Mark Kurlansky - Nonviolence: The History of a Dangerous Idea

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.
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    „Nonviolence“, wie auch Gewaltlosigkeit, ist ein Begriff, der sich als Gegenbegriff zur Gewalt definiert, laut Kurlansky in „allen“ Sprachen (da bezweifele ich den Forschungsumfang etwas). Erst Gandhi hat einen eigenen nicht antagonistischen Begriff für den gewaltlosen Widerstand, dessen bekannteste Symbolfigur er wohl ist, erfunden, „Satyagraha“. Mit dieser Begriffserläuterung beginnt Kurlansky seinen Überblick über die Geschichte der Gewaltlosigkeit.


    Historisch geht es bei ihm dann mit Jesus und Mohammed als Religionsstiftern los, deren ursprünglich gewaltlose Glaubensgrundlagen schnell von den ihnen nachfolgenden „Kirchen“ ad acta gelegt wurden. Er streift die innerchristlichen antikriegerischen Glaubensgruppierungen, die schnell überwältigt wurden, zeigt wie Kreuzzüge und (falsch verstandener) Jihad sich gegenseitig befeuerten und landet dann bei diversen pazifistischen Bewegungen, die die USA mitgegründeten haben. Bzw. das, was dann in einem wenig friedlichen Unabhängigkeitskrieg zur USA wurde. Hier und in den folgenden Kriegen legt er für meinen Geschmack etwas zu viel Augenmerk auf die USA, allerdings ist das bei einem amerikanischen Autor nicht so verwunderlich. Ganz vergessen wird er Europa aber nicht und Gandhi als Gallionsfigur des Themas wird natürlich auch immer wieder erwähnt.


    Kurlansky versucht seine Leser*innen zu überzeugen, denn beweisbar ist es nun einmal nicht, dass Gewaltlosigkeit im Satyagraha-Sinne (also pragmatisch und ausdauernd, als echter fordernder Widerstand, nicht nur ein passives Erdulden) auch gegen gewaltsame Staaten gewinnen kann. Allerdings kommt es bei fast allen Konflikten irgendwann zu Gewalt und die Gewaltpropagierenden sind lauter und schneller dabei jeden Erfolg auf die Durchsetzungskraft der Gewalt zu verbuchen.Das macht es umso schwieriger, die Erfolge gewaltlosen Verhaltens nachvollziehbar zu machen, als Beispiel für solche Erfolge dienen Kurlansky aber zum Beispiel der Sturz der DDR und der restlichen Staaten Osteuropas oder des philippinischen Präsidenten Marcos.


    Das Verhältnis der Aufmerksamkeit die die USA im Vergleich zum Rest der Welt in der Darstellung Kurlanskys bekommt, ist etwas ungleich verteilt und ich hätte zwischendurch mehr Vorwissen über alte pazifistische Glaubensgemeinschaften benötigt, um an den Stellen über „Quaker“, „Dunker“ & Co mitzukommen.


    Alles in allem hat Kurlansky es aber wie gewohnt geschafft, Wissenwertes unterhaltsam darzustellen und wer mehr wissen will, kann sich ja erst mal durch die sieben Seiten Bibliographie lesen.


    4ratten

    Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen. (Friedrich Nietzsche)