Ursi Breidenbach, Heike Abidi - Wetten, ich kann lauter furzen? – Wie man als Mutter von Jungs überlebt

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    Ursi Breidenbach, Heike Abidi: Wetten, ich kann lauter furzen? – Wie man als Mutter von Jungs überlebt, München 2019, Penguin Verlag, ISBN 978-3-328-10305-9, Softcover, 318 Seiten, Format: 11,9 x 2,4 x 18,8 cm, Buch: EUR 10,00 (D), EUR 10,30 (A), Kindle: EUR 9,99.


    „Söhne bedeuten für jede Mutter die ultimative Herausforderung, denn in unserer Erfahrungswelt sind sie unbekannte Wesen: Wie Jungs ticken, können wir nur ahnen, schließlich waren wir selbst einst kleine Mädchen.“ (Seite 295)


    So habe ich das noch nie gesehen. Anfälle von Ratlosigkeit befreundeter Jungsmütter habe ich darauf zurückgeführt, dass man generell nicht weiß, was genau in anderen Menschen vorgeht. Aber diese Erklärung leuchtet vollkommen ein! Die beiden Autorinnen wissen ja auch, wovon sie reden: Sie sind selbst Mütter von Jungs. In 41 kurzen Kapiteln schildern sie uns kenntnisreich und humorvoll, was das im Alltag bedeutet, in welchen Bereichen es schwierig wird, und warum es trotzdem die tollste Sache der Welt ist, Söhne zu haben.


    Erfahrungsberichte zweier Jungsmütter

    Natürlich stützen die Autorinnen sich nicht nur auf ihre eigenen Erfahrungen. Sie haben Expert*innen und Fachliteratur zurate gezogen und auch im Bekanntenkreis fleißig recherchiert. Manche Fallbeispiele sind derart komisch, dass man durch lautes Lachen auffällt, wenn man das Buch in der Gegenwart nichts ahnender Mitmenschen liest. Das sollte man vorher wissen. Zur Beruhigung: Die Namen der handelnden Personen wurden im Buch verändert. Es soll ja keiner für etwas bloßgestellt werden, das er als Kind getan hat.


    Lernen kann man hier eine ganze Menge. Jungsmütter dürften vor allem die Erfahrung machen, dass sie mit ihren Sorgen und Herausforderungen nicht allein sind. Aber auch Mädchenmütter, Schwestern, Tanten, Partnerinnen usw. haben das eine oder andere Aha-Erlebnis. „Ach, deswegen ist das so ...!“ Und all dieses Wissen wird so locker und unaufgeregt vermittelt, als erzählten uns zwei Freundinnen bei einem guten Wein aus ihrem turbulenten Familienalltag.


    Es versteht sich von selbst, dass man nicht alle Söhne (und Töchter) über einen Kamm scheren kann. Wenn die Mehrheit der Jungs auf Fußball, Autos, Technik, deftigen Humor und Actionfilme steht, heißt es nicht, dass alle das tun (müssen). Andere Interessen sind ebenso okay. Genau wie Mädchen, die sich für Fußball und/oder Autos, Technik, deftigen Humor sowie Actionfilme begeistern.


    Deko in einem Haushalt mit Jungs?

    Doch egal, wie genderneutral man auch zu erziehen meint – manche Vorlieben und Verhaltensweisen scheinen genetisch bzw. hormonell bedingt zu sein. Und als einziges weibliches Wesen in einem Mehrmännerhaushalt muss frau mitunter zurückstecken. Dekoration? Fehlanzeige! Schmunzelnd dachte ich an unser eigenes Wohnzimmer, in dem die Kissen grundsätzlich auf dem Boden herumkugeln, nachdem sie als Waffe oder als Rutschunterlage benutzt wurden.“ (Seite 18) Beete, Rabatten oder Zierpflanzen im Garten? Pfff! Man(n) braucht Rasen zum Fußballspielen! Auch Fernsehprogramm, Menüpläne und Gesprächsthemen wären anders, wenn’s nach der Mutter ginge. Sie würde sicher auch Sportarten wählen, bei denen sie nicht dazu verurteilt ist – unterlegen in Sachen Adrenalin und Muskeln – ihren Männern mühsam hinterher zu schnaufen. Wie grundverschieden wäre doch das Leben als Mädchenmutter! Aber wäre es besser ...?


    Was ist eigentlich, wenn man Sohn und Tochter hat? Behandelt man beide gleich? Oder neigt man am Ende dazu, in der Tochter eine kleine Ausgabe von sich selbst zu sehen und sie in die Richtung zu drängen, in die man selbst gerne gegangen wäre? Beim Sohn besteht diese Gefahr weniger, ihm lässt man deshalb womöglich mehr Freiraum.


    Jungs lieben Technik und Gefahr

    Herrlich sind Ursi Breidenbachs Anekdoten von der Technikbegeisterung der männlichen Haushaltsmitglieder. Und Heike Abidi ist nichts anderes übriggeblieben, als sich auch mit Fußball und Autos zu beschäftigen, weil diese Themen ihren Sohn so faszinieren. So erweitert frau unversehens ihren Horizont ... um Dinge, für die sie sich aus eigenem Antrieb niemals interessiert hätte. ;-) Nur beim Thema „Waffen“ ist Schluss mit lustig. Ursis kleine Söhne können Panzer, Soldaten und Krieg noch so toll finden – diesbezüglich dürfen sie von ihrer Mutter keine Unterstützung erwarten.


    Wie lebt man als Mutter, die vielleicht mal ein ängstliches Mädchen war, mit der Neigung von Jungs, manche Aktivitäten in ihrer Gefährlichkeit zu unterschätzen? Wie ist es, die wagemutigen Burschen ständig verarzten zu müssen? – Man wird vermutlich mit der Zeit gelassener. Es gibt zwischen den Geschlechtern nun mal einen biologischen Unterschied im Umgang mit Gefahr und der Bewältigung von Stresssituationen. Das hat mit den Hormonen zu tun.


    Essen, lernen, feiern

    Was tun, wenn man mit den Interessen, der Lieblingsmusik und den Lieblingsfilmen der Söhne so gar nichts anfangen kann? Und wie motiviert man Jungs zum Lernen, wenn ihnen „Fleißsternchen“ und die Anerkennung der Lehrkraft vollkommen egal sind? Beim Lernen neigen die Burschen ja gern zum Minimalismus: nicht mehr als unbedingt nötig! Es sei denn, der Stoff interessiert sie.


    Auch eine gute Frage: Ist es überhaupt möglich, männliche Pubertiere satt zu kriegen? „Bei einer Umfrage im Bekanntenkreis kam Beeindruckendes zutage: Vierfachjungsmutter Ingrid braucht zweieinhalb Kilo Schnitzelfleisch für eine Mahlzeit, Petra kocht zwei ganze Pfund Spaghetti, und Yvonne backt jedes Wochenende drei Kuchen.“ (Seite 125)


    Wie übersteht frau Kindergeburtstage mit einer Horde sich balgender kleiner Buben und einem eifersüchtigen Geschwisterkind? Im Teenageralter werden die Feten übrigens nicht weniger anstrengend für die Eltern: „Mittlerweile wollen unsere Söhne am liebsten Übernachtungspartys. (...) Das WLAN glüht, es wird bis zum Umfallen gezockt und dabei die Tagesproduktion der Firma Pringles vernichtet. (...) Das Haus sieht danach aus wie nach dem Einfall der Goten in Rom (...).“ (Seite 153)


    Pubertät und Abnabelung

    Die Autorinnen zeigen die wichtigsten Entwicklungsschritte der Jungs von 0 bis 18 Jahren auf, liefern uns augenzwinkernd ein Mini-Lexikon mit Begriffen aus dem Wortschatz der Söhne, damit man als Erwachsene*r wenigstens der Spur nach weiß, wovon sie reden. Ein wichtiges Thema sind natürlich Sexualerziehung, Pubertät und Abnabelung. Dafür sind die Erinnerungen der Mütter an ihre eigene Teenagerzeit nur bedingt brauchbar.


    Sehr schön ist die Liste der Dinge, die das Loslassen erleichtern. Denn eines darf frau nicht vergessen: Sie ist nicht nur Jungsmutter, sondern hat auch noch ein eigenes Leben. Die Zehn Gründe, warum es das Schönste auf der Welt ist, eine Jungsmutter zu sein“ (Seite 295) ist eine zauberhafte Liebeserklärung an die Söhne.


    Die coolen Männer von morgen

    In einem Interview mit ihrem Verlag wurden die beiden Autorinnen gefragt, welchen Rat sie allen Müttern von Jungs mit auf den Weg geben möchte. Heike Abidi antwortete: „Wenn wir es schaffen, unsere Söhne zu freundlichen, hilfsbereiten, emanzipierten, großzügigen, gewaltlosen, ehrlichen, gefühlvollen Jungs zu machen, können sich die Frauen von morgen freuen. Nutzen wir die Chance, eine neue Generation Mann auf den Weg zu bringen! Denn eins steht fest: Unsere Söhne sind die coolen Männer von morgen.“ Und Ursi Breidenbach ergänzte:Bloß nicht zu viel aufregen, nichts allzu tragisch nehmen. Die meisten Probleme lösen sich von selbst, wenn man mal abwartet. Stattdessen sollte man sich entspannen und die Zeit mit den Jungs genießen! Sie ist so schnell vorbei.“


    Die Autorinnen

    Heike Abidi ist studierte Sprachwissenschaftlerin. Sie lebt mit Mann, Sohn und Hund in der Pfalz bei Kaiserslautern, wo sie als freiberufliche Werbetexterin und Autorin arbeitet. Heike Abidi schreibt vor allem Unterhaltungsromane für Erwachsene sowie Jugendliche und Kinder.


    Ursi Breidenbach reist gern. Wenn sie nicht gerade unterwegs ist, schreibt sie neben unterhaltenden Sachbüchern und Kurzgeschichten am liebsten wunderschöne Liebesromane zum Wohlfühlen. Ursi Breidenbach lebt mit ihrer Familie in der Steiermark (Österreich).