Anne Stern - Fräulein Gold: Schatten und Licht

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Lerchie.

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    Im Berlin der zwanziger Jahre sind die Auswirkungen des großen Krieges noch zu spüren und die politische Lage ist alles andere als stabil. Im Viertel um den Winterfeldtplatz arbeitet die Hebamme Hulda Gold. Sie liebt ihren Job und tut für die Frauen mehr als sie müsste. Bei der Betreuung einer Schwangeren im Elendsviertel Bülowbogen erfährt sie von dem tragischen Tod der fixen Rita, die eine Nachbarin der Schwangeren war. Kriminalkommissar Karl North ermittelt in diesem Fall, doch er scheint von Selbstmord auszugehen und kein großes Interesse an der Klärung zu haben. Doch Hulda geht der Fall nicht aus dem Kopf und sie geht auf eigene Faust der Sache nach und bringt sich damit in Gefahr.


    Schon das Cover hat mich angezogen, denn ich mag solch schwarz-weiße Bilder sehr gerne. Aber auch die Geschichte ist interessant und spannend und Schreibstil ungemein packend.


    In Berlin liegen Licht und Schatten eng beieinander. Während die einen das bunte Leben in der Stadt genießen, leiden die anderen große Not. Die ein Dach über dem Kopf haben, können sich noch glücklich schätzen, denn viele müssen sehen, wo sie unterkommen.


    Die sympathische 26-jährige Hulda ist eigentlich ein spätes Mädchen. Doch sie liebt ihre Unabhängigkeit, auch wenn die Angst mitspielt, denn sie hat das Bild ihrer Mutter vor Augen. Das hindert sie auch, sich an Felix zu binden, der ihrer Meinung nach zu gut für sie ist. Hulda geht mit offenen Augen durch die Welt und sieht die Not in ihrem Viertel. Sie hat ein großes Herz und hilft oft. Daher kann sie auch den Fall von Rita nicht einfach beiseitelassen. Die Herangehensweise von North ärgert sie, so dass sie Risiken eingeht, um die Sache aufzuklären. Allerdings geistert North ständig durch ihre Gedanken. Karl North verhält sich sehr seltsam, was mit seiner Vergangenheit zu tun hat, die ihn einfach nicht loslässt und ihn im Fall Rita besonders belastet. Gut gefallen hat mir auch Bert, der Mann aus dem Kiosk, der viel weiß, sich aber nicht aufdrängt, doch Hulda bekommt schon mal ungefragt Ratschläge.


    Im Laufe der Geschichte lernen wir Ritas Schicksal kennen. Es ist wirklich tragisch, was diese Frau erleben musste. Tragisch und unendlich grausam ist aber auch das Schicksal der Menschen, die als Irre oder Siechen weggesperrt und therapiert werden.


    Die Charaktere in dieser Geschichte sind lebendig und authentisch dargestellt. Genauso authentisch aber zeigt sich das Leben im Berlin zwischen großer Not und schillerndem Nachtleben.


    Mich hat dieses Buch wirklich gefesselt und ich bin gespannt, wie es weitergeht mit Hulda.


    5ratten

  • Meine Meinung zum Buch:

    Titel: Einblicke in das Berlin der 20er...


    Der Klappentext hatte mich so sehr angesprochen, dass ich dieses Buch unbedingt lesen wollte und ich habe es nicht bereut.


    In der Geschichte geht es um die Hebamme Hulda Gold, die im Armenviertel der Hauptstadt ihre Dienste anbietet. In diesem Beruf sind Freud und Leid nah beieinander. Als dann eine Frau spurlos verschwindet, lässt sie das nicht kalt und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Wird sie sich damit nicht in Schwierigkeiten bringen?


    Das Buch ist in zwei Abschnitte unterteilt, denn mal begleiten wir Hulda bei ihrem Tun im Sommer 1922 und mal lesen wir Notizbucheinträge von Rita Schönbrunn über die Jahre davor.


    Mir gefällt bei dem Roman der Mix aus Krimi und historischem Roman.


    Hulda ist eine Figur, die ich direkt mochte, da sie zwar so ihre Makel hat, damit aber hervorragend umgehen kann und zudem einfach nur herzensgut ist. Ich mochte ihren Mut und ihre Durchsetzungskraft.


    Bei Kriminalkommissar Karl North fand ich die Entwicklung der Figur richtig gelungen, denn zu Beginn mochte ich ihn so gar nicht und mit der Zeit stellt sich dann heraus, dass es Gründe für sein etwas merkwürdiges Verhalten gibt.


    Der Kriminalfall war immer im Fokus der Handlung und wirklich bis zur letzten Seite spannend. Da denkt man schon alles zu wissen und dann kommt noch ein Knaller.


    Richtig gut war außerdem, dass die Autorin ein sehr authentisches Bild vom Berlin der 20er zeichnet. Die Gefühlskälte der Menschen spürte man beim Lesen beinahe am eigenen Leib.


    Fazit: Gelungener erster Band, der mich sehr gut unterhalten hat. Gern spreche ich eine Leseempfehlung aus und die weiteren Bände werde ich in jedem Fall auch lesen. Klasse!


    Bewertung: 5ratten und :tipp:

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)

  • Das ermuntert mich, wenn ich eure Rezis überfliege, den Roman bzw. die Bände, die noch erscheinen werden, auf meine Leseliste zu setzen (auf dem Leseradar ist es schon geraume Zeit ;-)

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

  • Sagota : Ich habe wie gesagt wirklich nicht erwartet, dass es so gut ist. Es lohnt sich in jedem Fall es auf die Leseliste zu setzen. :thumbup:

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)

  • Hulda Gold lebt 1922 in einem Mansardenzimmer nahe des Winterfeldtplatzes in Berlin. Durch ihre Tätigkeit als Hebamme ist sie im Viertel bekannt und ihre scharfsinnige und unerschrockene Art trägt durchaus zur ihrer Beliebtheit bei. Hulda hat großes Mitgefühl für die schwangeren Frauen des Bülowkiezes, der nur unweit von ihrer Pension entfernt ist, deren BewohnerInnen aber ganz andere Lebensumstände erdulden müssen. Während Hulda aufgrund ihres Einkommens ein bescheidenes, selbstbestimmtes Leben führen kann, das ein einfaches, aber sauberes Zimmer und sogar ein eigenes Fahrrad beinhaltet, ist das Leben ein paar Straßen weiter von bitterer Armut und knochenharter Maloche geprägt. So sehr sich die jeweiligen Eltern auch über ihren Nachwuchs freuen - ihre Sorgen, diesen auch satt zu bekommen und vor Krankheiten zu schützen, wird ihre Zukunft stark prägen.

    Der Erste Weltkrieg liegt erst wenige Jahre zurück, die Folgen prägen die Menschen - die voranschreitende Inflation, der Umgang mit den traumatisierten Soldaten und das Erstarken der Rechtsextremen sind drei deutlich erkennbare Zeichen dieser Zeit. Andererseits schafft die noch junge Republik in einem gewissen Rahmen auch Fortschritt: Frauen dürfen wählen - auch wenn sie in einer Ehe ihren Mann noch immer um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie beispielsweise berufstätig sein möchten, die Medizin entwickelt sich weiter, die Menschen tanzen zu Jazz, die Röcke werden kürzer und die Badekleidung körperbetonter - um nur wenige Punkte zu nennen.


