Stephen Fry - Heroes

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.
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    Nachdem er uns in "Mythos" schon die griechische Götter- und Mythenwelt auf so amüsante wie kenntnisreiche Art nahegebracht hat, widmet sich Stephen Fry nun den griechischen Heldensagen. Herkules und seine zwölf schier unlösbaren Aufgaben, Ödipus, der unwissentlich die grauenvolle Prophezeiung erfüllt, er würde seinen Vater töten und mit seiner Mutter ins Bett gehen, Theseus und der Minotaurus, der begnadete Musiker Orpheus, der seine Frau aus der Unterwelt zurückholen will, Jason und seine Argonauten auf der gefahrvollen Suche nach dem Goldenen Vlies sowie die Kämpferin Atalanta, hier die "Quotenfrau" als einzige Titelheldin des Buches - die meisten Namen wird man schon einmal gehört haben, aber zumindest bei mir war nicht viel Detailwissen über die jeweiligen Legenden (mehr) vorhanden, und so habe ich mit dem Buch nicht nur eigentlich Bekanntes aufgefrischt, sondern mich öfter spannend unterhalten, weil ich den Ausgang der Geschichte nicht bereits kannte oder mir zumindest zahlreiche Einzelheiten neu bzw. entfallen waren.


    Was Stephen Fry selbst als Herausforderung des Buches sieht und in ironischen Fußnoten mehrmals anspricht, sind die hochkomplexen Zusammenhänge zwischen den zahlreichen Charakteren. Wer mit wem wann welche Familie gegründet oder welchen Seitensprung vollzogen hat, konnte ich mir beim besten Willen nicht merken, und auch die für heutige Ohren häufig sehr ungewöhnlichen griechischen Personen- und Ortsnamen haben mein eigentlich nicht so schlechtes Namensgedächtnis des öfteren an seine Grenzen gebracht. (Mein Favorit unter all den schrägen Namen: Aeaea. Äh? Hä? :breitgrins: )


    Verstanden habe ich die Geschichten trotzdem, wenn auch gelegentlich mit Nachschlagen. Selbigem ist das umfangreiche Personenverzeichnis am Ende zuträglich, wenn man es nicht, wie ich, erst nach beendeter Lektüre entdeckt. Allerdings war es mir manchmal fast ein bisschen zu viel des Betrügens, Ehebrechens, (versuchten) Vergewaltigens, Kämpfens, Folterns und Tötens, was aber nicht an Fry liegt, sondern am Stoff selbst. Deshalb empfiehlt es sich womöglich eher, das Buch abschnittsweise zu lesen und sich immer nur einem Helden auf einmal zu widmen.


    Auf jeden Fall hat mir Frys trocken- und schwarzhumorige Art zu erzählen sehr gut gefallen, gerade wenn er manchmal völlig anachronistisch formuliert oder den Figuren sehr neuzeitliche Dialoge in den Mund legt. Und bei Fry stets zu empfehlen: die Kommentare in den Fußnoten. Teils launige Anmerkungen, teils interessante Details am Rande wie linguistische Spitzfindigkeiten, Aussprachehinweise, Bedeutungen von Namen oder Herkunft heutiger Fremdwörter.


    Es hat mich nicht ganz so umgehauen wie der erste Band, aber dennoch Spaß gemacht. Eine deutsche Übersetzung scheint es momentan leider noch nicht zu geben.


    4ratten

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen