Lars Gustafsson - Der Tod eines Bienenzüchters

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    Dann möchte ich euch kurz „Der Tod eines Bienenzüchters“ von Lars Gustafsson vorstellen. Ist Gustafssson sowas wie der schwedische Faulkner? Ich weiß nicht, ob es vom Autor gewollt oder zufällig ist, aber ein klein wenig erinnert es mich an den Roman „Als ich im Sterben lag“ von William Faulkner. Es geht ebenfalls ums Sterben und die Kapitel sind ähnlich kurz ;-)


    Gustafsson arbeite mit einer Art Rekonstruktionstechnik. Aus den Aufzeichnung aus drei Notizbüchern, die beim verstorbenen Protagonisten im Nachlass gefunden wurden, bildet er seine Lebensgeschichte und Gedanken ab. Jeder Notiz bzw. Tagebucheintrag oder wie man es auch immer beschreiben mag, ist ein Kapitel. Die Kapitel sind teilweise nur 2-3 Sätze lang, manche 3-4 Seiten.


    Der Protagonist war früher mal Lehrer. Seine Schule würde irgendwann geschlossen aufgrund einer Gebietsreform und er wird Frührentner und steigt aus der Gesellschaft aus. Von seiner Frau ist er geschieden. Er wohnt relativ einsam in der tiefsten schwedischen Provinz und widmet sich der Bienenzucht. Er hat kaum Ausgaben und dümpelt auf einem sehr niedrigen Lebensstandard so dahin. Ob es eine Einstellung zum Leben ist oder er mit Anfang 40 schon aufgeben hat, liegt in der Interpretation des Lesers. Eines Tages hat er starke Schmerzen in der Nierengegend und begibt sich ins Krankenhaus. Ein paar Tage später hat er Post vom Krankenhaus. Er überlegt ob es clever ist, den Brief zu öffnen. Man erfährt, dass er im Fall einer Krebserkrankung keine Lust hätte im Krankenhaus auf dem Tod zu warten. Er entschließt sich den Brief ungeöffnet zu verbrennen und abzuwarten. Er dümpelt dann zwischen Bangen und Hoffen bzgl. des Inhalts des Briefes so dahin. Er macht viele Sparziergänge in der Natur und denkt über sein Leben nach und es gibt Rückblenden in die Kindheit und die Studienzeit. Der Protagonist scheint resigniert zu haben. Dann gibt es noch ein paar philosophische Exkurse und z.B. wird der Begriff des „Ichs“ wird kritisch beleuchtet vom Protagonisten. Die Schmerzen gehen auf und ab. Mittelfristig verschlechtert sich der Zustand aber. Schlussendlich muss er den Hund einen Nachbarn übergeben und wird dann vom Krankenwagen abgeholt, damit endet das Buch, es war dann wohl zu spät. Insgesamt ein ruhig und nachdenkliches Buch mit nordischen Charme, das sich nicht so leicht einordnen lässt.


    Die Gesamtbewertung fällt mir etwas schwer. Einerseits hat es mich emotional nicht ganz gepackt. Andererseits ist das Buch technisch klasse geschrieben und Gustafsson zeigt schon, dass er zu den guten Romanciers gehört. Ich könnte mir durchaus vorstellen, weitere Werke von Ihn mir irgendwann mal zu besorgen und könnte mir vorstellen, dass diese mich dann auch eher ansprechen.


    Ich gebe dem Werk dann mal 3,5 Ratten, würde es aber trotzdem empfehlen zu lesen.

    3ratten

  • Meine Meinung

    Der Protagonist hat es mir anfangs schwer gemacht, wirklich mit ihm mit zu fühlen. Er wirkte distanziert und manchmal hatte ich den Eindruck, als ob ihn sein eigenes Schicksal nichts anginge. Aber immer wieder habe ich gemerkt, dass die Mauer, die er zwischen sich und seiner Krankheit errichtet hat, bröckelt. Er hat immer mehr Gefühle zugelassen, auch wenn er sich ihnen nicht immer stellen konnte. Das Verbrennen des Briefs ist für mich das beste Bespiel dafür. Es zeigt, dass er sich selbst nicht immer eingestehen kann, was ihm da passiert.

    4ratten

    Es kommt darauf an, wie du dein Leben mit Leben füllst.