Christa Stuber - Senioren: Fit wie ein Turnschuh

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.
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    Inhaltliche Gestaltung, in durchweg angenehm großer Schrift:

    - Vorwort

    - Zum Begriff "Senioren"

    - Politik und Umwelt

    - Gesellschaft und Moral

    - Musik, Tanz und Kultur

    - Medien, Kommunikation und Technologie

    - Bildung, Ausbildung und Beruf

    - soziales Engagement und Ehrenamt

    - Gesundheit, Wellness und Ernährung

    - Finanzen, Konsum und Mobilität

    - Bauen, Wohnen und Einrichten

    - Freizeit

    - Zukunft

    - Fazit

    - Quellenverzeichnis


    Jeweils aufgefächert in kurzweilige Unterkapitel.



    Im Buch, noch vor der Titelseite, beschreibt Frau Stuber die Zielsetzung ihres Werkes. Einen ganzen Absatz widmet sie dabei der Feststellung, dass sie "Anhand statistischer Daten, versucht (...) einen Überblick über die Lebensweise der aktuellen Generation 65 plus in Deutschland zu gewinnen und (...) einen Ausblick in eine mögliche Zukunft" wagt. Für Ihr komplettes Buch, mit immerhin gut 400 Seiten, gibt sie am Ende aber lediglich sechs übergeordnete Quellen an; im Fließtext oft gar keine oder nur mittels Schlagwort. Hier weiß Frau Stuber als Akademikerin sicher selbst: Da schwächelt das Buch. Dass sie im Vorwort ein wenig zurückrudert und bekennt, "die Zahlen [sollen] nur einen Anhaltspunkt liefern, da deren Erfassung nicht immer einheitlich ist", sowie ihr Verweis auf das altbekannte Sprichwort, keiner Statistik zu trauen die man nicht selbst gefälscht hat, ändern m.E. inhaltlich nichts daran. Ruft die Autorin auf S.379 doch nochmals selbst dazu auf, "Nachrichten grundsätzlich zu hinterfragen und nicht alles zu glauben, was irgendwo und irgendwie kommuniziert wird".


    Richtig los geht es dann mit einem erfrischenden Gegenentwurf zu dem Bild, das sonst in der Öffentlichkeit von älteren Menschen gezeichnet wird, und zwar mit der Feststellung "wie gut es uns [Senioren] - zumindest den meisten - heute geht, und zwar in jeder Beziehung: körperlich, geistig und nicht zuletzt finanziell. "


    Es folgen geschichtliche Ereignisse im Schnelldurchlauf; prägnant, faktenorientiert und kurz gehalten - sehr angenehm und flüssig zu lesen! Zur Richtigkeit derselben vermag ich, als geschichtlich wenig Bewanderte, allerdings keine Auskunft zu geben.

    Toll fand ich, dass ich als vergleichsweise "junger Mensch" so zu einigen geschichtsträchtigen Ereignissen, die vor meiner Zeit lagen, Hintergründe erfuhr. Um nur ein paar Beispiele zu nennen:

    Dieses Foto, auf dem ein nacktes Mädchen mit anderen Kindern vor etwas flieht. Das haben wir alle schon mal gesehen, aber was genau hatte es damit auf sich? Und was wurde aus diesem Mädchen?

    Was prangerte noch mal der Spruch "Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren!" an? Und wann und warum?

    Wie entstand eigentlich der Vietnamkrieg? Und die RAF?

    Wüssten Sie, lieber Rezensionsleser, aus dem Stegreif, was sich Anfang der 60er hinter dem Begriff "Fachgeschäft für Ehehygiene" verbarg?

    Und hinter dem jährlichen "Fahrradtag", den LSD-Anhänger feierten?

    Oder welcher - in vielen Ländern zensierte - Film im Frühjahr 1973 die Gemüter dermaßen erhitzte, dass sein Regisseur und sein Hauptdarsteller wegen "Obszönität" zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden?

    Nach Lektüre des Buches können Sie all diese Fragen und noch viele mehr beantworten und sie bei geselligem Beisammensein selbst einstreuen, um für anregenden Gesprächsstoff zu sorgen.


    Gekonnt schlägt Frau Stuber im weiteren Verlauf einen Bogen von der Kindheit der 68er in die Jetztzeit und schließlich unser aller Zukunft. Da lässt einiges aufhorchen, zum Beispiel das "In-vitro-Fleisch oder Clean Meat", das womöglich "künftig den Appetit auf Fleisch ohne Tierleid zu stillen" vermag (S. 165).


    Sie selbst lebt/e und reist/e scheinbar viel in Südostasien. Ihre vor Ort Schilderungen fand ich außergewöhnlich interessant.

    Auch ihre körperliche und geistige Fitness, haben mich nachhaltig beeindruckt. Der dadurch entstandene Lebensausblick, was noch alles Tolles möglich ist, hat mich (Adipositas, depressive Episoden) motiviert, wieder Sport zu treiben und mit neugierigem Blick nach vorn zu schauen. Meiner schwerbehinderten Mutter (Jg. 59) werde ich das Buch als Geschenk ans Herz legen. Auch ihr, da bin ich sicher, wird es viele Aha-Effekte, schöne persönliche Erinnerungen und hoffentlich auch Lebenslust bescheren.



    Fazit: Die Lesezeit verging wie im Flug. Als 82er Jahrgang, habe ich Hintergründe und Weiterführendes zu geschichtlichen Ereignissen erfahren, die nur mehr als Erinnerungsschnipsel des Geschichtsunterrichts in meinem Hirn herumwaberten. Auch die persönlichen Lebenserfahrungen, die die Autorin mit ihrer Leserschaft teilt, entpuppten sich als interessant und motivierend. Jetztzeit und Zukunftsaussichten werden ebenfalls kurzweilig und humorvoll beschrieben. Schweren aber überzeugten Herzens eine Maus Abzug, da Frau Stuber m.E. ihre Quellen deutlich detaillierter offen legen sollte.

    Dieses Buch selbst lesen und/oder verschenken - beides bringt Freude.


    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

  • Valentine

    Hat den Titel des Themas von „Christa Stuber - Senioren Fit wie ein Turnschuh“ zu „Christa Stuber - Senioren: Fit wie ein Turnschuh“ geändert.