    Als Hulda das erste Kind eines sehr jungen Ehepaares im Elendsviertel entbindet, erfährt sie, dass deren geschätzte Nachbarin tot im Landwehrkanal gefunden wurde. Die frischgebackene Mutter ist schockiert und kann nicht glauben, dass es sich um Selbstmord gehandelt hat. Auf ihre Bitte hin hört sich Hulda um - und zweifelt immer mehr an einem bloßen Unfall. Doch warum ermittelt Kriminalkommissar Karl North nicht mit mehr Nachdruck? Je mehr Nachforschungen Hulda anstellt, desto mehr gerät sie auch selbst in gefährliche Situationen…


    Die Autorin hat einen sehr atmosphärischen Roman vorgelegt, der nicht nur Lokalkolorit, sondern auch jede Menge Wissenswertes aus der damaligen Zeit transportiert. Wer die Krimis um Gereon Rath von Volker Kutscher kennt, kennt das ein oder andere Detail schon, wie beispielsweise die gut besuchten Aschinger-Lokale, in denen man günstiges Essen, aber vor allem Bier konsumiert, oder aber die Nachtclubs, die Berlin - sobald es dunkel wird - an verschiedenen Stellen in ein anderes Licht rücken. Auch Hulda liebt es, der modischen Musik zu lauschen, dazu zu tanzen und hin und wieder ist sie sogar Rauschmitteln nicht abgeneigt…

    Dennoch ist der Roman um die junge Hebamme kein Abklatsch! Vielmehr transportiert Anne Stern mit ihrer Heldin einen deutlich weiblicheren Blick auf die Stadt und ihre BewohnerInnen. Huldas Art ist nicht immer ganz einfach, aber ihr großes Herz und ihr Engagement für die in der Regel armen jungen Frauen, die sie betreut, haben mich sehr für sie eingenommen. Sie mag kein politisch interessierter Mensch sein, aber sie ist einer, dem das Schicksal der anderen nicht einerlei ist - und das alleine macht sie politischer als sie selbst es denken mag! Vor allem gefällt mir ihr beherzter Einsatz, der diametral den männlichen Bestrebungen, die Geburtshilfe gänzlich in Krankenhäuser zu verlegen, entgegensteht, sehr gut - zumal sie sich nicht scheut, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn sie merkt, dass eine Gebärende mehr Hilfe benötigt.


    Der Kriminalfall selbst fußt auf ein, zwei Zufällen, die der Geschichte jedoch nicht schaden, da sie meines Erachtens dem Spannungsbogen dienen und dabei den Personenkreis nicht zu groß werden lassen. Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass zumindest ein Zufall angesichts der Abgegrenztheit des Handlungsortes durchaus glaubhaft ist.

    Wer das Buch unter dem Gesichtspunkt Krimi lesen sollte, begeht in meinen Augen einen Fehler - für mich ist der ‚Fall’ an sich ein roter Faden, der durch den gesamten Roman führt, aber andere Aspekte sind nicht weniger wichtig.


    „Fräulein Gold - Schatten und Licht“ ist ein sehr gelungener Auftakt einer neuen Serie, die die 1920er Jahre mit all ihren Facetten beleuchtet, die einen Fokus auf ganz normale Frauen in dieser Zeit richtet, die die Sorgen und Nöte der Menschen zeigt und dabei spannend und emotional ist. Viel zu schnell waren die Seiten gelesen und nun freue ich mich schon sehr auf die Fortsetzung!


    5ratten

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Ich habe letzte Woche damit begonnen und bin sehr angenehm überrascht (bisher). Der Titel lässt eher eine Schnulze erwarten, aber das ist nicht der Fall. Mir gefällt bis jetzt zum einen der Schreibstil sehr gut, die Autorin versteht es wirklich, ein plastisch wirkendes Bild von Berlin zu zeichnen. Zum anderen scheint es durchaus auch in die Tiefe und ans "Eingemachte" zu gehen, die bereits angedeuteten Themen lassen es zumindest vermuten.


    Ich bin gespannt und freue mich schon sehr auf meine Lesezeit in der Mittagspause.

