Hannes Wader - Trotz alledem. Mein Leben

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    Die Musik von Hannes Wader begleitet mich schon seit einer Jugendfreizeit vor fast vierzig Jahren, auch wenn ich nie ein großer Fan war. Im letzten Jahr sind mir zwei seiner Lieder wieder begegnet und ich habe mich mehr mit ihm beschäftigt. Um seine Biografie bin ich lange herumgeschlichen, bis ich sie endlich gekauft habe.


    Bis jetzt

    Fast hätte es das Buch nicht gegeben, denn das Schreiben fällt Wader schwer. Das würde man von einem Liedermacher nicht erwarten, aber er hat nie Tagebuch geschrieben oder sonstige Aufzeichnungen gemacht, deshalb fällt es ihm nicht leicht, seine Erinnerungen aufzuschreiben.


    Dafür macht er seine Sache aber gut. Ich habe ihn durch seine Kindheit und Jugend bis zum Studium begleitet. Seine Kindheit kam mir nicht leicht vor, auch wenn er es nicht ausdrücklich so nennt. Aber zwischen den Zeilen glaube ich, das herausgelesen zu haben. Er macht auf mich den Eindruck als jemand, der oft alleine ist. Meistens genügt ihm das auch, aber mitunter eben auch nicht. Er ist schüchtern und das macht ihn zu einem Ziel für den Spott seiner Klassenkameraden. Seine Lehrer nennen ihn Träumer, aber das ist er nicht. Anfangs stellt er viele Fragen, aber als die nicht beantwortet werden, resigniert er.


    Viele seiner Texte beziehen sich auf Erlebnisse aus seinem Leben. Den Text neben einer Erinnerung zu lesen, zeigt die jeweilige Erinnerung oft noch deutlicher.


    Mittlerweile ist er beim Studium angekommen, aber ich bin mir nicht sicher, ob er weitermachen wird. Lange an einer Sache zu bleiben, scheint nicht die Stärke des jungen Hannes Wader zu sein.

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.

  • Seine Karriere passiert Hannes Wader fast nebenbei. Er zieht wegen seines Studiums nach Berlin, aber er wird dort nie heimisch. Dort sieht er zum ersten Mal einen Straßenmusiker und beschließt, auch so sein Geld zu verdienen. Zuerst mit englischen Liedern, später mit deutschen und noch ein bisschen später it selbstgeschriebenen Songs. Irgendwann stößt er auf die deutsche Folkmusikszene. Für ihn ist es wie ein Erwachen. Endlich trifft er auf Menschen, die das ausdrücken können, was er gerne ausdrücken würde. Es folgen die ersten Konzerte und auch wenn er nicht von sich überzeugt ist: sein Publikum ist es. Besonders einer von ihnen: Reinhard Mey. Die Freundschaft der beiden beginnt fast zeitgleich mit Waders Karriere und hält immer noch an.

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.

  • gerade ein Video auf yt angeschaut - bewegend - und außer Wader noch mit Reinhard Mey und Konstantin Wecker, 3 absolut tolle Liedermacher.... Das Lied kannte ich gar nicht. Die Lieder dieser drei haben auch mein Leben oftmals begleitet...


    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

  • Hannes Wader ist eine Mischung aus ist-mir-doch-egal und sehr blauäugig. Musikalisch macht er das, nachdem er sich gerade fühlt. Dass er dabei ab und zu genau ins Gegenteil wechselt, stört ihn nicht. Auch nicht, dass es seine Fans verärgert. Er geht seinen Weg, ohne sich Gedanken über die Folgen zu machen.


    Das tut er auch in seinem Privatleben. Er geht Beziehungen und Freundschaften ein, weil sie sich so ergeben. Das wirkt auf mich manchmal oberflächlich und nicht alle diese Beziehungen halten, wie auch seine erste Ehe. Auf der anderen Seite halten manche Freundschaften aber dafür ewig. Und sicherlich ist ihm nicht alles egal, das merke ich an anderen Erzählungen. Aber es braucht lange, bis ihn etwas so stört, dass er seine Konsequenzen zieht.


    Eine Sache geht richtig schief: er leiht einer flüchtigen Bekannten seine Wohnung, nicht wissend, dass die angebliche Journalistin die Terroristin Gudrun Esslin ist. Da habe ich mich schon gewundert, dass er so gutgläubig war.


    Jahrelang geht Hannes Wader auf Tournee, bis er irgendwann nicht mehr kann. Der Körper macht nicht mehr mit und so nimmt er seinen Abschied von der Bühne. Als er diesen Teil seines Lebens erzählt, bemerke ich das erste Mal richtig tiefe Gefühle in der Erzählung.


    Das soll nicht heißen, dass der Rest der Autobiografie emotionslos geschrieben ist. Hannes Wader wirkt auf mich eher zurückhaltend und wenn er Gefühle zeigt, dann ist er eher aufbrausend. So traurig wie am Ende kannte ich ihn nicht.


    Ich habe mir das Buch fast schon aus einer Laune heraus gekauft und habe deshalb nicht viel erwartet. Aber auch wenn ich das getan hätte, wäre ich nicht enttäuscht worden. Interessant wird es sicher, wenn ich mich mit den Liedern, deren Texte ich im Buch gefunden habe, näher beschäftige und dann nochmal die entsprechenden Stellen aus seinem Leben lese.

    5ratten

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.