Wilkie Collins - The Woman in White

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 35 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

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    Mein aktuelles Monatsrundenbuch ist ein etwas dickerer Klassiker und eignet sich perfekt, mal wieder einen begleitenden Thread aufzumachen. Sehr weit bin ich noch nicht gekommen, aber nachdem ich mich erst mal an das etwas altertümliche Englisch gewöhnt hatte, gefällt es mir bisher gut. Der junge Zeichenlehrer Walter Hartright wird von seinem etwas geschwätzigen italienischen Freund Professor Pesca weiterempfohlen und erhält zu seiner großen Überraschung tatsächlich den Zuschlag, künftig die Töchter einer gewissen Familie Fairlie zu unterrichten. Und so verlässt er das bescheidene Häuschen seiner Mutter in Hampstead, in dem er wohnt, wenn er nicht gerade in London arbeitet, und macht sich auf den Weg zu seiner neuen Bleibe.


    Auf dem Weg zum Bahnhof in London hat er eine seltsame Begegnung, eine ganz in Weiß gekleidete Frau, die um seine Hilfe bittet, aber sonst nicht viel verlauten lässt. Ihr sei ein Unglück zugestoßen, das ist alles, was Walter aus ihr herausbekommt. Auf ihren Wunsch hin setzt er sie in eine Droschke, begleiten soll er sie nicht, und er hätte die Begegnung schon beinahe abgehakt, wären da nicht die Männer, die eine Frau in Weiß suchen - die aus einer Irrenanstalt entflohen ist. Dabei hat sie auf Walter gar keinen verrückten Eindruck gemacht ...


    Ziemlich atmosphärisch und bisher auch noch ganz schön rätselhaft. Ich bin gespannt, was da noch alles kommt.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • So ging es mir auch, allerdings ist dein Cover viel schöner als es meines damals war.

    Es kommt darauf an, wie du dein Leben mit Leben füllst.

  • Kirsten: ich hatte mir vor einiger Zeit mal einen ganzen Schwung aus dieser Reihe gekauft oder schenken lassen. Sieht im Regal sehr hübsch aus :herz:

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Nachdem Valentine mir ja schon Lust auf das Buch gemacht hast, habe ich es mir jetzt mal auf den eReader gepackt, man muss ja vorbereitet sein! Als "pBuch" hab ich die einfache Penguin-Ausgabe und die ist schon recht zerlesen und ich mag die Schriftart nicht.

    Es ist bestimmt schon über 15 Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe. Jedenfalls ehe ich das Musical sah und das war im Dezember 2005. :/

  • Das dachte ich mir auch gerade! :lachen:


    Ich konnte gestern endlich mal mehr als 10 Seiten am Stück weiterlesen. Walter hat seine Stelle angetreten, seinen Jammerlappen von Arbeitgeber, den höchst exzentrischen Mr. Fairlie, und die beiden sehr unterschiedlichen zu unterrichtenden jungen Damen kennengelernt. Die eine, Marian, ist nicht gerade eine Schönheit und ziemlich eigenwillig, sie nimmt kein Blatt vor den Mund (was ich unter all den züchtigen Mäuschen des viktorianischen Zeitalters sehr erfrischend finde). Laura, die andere, ist sehr hübsch und etwas zart, und Walter verliebt sich in sie. Laura erwidert, wenn auch unausgesprochen, seine Gefühle. Doch sie ist mit einem anderen verlobt, und Walter muss Hals über Kopf das Anwesen verlassen, damit es keinen Skandal gibt.


    Vorher hat er aber noch erfahren, dass die Andeutungen der rätselhaften Frau in Weiß, sie kenne die Fairlies, tatsächlich stimmen, dass sie Anne Catherick heißt und als Kind für kurze Zeit bei den Fairlies gelebt hat. Auch die Warnung vor einem nicht namentlich genannten Baronet scheint zu passen, denn Lauras Verlobter ist ein solcher.


    Die Einleitung hat schon ein wenig darauf hingedeutet, dass Laura irgendetwas Ungutes passieren wird (so lese ich es zumindest). Steht also zu befürchten, dass Anne Catherick mit ihrer Warnung recht hatte.


    Was mir sehr gefällt, ist Collins' oft ziemlich bissiger Tonfall bei der Charakterisierung seiner Figuren. Für die viktorianische Überempfindsamkeit hat er gar kein Verständnis, und ich fand es auch sympathisch, dass er nichts für Korsetts und Krinolinen übrig zu haben scheint. Und ich mag Marian, die für die damalige Zeit erstaunlich ungefiltert ihre Meinung kundtut und keine Angst zu haben scheint, damit anzuecken.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Ja, klar. Es gibt ja auch zu allem einen Film, warum dann nicht auch ein Theaterstück. ^^

    Und Woman in White mag ich.


    Jedenfalls habe ich gestern Abend dann auch angefangen und bin ebenfalls in Limmeridge und Walter hat soeben von Anne Catherick erfahren.

  • Wie schön, dass ich Dich inspirieren konnte :herz:


    Ich bin gespannt, ob wir noch rausbekommen, was mit Anne Catherick eigentlich los ist. Sie scheint ja nicht die hellste Kerze auf dem Leuchter zu sein - hat sie ein Problem oder ist sie einfach nur nicht die Klügste?

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Kurz vor Walters Abreise fängt Marian einen Brief ab, der in kryptischen Worten erneut vor Lauras Verlobtem, Sir Percival Glyde, warnt. Sie erzählt Walter davon, Laura sagen sie nichts, um sie nicht durcheinanderzubringen, und machen sich auf Spurensuche. Wer die Urheberin des Briefes ist, ist schnell geklärt und nicht überraschend, die Frau in Weiß ist wieder im Spiel. Walter gelingt es sogar, mit ihr zu sprechen, doch als es an die Details geht und Glydes Name fällt, flieht sie und ist am nächsten Tag gänzlich aus der Gegend verschwunden.


    Mit dem Abschied aus Limmeridge und ein paar ominösen Andeutungen zu Lauras Zukunft endet hier Walters Erzählperspektive. Als nächstes wird der Anwalt der Fairlies zu Wort kommen, der kurz vor Walters Weggang ins Haus gekommen ist, um die rechtlichen Details zu Lauras anstehender Heirat zu klären. Ich bin gespannt, was er zu sagen hat.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Auf dem Weg zu seiner neuen Anstellung als Zeichenlehrer für zwei junge Damen aus gutem Hause begegnet Walter Hartright einer weiß gekleideten Frau, die sich offenbar verlaufen hat, erstaunlicherweise die Familie Fairlie kennt, bei der Walter künftig arbeiten wird, und ein paar diffuse Warnungen vor einem Baronet im Dunstkreis der Fairlies ausspricht. Kaum hat Walter sie in eine Droschke gesetzt, wird er Zeuge eines Gesprächs, bei dem sich herausstellt, dass die Frau angeblich aus einer Irrenanstalt entflohen sein soll.


    Seine beiden neuen Schülerinnen sind die sehr unterschiedlichen Halbschwestern Marian, eine resolute junge Frau mit ziemlich eigenen Ansichten, die sie ohne Umschweife zu verkünden pflegt, und Laura, eher zart und still. Während Walter von Marian fasziniert ist, schlägt sein Herz doch bald ganz besonders für Laura, die insgeheim seine Gefühle erwidert - aber zu einer Romanze kommt es nicht, denn Walter erfährt, dass Laura schon länger verlobt ist, und muss abreisen, um die geplante Eheschließung zwischen Laura und Sir Percival Glyde nicht zu gefährden. Und das, obwohl per anonymem Brief eine deutliche Warnung vor der Heirat ins Haus geflattert ist.


    Die Trauung wird vollzogen, glücklich ist die Ehe jedoch nicht, und es häufen sich merkwürdige Vorkommnisse, bei denen Sir Percival, sein exzentrischer Freund Graf Fosco und auch eine geheimnisvolle Frau in Weiß eine Rolle spielen.


    Wilkie Collins' Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals als Fortsetzungsgeschichte in Dickens' "All the Year Round" erschienener Roman gilt als einer der ersten und prägendsten viktorianischen Schauerromane und begründet wohl auch die Tradition der "Romantic Thriller", die ich vor allem als Teenager verschlungen habe.


    Mit geheimnisvollen geisterhaften Gestalten, alten Gemäuern, unerklärlichen Geschehnissen und undurchsichtigen Typen, die mit fragwürdigen Motiven Ungutes im Schilde führen, weist das Buch eine Vielzahl an genreüblichen Versatzstücken auf und arbeitet, ebenfalls damals wohl ziemlich bahnbrechend, mit verschiedenen Perspektiven und Erzählweisen (Ich-Erzähler, Tagebuchausschnitte, Briefe). Die Perspektivwechsel kommen oft gleichzeitig als clever gemachte Cliffhanger daher, und man kann nie ganz sicher sein, wie zuverlässig der aktuelle Erzähler eigentlich ist.


    Der Plot ist viel weniger simpel, als man es zunächst womöglich vermuten würde, und schlägt einige unerwartete Haken, die auch mich als recht versierte Leserin ähnlich gearteter Romane überraschen konnten. Beim Verständnis insbesondere einiger rechtlicher Finessen im Ehe- und Erbrecht fand ich den Anhang meiner Penguin-Ausgabe sehr hilfreich. Aber keine Sorge, juristisch-trocken wird es nie, denn Collins ist ein Meister der Atmosphäre und zeichnet auch interessante Figuren, wobei sie hier und da vielleicht ein bisschen klischeehaft geraten sind und Laura manchmal ein wenig farblos wirkt.


    Alles in allem ein Klassiker, der viel zu lange im Schrank gestanden und mich nach einer kurzen Gewöhnungszeit an den damaligen Sprachduktus richtig gut und spannend unterhalten hat. Neben der Haupthandlung mochte ich auch die Darstellung des viktorianischen Lebens - und wie Collins hier und da seine Meinung zu manchen Seltsamkeiten ziemlich deutlich kundtut.


    4ratten

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Und da ist der Sidekick des Bösewichts. Auch er nach üblichen Massstäben keine Schönheit, versteht er es doch, Männlein wie Weiblein (aber vor allem letztere!) in seinen Bann zu ziehen.

    Und Tierlein auch ... fast hat er was vom Rattenfänger von Hameln oder auch vom Papageno :breitgrins:


    Ich muss ja zugeben, dass er mich auch fasziniert hat und ich fast ein bisschen enttäuscht war,

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen