Gregory Maguire - Wicked

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 29 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Enid.

  • Ich muß aber auch zugeben, dass mir momentan eher nach etwas leichterer Lektüre ist und da liege ich bei Wicked definitiv falsch.


    Das kann man so unterschreiben - man sollte für das Buch auf jeden Fall einen freien Kopf haben. Sonst macht das bestimmt keinen Spaß :winken:

    2018: In Belgien erschießt die Polizei ein 2-jähriges Kind. In Deutschland sitzt ein 2-jähriges Kind in Abschiebehaft. Europa wird also von 2-jährigen bedroht.

  • Das kann man so unterschreiben - man sollte für das Buch auf jeden Fall einen freien Kopf haben. Sonst macht das bestimmt keinen Spaß :winken:


    Na gut zu wissen - ich hatte es letztens nicht ausgewählt, da ich _keine_ leichte Lektüre gesucht habe. Aber wenn das so ist... :lesen:

  • ich hätte mal ne frage und zwar ob es sehr schwer ist das buch auf englisch zu lesen. i
    ch hab es zwar grad auf deutsch daheim, würds aber gern nochmal auf englisch lesen.
    danke

  • Meine Meinung:
    Am Tag als der Prediger Frex seiner Familie ankündigt der Teufel käme, bringt seine Frau eine Tochter namens Elphaba zur Welt. Nicht nur, dass es kein Sohn ist, das bissige kleine Mädchen, dass schon bei der Geburt messerscharfe Zähne hat, ist grün. Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Hautfarbe ist es selbst Elphabas Mutter Melena zu wider sich um sie zu kümmern. Das grüne Mädchen durchlebt eine schwere Kindheit und entwickelt sich langsamer als andere Kinder ihres Alters, da ihr die Zuneigung und die Ansprache fehlen.
    Später beschließt das eigenwlillige, dass schon früh lernen musste mit Verachtung zu leben, an der Universität von Shiz zu studieren. Dort lernst sie ihre Zimmernachbarin Glinda kennen, doch die beiden sind sehr unterschiedlich. Eines Tages erfährt Elphaba wie es um die Zustände der TIERE in Oz bestellt ist. TIERE haben nämlich im Gegensatz zu Tieren eine Seele und verständigen sich wie Menschen durch Sprache. Die Rechte der TIERE werden allerdings durch den Zauberer von Oz massiv eingeschränkt, sodass Elphaba und ihre Freunde an Lösungen überlegen.


    “Das Dilemma, in dem alle Aufklärungsversuche stecken, ist, dass das Böse seinem Wesen nach geheim ist.” (S.487)


    Gregory Maguire erzählt die Lebensgeschichte der „Bösen Hexe des Westens“ Elphaba und bedient sich dazu einiger prägnanter Kapitel ihres Lebens. Unterteilt in fünf Teile, beschreibt das Buch ihre Kindheit, die Zeit an der Universität, ihren Lebenswandel und ihr Ende (welches ja die Grundlage für den Roman „Der Zauberer von Oz“ darstellt). Allerdings hat sich mir bis zur letzten Seite nicht ganz erschlossen, warum Maguire immer an den merkwürdigsten Stellen die Handlung abbricht, meistens dann wenn sie gerade Fahrt aufgenommen hat, um dann Jahre später wieder einzusetzen. Rückblickend macht es den Eindruck, als würde der Autor immer versuchen alles was auf den letzten 50 Seiten passiert, so vorzubereiten, dass sich dem Leser jedes Detail erschließt. Diese Tatsache fand ich jedoch reichlich ermüdend, da man auf manche so entstandene Länge wirklich gern verzichtet hätte.
    Was man dem Buch zugute halten kann ist, dass es ein Oz enthält, dass unheimlich vielschichtig dargestellt wird. Man erfährt etwas über die gesellschaftlichen Strukturen, über die Politik des Landes und die Unterdrückung, die die Bewohner durch den Zauberer erfahren. Die Thematik der TIERE lässt sich leicht auf die Diskriminierung vieler Menschen in der Geschichte der Welt übertragen. Elphaba selbst ist eigentlich weniger Trägerin der Antipathie des Lesers, als dessen Mitleid. Sie zeichnet sich durch ihre schwierige Kindheit bereits früh als sehr eigensinnig aus und entwickelt im Lauf ihres Lebens einen starken Gerechtigkeitssinn gegenüber anderen Menschen und auch Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihrer Familie. Allerdings erhält sie dafür kaum Anerkennung ihrer Umwelt. Auch ist sie äußerst nachdenklich und fragt sich zum Beispiel ob jeder Mensch eine Seele hat und sucht nach Beweisen für die Existenz ihrer eigenen. Sie hat es nicht immer leicht und auch den Status der „Bösen Hexe des Westens“ hätte sie sich selbst am wenigsten zugeschrieben. Es kam aber wie es kommen musste, das ungeliebte kleine Mädchen aus Binsenrain wird zu der bösen Frau, die alle stets in ihr sahen.
    Obwohl der „Zauberer von Oz“ von Erzählstil und Zielgruppe her ein völlig anderes Buch ist, erklärt sich doch auf den letzten Seiten von „Wicked“, wie es zu den Geschehnissen um Dorothy und ihre Freunde kam und warum die Schuhe eine so bedeutsame Bewandnis haben. So ermüdend die Lektüre für mich auch war, am Ende konnte der Autor mir vermitteln, was er über 500 Seiten lang auszusagen versuchte. Elphaba mag Vieles sein: grün, eigensinnig, eigenwillig, böse. Aber am Ende war sie doch vor allem Eines: Missverstanden.
    Wer ein heiteres, leichtes Abenteuer erwartet hätte, wie es im „Zauberer von Oz“ der Fall ist, wird jedenfalls ab der ersten Seite enttäuscht. Die Sprache des Autors ist sehr eingentümlich, sodass es die ganze Zeit über hohe Konzentration des Lesers erforderlich ist, die Handlung bietet Längen und Kürzen jeweils an den falschen Stellen und insgesamt ist die Stimmung äußerst düster. Die wenigen Witze erzielten bei mir gerade mal ein müdes Lächeln und die schlüpfrige Berichterstattung zum Beispiel über das Treiben von Elphabas Mutter fand ich regelrecht übertrieben und unpassend.


    Für mich bleibt die Vermutung zurück, als habe der Autor, der es sich zur Aufgabe machte, die Vorgeschichte zu einem der größten Kinderbuchklassiker zu schreiben, es so besonders gut machen wollen, dass er über das Ziel hinaus geschossen ist.


    Lieblingszitat:
    “Mord ist ein Wort aus der Mottenkiste der Frömmler, eine griffige Formel, mit der sie jede mutige Tat verurteilen, die ihren Horizont übersteigt.” (S.462)

    Leider insgesamt nur:

    2ratten

    ♪♫♪<br /><br />Luci ♥<br /><br />&lt;a href=&quot;http://www.BuchSaiten.de&quot;&gt;Mein Bücherblog: BuchSaiten.de&lt;/a&gt;<br /><br />SLW 2010 - 4/10 noch 6 Bücher<br /><br />Das gute Gefühl, ein schönes Buch beendet zu haben ist irgendwie nicht vergleichbar ♥

  • Hallo! :winken: Bin neu hier und möchte gleich meinen Senf zu einem meiner Lieblingsbücher abgeben!


    Ich hatte zuerst das Musical gesehen, in London damals und habe mir danach das Buch gekauft. Buch und Musical sind sehr unterschiedlich, aber beides hat mir gefallen. Während im Musical die Verbindungen zum märchenhaften Zauberer von Oz verstärkt dargestellt werden und die Mädchenfreundschaft zwischen Elphaba und Glinda im Mittelpunkt steht, dominiert im Buch das Politdrama. Gerade dieser Aspekt, ein hochpolitisches Buch im Genre Fantasy, macht Maguires Roman zu etwas ganz besonderem. Es wird aufgezeigt, dass Gut und Böse relative Begriffe sind, wenn man sich erst einmal mit den Wurzeln und den Gründen des Bösen beschäftigt. Alles eine Frage der Perspektive!
    Dazu kommt die brilliante Sprachgewalt, farbig schildert er die Lebensgeschichte einer ewigen Außenseiterin und ihren Kampf gegen die Spielregeln einer Gesellschaft, die sie zur bösen Hexe macht. Hier wurde einer der tapfersten und beeindruckendsten Frauengestalten der Literatur erschaffen und lange nach dem lesen hat man Elphaba und ihre Geschichte noch klar und deutlich vor Augen!


    5ratten

  • Meine Meinung

    Wicked war definitiv nicht, was ich erwartet habe. Gerade im Hinblick auf den Zauberer von Oz hatte ich eine leichte Geschichte erwartet und das ist Wicked sicherlich nicht. Im Gegenteil: sie ist vielschichtig und ich musste mir viel Zeit nehmen, richtig in die Geschichte einzutauchen. Mehr als ich erwartet habe, aber ich habe keine Minute bereut. Denn die Geschichte vom hässlichen Hexlein und ihrer Entwicklung zu einer faszinierenden Persönlichkeit alleine wäre schon ein Buch wert gewesen. Dazu kam noch die von mausezahn treffend als Politdrama bezeichneten Verwicklungen im Land, was das Buch zu mehr als nur einer normalen Geschichte gemacht hat. Trotzdem muss ich gestehen, dass sich Ephaba ihre Verwandlung bis zum Schluss nicht ganz zugetraut habe. Von ihrem ganzen Wesen hätte sie genauso gut eine gute Hexe bleiben können.

    4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.

  • Es gibt übrigens noch drei weitere Teile


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    Den letzten davon habe ich noch nicht gelesen, aber die Lektüre der übrigen Bände ist schon so lange her, dass ich eigentlich alle nochmal lesen müsste.

  • Es gibt übrigens noch drei weitere Teile

    Das schreit fast nach einem reRead vom Zauberer von Oz und den Büchern von Gregory Maguire danach ;-)

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.

  • Vor Jahren wurde ich Fan des Musicals Wicked, das auf diesem Buch basiert und das mich dadurch auf eben jenes aufmerksam gemacht hat.

    Ich habe Wicked vor bestimmt gut 10 Jahren oder so gelesen und es war definitiv doch sehr anders als das Musical. Aber gefallen hat es mir trotzdem, so weit ich mich erinnere. Ich wollte auch immer mal die weiteren Teile lesen!

    I&#039;m the perfect stranger who knows you too well

  • Ja, das Musical kannte ich auch zuerst, habe es in New York, London und Stuttgart gesehen. Das Buch ist schon anders, aber ich mag auch beides.