:

    Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen dieses Romans, und die Geschichte hat mich motiviert, mir mehr über die Frauenbewegung aus dieser Zeit in Deutschland anzueignen. Es geht um so viel mehr als um ein Mädchen in der Medizin! Es geht um Empowerment, Unabhängigeit einer Frau, Durchbrechen von Schichtengrenzen, Toleranz, Nächstenliebe, Selbstbestimmung, Befreiung von Unterdrückung, und so weiter. Es steckt sehr viel in diesem Roman und ich freue mich sehr auf Band 2.


    Die Figuren sind allesamt nachvollziehbar bzw. gut gezeichnet. Keine Figur ist allzu glatt oder einfach ohne Grund "böse" - bei allen ist es authentisch, dass sie so handeln wie sie handeln. Egal ob man sie dafür nun liebt oder hasst.



    Ich vergebe 5 Ratten wie schon bei meinem letzten Buch der Autorin. :)


    5ratten

  • Mit "Die Hafenschwester" legt die Autorin Melanie Metzenthin erneut einen äußerst gelungenen Roman vor, in dem sie sich sehr spannenden und interessanten, wenn auch nicht sonderlich bekannten, Ereignissen der Vergangenheit widmet.


    Protagonistin ist Martha Westphal, die in der ärmlichen Umgebung der Hamburger Gängeviertel aufwächst. Doch hat sie es besser getroffen als viele andere: Sie hat ein stabiles, liebevolles Elternhaus und auch finanziell kommt die Familie gut über die Runden. Es wird sogar Geld angespart, damit ihr Bruder Heinrich eine weiterführende Schule besuchen kann. Doch als sie 14 Jahre alt wird, ändert sich plötzlich alles: Die Cholera nimmt ihr erst die kleine Schwester, dann die Mutter und fortan widmet sich Vater mehr dem Alkohol als seiner Arbeit, so dass Martha gezwungen ist, zum Unterhalt der Familie beizutragen. An ihrer Seite erleben wir nicht nur die Cholera und ihre Auswirkungen, sondern erfahren viel über die Medizin und das Alltagsleben im Krankenhaus, denn Martha wird zunächst Krankenwärterin und schafft es später, eine Ausbildung zur Krankenpflegerin zu absolvieren.


    Als sie von einer Kollegin zu Versammlungen der Sozialdemokraten mitgenommen wird, lernt sie den jungen Ingenieur Paul Studt kennen, der die Hafenarbeiter zu einem Streik motivieren will, da die Arbeitsbedingungen unmenschlich sind. So erleben wir als Lesende diese politischen Stürme an der Seite der beiden jungen Leute mit. Auch der weitere Verlauf der Geschichte bleibt für Martha, Paul und Marthas beste Freundin Milli, die von ihrem Stiefvater in die Prostitution gezwungen, voller Unwägbarkeiten und Rückschlägen. Doch sie geben nie auf, versuchen immer, mit dem was sie haben das Beste zu machen und kämpfen sich wieder nach oben. Darin liegt die Stärke der Figurenzeichnung: Tatkräftige, lebensechte und glaubwürdige Protagonisten, die man auch in der Realität gerne kennenlernen würde. Dabei haben sie alle Ecken und Kanten und greifen auch mal zu -sagen wir mal- zweifelhaften Mitteln. Ebenso sind die Antagonisten selten reine Bösewichte, sondern zeigen im Laufe der Geschichte Facetten, die man nicht vermutet hätte und werden somit menschlich.


    Auch sprachlich kann die Autorin überzeugen. Die Sprache ist leicht zu lesen, aber nie banal. Unterlegt ist das alles mit einem herrlichen Humor, der nie gewollt wirkt, sondern immer wieder in einfach witzigen Szenen voll zum Tragen kommt und mich das ein oder andere mal herzlich hat lachen lassen.


    Insgesamt ein einfach lesenswerter Roman!


    5ratten

    Die Geschichte ist der beste Lehrer mit den unaufmerksamsten Schülern (Indira Ghandi)

  • Als wir zu träumen wagten …


    Hamburg 1892: die Stadt wird von der furchtbaren Cholera heimgesucht, der tausende Menschen zum Opfer fallen. So auch die Mutter von Martha, deren Tod die Familie an den Rand des Zusammenbruchs bringt. Es liegt nun an der jungen Frau, für ihre Familie zu sorgen und ihr das Überleben zu sichern. Obwohl Martha aus dem armen Gängeviertel stammt, gelingt es ihr, eine Lehrstelle am Eppendorfer Krankenhaus zu bekommen, um zur Krankenschwester ausgebildet zu werden. Jedoch ist ihre Arbeit mit einer Anzahl von Einschränkungen für sie als Frau verbunden. Als Martha mit der Sozialdemokratie in Kontakt kommt, lernt sie weitere Frauen kennen, die bereit sind, für ihre Rechte zu kämpfen.


    Mit dem vorliegenden Roman, der den Auftakt zu einer Serie um Martha und ihre Familie bildet, entführt Melanie Metzenthin die Leser in das Hamburg im ausgehenden 19. Jahrhundert, mitten in die damals fürchterlich wütende Cholera-Epidemie, die gerade in der Elbemetropole aufgrund schlechter Öffentlichkeitsarbeit zu hohen Verlusten an Menschenleben geführt hat. Vielen Familien werden geliebte Menschen entrissen – so auch in Marthas Familie. Ein Schicksalsschlag, der ihren Vater völlig aus der Bahn wirft: er sucht Trost im Alkohol und es bleibt an Martha hängen, für das Überleben ihrer Familie zu sorgen. Keine leichte Aufgabe, wenn man aus den untersten Schichten stammt, die für eine Lehrstelle sogar noch zahlen müssen.


    Aber Martha hat eine rasche Auffassungsgabe und dank ihres erwachten Interesses an der Medizin findet sie neue Bekannte, die ihr unerwartete Möglichkeiten bieten. Martha ist eine Kämpferin, die trotz aller Widrigkeiten nicht aufgibt – das hat mir sehr gut gefallen. Aber das eine oder andere Mal macht sie auch einen Fehler, der durchaus wieder auf sie zurückfällt.


    Besonders gut hat mir gefallen, dass Martha es sich nicht nehmen lässt, zu ihrer besten Freundin Milli zu stehen, die aufgrund ihrer schrecklichen familiären Situation in die Prostitution geraten ist. Zur damaligen Zeit hatte man sich als „anständiges Mädchen“ von Frauen wie Milli fernzuhalten. Umso offener ist Martha für die Ziele der Sozialdemokratie, die für die Rechte der Frauen und auch die der Prostituierten einsteht. Besonders beeindruckt hat mich die historische Figur der Lida Gustava Heymann, die mir bis zu diesem Buch unbekannt war. Ich bin froh, diese engagierte und mutige Frau durch die Autorin kennengelernt zu haben.


    Wie schon in den anderen Büchern der Autorin gelingt es ihr wieder sehr gut, die damalige Zeit bei dem Leser aufleben zu lassen. Man ist oftmals schockiert über die damaligen Zustände, nicht nur in Bezug auf die Hygiene in der Krankenpflege; dadurch wird Marthas Kampf um ein besseres Leben für sich und ihre Familie sowie für die anderen Frauen umso eindrücklicher.


    Sehr gut haben mir auch die Charaktere gefallen, die oftmals eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht haben und mich mit ihrem Handeln einige Male überraschen konnten.


    Für mich ist dieser erste Band ein sehr gelungener Auftakt zu der neuen Serie und ich bin gespannt, wie es mit Martha, ihrer Familie und ihren Freunden weitergehen wird.


    5ratten

    Liebe Grüße

    Karin