    Früherer Nutzername "Alexa" :)

  • Das klingt ja richtig gut, hätte mit allem aber nicht mit einem Kriminalfall gerechnet...kommt mal auf die Liste^^

    Liebe Grüße<br />JaneEyre<br /><br />Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht, kommen sie nicht zurück<br />Theodor Fontane

  • „Fräulein Gold - Schatten und Licht“ ist ein sehr gelungener Auftakt einer neuen Serie, die die 1920er Jahre mit all ihren Facetten beleuchtet, die einen Fokus auf ganz normale Frauen in dieser Zeit richtet, die die Sorgen und Nöte der Menschen zeigt und dabei spannend und emotional ist. Viel zu schnell waren die Seiten gelesen und nun freue ich mich schon sehr auf die Fortsetzung!


    5ratten

    Also eigentlich definitiv ein Historischer Roman. Gut einer historischer Krimi aber eben definitiv historisch. Ich hätte es, wie man unter meiner Rezi gleich lesen kann, normalerweise in die Historischen Romane gepackt.

    Liebe Grüße

    Lerchie

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    Hulda und der Kommissar

    Berlin 1922. Die gewitzte und unerschrockene Hebamme Hulda Gold ist äußerst beliebt und begegnet durch ihre Tätigkeit als Hebamme den unterschiedlichsten Menschen. Das Schicksal der Frauen liegt ihr besonders am Herzen. Es ist noch nicht lange her, dass der Große Krieg zu Ende gegangen ist, und die junge Republik ist immer noch von bitterer Armut geprägt. Hulda ist sehr engagiert und bringt sich dadurch oft selbst in Schwierigkeiten, denn sie begegnet nicht nur neuem Leben, sondern auch dem Tod. In einem der vielen Elendsviertel der Stadt, dem Bülowbogen, kümmert sie sich um eine Schwangere. Man hat die Nachbarin einer ihrer Schützlinge tot im Landwehrkanal aufgefunden. Ein Unfall? Aber wieso stellt dann der undurchsichtige Kriminalkommissar Karl North Ermittlungen an. Hulda forscht selbst nach und gerät dabei sogar in Lebensgefahr, denn in dieser Stadt liegen Licht und Schatten dicht zusammen.



    Meine Meinung

    Es ist das erst Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe und es hat mich gefesselt. Es ist nicht ein einfacher historischer Roman, nein es hat einen relativ großen kriminalistischen Einschlag, denn es geht um die Tote aus dem Landwehrkanal. Hulda Gold erfährt durch puren Zufall von ihr, da die Schwangere zu deren Betreuung sie in das Haus gekommen ist, ihre Nachbarin ist. Und die junge Frau ist überzeugt, dass es kein Unfall war. Hulda Gold wird neugierig und… Ja was und? Das verrate ich hier natürlich nicht. Nur so viel, dass ich sehr gut in die Geschichte hineingekommen bin und diese sich durch den unkomplizierten Schreibstil - keine Unklarheiten im Text – leicht und flüssig lesen ließ. Ich konnte Hulda verstehen, dass sie neugierig wurde als sie von dem Tod der Nachbarin erfuhr. Ich konnte mich auch etwas in den ermittelnden Kommissar hineinversetzen, doch was veranlasste ihn, etwas zu tun, was er eigentlich nicht tun durfte? Was dies war, ja das muss der geneigte Leser natürlich selbst lesen. Mich hat dieses Buch gefesselt vom Anfang bis zum Ende. Es hat mir sehr gut gefallen, mich gut unterhalten und die Spannung war immer da. Daher empfehle ich es gerne weiter und vergebe vier von fünf Sternen bzw. acht von zehn Punkten.


    4ratten



    Edit: ich habe das Gefühl hier scheiden sich mal wieder die Geister. Welches Genre: Historisch oder Krimi? Ich wäre eigentlich fürs Historische gewesen, aber da die Rezis im Genre Krimi stehen, habe ich meine eben auch hier gepostet.

    Liebe Grüße

    Lerchie

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    Einmal editiert, zuletzt von Lerchie ()